Monate: Mai 2017

Ep. 70 – Audits: Business-Theater in zwei Akten

Episode 70 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Business-Theater begegnet man ja letztlich fast jeden Tag. Zum Beispiel – und in besonders schöner Form – bei Audits. Wenn also im Rahmen einer Zertifizierung Prozesse auditiert werden, damit sie z.B. gute Qualität hervorbringen sollen. Gerne werden dazu – ich überspitze jetzt – sechs Personen auserkoren. Diese sollen 2-3 Wochen vorher anfangen, die Prozesse »glatt zu ziehen«. Ein tolles Wort übrigens, dass es auch nur in der Managementsprache und in der Heißmangelindustrie existiert. Im übrigen: eigentlich ziehen die Auserwählten ja keine Prozesse glatt, sondern nur die Dokumentation der Prozesse, mit Prozessen selber beschäftigen sich meist gar nicht. Und dann gehen sie die Prozesse durch und dann gibt es immer mal die eine oder andere Stelle, an der sich die Gruppe fragt: »wie machen wir das hier eigentlich ganz genau, es gibt doch die eine und die andere Variante«. »Ja«, sagt einer, »und es gibt ja auch noch eine dritte Variante.« Und dann sagt noch einer: »ja, eigentlich gibt es ja noch eine vierte«. Und das Wort ›eigentlich‹ deutet schon darauf hin, dass es noch fünf Prozessvarianten …

Warum Roboter uns keine Entscheidungen abnehmen werden

Nein, ich plädiere nicht dafür, dass sich jedes Unternehmen einen Computer als Vorstandsmitglied in die Chefetage holen sollte, um Entscheidungen besser zu treffen. Aber es gibt ein Unternehmen, das hat genau das getan, und das finde ich bei näherem Hinsehen sehr interessant. Vermutlich ist da auch eine Menge PR im Spiel, aber lächerlich oder fahrlässig unvernünftig ist die ganze Geschichte keineswegs. Ein kühler Kopf Es handelt sich um die Firma Deep Knowledge Ventures aus Hongkong. Das ist eine Investmentfirma, die darauf spezialisiert ist, in forschungsintensive Technologieunternehmen im Medizin- und Gesundheitssektor zu investieren, insbesondere in lebensverlängernde Medikamente und Technologien. Das Unternehmen hat ein sechsköpfiges Board. Einer der Vorstände heißt VITAL und ist ein Computer. Sein Name steht für »Validating Investment Tool for Advancing Life Sciences«. Und der Name ist Programm, im wahrsten Sinne des Wortes: Dieser Vorstand kann schnell und ohne jede emotionale Fehlsteuerung ein Unternehmen mit Finanzierungsbedarf durchleuchten und alle Fakten prüfen. Jedenfalls genauer, unbeeinflusster und schneller als es seine menschlichen Kollegen können. Was Entscheidungen unterscheidet Gut, und jetzt könnten Sie fragen, was dann die …

Kikikan: gegen den plötzlichen K.O. im Wettbewerb

Barcelona ist eigentlich eine sehr entspannte Stadt. Aber als ich neulich dorthin zurückkam, war totaler Alarm auf der Straße! Großdemo der Taxifahrer. Streik. Zwölf Stunden lang. Nirgends in der Stadt war ein Taxi zu bekommen. Und trotz modernster Infrastrukturlösungen  sind Taxis in Barcelona ein wichtiges Fortbewegungsmittel. Der Grund des Streiks kam für mich überraschend: Die Taxifahrer Barcelonas gingen gegen Uber auf die Straße. Das in der Personenbeförderungsbranche völlig neuartige Dienstleistungsunternehmen aus San Francisco macht auch den spanischen Taxifahrern Konkurrenz. Was ich erlebte, war also eine Solidarisierung gegen den Wettbewerb. Und ich dachte: Wie albern ist das denn? Warum es nichts hilft, den Wettbewerb auszuschalten Selbst wenn die Vorwürfe gegen Uber korrekt wären, dass die Uber-Fahrer nämlich nicht so viele Richtlinien erfüllen müssten wie die »normalen« Taxifahrer – letztere hätten die intellektuelle Kraft und auch das Geld, das sie in diese Demo gesteckt haben, besser in neue Ideen investiert, wie sie ihre Kunden behalten, überzeugen, besser bedienen könnten! Denn wenn Sie neuen Wettbewerb nur irgendwie »wegmachen« wollen und nach der Politik rufen, um ihn zu verhindern, dann singen Sie …