Führung, Organisation, Wirtschaft
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Es gibt keine dumme Fragen … falsche aber schon!

Wenn ich von Wrong Turns spreche, wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie sich Wrong Turns denn in Right Turns verwandeln lassen. Wie sich Manager stattdessen verhalten sollen oder wie das Unternehmen anders gestaltet werden kann.

Da kommen dann so Ausrufe wie:

  • »Keine Assessment Center mehr? Wie sollen wir denn dann geeignete Mitarbeiter finden, ohne ein Vermögen dafür auszugeben?«
  • »Keine Pläne mehr machen und deren Einhaltung fordern? Wir arbeiten in der Realwirtschaft, Herr Vollmer, wie sollen denn dann Ziele erreicht werden?«
  • »Nicht mehr nach bewährten Mustern agieren? Wie sollen wir denn sonst handeln?«

Genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten, damit Sie nicht in einen neuen Wrong Turn schlittern. Denn solche Fragen zielen darauf, ab, das alte Rezept einfach gegen ein neues einzutauschen. Dabei funktionieren Rezepte in der komplexen Welt ja gar nicht, weil sie einer simplen Wenn-Dann-Logik folgen. Neue Rezepte sind genauso toxisch wie alte.

Was also tun?

Ich schlage vor: Stellen Sie die richtigen Fragen!

Klar, als Kind wurde mir gesagt, es gäbe keine dummen Fragen. Und das stimmt vermutlich auch. Aber es gibt dennoch falsche Fragen. Das sind solche, auf die es keine richtige Antwort gibt. Falsche Fragen ziehen immer, ja wirklich immer auch eine falsche Antwort nach sich – oder bestenfalls Unsinn.

Um Ihnen das zu verdeutlichen: die Frage an einen Schlagzeuger, wie stark er denn in sein Instrument reinpusten müsse, damit ein Ton rauskommt, bringt nur Unsinn als Antwort. Jedenfalls wenn der Schlagzeuger die Frage ernst nimmt. Es ist hier nicht schwierig, die Dummheit der Frage zu erkennen und so lacht man drüber oder dreht sich genervt weg.

Im Unternehmensumfeld kommen falsche Fragen natürlich nicht so plump daher. Sie tarnen sich schon fast und klingen vordergründig professionell. Das sind Fragen wie:

  • »Wie verbessern wir eigentlich unser Projektmanagement?«
  • »Wie kriegen wir die Mitarbeiter dazu, motivierter zu arbeiten?«
  • »Wie sollten wir Ideenkonferenzen gestalten, damit wir mehr Innovationen bekommen?«

Erkennen Sie die Gemeinsamkeit der falschen Fragen? Sie fangen alle mit »Wie« an. In komplizierten Situationen, wenn es z.B. um technische Einrichtungen geht, um etwas Kausales, etwas Mechanistisches, ist das auch total spitze. Dann können Sie getrost fragen, wie Sie beispielsweise die Fernbedienung programmieren können. Darauf dürfen Sie sich eine eindeutige und korrekte Antwort erwarten. Und falls Sie eine falsche Antwort auf Ihre Frage bekommen, dann merken Sie das sofort. Weil es dann eben nicht funktioniert.

Ja, wenn es um reine Wissensvermittlung geht, dann sind Wie-Fragen großartig.

Falsche-FragenDie entscheidenden Situationen heute sind aber komplex. Und da kommen Sie mit Wissen nicht weit. Da brauchen Sie Können, Talent, Gespür – und danach lässt sich nicht einfach fragen. Können ist nämlich anders als Wissen nicht übertragbar. Können muss sich jeder selbst aneignen – Sie müssen üben, bis Sie etwas wirklich können (Radfahren, Gitarre spielen, Verkaufen, Reden halten). Sie müssen zigmal auf die Schnauze gefallen und einmal mehr wieder aufgestanden sein. Und irgendwann spüren Sie, dass Sie es besser können als zuvor. Ja genau: spüren, nicht wissen.

Und darum bringt es auch nichts, mit einem »Wie« nach Können zu fragen. Da hilft nur die Frage nach dem »Wer«.

Ein Fußballtrainer fragt sich zwar auch, WIE er die gegnerische Mannschaft besiegen soll. Aber noch viel wichtiger ist die Frage, WEN er auf den Platz stellt.

Und so ist es auch in Unternehmen:

  • WER hat im Unternehmen das größte Können, dieses schwierige Projekte zu meistern? Nicht: Wie verbessern wir unser Projektmanagement?
  • WER im Team hat die besten Ideen? Nicht: Wie steuern wir die Innovationsprozesse?
  • WER hat das beste Gespür für Talente? Nicht: Wie führt man ein gutes Bewerbungsgespräch?
  • Wenn keiner der Beteiligten merkt, dass falsche Fragen auf dem Tisch liegen, kann es passieren, dass jahrzehntelang immer wieder neue Antworten gefunden werden, von denen aber natürlich keine weiterhilft. Und dann wundern Sie sich, warum es mit dem Leben ab- und nicht aufwärts geht.

Wenn Sie also Wrong Turns vermeiden möchten, fangen Sie an, die richtigen Fragen zu stellen. Sicherlich gibt es auch auf richtige Fragen falsche Antworten. Aber aus einem solchen Irrtum lässt sich lernen.

Wenn Sie aber schon die falsche Frage stellen, dann machen Sie auf jeden Fall eines – und zwar Fehler. Und aus dem werden Sie nicht lernen können.

Dennoch meine abschließende Frage: WIE geht es Ihnen heute?


4 Kommentare

  1. Robin Nash sagt

    Hallo Lars,

    den Artikel finde ich total Klasse. Aber ich würde die richtige Fragen gerne noch um eine richtige Fragenart erweitern, nämlich die „Was“ Fragen. Diese kann man zusammenfassen unter der Frage: „Was muss passieren, damit ein gesetztes Ziel erreicht werden kann?“ Und dazu kann man sogar festlegen, wie eine richtige Antwort aussehen sollte, bzw. wie eine falsche aussieht.

    Ich habe früher gerne mal auf die Frage „Geht das?“ gerne mal geantwortet: „Es geht nicht, weil…“ Mein damaliger Chef hat mir dann geraten, diese Frage immer mit „Es geht, wenn…“ zu beantworten. Er könne dann selber entscheiden, ob er den nötigen Aufwand betreiben möchte. Die Frage „Geht das?“ ist dabei natürlich der Wrong Turn, bzw. die falsche Frage, die durch die richtige Antwort „Es geht, wenn…“ geheilt wird. Daher die oben vorgeschlagene „Was“ Frage.

    Viele Grüße
    Robin

  2. Lieber Lars,
    ich lese Deine Blogbeiträge und schaue mir auch Deine Videos immer sehr gerne an. Ich halte dann inne und hinterfrage mich immer wieder selbst. Fragen zu stellen ist ganz einfach, die richtigen Fragen zu stellen eben nicht.
    In diesem Blog sind mir aber zwei Dinge aufgefallen, welche ich etwas anders sehe:

    Zum einen kann man Wissen nicht vermitteln. Wir können nur Informationen (Daten, Fakten, …. ) aufnehmen und jeder Mensch verarbeitet diese Informationen in seinem eigenen Erfahrungs- und Wissenskontext zu seinem eigenen Wissen. (Der Nürnberger Trichter funktioniert halt nicht.).

    Zum anderen brachen wir um so mehr Kompetenz! Talent ist ja schön und gut und Wissen braucht es auch, aber wie viele inkompetente Hoch-Qualifizierte Menschen kennen wir? Ohne die notwendigen Kompetenzen geht es nicht, nur mit ihnen kann man in (zukunfts)offenen, komplexen Situationen kreativ und selbstorganisiert handeln.

    Ich freue mich schon auf die nächsten Gedankengänge, es wird bestimmt wieder ein Genuss werden.

    Vielen Dank und beste Grüße
    Franz-Peter

    • Lieber Franz-Peter,

      vielen Dank für Deine positiven Worte.

      Deine erkannten Widersprüche beruhen mE nur auf einer unterschiedlichen Begriffsgnutzung, inhaltlich scheint mir Konsens zu bestehen. So nutze ich beispielsweise das Wort ›Talent‹ weitestgehend als Synonym für ›Könner‹, also für jemanden mit Kompetenz. Es kommt mir dabei gar nicht drauf an, ob dieses Können aus einer natürlichen Begabung resultiert (die mE zumeist stark überschätzt wird) oder aus einer jahrelang ausgeübten disziplinierten Praxis.

      Ich wünsche Dir viel Freude bei den nächsten GedankenGängen.
      Lars

  3. Alfred Meier sagt

    Interessante Betrachtung, obwohl die Darstellung nicht besonders gelungen auf mich wirkt. Zum einen ist das Beispiel mit dem Schlagzeuger sehr anschaulich. Auch obwohl die Frage starken suggestivcharakter hat, da schon vorgegeben ist, dass der Fragende zum Pusten etwas wissen moechte, was aber gar nicht Teil der Sache ist.

    Doch dann kommen die unternehmerischen Fragen und es wird sich auf das ‚Wie‘ gestuerzt, seine angebliche ‚Falschheit‘ dargelegt und die ‚Richtigkeit‘ des ‚Wer‘ behauptet.
    Die Frage des ‚Wer‘ zu klaeren hilft aber gar nicht ausreichend, denn es fehlen immernoch ‚wann‘ , ‚wo‘ und ‚was‘ in all ihrer Mannigfaltigkeit in der Betrachtung, was allerdings beim ‚wie‘ mit enthalten ist.

    Wie machen?= Wer macht? + Wann machen? + Was machen? + Wo machen?

    Diese beiden Fragen haben z.B. voneinander abweichende Schwerpunkte:
    WER im Team hat die besten Ideen? (angeblich ‚richtige‘ Frage)
    Wie steuern wir die Innovationsprozesse? (angeblich ‚falsche‘ Frage)

    Hier wird, wie auch bei den anderen Beispielen, einfach nur das Problem gekapselt und unsichtbar gemacht und dann an eine Person uebergeben.
    Die besten Ideen im Team hat Peter, bedeutet nicht, dass er automatisch weiss oder eine Vorstellung davon hat, wie die Innovationsprozesse gesteuert werden koennen. Andere Gefahren lauern auch noch auf dem Wege, wenn der Schwerpunkt der Betrachtung zu sehr auf der Besetzung lastet.

    Es ist wie ueberall sonst auch. Die Mischung macht es und es muss der gesamte Umfang betrachtet werden. Und das spiegelt das ‚Wie‘ am deutlichsten wieder.
    Mir ist natuerlich bewusst, dass die Hauptaufgabe von Fuehrungskraeften das Delegieren ist. In den Beispielen ging es aber nicht darum, ob der neue LKW noch durch unser Werktor passen, sondern um Fragen bezueglich der Unternehmensstruktur und -funktion, welche nicht einfach nur delegiert werden sollten.

    Selbstverstaendlich moechte ich konstruktiv kritisieren, daher einige ‚falsche Fragen‘, die vielleicht besser sind als Beispiel:

    Warum hat sich niemand darum gekuemmert? -> Ist unsere Kapazitaetenplanung ausreichend?
    Wer war das denn schon wieder? -> Wie konnte das passieren?
    Wann ist das endlich fertig? -> Kann ich etwas arrangieren, das die Sache beschleunigt?

    Ansonsten geht es mir sehr gut. Ihnen auch?

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