Jahr: 2014

Kontrolle ist gut … und was ist besser?

Klingt nach asiatischer Bewegungslehre, ist es aber nicht: Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass »Yi-Ko« nicht mit Tai Chi verwandt ist, sondern der ‪Burger‬-King-Betreiber ist, der jüngst in die Schlagzeilen geraten ist. Aufgrund von Hygienemängeln und schlechten Arbeitsbedingungen darf der Franchise-Nehmer zukünftig weder mit dem Firmenlogo werben noch die Produktnamen weiter verwenden. 89 Filialen musste er bereits schließen. Weshalb? In der ›Wirtschaftswoche‬‹ kommentiert Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation: »In jedem System gibt es Menschen, die aus der Reihe tanzen.« Bei einer Masse an Filialen sei es für den Franchise-Partner äußerst schwer, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu behalten. Bei aller Ernsthaftigkeit der Lage kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Denkweise hinter die Aussage ist nämlich diese: Der Mensch ist ein unendlicher Fehlerquell. Um die Fehler im System auf ein Minimum zu reduzieren, muss also ein Unternehmen Abläufe durchstrukturieren, Richtlinien vorgeben, Zuständigkeiten klarstellen – und das so gut es geht. Denn das ist die einzige Möglichkeit, das System idiotensicher zu machen. Das einzige Problem dabei: Ein System, das auf Idioten angelegt …

Der Oktober im August

Das wohl unnützeste Produkt, das der boomende Hobbygärtner-Markt hervorgebracht hat, ist der Laubsauger. Sie kennen diese Höllenmaschinen bestimmt aus der Nachbarschaft. Meistens beginnt diese akustische Umweltverschmutzung genau zur Mittagsruhe – zwischen 13 und 15 Uhr – und hält dann stundenlang an. Gern erinnere ich mich an den Laubsauger des Herstellers, der eine Zeitlang unser Klient war. Das günstigste Gerät aus seiner Produktion kostete im Handel 98 Euro und war deshalb nicht unbedingt ein Schnelldreher. Vor einiger Zeit hatte Aldi mal wieder ein tolles Aktionsangebot: ein Laubsauger der Marke Top Craft für unter 50 Euro. Wie immer, wenn ein Schnäppchen scharenweise Kunden in die Filialen des Lebensmitteldiscounters lockt, war das Ding sehr schnell ausverkauft. Sehr schnell, das heißt nach spätestens drei Stunden. Freizeitgärtner, die später kamen, hatten das Nachsehen. Was dann passierte, hatte kein Vertriebsmanager voraussehen können. Es war Mitte September, kurz vor der Herbstsaison. Bei Aldi waren die Geräte alle weg. Also ging der gemeine Hobbygärtner in den Baumarkt, um sich dort nach Alternativen umzusehen. Auch wenn er jahrelang bestens ohne Laubsauger ausgekommen war – …

Wenn zwei sich streiten...

Wenn zwei sich streiten…zahlt ein Dritter

Im Moment herrscht Funkstille zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Die beiden Parteien konnten sich im Streit um die geforderten 5% Gehaltserhöhung für Lokführer und Begleitpersonal immer noch nicht einigen. Die GDL will die Entscheidungsvollmacht über Tarifverträge für alle Angestellten, die Deutsche Bahn möchte das Heft nicht aus der Hand geben. Diskutiert wurde viel, getan bisher wenig. Bei dieser Debatte gibt es etwas, was mich wirklich stört. Ein Aspekt, über den keine Zeitung berichtet: Die Tatsache, dass eine kleine Gruppe in ein komplexes System eingreift, um die eigenen Interessen durchzusetzen – ohne sich darum zu scheren, wie sie dem Gesamtsystem damit schadet. Ob die 5% Gehaltserhöhung gerechtfertigt sind oder nicht, mag den einzelnen Lokführer interessieren. Diese Frage ist im größeren Kontext aber ziemlich irrelevant. Viel wichtiger ist der Einfluss des Streiks auf die Wirtschaft. Und der ist gewaltig. Ab einem ununterbrochenen 3-Tage-Streit ist laut Institut der deutschen Wirtschaft mit Produktionsunterbrechungen in der Industrie zu rechnen. So entstehen mehr als 100 Millionen Euro Schaden – PRO TAG!  Das dürfen Sie sich auf der Zunge zergehen …

Videoserie »Organisation und Komplexität«

Fünf Tage vor dem Endspiel der Fußball-WM 2014 war ich gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Niels Pfläging von dem IT-Unternehmer Martin Seibert zu einem ausführlichen Video-Dreh eingeladen. Seine zentrale These war: »Das ist ja alles theoretisch sehr spannend, aber vieles Operationalisierbares habt ihr nicht zu liefern.« Unsere Replik hat ihn überrascht…