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Ep. 64 Wissensmanagement – Wenn sie doch nur wüssten, was sie wissen

Die Episode 64 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:

Was für ein kurioses Telefonat: Da rief mich ein alter Studienfreund vor Kurzem an, der inzwischen im großen Konzernverbund arbeitet und nun in irgendeiner Arbeitsgruppe für das ›Wissensmanagement‹ mitarbeitet – der arme Kerl.

Und er klagte mir ein Stück weit sein Leid: ach wenn sie doch nur wüssten, was sie alles wissen. Und sie hätten nun in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen 10-stelligen Betrag schon für ihr Wissensmanagement ausgegeben. Aber einen richtigen Nutzen würde das immer noch nicht bringen.

Das Telefonat entbehrte nicht einer gewissen Ironie, denn es lag eigentlich schon auf dem Weg zu seiner Lösung. Das lag nicht daran, dass ich es war, den er anrief, sondern viel eher, dass er es war, der den Hörer abgenommen hatte. Denn mittels Wissen kann man ja nur Probleme lösen, die es bereits schon einmal gegeben hat. Und die kann man dann auch sauber verschlagworten – wenn man das intelligent macht und ein paar gute Algorithmen hinzufügt, dann kann das funktionieren, aber sie haben halt bemerkt, dass ihr Wissensmanagement keine *neuen* Problem löst, für die es – natürlich – kein Wissen geben kann. Sonst wären sie ja nicht neu.

Und jetzt plötzlich braucht es Ideen. Und Ideen stecken in den Daten letztlich nur sehr bedingt drin. Jetzt braucht es Personen, die Ideen entwickeln. Es braucht Leute die eine Vermutung haben, wo genau man in den Daten suchen könnte, um Anhaltspunkte für mögliche Lösungen zu finden. Aber das ist eine Funktion des Könnens, nicht des Wissens. Dazu braucht es Leute.
Und gleichzeitig braucht es Leute, die den Hörer in die Hand nehmen oder ein Treffen vereinbaren, die Ansehen haben. Und so musste er es sein, der mich angerufen hat. Und ich ihm natürlich auch eine Antwort gegeben habe, weil er bei mir hohes Ansehen genießt. Und deswegen habe ich ihm auch eine Antwort gegeben. Ob die am Schluss auch zur Lösung beiträgt, wird sich zeigen.

Aber wenn der Glaube weiterhin besteht, dass man mit Wissen neue Probleme lösen könnte, dann werden sie noch ein paar 10-stellige Beträge zusätzlich da reinschießen müssen, bevor sie frustriert aufgeben.

 

 

Sehen Sie dazu auch meinen GedankenGang vom 24. Juli 2014 aus New York: Teufelskreis des Projektmanagements


 

 

 

2 Kommentare

  1. Verehrter Andreas

    na das ist ja zu wahr, um schön zu sein! Mit Wissen kann man sich tatsächlich ziemlich vergaloppieren. Sowohl mit dem Begriff selbst, wie auch bei Versuchen, es via Management zu konservieren. Wobei Wissensmanagement durchaus gut sein kann, wenn das Ding gemacht wird, nachdem die Fähigkeiten zur Problemerkennung, Ursachenanalyse und Lösungsfindung erworben wurden.

    Die meisten Unternehmen versuchen das leider unabhängig davon oder parallel. Blöd, dass es ohne gelöste Probleme nichts gibt, was sich in dem Fall managen ließe. Dazu kommt noch die quasi-religisöse Annahme, dass man die Problemlösung einstellen kann, sobald man Wissensmanagement eingeführt hat, weil man dann ja alles weiß.

    Der eigentliche (Un)sinn beim Wissensmanagement, liegt für mich auch darin, es stur auf „wiederkehrende“ Probleme anzuwenden. Man nordet seine Organisation also darauf ein, auf genau solche Fälle zu lauern. Grottenschlecht, wenn das Problem dann in seicht abgewandelter Form in einem anderen Prozess, einem anderen Produkt oder einem anderem Standort auftritt. Das Ortungssystem unseres Wissensmanagements sagt dann gerne schon mal, „Kenn ich nicht“. Und haben wir dann an einem Abgasskandal oder einem halbblinden Fahrassistenzsystem vorbei geschaut. Herzlichen Glückwunsch!

    Übrigens auch interessant ist der Begriff des „neuen Wissens“. Als kürzlich die erste Gravitationswelle messtechnisch nachgewiesen wurde, johlte die gesamte Physikergilde, dass man nun enorm viel Wissen hinzu gewonnen hätte. Mit diesem „neuen“ Wissen könnten wir das Universum besser erforschen, da ein neues Auge ins All geöffnet worden sei. Das ist unbestritten toll, genauso wie es unbestritten eine herausragende technische Leistung ist.

    Nur das Wissen ist nicht neu!

    Dank Onkel Albert lag das Wissen bereits seit ziemlich genau 100 Jahren vor. Es ist jetzt „nur“ messtechnisch bestätigt worden. Ist bei den vor sich hin plärrenden Medien nur keinem aufgefallen.

    Ganz schön vertrackt, das Ding mit dem Wissen….

    Grüße aus Hannover
    Frank

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