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Gastkommentar: »Gute Produkte – Gute Exporte. Die wahren Gründe der Deutschen Handelsüberschüsse«

Aktuelle Meldungen in der Wirtschaftspresse greifen die in jüngster Zeit wiederholt geäußerte Kritik an den Handelsüberschüssen Deutschlands auf. Diese würden zu einem Ungleichgewicht führen und andere Länder in die Verschuldung treiben, da der Überschuss des einen das Defizit des anderen sei. Als Grund für die Überschüsse wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie genannt. Diese sei aber aufgrund von Lohndumping entstanden. Ich halte dies für falsch.


Lars-Vollmer_Prof.-SyskaEin kritischer Kommentar zur aktuellen Debatte über Deutsche Handelsüberschüsse von Prof. Andreas Syska. An der Hochschule Niederrhein lehrt Syska Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktionswirtschaft. Der Dortmunder Design Thinking Coach Ferdinand Grah führt Syska unter der Rubrik »Lean Freaks« und die Einschtzung teile ich. Kennenlernen durfte ich Syska im Rahmen einer Lean-Konferenz in Stuttgart, dessen Moderator er war und auf der ich einen Vortrag gehalten habe. Schnell war mir klar, dass ich es mit einem leidenschaftlichen Vertreter der Lean-Zunft zu tun hatte, der nicht nur – der Titel könnte zu der Annahme verleiteten – über das Thema schwadroniert, sondern ganz praktisch und pragmatisch sich für die Weiterentwicklung einsetzt. Zudem kommen gleichsam unterhaltsame wie lehrreiche Vorträge, von denen man sich auch auf seinem Youtube-Kanal überzeugen kann. Herzlichen Dank, lieber Andreas Syska, für diesen Beitrag.


Die Fakten: In der Tat sind in den letzten Jahren in Deutschland die Löhne kaum oder gar nicht gestiegen. Inflationsbereinigt betrachtet haben viele Beschäftigte in der Industrie sogar Lohneinbußen hinnehmen müssen. Gleichzeitig hat sich die Arbeitsproduktivität – nicht zuletzt durch erfolgreiche Umsetzung des Lean-Production-Gedankens – drastisch erhöht.

Aber: deutsche Industrieprodukte verkaufen sich nicht über den Preis. Glaubt man ernsthaft, deutsche Produkte wären deswegen erfolgreich, weil sie billiger sind? Nein, sie sind besser. Oftmals haben sie Alleinstellungsmerkmale und sind somit konkurrenzlos. Hinzu kommt die Fähigkeit deutscher Unternehmen, Neuland zu betreten und den Kunden schnell individuelle Lösungen anzubieten.

Was würde also die geforderte Erhöhung der Löhne bringen? Nach der Logik der Kritiker eine Verteuerung der deutschen Produkte und damit einen Wettbewerbsnachteil. Meine Prognose für ein solches Szenario: die deutschen Produkte wären unwesentlich teurer und würden weiterhin gekauft. Ich stimme allerdings zu, dass eine aus meiner Sicht längst überfällige Anpassung der Löhne die Kaufkraft und damit die Binnennachfrage stärken würde, die sich wiederum im erhöhten Konsum von Importprodukten oder Auslandsreisen niederschlagen würde.

Und wo ist das ganze Geld nun geblieben? Na ja, im Eigenkapital. Wurden deutsche Unternehmen vor 10 Jahren noch für ihre dünne Kapitaldecke gescholten, sieht die Lage heute ganz anders aus. Ich bin sehr viel bei inhabergeführten Unternehmen unterwegs – der völlige Verzicht auf Fremdkapital ist auf dem Weg zur Regel zu werden. Damit sind diese Unternehmen auch sehr robust gegenüber Krisen – nicht nur das Instrument der Kurzarbeit hat ihnen über die Krise 2009 geholfen, sondern auch ihre gute Kapitalausstattung.

Wie stehen Sie dazu – ich freue mich auf Ihre Kommentare, Ihr Andreas Syska.

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