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Einigkeit macht schwach!

Sind Sie einverstanden? Haben wir einen Konsens? Und wenn ja – warum? Ja, warum, wieso, weshalb wir einverstanden sind, möchte ich wissen.

Die Frage ist nicht so trivial, wie sie klingt, glauben Sie mir. Jedenfalls habe ich mir ziemlich den Kopf darüber zerbrochen. Genauer formuliert: Ich habe mich gefragt, warum in unserer Gesellschaft in vielen Angelegenheiten ein sehr, sehr breiter Konsens herrscht, obwohl über die Angelegenheit, um die es jeweils geht, genausogut zig andere Meinungen kursieren könnten. Es gibt da so eine Sorte Massenphänomen, das zur Homogenisierung und Pasteurisierung, und damit zur Sterilisierung der Meinungsvielfalt führt. Jedenfalls war das so mein Gefühl, als ich meiner Tochter beim Schimpfen zuhörte.

Das Gefühl, das ich meine, wäre ähnlich der Verwunderung, die Sie verspürten, wenn Sie in einem Wald spazieren gingen und plötzlich bemerkten, dass um Sie herum ausschließlich Buchen wachsen. Keine Eichen, keine Erlen, keine Eschen, keine Ulmen. Und schon gar keine Nadelbäume. Und Sie fragen sich: Hoppla! Wie kommt das eigentlich?

Das kam mir ins Bewusstsein, als ich mit meiner 14jährigen Tochter in Amsterdam unterwegs war. Unter uns Vätern: Das ist ja wirklich ein interessantes Alter, oder? Die Mädels sind noch keine Frauen, aber eben auch keine Kinder mehr. Und das merkt man nicht nur an ihrem Äußeren, sondern auch daran, was zwischen ihren Ohren vor sich geht: Die Gespräche mit meiner Tochter werden gerade immer interessanter, denn sie werden intellektueller, tiefer, differenzierter. Und ich muss gestehen: Mir macht es immer mehr Freude, mich mit meiner Tochter zu unterhalten.

Wir kamen beim Plaudern auf irgendwelchen Pfaden auf das jüngste Schulmassaker in den USA zu sprechen, insbesondere auf die öffentlichen Reaktionen der Schüler darauf. Meine Tochter fand es sehr cool, wie sich die Schüler vor den laufenden Kameras präsentierten und für ihre Sache einstanden: für Verschärfung der Waffengesetze. Sie fühlte sich richtig rein in deren Situation und war mit ihrem sehr ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden voller Verständnis für das was sie sagten und forderten. Und dass sie gegen Donald Trump protestierten.

Und dann ging es los: Ich wohnte staunend bei, wie sich eine wahre Hasstirade Bahn brach. Der Trump, der sähe schon so scheiße aus. Warum der das mache? Warum der nicht die Waffen verbiete? Warum dieser *piep* in Kauf nähme, dass Schüler ermordet werden? Und überhaupt sei dieser *piep* ja ein *piep*, so wie der redet. Und außerdem *piep*, *piep* und *piep*“!

Sie können es sich vorstellen, nehme ich an. Im Großen und Ganzen bekam ich genau das verabreicht, was ansonsten in der Süddeutschen oder in der Zeit über Trump zu lesen ist, was in den Tagesthemen oder in den Talkshows von Lanzillnermaischbergerplasberg über Trump zu sehen ist und was im Deutschlandfunk oder beim SWR über Trump zu hören ist: negativste, abgrundtief ablehnende Meinungen. Inhaltliche Übereinstimmung: 100%. Nur eben in der Sprache und aus dem Mund eines Teenagers.

Diese nicht enden wollenden Negativbewertungen des US-Präsidenten gibt es seit der Kandidatur Donald Trumps und erst recht seit seiner für die Medien völlig überraschenden Wahl zu allen Anlässen, die sich bieten. Und das sind viele. Das Trump-Bashing in den Medien ist so konstant und so hochfrequent, dass ich mich schon bisweilen frage, was dieses Trommelfeuer eigentlich bezwecken soll und ob die Journalisten nichts Besseres zu berichten haben. Man stumpft ja als den Journalisten wohlwollend gegenüberstehender Meinungsempfänger irgendwann ab, oder nicht?

Natürlich liefert ein Putin oder ein Erdogan nur gefühlt einen Anlass pro Woche für Nachrichten, während Trump alleine schon durch seine kommunikative Direktlinie zum Volk via Twitter für locker fünf bis sechs News am Tag sorgt. Und da die Währung der Massenmedien neue Informationen sind, wird somit eben sehr viel über Trump berichtet. Das ist leicht zu verstehen.

"Warum arbeiten sich eigentlich alle an Trump dermaßen ab?"Gut, aber warum so negativ? Warum arbeiten sich alle an Trump dermaßen ab? Und zwar alle! Jedenfalls alle im Hauptstrom der Massenmedien. »Nirgends kommt Trump schlechter weg als im deutschen Fernsehen«, titelte die Zeitung Die Welt Ende Mai. Zitiert wurde eine Harvard-Studie, die die Berichterstattung der führenden amerikanischen und europäischen Medien ausgewertet hatte. Das Ergebnis: 98% der wertenden Berichte im Ersten waren negativ.

Bei genauerem Hinsehen stellte sich dann heraus, dass nicht die ARD insgesamt in die Studie eingeflossen war, sondern nur die Tagesthemen. Außerdem sind etwa ein Drittel der Nachrichten neutrale Infos, also nicht wertend, und die flossen in die Ergebnisse gar nicht mit ein. Und nicht zuletzt wurden Ereignisse, die für Trump ganz objektiv negativ waren, wie zum Beispiel, als einer seiner Erlasse von einem Gericht gestoppt wurde, in der Studie ebenfalls als negativ wertend gezählt – was natürlich ein Kategorienfehler und damit schlicht falsch ist.

Aber auch wenn man das alles mit berücksichtigt: Im Ergebnis kommen dann dennoch etwa zwei Drittel Negativmeinung, etwa ein Drittel neutrale Berichterstattung und etwa ein Prozent positive Meinung dabei heraus. Und das entspricht in bemerkenswerter Übereinstimmung der Meinung meiner Tochter. Und der aller anderen führenden Medien in Deutschland: Trump ist *piep*.

Woran liegt das? Es gibt zwei, nein, drei Möglichkeiten. Das gebietet die Logik: Entweder liegt es am amerikanischen Präsidenten oder es liegt an den Medien oder an beiden. Einverstanden?

Dass es selbstverständlich am US-Präsidenten liegt, mit Verlaub, aber das ist mir zu billig. Ja, na klar, ich mag den ja auch nicht. Jedenfalls nach all dem, was ich aus den Medien weiß. Da fängt es schon mal an. Mein Bild, das ich von ihm habe, ist selbstverständlich ein bereits vorgefiltertes Zerrbild. Ich kenne den ja nicht wirklich, also persönlich. Sie etwa?

Ja, er scheint egozentrisch zu sein, irgendwie proletenhaft, sexistisch, auch tölpelhaft, natürlich undiplomatisch und auch undifferenziert. Das sehe ich auch. Aber das sind nur oberflächliche Eindrücke. Es gibt alte Interviews, wo er weitaus intelligenter rüberkommt und einen größeren Wortschatz zu haben scheint. Hat er sich die einfache Sprache also nur extra für die Präsidentenrolle antrainiert? Wenn ich ehrlich bin, kann ich mir kein echtes Bild machen.

Unsympathisch finde ich ihn. Ich weiß nur nicht, ob dieses Empfinden durch die Medien erzeugt wurde oder durch ihn selbst. Ich stelle mir jedenfalls vor, wie ich mich in seiner Gegenwart fühlen würde – ich würde mich ziemlich sicher unwohl fühlen. Er hat vor der Kamera so ein autoritäres Machtgehabe, selbst die wichtigsten Menschen trauen sich in seiner Gegenwart nicht frei zu sprechen. Ich kenne ja solche Typen aus dem wahren Leben und die sind mir immer in hohem Maße unsympathisch.

Aber Moment: Es ist nicht seine Aufgabe, sympathisch zu sein! Alleine das macht die Sache schwierig. Er wird ja immer gerne mit seinem Vorgänger verglichen, und der war nach den allgemeinen Maßstäben ein toller Mann, beste Manieren, gutes Aussehen, geschliffener Ton, gewinnendes Lächeln, ein Herz für Kinder und für Tiere. Ein Musterpräsident, der einem das Herz warm werden lässt. Aber auch das ist nicht die eigentliche Aufgabe eines Präsidenten!

Die Repräsentation seines Landes gehört selbstverständlich zu seinen Aufgaben, aber ich kann mir gut vorstellen, dass viele Amerikaner sich durch den autoritären Haudrauf Trump besser vertreten fühlen als durch den eloquenten Intellektuellen Obama. Und dass Trump aus seiner Perspektive im Sinne seines Volkes verhandelt und Entscheidungen trifft, das kann man ihm nicht absprechen.

Als im Wahlkampf die riesige Empörungswelle durch die Medien schwappte, weil das Clinton-Team alte Aufnahmen in die Öffentlichkeit spülte, in denen Trump sexistische Bemerkungen im Stile von Männerumkleidekabinengesprächen von sich gab, schnappte ich auch erst nach Luft. Das musste der K.O.-Schlag für ihn gewesen sein. Aber dann dachte ich: Moment mal, der Typ hat ja durchaus recht: So wird in Männerumkleidekabinen tatsächlich ab und an gesprochen, so schauerlich das auch in der Öffentlichkeit klingt. Und heute glaube ich, dass Trumps Glaubwürdigkeit bei vielen seiner Wähler dadurch eher gewonnen als verloren hat.

Ja, und dann wird ihm von den Journalisten wie auch von deutschen Politikern andauernd das böse P-Wort vorgeworfen.

Uff, seien Sie mir nicht gram, aber bei allen denkbaren und kursierenden Definitionen des Flutschbegriffs Populismus: Einem Politiker Populismus vorzuwerfen ist wie einem Sportler das Schwitzen vorzuwerfen. (Diesen Spruch finde ich so gut, dass ich ihn beim Kabarettisten geklaut habe. Danke, Hagen Rether!)

Die Medien und allerlei Intellektuelle haben aus dem ehemaligen Fachbegriff Populismus doch glatt einen Vorwurf, ja ein Schimpfwort gemacht: Heute scheinen Populisten nur all diejenigen zu sein, die oder deren Meinung der jeweilige Journalist nicht mag. In Wahrheit kann jeder jedem Populismus vorwerfen. Wahlweise gerne auch mir. Und genau das passiert ja auch: Trump ist ja nicht der einzige, der den P-Stempel auf der Stirn tragen muss. Hagen Rether hat den Spruch übrigens seinerzeit über den Linken Oskar Lafontaine gesagt.

Ob die annähernd null Prozent Zustimmung der Journalisten also an Trump selbst und seiner ganz spezifischen Art, seiner Politik, seinem Aussehen, seinen Sprüchen oder an sonst einer seiner persönlichen Eigenschaften liegt, wage ich zumindest zu bezweifeln. Es erklärt für mich nicht die gespenstische Einigkeit der Medien.

Schauen Sie also mit mir auf die andere Seite. Setzen Sie sich mal bitte kurz die systemtheoretische Brille auf, damit Sie nicht nur die Medien, sondern den ganzen Medienzirkus sehen: Dieser Zirkus versorgt jeden Einzelnen von uns mit einem derartig umfangreichen Zustrom an Informationen, dass dadurch die Verständlichkeit der Welt für viele nicht zu-, sondern abnimmt. Die durch die Medien abgebildete Welt scheint für viele Menschen immer komplexer zu werden.

Für den einen oder anderen zu komplex.

Man dreht beinahe durch. Denn wir haben den werksseitig eingebauten Drang, die Welt zu verstehen. Verständlich, dass viele angesichts der scheinbar auseinanderfallenden Welt eine Antwort suchen, ein Erklärungsmuster, das die Welt so weit trivialisiert und simplifiziert, dass sie es wieder zusammenhält. Und sei die Antwort auch noch so düster. In diesem Sinne ist jedwedes Erklärungsmuster, das überzeugend vorgetragen wird, anschlussfähig.

Ich finde das kritisch. Ja gefährlich. Aber ich verstehe zumindest das Bedürfnis: Lieber glauben die Leute an Verschwörungstheorien als durchzudrehen.

Und nun bitte ich Sie ehrlich zu sein. Ich gehe auch mit guten Beispiel voran: Die ganze Umweltschutzdebatte beispielsweise überfordert mich. Mir ist das zu komplex, ich steige da nicht durch. Und mit dem Umgang mit der Armut in der Welt ist das genauso. Jede Antwort könnte zu einfach sein. Mein Freund Mark war neulich in Uganda, wo seine Frau eine Stiftung betreibt. Dort gibt es Dörfer, wo im Rahmen eines britischen Entwicklungsprojekts Brunnen gebaut worden sind.

Brunnen in Afrika? Das ist doch zweifellos gut, oder?

Nein, ist es nicht! Die Wasserversorgung ist ein soziales Phänomen, das in der Vergangenheit ganz passabel funktioniert hat, weil es von den Stämmen im Laufe der Jahrhunderte bestens organisiert worden ist. Sonst gäbe es die Stämme ja heute nicht mehr. Die von menschenfreundlichen Westlern gebauten Brunnen haben dieses soziale Gefüge durcheinandergebracht und teilweise ersetzt. Nun kommen da bisweilen böswillige Leute und schütten die Brunnen zu oder vergiften sie gar. Da die herkömmliche Wasserversorgung nicht mehr existiert, bricht Not aus. Daraufhin gibt es Kämpfe, Rache, Gegenmaßnahmen. Der soziale Friede ist empfindlich gestört. Dass die Brunnenbauerei gut gemeint war, ändert daran nichts.

"Es hätte auch ganz anders kommen können"Wir gehen für gewöhnlich mit gutem Glauben an komplexe Fragestellungen heran. Dabei haben wir relativ einfach gestrickte Ursache-Wirkungs-Muster im Kopf. Und weil die Welt komplexer ist, als es den Anschein hat, unterliegen wir Menschen dabei krassen Fehleinschätzungen und erzielen oft mehr Schaden als Nutzen. Weil da draußen eben alles so unfassbar komplex ist. Im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar.

So, und eine simple Wahrheit ist nun: Journalisten sind auch nur Menschen.

Ich teile die luhmannsche These, dass die einzelnen Subsysteme der Gesellschaft, wozu auch die Medien und die Politik gehören, sich gegenseitig beobachten und aufeinander reagieren. Meinungen, die übereinstimmen, verstärken sich dabei gegenseitig, sie gehen in Resonanz. Irgendwann entsteht so etwas wie eine stehende Welle oder ein alles andere übertönender Ton: Eine Moral. Ein Konsens. Eine aktuelle, stillschweigende Übereinkunft, was gut und richtig ist. Ein Hauptstrom.

Dass Plastiktüten umweltschädlicher als Papier- oder Jutetüten sind, ist so ein Hauptstromkonsens, den wir uns eingehandelt haben. Dass das gar nicht stimmt, weil die Wirklichkeit viel komplexer ist, finden Sie erst heraus, wenn Sie sich eingehend damit beschäftigen. Meine Perspektive ist: Wir finden Plastiktüten irgendwie schlecht, nicht weil das die vernünftigere Position, sondern weil das die derzeit moralischere Position ist.

Und so eine Moral fängt man sich ein wie einen Regentag an der Hochzeit. Mit anderen Worten: Es hätte auch ganz anders kommen können.

Es hätte auch sein können, behaupte ich jetzt einmal frech, dass sich der mediale Hauptstrom ganz anders entwickelt hätte, nämlich pro Trump und contra Clinton. Immerhin sagten viele Amerikaner: ›Du kannst zwar Trump auf keinen Fall wählen, aber die Clinton erst recht nicht.‹ Vielleicht hätte schon eine einzige gut gemachte und zur rechten Zeit gesendete Dokumentation in der ARD über die Machenschaften Hillary Clintons ausgereicht und die ganze Sache wäre in die andere Richtung gekippt.

Jeder Journalist, der über Trump schreibt, hätte im Hinterkopf die Clinton-Geschichte gehabt. Er hätte beim Schreiben überlegt, was die Leser schon wissen und erwarten. Daraus hätten sich seine eigenen Erwartungen gebildet, die in den Text eingeflossen wären und die wiederum die Erwartungen der Leser und der anderen Journalisten beeinflusst hätten, die wiederum mit ihren Erwartungen an den nächsten Text gegangen wären und so weiter. Eine ganz andere Moral hätte sich aufgebaut: ›Gut, dass es Trump geworden ist und die Gefahr Clinton abgewendet wurde!‹

Hätte. Wäre. Wenn.

Und wenn Sie dann noch wissen, dass die Summe der persönlichen Meinungen der Journalisten keineswegs dem repräsentativen Durchschnitt entsprechen, sondern bei einer Bundestagswahl unter Politikjournalisten laut einer Statista-Umfrage die Grünen die mit Abstand stärkste Partei wären, dann wird Ihnen klar, dass der Resonanzboden der deutschen Medien nur bestimmte Tonarten klingen lässt. Keine Nadelbäume. Nur Buchen.

Im Ergebnis: Die Medien bilden aus systemischen Gründen immer einen Meinungshauptstrom, und das war schon immer so. Nur entsteht er derzeit schnell und stark, vermutlich weil das Internet das Resonanzphänomen beschleunigt und verstärkt.

Die Frage ist nur: Was mache ich jetzt damit?

Die Erkenntnis, dass die Existenz einer überwältigenden Einheitsmeinung Teil des Systems Medien ist und nicht durch eine geheimnisvolle Weltverschwörung von oben gesteuert wird, kann sehr entlastend wirken. Mir geht es jedenfalls so. Niemand ist schuld. Niemand versucht, Sie gezielt per Staatsfunkpropaganda gehirnzuwaschen. Die Hauptstromresonanz kann nicht gesteuert werden. Vielleicht beeinflusst oder irritiert, aber nicht gelenkt. Die Massenmedien sind halt so, wie sie sind.

Stattdessen können nur Sie selbst etwas tun: Sie könnten zum Beispiel wissen, dass die Wahrheiten, die ARD und ZDF vermitteln, nicht die Realität sind. Und Sie könnten wissen, dass vieles Realität ist, was in ARD und ZDF nicht vorkommt. Fernsehbilder und tagesaktuelle Zeitungsartikel sind gefiltert, gescriptet, geformt und stehen in Resonanz mit dem Meinungshauptstrom. Ist so.

Was ich selbst ausprobiert habe und was wirklich hilft: Nehmen Sie die Echtzeit aus dem Spiel! Zeitversatz hilft. Schauen und lesen Sie nicht täglich News, sondern lieber längere und gründlichere Artikel, die zeitlich deutlich später kommen! Bleiben Sie skeptisch! Hinterfragen Sie!

Schauen Sie sich etwas von den Stoikern ab und gewöhnen Sie sich mit viel Selbstbeherrschung an die Unsicherheit und die Unfassbarkeit der Welt. Ich würde mich nicht als Stoiker bezeichnen, denn weder glaube ich an die Kausalität der Welt noch an die gestaltende Göttlichkeit. Aber manchem, was die Stoiker sagten, dem kann ich schon etwas abgewinnen. Wie zum Beispiel dem Spruch Marc Aurels:

»Mach dich von den Vorurteilen los, und du bist gerettet.«

Ich schlage Ihnen darum vor, den Medien nicht mehr alles abzukaufen. Beschränken Sie sich einfach mit ein wenig Demut darauf, das Globale nicht zu verstehen. Die Hauptstrommeinung, wer gut und wer böse ist, fange ich mir so nicht mehr ein.

Und verstehen Sie das bitte nicht als Plädoyer fürs Unpolitische! Ganz im Gegenteil: Bitte debattieren Sie dennoch und handeln Sie lokal, in Ihrem Einflussbereich gemäß Ihren Prinzipien!

Sind Sie einverstanden? Haben wir einen Konsens?

 

Ach, was Sie übrigens auch noch machen können, um sich von der ohrenbetäubenden Hauptstromresonanz nicht aus der Fassung bringen zu lassen: Sprechen Sie die handelnden Akteure, die Politiker und die Medienschaffenden, doch mal direkt auf dieses Phänomen und ihren Beitrag dazu an. (Dank des die Welt zum Dorf machenden Internets ist das heute ja sogar praktikabel.) Das könnte denen peinlich sein. Und es könnte gesunde Zweifel an genau der richtigen Stelle säen.

Na ja, oder auch nicht. Es könnte auch sein, dass genau diese richtigen Stellen blind und taub dafür sind, dass sie großenteils Mit-dem-Strom-Schwimmer sind. Wer will das schon zugeben?

Ich denke, ich probiere das gerade mal aus. Bei den Profis. „BILD dir deine Meinung“, heißt es doch. Also gut, geben Sie mir ein paar Tage Zeit, ich schreibe denen …

 

Bis zum 15. Juni 2018 werde ich ganz sicherlich soweit sein, dann erscheint der zweite Teil von Vollmers Waschtag. Wenn Sie über das Erscheinen informiert werden möchten, so melden Sie sich bitte hier unten mit Ihrer E-Mail Adresse zu der Benachrichtigungsliste an – Sie erhalten dann bei jeder Ausgabe einen kurzen Hinweis, erstmals am 15. Juni.


 

Vollmer Waschtag gedruckt


Lars Vollmer wäscht Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit – also nicht seine eigene, sondern eher die der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. In seiner Publikationsreihe »Vollmers Waschtag« nimmt er seine Leser mit auf eine längere gedankliche Reise. Die Essays erscheinen ab sofort auch in gedruckter Form – im handlichen Pocket-Format zum Lesen, Verschenken und Sammeln.

Ausgabe 1 / 2018 – »Weniger Demokratie wagen!«

Lars Vollmer ist in seiner Wahlheimat Barcelona in Spanien Teil einer illustren Runde aus politisch interessierten Menschen, die sich über das Zeitgeschehen austauschen – gerne auch mal etwas lauter. Aber während des letzten Calçotada wurde er gewahr, dass die regen Diskussionen der Stille gewichen sind. Der Wunsch vieler Katalanen nach Freiheit und Unabhängigkeit steckt in einer Sackgasse und die Gespräche verstummen darunter resigniert.

In Deutschland sieht es allerdings kaum besser aus. Hier herrscht Ratlosigkeit nach einer Wahl, deren Ergebnis nicht zu Schuldbekenntnissen, sondern Schuldzuweisungen führte. Die Betroffenen nutzen immer wieder den Begriff »Demokratie« – in jedwedem Kontext, in dem es gerade passt. Wo man hinschaut, wird der Begriff »Demokratie« pervertiert und sich der gegenseitige Missbrauch dessen vorgeworfen, vor allem natürlich in der Regierung. Deshalb ist für Vollmer klar: »Demokratie ist ein Topfwort geworden, ein Bedeutungscontainer, eine Begriffshalde für alles Gute.« Keiner weiß mehr, was Demokratie eigentlich sein soll und selbst die großen sozialen Parteien sind sich der Bedeutung augenscheinlich nicht mehr sicher.

In seinem offenen Brief an die alte Dame SPD will Lars Vollmer genau auf dieses Problem hinweisen. Er hält ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Klartext sowie weniger Drumherumgerede und Flutschbegriffe.

 

 

2 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel, der mir quasi von der Seele geschrieben wurde! Ich hatte mich vor etwa 5 Jahren dazu entschlossen, dieser Infokakofonie den Rücken zu kehren. Ist das eine wohltat. Ich nehme die Meldungen nur koch aus dem Augenwinkel wahr. Und warte ab. Und am Ende kommt dann die Ent-Täuschung auf dem Fuße. Aktuelles Beispiel:
    http://m.dw.com/de/politiker-sehen-fall-skripal-in-neuem-licht/a-43831827?xtref=http%253A%252F%252Fm.facebook.com%252F

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