Monate: September 2014

Karstadt – leuchtendes Vorbild für Restrukturierung

Juni 2010 – Der Investor Berggruen übernimmt Karstadt für 70 Mio. € und macht die Zusage, in den nächsten drei Jahren weitere 240 Mio. Euro zu investieren. In der Folge hob das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf.40.000 Gläubiger mussten auf rund zwei Mrd. Euro verzichten. Berggruen kündigte an, Karstadt in eine Dachgesellschaft mit drei weiteren Untergesellschaften Sporthäuser, Premiumhäuser und sonstige Warenhäuser zu unterteilen. Kleine Geschäftsbereiche seien leichter zu managen und könnten schneller reagieren. Zwischen dem 1. Oktober 2011 und dem 30. September 2012 erwirtschaftete die dank des Einsatzes geballter Turnaround-Kompetenz nun leicht zu managende und reaktionsschnelle Unternehmensgruppe einen Verlust von 249,6 Millionen Euro. 121 davon entfielen auf Restrukturierungsmaßnahmen, vor allen Dingen Abfindungen für rund 2.000 Mitarbeiter. In den ersten sieben Monaten des folgenden Geschäftsjahres sank der Umsatz um 7,9 %. Alle Waren-, Sport- und Premiumhäuser lagen unter ihren Plänen. Mai 2013 – das Unternehmen teilte mit, bis 2015 eine ›Tarifpause‹ einzulegen, und damit vorübergehend aus der Tarifbindung auszusteigen, mit anderen Worten: seinen Mitarbeitern nicht einmal den Inflationsausgleich zu gönnen. Juni 2014 – Karstadt Sport in Düsseldorf. Nach langem Suchen in den …

Alle für einen und ein Gehalt für alle.

»Das ist ungerecht, einfach ungerecht!« Ich sitze in der Berliner S-Bahn, es ist Rush Hour. Der Mann neben mir beschwert sich lautstark am Handy bei einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer. Er ist wütend, echauffiert sich. Den Krawattenknoten hat er gelockert, er fährt sich durch die Haare, das Gesicht leicht gerötet. »Jetzt habe ich drei Monate an dem Entwurf gearbeitet, Überstunden ohne Ende – und was ist der Dank? Der Müller, von dem fast keine Ideen selbst stammen, der mich ständig um Rat gefragt hat, heimst am Ende die Laudatio ein!« Er redet sich in Rage. »Und das Beste ist: er bekommt auch noch einen satten Bonus dafür.« Ich weiß genau, wie der junge Mann diesen Mittwoch und vielleicht die ganze Arbeitswoche beendet. Frustriert, enttäuscht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Folge? Er wird voller negativer Gefühle am nächsten Morgen in die Bahn steigen – plötzlich fehlt ihm Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Aber dieses Unternehmen, das in Arbeitskräfte investiert, macht es doch völlig richtig: Es belohnt einen Mitarbeiter, der gute Leistung abliefert. Oder …

Gemieteter Hintern statt denkender Kopf

Ausgebrannt in der Reha-Klinik, mit Krankenschein und Depression im Bett oder mit 30 in Erwerbsunfähigkeitsrente: Das ist keine Schwarzmalerei, solche Fälle sind in immer mehr Unternehmen Realität. Was können die Personalverantwortlichen gegen diese Entwicklung tun? Der Betriebsrat bei Volkswagen hat sich Gedanken gemacht und ein Idee geboren, um ihre Mitarbeiter nicht zu verheizen, sondern ihren ›privaten Ausgleich‹ zu fördern. Der ganze Stress komme laut Medienberichten ja von der E-Mail-Flut. Und seitdem ungefähr jeder Zweite sie jederzeit auf dem Smartphone empfängt, sei das Problem auch bei VW aktuell. Warum also nicht einfach den Mailserver außerhalb der Arbeitszeit abschalten, und ein Zeichen gegen die ständige Erreichbarkeit setzen? Gesagt, getan: VW hat ein Programm gestartet, bei dem 30 Minuten nach offiziellem Arbeitsende am Abend bis 30 Minuten vor Arbeitsbeginn am Morgen keine Mails verschickt werden können. Nicht dürfen, sondern können! Der Server ist schlicht abgeschaltet. An sich eine absolut löbliche Absicht, oder? Und auch eine gute Tat? Eine echte Lösung? Auf gar keinen Fall. Wrong Turn! Warum? Weil die Idee, mit Regularien die Arbeit menschlicher zu machen und …