Organisation, Wirtschaft
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Das wünsch‘ ich Ihnen

Dreißig Prozent mehr Umsatz, den asiatischen Markt erschließen, in neue Maschinen investieren, die einen Wettbewerbsvorteil versprechen, etc. Das neue Jahr ist jung und in Unternehmen ist neue Tatkraft ausgebrochen. Sie packen ihre neuen Strategien an, die sie sich im alten Jahr so schön überlegt haben. Ist auch toll, wenn sich Unternehmen Vorsätze machen und mal überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Allerdings habe ich meine ganz eigene Vorstellung davon, was Unternehmen gut täte und was ich Ihnen wünsche. Soviel sei schon im Voraus gesagt: Pläne und Zahlen kommen darin nicht vor.

Ich wünsche Ihnen einen klaren Verstand

Industrie 4.0, Big Data … regelmäßig erscheint ein neuer Hype am Wirtschaftshimmel und versetzt alle Unternehmen in einen Rausch. All diese Modebegriffe, die irgendwo einen großen Erfolg zu haben scheinen, werden von den Medien als allgemeingültig erklärt und zu einem neuen Trend aufgebauscht. Als wären es süchtig machende Drogen, lassen sich Firmen von der Popularität eines Themas in die Irre führen und rennen einer vermeintlich heilversprechenden neuen Best Practice hinterher.

Es gibt doch dieses schöne Sprichwort: „eine Sau durchs Dorf treiben“. Genau so kommen mir diese Hypes vor. Sie werden durch die Unternehmenswelt getrieben – auf Konferenzen beschrieben, in Zeitschriften diskutiert – und viele Unternehmen halten bereitwillig ihre Tür auf, damit die Sau rein kann. Und dann treiben die Strategen Miss Piggy durchs ganze Haus, weil sie sich davon eine rezeptartige Antwort auf ihre Probleme erhoffen. Klingt auch super, schließlich brauchen sie dann keine eigenen Ideen zu entwickeln, sondern können einfach ein wenig Geld ausgeben, um es umzusetzen – im Zweifel für einen Berater. Und alles wird gut … oder so ähnlich. Sorry, das war polemisch.

Wenn das funktionieren würde, wäre das auch prima. Aber tatsächlich tut es das nicht. Nein, es ist sogar äußerst gefährlich! Denn solche Best Practices sind nicht für jedes Unternehmen gut, bloß weil sie in anderen Firmen vielleicht funktionieren. Für manche Unternehmen kann ein solches Rezept richtiggehend schädlich sein – wie süßes Gift. Jedes Unternehmen, jede Branche, jede Geschäftsmodell ist anders, darum lassen sich erfolgreiche Methoden oder Strategien nicht auf jedes beliebige andere Pendant übertragen (sollte es überhaupt erfolgreiche Methoden geben -> Vollmers Gedankengang Ep. 58).

Darum wünsche ich Ihnen, dass Sie mit klarem Verstand eine Sau als solche erkennen können – und dann die Tür erstmal zusperren! Sie können gerne einen Mitarbeiter auf die Straße schicken, um sich die Sau mal genau anzuschauen. Vielleicht lässt sich daraus etwas lernen – eine Theorie, die dahinter steckt, beispielsweise. Die kann er dann gerne wieder mit ins Haus bringen und dann darüber diskutieren, welche eigenen Probleme sich mit dieser Theorie, also diesem Werkzeug wirksam lösen ließen..

Aber lassen Sie bitte niemals ein fremdes Rezept ins Haus, auch nicht leicht modifiziert. Nehmen Sie es auseinander, lernen Sie aus ihm, entdecken Sie interessante Aspekte daran – und dann überlegen Sie, wie Sie mit Ihrem neuen Wissen Ihr eigenes Unternehmen besser machen können, ihrem Wettbewerber ein Schnippchen schlagen können.

Das-wuensch-ich-Ihnen

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihre Mitarbeiter nicht verkindlichen

Die Kritik am Taylorismus wird immer größer. Ich finde es erfreulich, dass die Diskussion darum, dass viele tayloristische Praktiken nicht mehr weiterhelfen und sogar schädlich sind, immer breiter wird. Allerdings machen so einige die vermeintliche Über-Sachlichkeit des Taylorismus dafür verantwortlich und plötzlich heißt es als Gegenpol: »Wir brauchen mehr Menschlichkeit und Beteiligung in Unternehmen, mehr Empathie auf Seiten der Führungskraft, mehr Zutrauen in die Leute.« Als wäre eine 180°-Wendung auf einer falschen Straße die Lösung. Verstehen Sie mich nicht falsch, es ist lobenswert und sogar im 21. Jahrhundert erstrebenswert, wenn Führungskräfte Vertrauen in ihre Leute haben und der Umgangston anständig und höflich ist. Aber Unternehmen werden ihre Probleme nicht lösen, indem sie nett zu den Menschen sind.

In der praktischen Weiterentwicklung führt das nämlich zur Verkindlichung der Mitarbeiter. Dann trauen die Führungskräfte ihren Mitarbeitern einfach mal was zu, klopfen ihnen auf die Schulter und lassen sie halt auch mal entscheiden. Als wären sie Kinder, die bei Laune gehalten werden müssen. Mitarbeiter sind aber mündige Erwachsene, mit denen Unternehmen eine Leistungspartnerschaft eingehen. Und das bedeutet, dass sie den Wunsch entwickeln sollten, gemeinsam einen Kundennutzen zu stiften, also ein echtes Problem zu lösen. Das können sie auch – und zwar ganz ohne Feel-Good-Manager, Tischkicker oder sonstigen lustigen Sachen, die Spaß machen.

Darum wünsche ich Ihnen, dass Sie Ihre Zeit nicht mit irgendeinem Theater vergeuden und stattdessen externe Referenzen, also Kundenprobleme, ins Haus lassen. Ich meine damit solche Probleme, für die noch kein ausreichendes Wissen bereitsteht, auch bei den Führungskräften nicht. Dies sind »echte« Probleme. Wenn Sie Ihren Mitarbeitern dann ein solches Problem schenken, dass sie lösen sollen, ihnen die Entscheidungen dabei überlassen und ihnen dann auch noch die Möglichkeit geben, aus der Situation zu lernen, dann können tatsächlich Teams entstehen, die auch in Zukunft echte Kundenprobleme lösen – und zwar wie Erwachsene.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie über Soll-Zustände nachdenken

Über Zahlen und harte Fakten lässt sich leicht diskutieren. Tut ja auch jeder. Viel wichtiger finde ich aber, über Soll-Zustände nachdenken – also darüber, wie die Zukunft aussehen könnte.
Da nimmt sich ein Unternehmen beispielsweise vor, seine Liefertermine einzuhalten. Nun geht es nicht darum, das mit einem Tool wie der Termintreue zu messen, sondern darüber nachzudenken, was für abweichende Situationen in Bezug auf diesen Soll-Zustand eintreten könnten. Beispielsweise könnte sich eine Materiallieferung verspäten. Oder es bricht eine Krankheitsepidemie unter den Mitarbeitern aus. Nun stellt sich die Frage: Wie könnte der Kunde darauf reagieren? Und wie gedenken Sie, mit dieser Situation umzugehen?

Natürlich weiß niemand, ob diese Situation so eintreten wird. Das ist das Spannende, das Herausfordernde an der komplexen Welt. Aber wenn Mitarbeiter wie Chefs bereits im Voraus darüber nachdenken und diskutieren, wie sie auf eine mögliche Situation reagieren könnten, haben sie eine große Vielfalt an durchdachten Handlungsmöglichkeiten parat, sollte der Fall tatsächlich eintreten. Nur in den wenigsten Fällen wird genau die Situation eintreten, die Sie sich da ausgemalt haben, aber solche Bilder über die Zukunft sind sehr wertvoll, weil Sie dann nicht bei Null anfangen, wenn nicht alles nach Plan läuft. Oder kurz: Sie werden von der Zukunft nicht so stark überrascht.

Übrigens: In einer solchen Runde brauchen Sie keine Einigung darüber anzustreben, wie Sie in einer gegebenen Situation verfahren möchten. Es reicht, wenn Sie gemeinsam – und das ist wichtig: gemeinsam – Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, die dann zum Einsatz kommen oder auch nicht. Hauptsache, Sie halten die Bilder schriftlich oder bildlich fest. Denn dann kommen Sie weg von fluffigen Ideen, weil Sie sie klar aufschrieben müssen. Schriftlichkeit führt zu Klarheit.

Aber warum sich überhaupt die Arbeit machen, wenn ein Großteil der Ideen vermutlich nie zum Einsatz kommt, fragen Sie? Weil die Diskussionen darüber den späteren Problemlösungsprozess dramatisch beschleunigen werden. Und weil das immer noch besser ist, als seine Zeit damit zu verschwenden, Pläne zu machen, die ganz sicher nicht aufgehen werden.

In diesem Sinne: Ein erfolgreiches Wirtschaftsjahr 2016! Möge Ihr Unternehmen intelligenter vielfältiger und innovativer werden und sich robust gegen die Dynamik der heutigen Welt behaupten!

Und jetzt: Zurück an die Arbeit!


 

 

 

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