Monate: Juli 2015

Mythos Markt – Warum Marktdruck nicht jeden trifft

Marktdruck ist ja ein richtiges Modewort geworden. Es ist schon so populär, dass es in die Alltagssprache übergegangen ist. Achten Sie mal drauf. Da lesen wir Bemerkungen wie: »Der Markt übt starken Druck auf die Unternehmen aus.« »Der allgemeine Marktdruck zwingt uns in die Knie.« Natürlich gibt es dann auch tolle Tipps, wie Unternehmen dem steigenden Marktdruck standhalten können. Alles Blödsinn, wenn Sie mich fragen! Den Markt per se gibt es gar nicht. Er ist etwas Abstraktes. Sie können ihn nicht anrufen, er hat keine Adresse, er antwortet Ihnen nicht. Darum übt er auch auf niemanden Druck aus. Ja, hinter dem Mythos ›Marktdruck‹ steckt ein Denkfehler. Und nicht nur das: Auch zu glauben, dass es dann eben die Kunden sind, die Druck auf Unternehmen ausüben, geht an der Realität vorbei. »Wir müssen uns den Kundenwünschen anpassen.« »Die Kunden erwarten von uns …« Newsflash: Die Kunden haben keine Ahnung, was sie wollen. Moment, das ist so nicht ganz richtig. Kurzfristig wissen sie es sehr wohl. Aber langfristig wollen sie immer nur das, was sie im Wettbewerb schon …

Effizienz, Ja – Aber …

»Aber das senkt doch die Effizienz!« Genau. So läuft das. Wenn Manager in Meetings zusammen sitzen, fällt früher oder später das E-Wort. Oder auch das P-Wort (Produktivität). Und dann ist Stille. Denn Effizienz, das ist der Grundkonsens der Manager: Mehr Effizienz, das brauchen wir auf jeden Fall! Jetzt will ich gar nicht meckern – Effizienz ist wichtig in jedem Unternehmen. Darauf zu achten, ist natürlich nicht verkehrt. Mehr Leistung bei geringeren Kosten – D’accord! … aber. Sie haben es geahnt: Ich habe ein Aber! Das ständige Fokussieren auf Effizienz, wenn es um Veränderungen geht, wird der heutigen Realität einfach nicht mehr gerecht. Es ist ein Teilaspekt, ja, aber doch längst nicht alles, was ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht. Zu den oft zitierten Zeiten Frederick Taylors war das noch so. Seine ganze Grundidee lag ja darin, den optimalen Weg (»one best way«) zu finden, um die Produktivität so hoch wie möglich zu halten. Warum? Andere Faktoren waren für den Markt schlicht nicht ausschlaggebend. Die Hersteller bestimmten den Markt. Es ging ums Massengeschäft. Nehmen Sie zum Beispiel Waschmaschinenhersteller. Als Waschmaschinen sich …

Ep. 49 Vertrauen – Nehmen Sie lieber nicht das Taxi!

Episode 49 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Vertrauen ist ja DER Erfolgsfaktor schlechthin in der heutigen Zeit. Jedenfalls kann man den Eindruck haben, denn es steht ja fast in jedem dritten Artikel so drin. Und es klingt ja auch gut. Obgleich ich häufig den Eindruck habe, dass da Ursache mit Wirkung verwechselt wird. Denn Vertrauen ist ja ganz sicherlich nicht zielgerichtet, stabil und reproduzierbar zu erzeugen, mit irgendwie zwei schönen Workshops oder Seminaren. Viel wichtiger erscheint mir da immer ein Blick auf das Misstrauen zu werfen, was scheinbar in die DNA von manchen Unternehmen fest eingepflanzt zu sein scheint. Ich kenne Vertriebsleiter von 500 Millionen Euro starken Maschinenbauern, die im Auftrag und mit dem Vertrauen des Inhabers und der Geschäftsleitung große Deals aushandeln dürfen. Die fliegen dann nach Südamerika und kämpfen wie ein Löwe, drei- vier- fünf Tage darum, diesen einen Auftrag zubekommen. Geben Rabatte, reden über Liefertermine und was nicht alles. Kommen nach Hause, werden wohlmöglich dafür gefeiert, müssen dann aber noch in die Reisekostenstelle, um sich dafür zu rechtfertigen, warum sie für diesen einen …

Ep. 48 Aus Prinzip: Regelbücher für Intelligenzallergiker

Episode 48 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Da spricht mich neulich ein Zuschauer während meines Vortrages an und sagt sehr höflich, „Herr Vollmer alles gut und schön, aber bei uns gibt es dafür klare Vorgaben und gute Regeln. Da haben sich kluge Köpfe einfach schon mal Gedanken drum gemacht. Da muss doch jetzt nicht jeder im Unternehmen immer wieder alles selbst denken. Das ist doch total ineffizient.“ Ja klar. Wir brauchen wahrscheinlich einfach nur noch mehr Regeln und schon kommen wir in unserer komplexen Welt zurecht und können auf alle Überraschungen irgendetwas anbieten. Und dann weiß auch der letzte Intelligenzallergiker im Unternehmen, was er wann und wie und wo zu tun hat. Nein, wir brauchen nicht noch mehr Regeln in unseren Unternehmen. Schon heute haben wir Regelhandbücher, Prozesshandbücher, die sind so dick – dagegen sind Moses Steintafeln wie Flugblätter. Nein, wir brauchen Regeln für die komplizierten Teile unserer Organisation, für die Routine, für das Wiederkehrende. Für die komplexen Teile brauchen wir etwas ganz anderes. Ich benutze gern den Begriff Prinzipien dafür. Regeln sind laut, …

Es gibt keine dumme Fragen … falsche aber schon!

Wenn ich von Wrong Turns spreche, wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie sich Wrong Turns denn in Right Turns verwandeln lassen. Wie sich Manager stattdessen verhalten sollen oder wie das Unternehmen anders gestaltet werden kann. Da kommen dann so Ausrufe wie: »Keine Assessment Center mehr? Wie sollen wir denn dann geeignete Mitarbeiter finden, ohne ein Vermögen dafür auszugeben?« »Keine Pläne mehr machen und deren Einhaltung fordern? Wir arbeiten in der Realwirtschaft, Herr Vollmer, wie sollen denn dann Ziele erreicht werden?« »Nicht mehr nach bewährten Mustern agieren? Wie sollen wir denn sonst handeln?« Genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten, damit Sie nicht in einen neuen Wrong Turn schlittern. Denn solche Fragen zielen darauf, ab, das alte Rezept einfach gegen ein neues einzutauschen. Dabei funktionieren Rezepte in der komplexen Welt ja gar nicht, weil sie einer simplen Wenn-Dann-Logik folgen. Neue Rezepte sind genauso toxisch wie alte. Was also tun? Ich schlage vor: Stellen Sie die richtigen Fragen! Klar, als Kind wurde mir gesagt, es gäbe keine dummen Fragen. Und das stimmt vermutlich auch. Aber …

Ep. 47 Die versaute Sprache der BWL

Episode 47 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wörter sind wie Schall und Rauch – hat mein Erdkundelehrer immer gesagt. Und jetzt hat es fast tatsächlich 30 Jahre gedauert bis ich endlich weiß, wie unrecht der Mann hatte. Denn Sprache prägt natürlich in erheblichem Maße unser Denken. Gern auch anders rum: Denken prägt unsere Sprache. Und wenn wir uns unsere Wirtschaftssprache heute anschauen, dann ist es ganz erschreckend, wie durchsetzt sie von mechanistischen Denken ist. Wir hören da Begriffe wie »ins Boot holen« oder »in die richtigen Bahnen lenken« oder »die Weichen stellen«. Als wenn das Unternehmen eine Lokomotive wäre. Oder »to fix a problem« – »ein Problem lösen«, als wenn es ein Schnürsenkel wäre oder ein Knoten. Die BWL, mit Verlaub, die hat uns da scheinbar schon sehr versaut. Denn sie hat uns irgendwie eingebläut oder einbläuen wollen, dass Unternehmen, Organisationen, ja fast schon die ganze Wirtschaft am Markt wie eine Maschine zu denken wäre. Eben wie eine Lokomotive, wie eine Waschmaschine, wie eine Saftpresse. Aber mit diesem Denken werden wir heute zunehmend immer wieder …

Sprache der Wirtschaft: Fehlen Ihnen die Wörter?

»Lassen Sie uns doch Herrn Graflich ins Boot holen.« »Gute Idee, der hat Erfahrung darin, neue Projekte aufzusetzen.« »Ja, ich denke, er wird schon die richtigen Weichen stellen und alles in geordnete Bahnen lenken.« Ach ja, die Sprache der Wirtschaft. So richtig schön mechanistisch. Und vor 30-40 Jahren war diese Sprache auch noch zeitgemäß. Da konnten man Organisationen noch unbeschadet wie Maschinen denken – aus A folgt B, alles schön linear, Klick-Klack. Nur ist Denkweise heute eben gefährlich geworden. Auch wenn die Phrasen aus einer veralteten Zeit stammen, sind sie doch nur Wörter. Und Wörter sind nichts als Schall und Rauch? Ja, das hat mir damals in der Schule mein Erdkundelehrer erzählt. Heute weiß ich aber: Das ist Blödsinn! Sprechen ist nun mal fest mit dem Denken verkabelt. Das soll bedeuten: Wir denken, wie wir sprechen, und wir sprechen, wie wir denken. Die mechanistische Sprache ist also nicht deshalb ein Problem, weil die Wörter eine falsche Metapher für den Sachverhalt sind, sondern weil hinter diesen Wörtern eine falsche Denkweise steckt – nämlich eine tayloristische. Und wer tayloristisch …

Ep. 46 Steuern kommt von Wissen, Führen kommt von …

Episode 46 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wir bürgen den Managern immer mehr auf. Jetzt wird von denen sogar verlangt, sie sollten doch führen statt steuern. Und das wird dann durch monatelange Trainings versucht irgendwie zu erreichen. Aber das sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe. Ein Mensch kann sich nicht aussuchen zu führen. Das wird ihm zugesprochen. Also steuern dass kann ich tun. Das ist ja gar kein Problem. Ich kann planen, ich kann anweisen, ich kann Umsetzung einfordern, ich kann kontrollieren. Und überall da, wo Wissen ausreicht um ein Problem zu lösen und ein ausreichender Wissensvorsprung von Führungskraft zu Mitarbeiter ist, da funktioniert Steuerung. Und da sollte ich sie auch durchaus benutzen. Das ist viel effizienter. Aber an den meisten Stellen ist eben kein Wissensvorsprung da. So jetzt kommt Führung ins Spiel. Die ist nur eine Zuschreibung, eine Beobachtung. Also Führung ist etwas sozial legitimiertes. Eine Gruppe spricht einem Menschen Führung zu. Und danach kann ich dann beobachten, dass Führung zustande gekommen ist. Das heißt, wir müssen da ganz umdenken. Wir müssen Organisationen bauen, …