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Kultur ist wie Liebe – Warum Change-Management eine mission impossible ist

Ändern Sie Ihre Kultur! Möglichst schnell! – Als ich diesen Appell im Harvard Business Manager gelesen habe, musste ich lachen … Den gezielten »Kulturwandel« als Quelle von Innovation und Eigenverantwortung zu beschwören, scheint eine richtige Mode geworden zu sein. Unzählige Blogger, Journalisten und Managementberater blasen in dieses Horn: Wenn ihr kreative und selbstständige Mitarbeiter wollt, liebe Unternehmen, dann ändert eure Kultur! Setzt Change-Programme auf! Die Verheißung: Das müsse gar nicht Jahre dauern. Wenn man nur allen Mitarbeitern klar sagen würde, wie sie sich zu verhalten haben …

Tja. Da sag ich nur: Wrong Turn!

So funktioniert es halt nicht. Die Jungs verwechseln ganz offensichtlich Kompliziertes mit Komplexem, sie verwechseln Wissen mit Können und Verhaltenskultur mit der Wertekultur.

Menschen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben – nämlich entsprechend der Vision, Mission und des Leitbildes des Unternehmens – ist leicht. Ein Workshop oder ein paar Meetings und die Sache ist erledigt. Dazu noch ein paar disziplinarische Maßnahmen und fertig ist eine Verhaltenskultur. Jetzt weiß jeder, wie er sich verhalten muss, ohne seine Mitgliedschaft im Unternehmen zu riskieren. Aber dadurch werden Mitarbeiter keine Spur kreativer oder eigenverantwortlicher oder leistungsfähiger oder wie auch immer der Chef sie gern hätte. Sie werden nur eins: trainierter im Regelnbefolgen. Und geübter im Schauspielern.

Ja, richtig. Der Mensch kann sein Verhalten nahezu perfekt steuern. Er kann Regeln höchst akkurat befolgen, selbst wenn sie ihm gegen den Strich gehen. Er kann diszipliniert und vorbildlich sein, indem er sein Verhalten wie einen Muskel trainiert und sich völlig konform zum Unternehmensleitbild benimmt. Bloß ist es in der komplexen Organisation von heute unmöglich, für alle Eventualitäten ein Regelset zusammenzustellen. Dafür gibt es zu viele Überraschungen. Sprich: Das Verhalten zu steuern reicht nicht. Es braucht auch die Orientierung an Werte.

Das haben die Unternehmen erkannt, keine Frage! Nur sitzen sie dennoch einem Irrtum auf: Sie glauben, dass die Wertekultur sich mit den gleichen Mitteln übertragen lässt wie die Verhaltenskultur. Mit Workshops. Mit Meetings. Durch Einfordern. Rational. Dabei sind Werte keine Sache des Verstandes, sondern des Gefühls. Des Körpers. Werte sind nicht übertragbar wie Wissen, sondern Werte kleben an den Menschen.

Nehmen Sie einen der häufigsten Werte, die sich moderne Organisationen auf die Fahne schreiben: Vertrauen. Und jetzt fordern Sie sie ein. Na? Haben Sie ein vertrauteres Teamklima? Ich habe da zumindest meine Zweifel …

Denn Sie können Werte nicht einfordern. Wenn man morgens aufwacht, findet man seine Werte vor und muss den Tag über damit leben. Natürlich ändern sich Werte, aber dies ist nicht Resultat einer Tat oder einer Entscheidung. Sie können auch schlecht beschließen, sich in eine bestimmte Frau zu verlieben. Entweder die Liebe stellt sich ein, oder nicht. Und genauso ist es auch mit der Kultur.

Deshalb: Einen gezielten Kulturwandel herbeizuführen, indem sich alle Beteiligten zusammensetzen und überlegen, welche Kultur sie gerne hätten, ist schlicht und ergreifend ein aussichtsloses Vorhaben. Schlimmer noch: typischerweise verstärkt sich das Desaster noch. Kultur kann man nicht einfach im Rahmen eines Change-Projektes „ändern“. Denn Kultur ist der Schatten der Verhältnisse. Sie ist ein Abbild aller Rituale, Praktiken, Ereignisse, Zufälle. All diese Faktoren beeinflussen die Kultur eines Unternehmens. Nur weiß man nicht genau, wie!

Kultur-ist-das-Gedaechtnis-einer-Organisation

Um also eine Unternehmenskultur zu verändern, bringt es gar nichts, von Veränderung zu sprechen, an die Mitarbeiter zu appellieren, Ruck-Reden zu halten, Klettergarten-Outdoortrainings zu veranstalten, schlechte Zahlen hochzuhalten oder bunte Plakate aufzuhängen. Werte lassen sich nun einmal nicht vermitteln.  Und eine Wertekultur LÄSST sich einfach nicht in eine bestimmte Richtung ändern. Menschen können auf eine Kultur lediglich EINWIRKEN.

Andererseits müssen Sie auch nicht sitzen bleiben und sich hilflos der Situation hingeben. Eine Kultur verändert sich zum Beispiel durch bleibende Erinnerungen. Und indem sich einzelne Rahmenbedingungen ändern. Das, was Sie also aktiv tun können, ist Ereignisse zu schaffen. Rituale abzuschaffen oder hinzuzufügen. Praktiken wegzulassen und andere Praktiken zu installieren. Räume anders einzurichten. Dann dürfen Sie damit rechnen, dass sich die Kultur verändert. Ob Sie damit dann zufrieden sind, wird sich aber erst anschließend beurteilen lassen.

Probieren Sie es mal aus. Ändern Sie einen Parameter. Vielleicht passiert etwas. Vielleicht auch nicht. Erfahren werden Sie es nur, wenn Sie anfangen zu experimentieren …

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