Jahr: 2016

Innovation Labs: Hot Shit from Berlin

I recently sat down with 15 executives of a large German corporation. You should have seen them roll their eyes when the L word came up: “lab” — a.k.a. innovation lab or creative lab or data lab. There are all kinds of words for it. And they have one thing in common: These labs are set up by companies that see themselves as sorely lacking in innovation. If new ideas were sprouts, these companies would be Antarctica. Innovation from the garage It’s a trend I’ve been noticing for about three years: Vast ice deserts of organizations set up up small, agile, tropical units, preferably in Berlin, Barcelona or the Valley, name them Something Something Lab, and hope to be blessed with a wealth of ideas to fertilize of the ice desert back home. In part, this trend feeds on the truism that companies like HP, Google, Apple & Co. were also founded in garages, in tiny units, cut off from civilization. Genius by minimization, so to speak. Freaky, unconventional, different, off the wall, and therefore …

Der moderne Paternalismus – ein Drama in zwei Akten

Paternalismus gibt es nicht erst, seit Der Pate über die Kinobildschirme der 70er Jahre geflackert ist. Und wohl weil Marlon Brando, Al Pacino und überhaupt der ganze Film so ein Hit waren – haben wir die Patriarchen á la Don Vito Corleone einfach mit ins 21. Jahrhundert genommen! Seufz … Wenn sich Zwang und Liebe treffen Ich stöhne, weil Patriarchen nur ein Auswuchs des Paternalismus (Paternalismus – von lateinisch »pater« = Vater ), einer sehr verbreiteten Herrschaftsform sind. In der breiten Gesellschaft ebenso wie in Unternehmen wird die väterliche Führung ganz vorzüglich und mit großer Freude an der Tradition angewendet. Aber die ›klassischen‹ Patriarchen sind nicht die einzigen, die sich mit der Ausübung von Paternalismus furchtbar wohlfühlen. Es gibt vielmehr zwei Formen, die im öffentlichen und im Business-Theater gerne die Hauptrollen spielen: Erster Akt: Die fürsorglichen Patriarchen Sie betreten die Bühne strotzend vor Wissen – dem Wissen, ›wie es geht‹. Ihren Mitarbeitern sagen sie, was wie zu tun ist und was sie lieber lassen sollen. Denn für jeden, der ihren Anweisungen Folge leistet, wird alles …

Innovation Labs – Der heiße Scheiß aus Berlin

 read the english version   Neulich saß ich mit 15 Top-Managern eines großen deutschen Konzerns zusammen. Sie hätten sehen sollen, wie die die Augen verdrehten, als das L-Wort fiel: »Lab«. Oder wahlweise das Innovation Lab oder Creative Lab oder Data Lab … Es gibt da ja die wildesten Begriffe. Eins haben sie allerdings gemein: Diese Labs werden von Unternehmen installiert, die glauben, hochgradig unterinnovativ zu sein. Oder: Wären neue Ideen Pflänzchen, dann müsste man diese Unternehmen als Antarktis bezeichnen. Innovation aus der Garage Das ist ein Trend, den ich seit etwa drei Jahren beobachte: Große Eiswüsten von Organisationen gründen kleine, agile, tropische Einheiten, am liebsten in Berlin, Barcelona oder im »Valley«, taufen sie Dingsbums-Lab und hoffen auf reichen Ideensegen und vor allem Befruchtung der großen Eiswüste zu Hause. Dahinter steckt die Weisheit, dass Unternehmen wie HP, Google, Apple und Co. ja auch in Garagen gegründet wurden, in klitzekleinen Einheiten, abgeschnitten von der Zivilisation. Genius by minimizing, sozusagen. Schräg, unkonventionell, anders, abgedreht bis zum Wahnsinn und dadurch extrem innovativ. Also: Lasst uns das auch so machen! Nun wage ich …

Warum Mitarbeitergespräche was für schlechte Köche sind

Jahresende + Führung = Mitarbeitergespräche! Diese Formel ist in den Köpfen vieler Führungskräfte so tief eingebrannt wie ihr Geburtsdatum oder die Tatsache, dass es freitags in der Kantine Fisch gibt. Mit anderen Worten: So gehört sich das, so muss das sein. Zum Jahresende oder wahlweise am Jahresanfang gibt es eben – Achtung, heiß und fettig – Mitarbeitergespräche serviert. Also Gespräche zwischen zwei Menschen mag ich schon. Und Fisch auch – jedoch nur wenn er in der Mitte nicht zu glasig und nicht zu trocken ist und bitte nicht jede Woche und nicht nach dem immergleichen Rezept zubereitet. Mitarbeitergespräche nach Omas Rezept Die Grundrezeptur für Mitarbeitergespräche hat sich in den letzten Jahren überhaupt nicht verändert – lief ja schließlich immer gut so: Man nehme ein abgehangenes Stück Mitarbeiter und setze das ins Besprechungszimmer des Chefs. Dort lasse man den Mitarbeiter dann erst mal zwanzig Minuten im eigenen Sud köcheln, bis die Zuversicht deutlich reduziert ist. Wenn man dann zum Ablöschen einen ordentlichen Schuss Chef und eine große Prise dezidierte Gesprächsagenda von HR hinzugibt, zischt es schön. Allerdings …

Warum wir Konsens meiden sollten

»Dann machen wir das halt so.« (… und ich habe meine Ruhe) »Okay, ich stimme zu.« (… aber dann lasst mich jetzt alle in Frieden) »Na, wenn’s sein muss. Einverstanden!« (… glaubt aber ja nicht, dass ich mich dann noch reinhänge) Einen Entscheidungskonsens zu finden ist ja so erquickend – leider nur für die, deren Meinung am Ende in ausreichendem Maße berücksichtigt ist. Bei allen anderen Teilnehmern der Debatte macht sich eher Frust breit. Adé Motivation. Tschüss Neues. Bye-bye Veränderung. Entscheidung durch Ermattung Wenn Sie besonders überzeugend sind oder auf einer hohen Stufe der Leiter stehen, haben Sie vielleicht öfter das Glück, zu denen zu gehören, die gewinnen. Deren Argumenten, Daten und Fakten überzeugt haben. Herzlichen Glückwunsch! Nur die Annahme, dass Ihre Beweisführung etwas mit der Realität zu tun, zur Einigkeit geführt und alle anderen Teilnehmer überzeugt hat, möchte ich wirklich infrage stellen. Es ist doch meistens so: Einer prescht vor und nach schier endlosen Überzeugungsversuchen gibt ein Kollege nach dem anderen überredet und ermattet auf, auch wenn er nicht ganz mit dem Konsens einverstanden …

Was lese ich eigentlich grad‘ so

Jetzt muss es mal raus: in Sachen Büchern bin ich ziemlich chaotisch. Irgendwie lese ich immer mindestens vier gleichzeitig. Eines habe ich als gebundenes Exemplar meist bei mir, ein anderes liegt in Barcelona auf dem Nachttisch. Im Flugzeug nehme ich mein Kindle zur Hand und bei längeren Auto- oder Zugfahrten lasse ich mir ein Hörbuch vorlesen. Manchen Büchern widme ich richtig viel Zeit – manchen nur ein bis zwei Stunden. Und es ist längst nicht immer so, dass die letzteren die schlechten sind. Ich lese eher als dass ich wirklich ein Buch durcharbeite. Nur manchmal überkommt es mich und ich klebe so farbige Mini Post-its an die besonders interessanten Stellen oder mache mir ausufernde Notizen. Aber diese Phasen vergehen auch wieder. Eines tue ich aber immer: bevor ich das Buch weglege frage ich mich, ob ich es hätte wirklich lesen sollen und was ich aus der Lektüre gelernt habe. Irgendwas finde ich eigentlich immer. Da ich immer mal wieder die Frage höre, was ich eigentlich gerade so lese, habe ich mir nun vorgenommen, Ihnen in loser Reihenfolge eine Liste der Bücher aufzustellen, die …

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

Die vier Elemente von echtem und ehrlichem unternehmerischem Erfolg

In jeder Diskussion über neue, vermeintlich moderne Formen von Organisation und Führung von Unternehmen kommt irgendwann – fast unweigerlich – das Argument: »Aber VW […alternativ auch Siemens oder die Deutsche Bank…] ist doch ganz traditionell organisiert und, jedenfalls vor dem Skandal, extrem erfolgreich.« Ich könnte nicht anderer Meinung sein: NEIN, erfolgreich war VW auch vor Dieselgate nicht. Denn Erfolg ist eben nicht nur Erfolg aus Sicht der Kapitalverzinsung, die VW ganz ohne Zweifel hatte. Die vier Elemente des echten und ehrlichen Erfolgs sind: Erstens: Die Inhaber des Unternehmens sind zufrieden mit der geleisteten Arbeit, weil der Profit, also der Gewinn bzw. die Rendite auf das eingesetzte Kapital hoch ist und tendenziell schneller wächst als der Markt. Darum lohnt es sich für die Inhaber, ihr Kapital weiter einzusetzen oder gar noch mehr Kapital zuzuschießen. Das Unternehmen ist aus Investorensicht attraktiv. Zweitens: Die Mitarbeiter des Unternehmens sind zufrieden mit der geleisteten Arbeit, weil sie stolz darauf sein können. Was sie geleistet haben, hat einen Sinn, leistet einen positiven Beitrag für andere. Es fühlt sich gut an, gemeinsam eine Aufgabe zu …

Hörbuch (endlich) erhältlich

Gute Nachricht: rund 6 Monate nach Erscheinen meines letzten Buches »Zurück an die Arbeit« ist die Hörbuchfassung erschienen. Ich durfte das Buch selber einlesen. Jetzt als CD bei amazon kaufen   Ein professionelles Hörbuchstudio strotzt nicht gerade vor Geräumigkeit, wie Sie auf dem Bild erahnen können. Und eine Lüftung ist aufgrund des extrem sensiblen Mikrophons auch nicht erlaubt. Sie können sich daher vorstellen, wie strapazierend die insgesamt 14 Studiostunden bei sommerlichen Außentemperaturen in München von knapp 30 Grad gewesen sind. Dennoch hat es mir viel Freude bereitet und ich hoffe, Sie genießen die 6,5 Stunden Laufzeit. Einen inspirierenden Hörgenuss wünsche ich Ihnen. Sie erhalten das Hörbuch sowohl als CD-Box mit 4 CDs, als auch zum Herunterladen, beispielsweise bei audible.de Jetzt Hörbuch herunterladen   Damit Sie einen Eindruck bekommen, habe ich Ihnen hier zwei Ausschnitte zusammengestellt, die Sie in Videoform hören (und schauen) können. Weitere Ausschnitte veröffentliche ich in den kommenden Tagen auf meinem Videokanal.

Macht Arbeit unglücklich?

Macht Arbeit unglücklich?

Seit der Buchveröffentlichung von »Zurück an die Arbeit« bin ich häufig mit der subtil vorwurfsvollen Frage konfrontiert worden, ob die Menschen wirklich so stark leiden, wie ich behaupte und ob man das Buch auch als Aufruf gegen Arbeit im Allgemeinen verstehen dürfe. Dazu möchte ich hier Stellung nehmen, so wie ich es auch schon im Buch getan habe: Mitarbeiter und ihre Chefs leiden nicht unter der Arbeit selbst. Auch dann nicht, wenn sie über ihren Job schimpfen oder am Feierabend im Familien- und Bekanntenkreis ihr tagtägliches Leid klagen. Nicht die Arbeit macht sie unfroh. Sondern das ganze andere Zeugs! Denn das ganze andere Zeugs, die unproduktiven Beschäftigungen, die lästigen Rituale, die unsinnigen Regeln, das Reporting, die wirkungslosen Programme und so weiter haben nicht nur die Eigenschaft, dass sie allen die Zeit zum Arbeiten stehlen, sie haben außerdem noch die unangenehme Eigenschaft, ständig das implizite Signal auszusenden: Du bist nicht richtig so, wie du bist. Du solltest anders sein. Du solltest besser sein! Jetzt MACH endlich! Die meisten Menschen, die einen Job haben, mögen ihn eigentlich sehr gerne. …