Jahr: 2018

Brief an die alte Dame

Auf den ersten Teil von  „Weniger Demokratie wagen!“ habe ich zünftige Resonanz bekommen. Das soll ja auch bitte schön so sein, wenn es um Demokratie geht und ich hatte es nicht anders erwartet. Insofern freue ich mich! Schuldig geblieben bin ich bis jetzt aber noch den offenen Brief an die alte Dame, den ich am Ende angekündigt hatte, um Ihre Nerven bis zum Zerreißen zu spannen. Mittlerweile habe ich diesen offenen Brief fertig geschrieben. Er bildet sozusagen eine Art Fortsetzung, also etwa wie das Wäscheaufhängen nach dem Waschtag. Hier ist er: Liebe alte Dame, was du auf deine alten Tage noch mitmachen musst … das tut mir leid. Es sind wahrlich unruhige Zeiten, in denen du deine alten Knochen nochmal hinhalten musst. Bekanntlich nimmt die Knochensubstanz im Alter ab, und bei dir hat sich die Wählersubstanz, nämlich die bei Bundestagswahlen für dich abgegebenen Stimmen, in den letzten 20 Jahren von gut 20 Millionen auf rund 9 Millionen mehr als halbiert. Das ist eine ziemlich akute Stimmenosteoporose, würde ich sagen. Dennoch habe ich nun keine ernste …

Weniger Demokratie wagen!

Manchmal ist das Interessanteste, was passiert, dass nichts passiert. Als ich vor Kurzem in meiner derzeitigen Wahlheimatstadt Barcelona zur traditionellen Calçotada eingeladen war, stand ich vor dem Grill vor dampfenden Frühlingszwiebeln und genau das passierte: nichts! Jedenfalls nicht das, was ich erwartet und auf das ich mich gefreut hatte. Gut, damit Sie mir folgen können, müssen Sie zuerst wissen, was eine Calçotada ist. Es hat, wie so viele Traditionen, mit Essen zu tun: Calçots sind Frühlingszwiebeln, so ziemlich das erste Gemüse, das man in jedem Jahr aus dem Boden holen kann. Zu diesem katalanischen Brauch treffen sich zumeist im Februar, wenn die ärgste Winterkälte vorbei ist, Freunde, Familie, Bekannte und Nachbarn auf öffentlichen Plätzen und grillen im Freien voller Vorfreude auf den Frühling. Zuerst kommen die Frühlingszwiebeln auf den Rost, die dann auf einer alten Tageszeitung mit einer würzigen Salsa Romesco herumgereicht und aus der Hand gegessen werden. Danach gibt’s auch noch Fleisch. Und natürlich Rotwein aus der Porró. In diesem Jahr stand ich in meinem Viertel vor dem Grill inmitten meiner Freunde und Bekannten, …

Wollen Sie Boni oder gute Mitarbeiter?

Deutsche Bank zahlt mehr als eine Milliarde Boni“, titelte die FAZ vor Kurzem. Darüber durfte sich dann die SPD aufregen, daraufhin musste John Cryan sich verteidigen und schließlich sah sich der Handelsblatt-Ableger Orange genötigt, zu erklären, warum die Deutsche Bank „dicke Boni zahlen muss“. Grund der Aufregung: Die Deutsche Bank zahlt diese dicken Boni, während sie massive Verluste einfährt. Grund meiner Aufregung: Offensichtlich hat in dieser Diskussion immer noch niemand verstanden, wo das eigentliche Problem liegt. Die CAPITAL hat mich gebeten, zu diesem empörenden Dauerbrenner  Stellung zu beziehen. Zu dem von unzähligen Kollegen eigentlich schon alles geschrieben und das eigentlich schon hinlänglich wissenschaftlich erforscht ist. Das man aber offensichtlich gerne weiterhin ignorieren möchte.