Monate: Juli 2017

Ep. 73 – Kannibalisierung: Denken wie im Industriezeitalter

Episode 73 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Gestern habe ich den Satz wieder gehört: »Wir dürfen uns nicht kannibalisieren!« Und es war mal wieder – so langsam glaube ich nicht mehr an Zufälle – ein Vertreter der Automobilindustrie, der mit feucht getränkter Stimme von der Gefahr der Kannibalisierung sprach. Das ist schon fast eine quasi erotische Sorge, die die Automobilisten davor haben, Produkte auf den Markt zu bringen, mit denen sie ihren eigenen Konkurrenz machen. Aber woher kommt der Gedanke, dass dies schlecht sei? Der muss aus einer Zeit stammen, in der wir kaum oder wenig Wettbewerb hatten. Aber heute, wo wir nicht mehr Verkäufermärkte, sondern wieder Käufermärkte haben (zugegeben eine Binsenweisheit), da ist doch die Gefahr viel größer, dass ein Anderer meinen Produkten Konkurrenz macht. Dass nicht ich mich kannibalisiere, sondern dass es ein anderer tut. Und dann ist doch die viel bessere Variante, dass ich es selber tue. Und das nicht nur aus Wettbewerbssicht, sondern noch viel stärker behaupte ich: aus der Lern- und Entwicklungssicht. Wir müssen uns selbst den Auftrag geben, unser Produktportfolie …

Arbeit für Erwachsene

Ein fürsorglicher Chef ist ein guter Chef. – Hm. Wirklich? Tatsächlich vertrete ich eher die gegenteilige Meinung, wenn es darum geht, welche Verantwortung ein Chef oder Unternehmer für seine Mitarbeiter trägt. Und diese Kontra-Position kommt nicht von ungefähr, sondern entspringt meiner ganz persönlichen Erfahrung. Ich bitte Sie, mir in ein früheres Jahrzehnt zu folgen … Lehrjahre Damals, als der Himmel noch blauer war als heute und die Ochsen größere Köpfe hatten, war ich jung und musste demzufolge irgendwie herausfinden, was ich werden wollte. Meine Berufsfindungsphase dauerte zugegebenermaßen eine Idee länger – mit dem Ergebnis, dass ich hinterher immer noch nicht wusste, was mir wichtig ist und was ich werden will. Nach dem Abi bewarb ich mich erstmal um eine Ausbildung bei einem großen Chemiekonzern, aber das Unternehmen schickte mich fort, vielleicht in weiser Voraussicht. So, und was macht man in Deutschland, wenn man keine Ahnung hat, was man tun soll? Richtig. Man studiert. Ich für meinen Teil studierte erstmal Maschinenbau, alleine schon deshalb, weil mich das Fach mehr interessierte als die meisten anderen. Zwischendurch probierte ich …