Monate: Juni 2017

Geschlossene Gesellschaft

Wissen Sie, was mir so richtig Sorgen macht? Sie werden es vielleicht merkwürdig finden, aber mir bereitet es größtes Unbehagen, dass irgendwie immer alle einer Meinung sein wollen. Und sollen. Geschlossenheit, Einigkeit, Konsens – das gilt als gut. Dissens, Auseinandersetzung, unterschiedliche Meinungen – das gilt als schlecht. So jedenfalls ticken wir im Allgemeinen. Irgendwie haben wir einen ziemlich übertriebenen Faible für die Einigkeit, finde ich. Übertrieben. Und gefährlich. Tun wir besser so, als seien wir uns einig Kaum einer wundert sich darüber, wenn der neue SPD-Parteivorsitzende von der Versammlung der Parteidelegierten mit 100 Prozent der Stimmen gewählt wird. Höchstens ein wenig gewitzelt wird dann über „Kim Jong Schulz“. Aber viele bewunderten dann doch insgeheim, dass zwischen die Partei und ihren Vorsitzenden kein Blatt Papier passte. Und diese Geschlossenheit versetzte die Partei und ihre Anhänger sogleich in eine Art Rauschzustand. Als ob bei der Bundestagswahl über den Grad an Geschlossenheit der Parteien entschieden würde. Naja, indirekt scheint das ja tatsächlich so zu sein: Die deutschen Wähler mögen es nicht, wenn eine Partei in sich unterschiedlicher Meinung ist …

Ep. 72 – Meetings sind gar kein Problem

Episode 72 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Meetings sind ja zu einer echten Plage geworden, sagen viele. Das ist nachvollziehbar. Es sind viel zu viele. Sie dauern zu lange und sind durchsetzt mit Business-Theater. Viele Unternehmen versuchen darauf zu reagieren. Beispielsweise indem sie Meeting-Regeln aufstellen. Da habe ich neulich wieder welche gesehen. Da steht tatsächlich als erste Zeile: »Wir lassen uns ausreden«. Mein Sohn ist jetzt fünf Jahre alt und im Kindergarten. Dort stehen solche Sätze auch. Das heißt, wir infantilisieren die Mitarbeiter mit solchen Vorschriften, wie sie handeln sollen. Und gleichzeitig übertragen wir ihnen die Verantwortung für Millionen von Euro – das passt nicht im geringsten zusammen. Solche Besprechungsregeln sind im Übrigen völlig wirkungslos, denn die Meetings sind nicht das Problem, sie sind vielmehr die Folge eines Problems. Meetings sind wie Fieber. Fieber erzeugt der Körper als Reaktion auf eine dahinter liegende Krankheit – oft ein Virus. Der Körper setzt das Fieber ein, um dagegen anzukämpfen – um damit umzugehen. Und so ist das bei Meetings auch: Sie sind die vernünftige Reaktion der Organisation auf …

Schwimmflügel für die Digitale Transformation

Die Digitale Transformation? Au weia! Sie wissen ja: Sobald im Unternehmen so was ganz Neues kommt, sobald etwas dramatisch verändert wird, müssen die Mitarbeiter ängstlich sein! Ist ja nicht eine Kleinigkeit, so eine Transformation. Und dann leisten die Mitarbeiter verständlicherweise Widerstand. Müssen sie ja! Denn das steht so in jedem Buch über »Change«, es wird in jedem einschlägigen Vortrag erzählt und jede Führungskraft glaubt, das sei so. Darum sei es dann ja auch so wichtig, dass die Führungskräfte die Mitarbeiter »abholen« und sie »mit ins Boot holen«, damit sie keine Angst mehr haben und »mitziehen«! Ihnen werden zig Beispiele dafür einfallen, dass diese Beschreibung der Wirklichkeit eine wahre ist. Das Narrativ klingt ja auch irgendwie schmeichelhaft für den Berufsstand der Führungskräfte. Schauen Sie mal: Eine Transformation droht – Mitarbeiter verfallen zwangsläufig in Schockstarre – die rettende Führungskraft rauscht hernieder – die Mitarbeiter werden getröstet und fassen Vertrauen – die Führungskraft teilt die Fluten mit ihrem Stab und führt alle händchenhaltend ins gelobte, also transformierte Land. Wie schön! Der Prime-Schlauch Aber wissen Sie was? Es gibt …

Ep. 71 – Meetings sind keine Arbeit

Episode 71 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Meetings sind zum Teil absurdes choreographiertes Business-Theater. Da wird am Vorabend des Meetings an einen völlig überdimensionierten Verteiler die Einladung geschickt. Der Chef sagt: »Ich komm fünf Minuten später, bitte fangen sie doch schon mal ohne mich an.« Er kommt dann 20 Minuten später und lässt sich alles noch mal aufrollen. Dann wird eine PowerPoint-Präsentation gehalten, an der – gefühlt – zehn Personen zwei bis drei Tage lang intensiv und penibelst an Inhalten, aber auch an Zeilenabständen und Strichstärken gearbeitet haben. Am Schluss wird dann immer auf den Tisch geklopft. Das ist wie bei Oma auf dem Geburtstag – alles so ritualisiert. Nichts gegen Höflichkeit, aber dieses Ritualisierte ist schon fast zum Fremdschämen. Und dann warten alle nach der Präsentation auf die HIPPO, also auf die Highest-Paid-Persons-Opinion, auf die Meinung des Höchstbezahlten im Raum. Gehälter sind zwar nicht transparent, aber trotzdem weiß jeder, wer diese Person ist. Entfleucht ein Lächeln über sein oder ihr Gesicht, so blasen alle in dasselbe Horn und heben das Positive des gezeigten Ansatzes hervor. Sind hingegen …