Monate: September 2015

Ep. 56 Fünf Tipps, wie Sie aus einem Best Practice Buch garantiert am meisten lernen

Die Episode 56 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ja, so einen Artikel schreibe ich auch irgendwann einmal: Meine Fünf Tipps, wie Sie garantiert am meisten lernen können, wenn ein Artikel oder ein Buch über die 12 Erfolgsfaktoren der besten Unternehmen der Welt vor sich haben. Punkt Nr. 1: Lesen Sie sie nicht!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 6. Dezember 2012: Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird.      

Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Ep. 55 Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Die Episode 55 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Sind Sie teamfähig? Die Frage habe ich tatsächlich neulich gestellt bekommen. Und ich glaube, sie wird nahezu jedem Bewerber heutzutage auch gestellt. Die Frage impliziert schon fast, dass Teamfähigkeit eine abstrakte Fähigkeit sei. So was wie Häkeln können oder binomische Formeln lösen. Das stimmt aber nicht. Denn Teamfähigkeit ist nichts abstraktes, das ist etwas konkretes. Ja gut, es gibt ein paar Aspekte von Teamfähigkeit die vielleicht weitestgehend kontextunabhängig sind: so was wie Kommunikationsfähigkeit, natürlich Sprachkenntnisse, ohne Frage. Vielleicht Moderationsfähigkeiten. Aber die essenziellen, die wesentlichen, also die wirklich zum Erfolg führenden Fähigkeiten sind konkret. Nicht abstrakt. Also auf die Frage, ob man teamfähig sei, muss man eigentlich richtigerweise und ehrlicherweise antworten: »Ja, was weiß ich? Zeigen Sie mir das Team. Zeigen Sie mir die anderen Teammitglieder. Sagen Sie mir, welche Rolle man mir zusprechen könnte, welche Aufgabe dieses Team überhaupt hat, ob diese Aufgabe überhaupt Sinn macht. Dann können wir gucken, ob Passung passiert. Lassen Sie mich mit denen arbeiten, und am Schluss werden wir alle gemeinsam wissen, …

Das Meer ist blöd - Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd – Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd! Meine Tochter ist enttäuscht. Sie hatte sich so auf das Meer in Barcelona gefreut. Aber jedes Mal, wenn sie an diesem windigen Tag ins Meer hüpft, schlagen ihr die Wellen entgegen und sie bekommt das salzige Wasser in den Mund. Kein Wunder. Sie reißt ja auch jedes Mal den Mund auf und schreit juchzend »Aaaah«. Und weil das Wasser auch auf mehrmaliges Bitten und Flehen nicht aufhört, Wellen zu schlagen, und das Salz ebenfalls nicht daran denkt, den Rückzug anzutreten, das endgültige Fazit: Meer = doof. Aber sie ist ja noch ein Kind, könnte ich einschränken. Keine Kinder sind es entgegen, die in Gesprächen, auf Podien oder in Postings im Netz Sätze fallen lassen wie: »Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur in unseren Unternehmen.« »Wir müssen den Mut aufbringen, mehr Innovationen zu wagen.« »Wir brauchen mehr Vertrauen im Unternehmen.« Die moralischen Forderungen hören natürlich am Zaun des Unternehmensgeländes nicht auf. Die gehen weiter: in die Politik (»Wir brauchen eine Willkommenskultur in Deutschland.«), in die Familien (»Familien müssen sich wieder stärker an christlichen Werten …

Ep. 54 Führungskrise? Wohl kaum!

Die Episode 54 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ich habe jetzt gelesen, dass Führung in die Krise geraten sei. Nein, der Meinung kann ich mich nicht anschließen. Führung an sich ist nicht in die Krise geraten. Was in die Krise geraten ist, ist das Führungsverständnis. Das von der prinzipiellen Berechenbarkeit der Verhältnisse ausgeht. Und das Führungsverständnis das sich auf die Wirkung des eigenen Verhaltens vorbehaltlich verlassen konnte. Führung ist nicht in die Krise geraten. Wir müssen viel mehr präzise unterscheiden zwischen zwei Arten von Führung, einmal der Führung durch formale Macht, die einer Führungskraft von seinem/ihrem Chef zugesprochen werden kann und von der Führung durch soziale Legitimation. Die mir nur durch diejenigen zugesprochen werden kann, die ich in einem Moment führe. Und dann stellt man fest, dass Führung in jeder Gruppe zustande kommt. Und nur selten immer der selben Person zugesprochen wird. Führung mäandert quasi zwischen verschiedenen Personen eines sonst gleichwertigen Teams hin und her. Gerade das macht ja Selbstorganisation aus. Also: Führung ist nicht in die Krise geraten. Wir brauchen Führung in der heutigen …

Werte: Die Forderung nach cholerischen Chefs ist ähnlich substantiell wie die Forderung nach mehr Vertrauen.

Werte im Unternehmen:
Dressur at its best

Die Geschichte eines befreundeten Vertrieblers geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er ist stellvertretender Vertriebsleiter eines halbe Milliarde Euro Umsatz starken Unternehmens, genießt das Vertrauen der Geschäftsführung und darf im Namen des Unternehmens wichtige Verhandlungen führen. Er fliegt nach Venezuela, um mit einem wichtigen Kunden den Kauf einer großen Anlage zu verhandeln. Da sitzt er eine Woche lang in Meetings, kämpft wie ein Löwe um den Deal, handelt Details aus, sucht nach technischen und kommerziellen Lösungen für die unerwarteten Wünsche des Kunden, bleibt hart in der Preisverhandlung und läuft schließlich mit einer Unterschrift aus dem Büro – Kaufvertrag über einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Yeah! Erschöpft fliegt er mit Umsteigen in New York nach Hause und wird dort zuerst gefeiert … und dann von der Reisekostenstelle darauf angesprochen, warum er ein Taxi vom Flughafen La Guardia zum Flughafen JFK genommen hat, anstatt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, wie es nunmal in der Reisekostenrichtlinie steht. Also da muss er emotional schon sehr gefestigt sein, um darauf nicht mit Zynismus zu reagieren. Und es kommt noch besser: Drei …

Klar können Sie Kommunikation durch Organisation und Prozesse ersetzen. Aber dann ist es halt blöd!

Kommunikation: Erst mundtot, dann mausetot

Solche Laberrunden braucht doch kein Mensch! Die sind ineffizient und rauben nur Zeit. Wir quatschen doch eh schon genug.« Das ist häufig die Reaktion, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass lebendige Kommunikation im Unternehmen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Chefs und Mitarbeiter meeten sich zwar täglich durch den Tag hindurch, hetzen von einem Jour-fixe zur nächsten Meilensteinpräsentation und sitzen mehr als die Hälfte ihrer Zeit in Besprechungen oder am Telefon. Aber die Essenzen von echter Kommunikation bleiben dennoch völlig auf der Strecke. Die (Denk-)Tradition in Unternehmen steht eher für die Gegenrichtung: Weg von echtem Dialog, hin zu einem möglichst klar geregelten, prozessierten Nebeneinander. Irgendwie verständlich, schließlich glauben Unternehmen immer noch, dafür sorgen zu müssen, dass die Zusammenarbeit reibungslos und so effizient wie möglich funktioniert. Und so wird Kommunikation zielsicher verwechselt mit Berichten, Präsentieren, Anweisen oder Standpunkte darlegen. Aber genau dieser Verzicht auf echten Dialog macht Unternehmen im Kontext der heutigen Dynamik eben nicht erfolgreich, sondern schrittweise sklerotisch, also organisationell verhärtet und im Zuge dessen bewegungsunfähig. Wenn Dialog rausgemanagt ist, wenn keine lebendige Kommunikation mehr stattfindet, dann ist auch kein Platz für wirklichkeitsnahe …