Alle Artikel in: Führung

Führung, Leadership, Anti-Management

Wollen Sie Boni oder gute Mitarbeiter?

Deutsche Bank zahlt mehr als eine Milliarde Boni“, titelte die FAZ vor Kurzem. Darüber durfte sich dann die SPD aufregen, daraufhin musste John Cryan sich verteidigen und schließlich sah sich der Handelsblatt-Ableger Orange genötigt, zu erklären, warum die Deutsche Bank „dicke Boni zahlen muss“. Grund der Aufregung: Die Deutsche Bank zahlt diese dicken Boni, während sie massive Verluste einfährt. Grund meiner Aufregung: Offensichtlich hat in dieser Diskussion immer noch niemand verstanden, wo das eigentliche Problem liegt. Die CAPITAL hat mich gebeten, zu diesem empörenden Dauerbrenner  Stellung zu beziehen. Zu dem von unzähligen Kollegen eigentlich schon alles geschrieben und das eigentlich schon hinlänglich wissenschaftlich erforscht ist. Das man aber offensichtlich gerne weiterhin ignorieren möchte.

Improvisation für mehr Innovation

Improvisation für mehr Innovation

Die Standardfrage auf Branchenkongressen: »Und was machen Sie?« Sie bezieht sich meist weniger auf Ihre Tätigkeiten oder auf ein aktuelles Projekt, sondern fast immer auf Ihre Position im Unternehmen. Der Frager will wissen, wer Sie sind, und das erkennt er daran, welche Stelle Sie innehaben. Aufgabenbereich, Position, Stelle – damit werden Sie ganz selbstverständlich identifiziert. Sie sind sozusagen Ihre Stelle, Sie sind Kundenbetreuer im Versicherungsaußendienst, Erzieherin in einer Krippengruppe oder Head of Marketing & Sales. Diese Stelle, die schlussendlich nichts anderes ist als ein Amt, wurde Ihnen von einem Chef verliehen. Chef ist selbstverständlich auch ein Amt. Ein Amt, das wiederum von einem Vorgesetzten zugewiesen wurde. Und so weiter und so fort, bis zu den Eigentümern. Jeder Amtsinhaber hat dadurch eine feste Aufgabe, feste Zuständigkeiten. Was aber wird in Organisationen aus den Aufgaben, für die niemand zuständig ist? Die in keiner Stellenbeschreibung festgehalten und nicht ausdrücklich vom Chef aufgegeben wurden? Hier spielt die Musik! Tatsächlich erfordert jede Organisation, dass getan wird, was zu tun ist – insbesondere die Dinge, für die niemand zuständig ist. Und …

Weil Leistung eben nicht gleich Leistung ist

Wie fatal ist das denn? Offensichtlich sind nicht einmal Weltkonzerne wie Microsoft davor gefeit, sich unzeitgemäßen Überlegungen zu unterwerfen. Da hat der Software-Gigant doch tatsächlich ein Add-on für Microsoft Office auf den Markt gebracht, das sich »Workplace Analytics« schimpft. Besagtes Produkt analysiert, wie viel Zeit ein Mitarbeiter auf das Schreiben von E-Mails oder in Besprechungen verwendet. Erträumtes Ende vom Lied: Die Führungskräfte sollen so ihre Prozesse optimieren und die Produktivität und Motivation ihrer Teams erhöhen können. Nettes Spielzeug. Allerdings herzlich unbrauchbar und toxisch. Dass ein Vorgesetzter durch diese Datenauswertung nur der Illusion verfällt, die totale Überwachung und Kontrolle über sein Team zu haben, davon möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Dass dem Ganzen vor allem aber auch ein ganz zentraler, noch aus dem Fabrik- und Industriezeitalter stammender Denkfehler zugrunde liegt, scheint beim IT-Riesen bisher nicht angekommen zu sein. Dabei sollte längt klar sein: »Leistung = Zeit« war vorgestern. Der gute, alte Henry Natürlich gibt es noch Jobs, auf die diese einfache Gleichung anwendbar ist – vorne schnell Teile rein, damit hinten schnell viele fertige …

Dienst nach Vorschrift – Drohung in drei Wörtern

Im Projektgeschäft höre ich ihn laufend, diesen Ausruf des Flehens und Hoffens: »Wenn doch nur jeder seinen Job machen würde!« Heißt implizit: Wenn jeder die ihm aufgetragene Arbeit planmäßig und gemäß aller Vorschriften durchführen würde, stünde das Unternehmen prima da. Ich ergänze dann immer: »Nein, dann wären Sie schon pleite.« Weil die Problemlösung im 21. Jahrhundert nicht mehr so funktioniert, dass jeder nach Vorschrift seinen Job erfüllt. Dann mache ich jetzt eben Dienst nach Vorschrift! Das mag im Industriezeitalter oder in durch und durch tayloristisch organisierten Unternehmen noch funktioniert haben, darüber habe ich hier schon desöfterern geschrieben. Dort konnten Sie sehr geradlinig vorschreiben, was ein Job beinhaltet, wie er aussieht, wie er auszuführen ist. In der Folge wurde die Qualität des gefertigten Produkts gut. Wir nennen das auch gerne »Wertschöpfung der Norm«. Auf den Punkt bringen könnte ich diese Herangehensweise mit drei markanten Wörtern: Dienst nach Vorschrift. Denn nichts anderes mussten die Vasallen des Industriezeitalters beherrschen. Dienst nach Vorschrift lieferte gute Ergebnisse, war planbar, fungierte als Qualitätsmerkmal. Sagt Ihnen hingegen heute ein Mitarbeiter: »Na gut, …

Warum ein halber Bonus besser ist als ein ganzer

Wissen Sie, es gibt da etwas, das mich rasend macht. Was mich wirklich aufregt. Ich habe lange Zeit gebraucht, um einen Weg zu finden, damit umzugehen. Und dann habe ich etwas von einem deutschen Arzt aus dem 18. Jahrhundert gelernt. Seitdem bin ich wesentlich entspannter und kann über das, was mich früher so aufregte, sogar manchmal schmunzeln. Toxisches Verhalten Aber der Reihe nach. Was mich so leicht an die Decke bringen konnte? Stellen Sie sich vor, Sie erkennen, dass eine bestimmte Praktik im Leben oder in der Arbeit ganz offensichtlich schädlich ist. Lebensfeindlich. Falsch. Sagen wir: giftig! Nicht bloß für einen selbst, das wär ja kein sonderliches Problem, sondern auch für andere. Für viele. Sowas wie Kettenrauchen im Kinderzimmer oder Atommüll ins Meer verklappen oder Abrichtung von erwachsenen Menschen durch individuelle Boni in einem Unternehmen etwa. Doch obwohl Sie glasklar erkennen können, dass die Praktik giftig ist, müssen Sie zusehen, wie Menschen sie weiterhin praktizieren, einfach, weil sie den Schaden nicht erkennen, ihn nicht verstehen oder weil der kurzfristige und persönliche Vorteil so groß ist, …

Arbeit für Erwachsene

Ein fürsorglicher Chef ist ein guter Chef. – Hm. Wirklich? Tatsächlich vertrete ich eher die gegenteilige Meinung, wenn es darum geht, welche Verantwortung ein Chef oder Unternehmer für seine Mitarbeiter trägt. Und diese Kontra-Position kommt nicht von ungefähr, sondern entspringt meiner ganz persönlichen Erfahrung. Ich bitte Sie, mir in ein früheres Jahrzehnt zu folgen … Lehrjahre Damals, als der Himmel noch blauer war als heute und die Ochsen größere Köpfe hatten, war ich jung und musste demzufolge irgendwie herausfinden, was ich werden wollte. Meine Berufsfindungsphase dauerte zugegebenermaßen eine Idee länger – mit dem Ergebnis, dass ich hinterher immer noch nicht wusste, was mir wichtig ist und was ich werden will. Nach dem Abi bewarb ich mich erstmal um eine Ausbildung bei einem großen Chemiekonzern, aber das Unternehmen schickte mich fort, vielleicht in weiser Voraussicht. So, und was macht man in Deutschland, wenn man keine Ahnung hat, was man tun soll? Richtig. Man studiert. Ich für meinen Teil studierte erstmal Maschinenbau, alleine schon deshalb, weil mich das Fach mehr interessierte als die meisten anderen. Zwischendurch probierte ich …

Planung ist für Kinder – über die Macht der Flutschbegriffe

Sagen Sie im nächsten Business-Meeting doch einfach mal laut und vernehmlich das Wort »Dachziegel!« – Sie werden schon sehen, was dann passiert. In Kurzfassung: Anstarren. Betretenes Schweigen. Ungläubiges Nachfragen: »Was? Wie bitte?« Tuscheln. Räuspern. Ignorieren. Verlegen mit dem Stift spielen. Auf die Metaebene gehen: »Was reden Sie da für einen Unsinn?« Oder: »Soll das eine Provokation sein?« Oder: »Sehr witzig!« Oder: »Würden Sie bitte präzisieren?« Falls Sie nicht zufällig in der Baustoff-Industrie tätig sind, wir eines jedenfalls NICHT passieren: Flüssige Kommunikation. Nein, der ganze Sprechfluss der Besprechung, die Interaktion, eben die Kommunikation gerät ins Stocken. Warum? Weil das Wort »Dachziegel« ja überhaupt nicht anschlussfähig ist. Man kann beim besten Willen die Kommunikation nicht daran fortsetzen. Das aber stört die Menschen, denn menschliche Kommunikation will vor allem eines: sich fortsetzen. Das merken Sie zum Beispiel, wenn Menschen in der geöffneten Tür stehen, um die Gäste zu verabschieden … und nach einer halben Stunde noch immer in der Tür stehen und mit den sich noch immer verabschiedenden Gästen weiterquasseln. Da flutscht die Kommunikation so dermaßen, dass sie gar nicht mehr aufhören …

Hast Du eine Idee, schreibe keinen Businessplan

Wenn bei der OTTO Group irgendwo eine neue Idee aufkam, hieß es sofort: Mach erstmal einen Businessplan! – Das erzählte mir neulich Hans-Otto Schrader, bis dato Vorstandsvorsitzender der OTTO Group, während eines Vortrags in Hamburg. Schrader fand Businesspläne aber uneffektiv. Ich saß im Publikum und nickte: Denn das finde ich auch. Warum? Nun, vor allem aus zwei Gründen. Den ersten, offensichtlichen, teile ich mit Schrader, den zweiten, tiefer liegenden, finde ich fast noch wichtiger. Als ob die Idee geprüft würde Zum ersten Grund: Eine Idee ist ein frisch geschlüpftes Gedankenküken. Sie muss wachsen und sich bewähren, um groß und stark zu werden. Wachsen kann sie aber nur in einem sozialen Kontext und nur im echten Leben, in der Realität. Ein Businessplan jedoch hat mit der Realität wenig zu tun. Er tut nur so, als exploriere er die Zukunft. Er sieht so schön rational aus. Aber das ist nur eine Scheinrationalität. In Wahrheit ist er nur ein hübsches Gewand. Mit einem ehrbaren Zweck: Er soll dem Geldgeber gefallen und überzeugen. Im Unternehmen ist das meist erstmal …

Die Geschichte vom orangenen Beetle – oder: ein Mittel gegen Unternehmens-Sklerose

»Wir wollen uns nicht bürokratisieren!«– Das schrieb sich eine Beratungs- und Softwareentwicklungsfirma bei ihrer Gründung vor 15 Jahren auf die Fahnen. Die Gründer waren alle zuvor bei einem Konzern angestellt – und als sie sich gemeinsam selbstständig machten, verband sie unter anderem eines: Sie hatten die konzerntypischen bürokratischen Hürden hassen gelernt. Sie schworen sich: Das wird’s bei uns niemals geben! Nun, mittlerweile ist das Unternehmen stark gewachsen und hat mehr als 400 Mitarbeiter. Und was glauben Sie, ist passiert? Die einzige Regel: Es gibt keine Regel Bevor ich es Ihnen verrate, erzähle ich Ihnen eine Anekdote aus dem tiefsten Inneren jenes Unternehmens. Das kann ich, weil ich neulich dort war. Ich habe da eine Kulturanalyse gemacht und durfte einen Festvortrag halten. Dabei habe ich einige interessante Einblicke bekommen. Und unter anderem erzählte man mir die Geschichte vom orangenen Beetle. Dieser Beetle war ein Firmenwagen. Autos spielen in der Kultur dieses Unternehmens eine große Rolle, auch deshalb, weil es viel für die Automobilindustrie tätig ist. Jeder Berater bekommt einen Dienstwagen. Weil die Gründer aber eben Bürokratie …