Jahr: 2015

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

»Ja stimmt, da habe ich mich erst letztens mit einem Manager unterhalten. Die haben in ihrem Unternehmen eine super Methode, um Probleme zu lösen. Das können wir bei uns auch einführen.« Hach ja, die sogenannten wirkungsvollen Methoden, die von erfolgreichen Teams entwickelt wurden und nun alle anderen Teams ebenso erfolgreich machen können. Da kann ich nur lachen. Sämtliche sogenannte Methoden, die Sie in Management-Büchern lesen, in Beratungen und Seminaren hören oder sich in anderen Unternehmen oder Abteilungen abschauen, können Sie vergessen. Nicht, weil sie nichts taugen. Sondern weil sie gar nicht ursächlich für Erfolg sind. Es war einmal ein Team. Das hatte sich gebildet, um ein externes Problem zu lösen, also so mit einem echten Kunden, einem wichtigen Kunden. Und einem erstzunehmenden Problem, zu dessen Lösung kein bloßer Transfer vorhandenen Wissens ausreichte. Über einen lange Zeitraum haben mehrere Menschen daran gearbeitet, weil das Problem zu viele Facetten hatte, als dass es von einer Person allein hätte gelöst werden können. Natürlich mussten sie die Zusammenarbeit organisieren. Sonst wäre alles im Chaos versunken. Also schlug einer vor, …

Ep. 56 Fünf Tipps, wie Sie aus einem Best Practice Buch garantiert am meisten lernen

Die Episode 56 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ja, so einen Artikel schreibe ich auch irgendwann einmal: Meine Fünf Tipps, wie Sie garantiert am meisten lernen können, wenn ein Artikel oder ein Buch über die 12 Erfolgsfaktoren der besten Unternehmen der Welt vor sich haben. Punkt Nr. 1: Lesen Sie sie nicht!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 6. Dezember 2012: Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird.      

Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Ep. 55 Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Die Episode 55 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Sind Sie teamfähig? Die Frage habe ich tatsächlich neulich gestellt bekommen. Und ich glaube, sie wird nahezu jedem Bewerber heutzutage auch gestellt. Die Frage impliziert schon fast, dass Teamfähigkeit eine abstrakte Fähigkeit sei. So was wie Häkeln können oder binomische Formeln lösen. Das stimmt aber nicht. Denn Teamfähigkeit ist nichts abstraktes, das ist etwas konkretes. Ja gut, es gibt ein paar Aspekte von Teamfähigkeit die vielleicht weitestgehend kontextunabhängig sind: so was wie Kommunikationsfähigkeit, natürlich Sprachkenntnisse, ohne Frage. Vielleicht Moderationsfähigkeiten. Aber die essenziellen, die wesentlichen, also die wirklich zum Erfolg führenden Fähigkeiten sind konkret. Nicht abstrakt. Also auf die Frage, ob man teamfähig sei, muss man eigentlich richtigerweise und ehrlicherweise antworten: »Ja, was weiß ich? Zeigen Sie mir das Team. Zeigen Sie mir die anderen Teammitglieder. Sagen Sie mir, welche Rolle man mir zusprechen könnte, welche Aufgabe dieses Team überhaupt hat, ob diese Aufgabe überhaupt Sinn macht. Dann können wir gucken, ob Passung passiert. Lassen Sie mich mit denen arbeiten, und am Schluss werden wir alle gemeinsam wissen, …

Das Meer ist blöd - Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd – Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd! Meine Tochter ist enttäuscht. Sie hatte sich so auf das Meer in Barcelona gefreut. Aber jedes Mal, wenn sie an diesem windigen Tag ins Meer hüpft, schlagen ihr die Wellen entgegen und sie bekommt das salzige Wasser in den Mund. Kein Wunder. Sie reißt ja auch jedes Mal den Mund auf und schreit juchzend »Aaaah«. Und weil das Wasser auch auf mehrmaliges Bitten und Flehen nicht aufhört, Wellen zu schlagen, und das Salz ebenfalls nicht daran denkt, den Rückzug anzutreten, das endgültige Fazit: Meer = doof. Aber sie ist ja noch ein Kind, könnte ich einschränken. Keine Kinder sind es entgegen, die in Gesprächen, auf Podien oder in Postings im Netz Sätze fallen lassen wie: »Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur in unseren Unternehmen.« »Wir müssen den Mut aufbringen, mehr Innovationen zu wagen.« »Wir brauchen mehr Vertrauen im Unternehmen.« Die moralischen Forderungen hören natürlich am Zaun des Unternehmensgeländes nicht auf. Die gehen weiter: in die Politik (»Wir brauchen eine Willkommenskultur in Deutschland.«), in die Familien (»Familien müssen sich wieder stärker an christlichen Werten …

Ep. 54 Führungskrise? Wohl kaum!

Die Episode 54 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ich habe jetzt gelesen, dass Führung in die Krise geraten sei. Nein, der Meinung kann ich mich nicht anschließen. Führung an sich ist nicht in die Krise geraten. Was in die Krise geraten ist, ist das Führungsverständnis. Das von der prinzipiellen Berechenbarkeit der Verhältnisse ausgeht. Und das Führungsverständnis das sich auf die Wirkung des eigenen Verhaltens vorbehaltlich verlassen konnte. Führung ist nicht in die Krise geraten. Wir müssen viel mehr präzise unterscheiden zwischen zwei Arten von Führung, einmal der Führung durch formale Macht, die einer Führungskraft von seinem/ihrem Chef zugesprochen werden kann und von der Führung durch soziale Legitimation. Die mir nur durch diejenigen zugesprochen werden kann, die ich in einem Moment führe. Und dann stellt man fest, dass Führung in jeder Gruppe zustande kommt. Und nur selten immer der selben Person zugesprochen wird. Führung mäandert quasi zwischen verschiedenen Personen eines sonst gleichwertigen Teams hin und her. Gerade das macht ja Selbstorganisation aus. Also: Führung ist nicht in die Krise geraten. Wir brauchen Führung in der heutigen …

Werte: Die Forderung nach cholerischen Chefs ist ähnlich substantiell wie die Forderung nach mehr Vertrauen.

Werte im Unternehmen:
Dressur at its best

Die Geschichte eines befreundeten Vertrieblers geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Er ist stellvertretender Vertriebsleiter eines halbe Milliarde Euro Umsatz starken Unternehmens, genießt das Vertrauen der Geschäftsführung und darf im Namen des Unternehmens wichtige Verhandlungen führen. Er fliegt nach Venezuela, um mit einem wichtigen Kunden den Kauf einer großen Anlage zu verhandeln. Da sitzt er eine Woche lang in Meetings, kämpft wie ein Löwe um den Deal, handelt Details aus, sucht nach technischen und kommerziellen Lösungen für die unerwarteten Wünsche des Kunden, bleibt hart in der Preisverhandlung und läuft schließlich mit einer Unterschrift aus dem Büro – Kaufvertrag über einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Yeah! Erschöpft fliegt er mit Umsteigen in New York nach Hause und wird dort zuerst gefeiert … und dann von der Reisekostenstelle darauf angesprochen, warum er ein Taxi vom Flughafen La Guardia zum Flughafen JFK genommen hat, anstatt öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, wie es nunmal in der Reisekostenrichtlinie steht. Also da muss er emotional schon sehr gefestigt sein, um darauf nicht mit Zynismus zu reagieren. Und es kommt noch besser: Drei …

Klar können Sie Kommunikation durch Organisation und Prozesse ersetzen. Aber dann ist es halt blöd!

Kommunikation: Erst mundtot, dann mausetot

Solche Laberrunden braucht doch kein Mensch! Die sind ineffizient und rauben nur Zeit. Wir quatschen doch eh schon genug.« Das ist häufig die Reaktion, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass lebendige Kommunikation im Unternehmen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Chefs und Mitarbeiter meeten sich zwar täglich durch den Tag hindurch, hetzen von einem Jour-fixe zur nächsten Meilensteinpräsentation und sitzen mehr als die Hälfte ihrer Zeit in Besprechungen oder am Telefon. Aber die Essenzen von echter Kommunikation bleiben dennoch völlig auf der Strecke. Die (Denk-)Tradition in Unternehmen steht eher für die Gegenrichtung: Weg von echtem Dialog, hin zu einem möglichst klar geregelten, prozessierten Nebeneinander. Irgendwie verständlich, schließlich glauben Unternehmen immer noch, dafür sorgen zu müssen, dass die Zusammenarbeit reibungslos und so effizient wie möglich funktioniert. Und so wird Kommunikation zielsicher verwechselt mit Berichten, Präsentieren, Anweisen oder Standpunkte darlegen. Aber genau dieser Verzicht auf echten Dialog macht Unternehmen im Kontext der heutigen Dynamik eben nicht erfolgreich, sondern schrittweise sklerotisch, also organisationell verhärtet und im Zuge dessen bewegungsunfähig. Wenn Dialog rausgemanagt ist, wenn keine lebendige Kommunikation mehr stattfindet, dann ist auch kein Platz für wirklichkeitsnahe …

Ep. 53 Right Turns – Den Rückstand wieder aufholen

Die Episode 53 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wrong Turns zu entdecken ist eigentlich gar nicht so schwer. Mit ein bisschen Übung kann man sie, wenn man sie dann vor sich hat, eigentlich relativ schnell entdecken und entlarven. Aber die Frage lautet immer sofort danach: wie handele ich denn jetzt richtig? Naja, das ist gerade das Wesen des Handelns in komplexen Systemen, dass ich die Denkfehler zwar auf der abstrakten Ebene entdecken kann. Das richtige Handeln aber nur ganz konkret im individuellen Fall bestimmen kann. Also Beispielsweise eine Fußballmannschaft, ein Trainer der die Aussage trifft: ›je mehr Stürmer ich auf dem Platz habe, desto mehr Tore werde ich schießen‹, wird natürlich von keinem Ernst genommen. Das ist ein ganz offensichtlicher Wrong Turn. Also die Annahme einer strengen Kausalität in einem komplexen System. Aber die Frage ist: wie holt er denn jetzt trotzdem den, sagen wir mal 3:0 Rückstand aus einem Hinspiel wieder auf? Diese Frage kann er nur ganz konkret beantworten. Er muss sich die Frage stellen, welche Spieler habe ich denn im Kader?Welche haben …

Ep. 52 Industrie 4.0 – Segen oder Gefahr?

Die Episode 52 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Das Megathema Nummer 1 in der Deutschen Industrie. Eindeutig! Industrie 4.0. Spricht jeder drüber. Ich bin da sehr zwiegespalten. Zum einen sehe ich auch das großes Potential. Natürlich vor allem für die Ausrüster. Also die Geschäftsaussichten der Hersteller, hard- und softwareeitig sind sicherlich famos für die Zukunft. Bei den Anwender bin ich sehr skeptisch, denn natürlich können sie durch den Einsatz dessen, was man sich von Industrie 4.0 verspricht, sicherlich einen hohen Produktivitätssprung machen. Vielleicht auch einen Durchlaufzeitsprung, vielleicht auch einen Flexibilitätssprung. Aber gleichzeitig habe ich auch die Sorge, dass die ganze Energie, die Kraft, die Aufmerksamkeit, vor allen Dingen auch die ganzen Budgets in die Einrichtung dieser Technologie aufgewendet werden. Und gleichzeitig keine Energie, keine Kraft und auch kein Geld mehr plötzlich zur Verfügung steht, an der Organisationsform der Zukunft zu denken. An der Abkehr der tayloristischen Idee, um Innovationen erzeugen zu können. Um Menschen in Verantwortung zu kriegen, um auf komplexen Märkten wettbewerbsfähig zu werden. Wenn wir da nicht aufpassen wird Industrie 4.0 zum Boomerang.   …

Markt als Wimmelbild: Mercat dels Encants

ProduktTEST vor ProdukTION

Sie haben es vielleicht auch gehört: die Fernsehserie »Die Höhle der Löwen« läuft wieder auf dem Sender VOX. Da stellen Jungunternehmer, Unternehmensgründer und Erfinder fünf Investoren ihre Geschäftsideen vor. Die können dann entscheiden, ob sie an die Idee und deren Erfolg glauben und die Teilnehmer ganz real mit ihrem Geld unterstützen wollen. Trotz der allzu voyeuristischen Ausführung, finde ich das eigentlich ein ganz interessantes Format.  Ist auch ziemlich spannend zu sehen, mit welchen Ideen die Teilnehmer so ankommen – zwischen anerkenndem Staunen und hochrotem Fremdschämen werden alle Gefühlsvarianten angeboten. Nur ein Problem hat die Sendung: Keiner der Anwesenden, egal wie groß seine Erfahrung von »dem Markt« auch sein mag, kann zuverlässig beurteilen, ob und wie erfolgreich eine Idee werden kann. Natürlich hält es sie nicht davon ab genau dies zu tun – schließlich sind sie ja dafür in der Sendung. Aber ob sie recht haben, wird sich erst zeigen, wenn das Produkt am Markt ist, also auf die Kunden losgelassen wird. Naja, darum heißt es wohl auch RISIKOkapital. Tatsache ist eben: Auch gute Ideen können …