Monate: Juli 2012

Was wir von Jazz statt von Klassik lernen müssen

Zwei Herren, der eine schon über siebzig, der andere nur neun Jahre jünger, schreiten gemächlich auf die Bühne, der eine mit Hemd und Sportjacke, der andere, ein bärtiger mit Rasterlocken, im grauen T-Shirt zur Jeans und mit einem Kaffeebecher in der Hand. Beide sehen aus, als wenn sie zu einer Probe oder zu einem lokalen Fußballspiel der Kreisliga schlendern, bei denen ihre Söhne mitkicken. Aber unvermittelt bricht ein frenetischer Jubel aus und fast 2.500 Menschen in der Alten Oper Frankfurt klatschen stehend Beifall. Dabei ist noch gar nichts passiert. Die beiden setzen sich, der eine an den schwarzen Steinways-Flügel, der Bärtige daneben auf einen billigen Stuhl, der wohl aus der Theater-Kantine noch kurz vor Beginn eilig herangeschafft wurde. Beide lächeln und winken kurz ins Publikum. Die Sportjacke bleibt an, der Kaffebecher in der Hand. Als es still wird im Saal fangen die beiden an, sich miteinander zu unterhalten. Sie scheinen zu flaksen und sich kurz abzustimmen – so richtig bekommt man das aus der 14. Reihe, in der ich sitze, nicht mit. Dann stellt der …

Ich mach‘ Schluss.

Als ich zum ersten Mal auf das große Erfolgsmodell für anhaltenden Unternehmenserfolg namens Lean Management stieß, kam es mir fast wie eine religiöse Erfahrung vor. Alles erschien so einfach. Flow, Pull, Kaizen. That’s it. Alles am Kunden ausgerichtet. Fertig. Nach nun 18 Jahren intensivster Arbeit an und mit Lean Management mach ich Schluss. Ich bin ab sofort kein »Leaner« mehr. Ich bereue nichts. Vielmehr freue ich mich, dass ich den Denkfehler entdeckt habe, dem ich selber so lange Zeit zum Opfer gefallen bin. Reduktion ist eine der größten Stärken der menschlichen Spezies. Sie hilft uns, aus Mustern schnell Entscheidungen zu treffen, ohne eine vollständige Problemanalyse vorzunehmen und alle Systemelemente in die Betrachtung einzubeziehen. Wenn zwei unserer Vorfahren im Zeitalter des Pleistozän beim Beerensammeln plötzlich einen possierlichen Säbelzahntiger auf sich zu rennen sahen, taten sie gut daran, ihrerseits rasch das Weite zu suchen. Stellen Sie sich vor, einer von den beiden hätte die Situation zunächst umfassend analysiert, also alle Randbedingungen in die Entscheidung, ober er weglaufen solle, mit einbezogen – ganzheitlich sagt man dazu heute. Wir …