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Effizienz, Ja – Aber …

»Aber das senkt doch die Effizienz!«

Genau. So läuft das. Wenn Manager in Meetings zusammen sitzen, fällt früher oder später das E-Wort. Oder auch das P-Wort (Produktivität). Und dann ist Stille. Denn Effizienz, das ist der Grundkonsens der Manager: Mehr Effizienz, das brauchen wir auf jeden Fall!

Jetzt will ich gar nicht meckern – Effizienz ist wichtig in jedem Unternehmen. Darauf zu achten, ist natürlich nicht verkehrt. Mehr Leistung bei geringeren Kosten – D’accord!

… aber. Sie haben es geahnt: Ich habe ein Aber!

Das ständige Fokussieren auf Effizienz, wenn es um Veränderungen geht, wird der heutigen Realität einfach nicht mehr gerecht. Es ist ein Teilaspekt, ja, aber doch längst nicht alles, was ein erfolgreiches Unternehmen ausmacht.

Zu den oft zitierten Zeiten Frederick Taylors war das noch so. Seine ganze Grundidee lag ja darin, den optimalen Weg (»one best way«) zu finden, um die Produktivität so hoch wie möglich zu halten.

Warum? Andere Faktoren waren für den Markt schlicht nicht ausschlaggebend. Die Hersteller bestimmten den Markt. Es ging ums Massengeschäft.

Nehmen Sie zum Beispiel Waschmaschinenhersteller. Als Waschmaschinen sich in der zweiten Hälfte der 60er Jahre auf dem deutschen Markt durchzusetzen begannen, hatten die Hersteller einen potenziellen Markt von vielen Millionen Abnehmern – 1963 liefen noch weniger als 2 Millionen Waschmaschinen in deutschen Haushalten, im Jahr 2011 waren es rund 40 Millionen. Die Hersteller hatten aber nur ein begrenztes Volumen, das sie überhaupt produzieren konnten. Also galt es, dieses Volumen zu vergrößern, also möglichst viel aus den eingesetzten Ressourcen und den angestellten Mitarbeitern zu machen. Oder umgekehrt: pro hergestellter Einheit möglichst wenig Kapital einzusetzen. Also: Stückkosten senken!

Es war die Zeit des Verkäufermarktes: Preis und Verfügbarkeit waren das beherrschende Thema. Denn die potenziellen Abnehmer mussten sich eine solche Maschine überhaupt erstmal leisten können. Da reichte es zumeist aus, kostengünstiger als die Konkurrenz zu produzieren. Eine Waschmaschine kostete über 1.000 DM, was als Familienausgabe eine große Nummer war. Vor allem, weil von einer Waschmaschinen nur die Hausfrau profitierte  – ja so waren die 60er Jahre…

Qualität oder Service spielte keine herausragende Rolle. Das westfälische Familienunternehmen Miele war mit seiner Qualitätsphilosophie fast schon ein Exot auf dem Markt. Ja, in einer Zeit, in der jeder Player Platz hatte und die Märkte träge waren, konnten es sich Unternehmen ohne größeres Risiko erlauben, ausschließlich auf Effizienz zu setzen.

Heute sind die Märkte viel enger als noch vor 100 Jahren, wem sage ich das. Die Konkurrenz ist größer und die Innovationen schlagen in rasender Geschwindigkeit ein. Da können es sich Unternehmen nicht mehr erlauben, lange bei nur einem Produkt zu bleiben und das lediglich so effizient wie möglich zu produzieren.

Je enger der Markt wird, desto mehr Faktoren kommen dazu, durch die sich die unterschiedlichen Anbieter voneinander differenzieren können und müssen. Und darum spielen heute noch viele andere relevante Wettbewerbsfaktoren eine Rolle – sozusagen ein komplexes Sammelsurium vieler Faktoren: Zum Beispiel Qualität, Serviceverhalten und Servicegeschwindigkeit, Flexibilität, Design, Benutzerfreundlichkeit, Markenimage, Arbeitgeberreputation, Kommunikationsverhalten, Innovation, etc. Ihnen fallen mit Sicherheit noch einige mehr ein, wenn Sie darüber nachdenken.

Alle diese Faktoren können den Ausschlag für oder gegen das Überleben einer Company geben. Einen davon gedanklich an die Spitze zu stellen und die anderen dem unterzuordnen, ist ein Holzweg. Wer weiß, womöglich können Sie die Faktoren heute doch in eine Reihenfolge bringen, diese wird sich aber morgen schon geändert haben.

In jedem Unternehmen und jeder Abteilung, jedem Team, bei jedem Projekt sind die Wettbewerbsfaktoren natürlich unterschiedlich gewichtet. Aber wenn Sie nur einen davon herausgreifen, dann missachten Sie die anderen. Ach ja, und nicht zu vergessen: alle Faktoren sind miteinander vernetzt, voneinander abhängig. Kurzum: Komplex, das Ganze!

Und die Realität ist: Heute kann auch das effizienteste Unternehmen untergehen.

Jetzt bitte nicht das gedankliche Kind mit der Waschtrommel ausschütten: Effizienz ist immer noch ein relevanter Wettbewerbsfaktor, aber eben schon lange nicht mehr der einzige. Wer am Markt gewinnen will, muss eine Sicht über das Dogma der Produktivität hinaus entwickeln.

Viele Unternehmer haben das natürlich längst begriffen. Sie wissen, dass es auf weit mehr ankommt als auf den Output pro Zeiteinheit. Und gerade deshalb wundert es mich ja auch, dass ich in Meetings fast nie höre: »Aber das senkt doch die Servicequalität!« Oder: »Ja, da sinkt die Produktivität ein wenig, aber dafür steigert es ja unser Markenimage erheblich.«

So viele Manager halten eisern an der Effizienz fest. Ist es das, was sie kennen?


 

 

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