Alle Artikel in: Führung

Führung, Leadership, Anti-Management

Hast Du eine Idee, schreibe keinen Businessplan

Wenn bei der OTTO Group irgendwo eine neue Idee aufkam, hieß es sofort: Mach erstmal einen Businessplan! – Das erzählte mir neulich Hans-Otto Schrader, bis dato Vorstandsvorsitzender der OTTO Group, während eines Vortrags in Hamburg. Schrader fand Businesspläne aber uneffektiv. Ich saß im Publikum und nickte: Denn das finde ich auch. Warum? Nun, vor allem aus zwei Gründen. Den ersten, offensichtlichen, teile ich mit Schrader, den zweiten, tiefer liegenden, finde ich fast noch wichtiger. Als ob die Idee geprüft würde Zum ersten Grund: Eine Idee ist ein frisch geschlüpftes Gedankenküken. Sie muss wachsen und sich bewähren, um groß und stark zu werden. Wachsen kann sie aber nur in einem sozialen Kontext und nur im echten Leben, in der Realität. Ein Businessplan jedoch hat mit der Realität wenig zu tun. Er tut nur so, als exploriere er die Zukunft. Er sieht so schön rational aus. Aber das ist nur eine Scheinrationalität. In Wahrheit ist er nur ein hübsches Gewand. Mit einem ehrbaren Zweck: Er soll dem Geldgeber gefallen und überzeugen. Im Unternehmen ist das meist erstmal …

Die Geschichte vom orangenen Beetle – oder: ein Mittel gegen Unternehmens-Sklerose

»Wir wollen uns nicht bürokratisieren!«– Das schrieb sich eine Beratungs- und Softwareentwicklungsfirma bei ihrer Gründung vor 15 Jahren auf die Fahnen. Die Gründer waren alle zuvor bei einem Konzern angestellt – und als sie sich gemeinsam selbstständig machten, verband sie unter anderem eines: Sie hatten die konzerntypischen bürokratischen Hürden hassen gelernt. Sie schworen sich: Das wird’s bei uns niemals geben! Nun, mittlerweile ist das Unternehmen stark gewachsen und hat mehr als 400 Mitarbeiter. Und was glauben Sie, ist passiert? Die einzige Regel: Es gibt keine Regel Bevor ich es Ihnen verrate, erzähle ich Ihnen eine Anekdote aus dem tiefsten Inneren jenes Unternehmens. Das kann ich, weil ich neulich dort war. Ich habe da eine Kulturanalyse gemacht und durfte einen Festvortrag halten. Dabei habe ich einige interessante Einblicke bekommen. Und unter anderem erzählte man mir die Geschichte vom orangenen Beetle. Dieser Beetle war ein Firmenwagen. Autos spielen in der Kultur dieses Unternehmens eine große Rolle, auch deshalb, weil es viel für die Automobilindustrie tätig ist. Jeder Berater bekommt einen Dienstwagen. Weil die Gründer aber eben Bürokratie …

Y-vonne - wenn Berufsanfänger auf alte Machtstrukturen treffen

Neulich ging es um die Frauenquote. Ich hielt eine Vorlesung an der Uni. Vor mir eine Horde von der Spezies, die gemeinhin als »Generation Y« bezeichnet wird. Also der jungen Menschen, die in den Neunzigern bis etwa zum Jahr 2000 herum geboren wurden und darum auch »Millennials« genannt werden. Ich denke ja, diese Spezies existiert gar nicht. Dieser ganze Generationen-Schubladen-Gedanke, der bestimmten Alterskohorten bestimmte Eigenschaften zuschreibt, ist verblendender Mist. Weder bin ich samt meinen Altersgenossen der »Generation X« geprägt von VW Golf, IKEA-Möbeln, Versagerkarrieren oder Konsumverweigerung, noch sind die jungen, hippen, coolen Leute von heute alle superflexibel, superselbstbewusst, superausgebeutet oder superunabhängig. Ja, es ist nicht mal wahr, dass sie alle notorisch keinen Bock haben. Das Einzige, das ich wirklich bestätigen kann: Manche Berufsanfänger von heute verhalten sich zu tayloristischen Machtstrukturen in Organisationen wie Wasser zu Öl. Alles eine Frage der Einstellung … Und genau diese Spezies, die es nicht gibt, saß vor mir im Hörsaal und diskutierte mit mir über die Frauenquote. Die Tatsache, dass prinzipiell jede Quote aus rein logischen Gründen immer eine Diskriminierung sowohl für …

Wenn »Soweit ging’s gut« Ihr bestes Argument ist

Seit vielen Monaten mache ich ein riesiges Theater um das Theater, das in den Unternehmen gespielt wird: Also die Meetings aller Couleur, die Mitarbeitergespräche (hier und hier), die Budgets (hier und hier), die leistungsgerechten Bezahlsysteme (hier), die Prozessbeschreibungen (hier und hier), die Checklisten (hier, hier und hier), die ergebnisorientierten Aufgabenbeschreibungen … na, all die ganz normalen Managementmethoden eben. Ich sage, das ist alles Theater, das ist alles nichts, wovon am Ende des Tages die Rechnungen und Gehälter bezahlt werden. Warum? Weil der Kunde darin schlicht nicht vorkommt. Weil all das keine echte Arbeit ist. Nun können Sie meiner These glauben oder nicht. Sie können sagen: Mitarbeitergespräche sind sehr wohl Arbeit! Aber das wäre nicht nur falsch, sondern langweilig und belanglos. Viel klüger wäre, Sie würden sagen: Na und? Wo ist das Problem? Dann sind Boni eben keine Arbeit, sondern nur Theater. Das macht doch nichts! Warum regt sich der Vollmer darüber so auf, als handelte es sich um einen ausbleibenden Elfmeterpfiff nach einem klaren Foul an Messi im Strafraum? Das kommt darauf an … Nun, das ist durchaus …

Ideen gewünscht, Denker gelyncht

In Stellenbeschreibungen und auf Recruiting-Websites spucken viele Unternehmen große Töne und sehnen sich – so zumindest könnte der Text das suggerieren – Andersdenkende und Quereinsteiger herbei. Mitarbeiter und Führungskräfte, die Ideen und einen frischen Blick mit ins Unternehmen bringen. Klingt vielversprechend. Und zeigt, dass die Unternehmen natürlich schon längst verstanden haben, dass Diversifikation auf über die Geschlechterwahl hinaus für Erfolg förderlich ist. Es vergeht auch kein Interview mit den Personalverantwortlichen, in dem nicht hervorgehoben wird, dass Quereinsteiger (was sind das eigentlich ganz genau, diese komischen Quereinsteiger?) eine Chance auf Einstellung haben und dass kreative Köpfe besonders gesucht werden. Doch korrigieren Sie mich, wenn mich mein Eindruck täuscht: Wer aufmerksam das Kleingedruckte liest, merkt schnell, dass sich der Wunsch nach Diversifikation auf Männer und Frauen und vielleicht noch auf unterschiedliche fachliche Qualifikationen bezieht. Andersartige Gedanken? Nein, die sollen bitte schön zu Hause bleiben! Und wenn sich doch mal ein Andersdenkender ins Unternehmen schleicht, stehen schon jede Menge Instrumentarien bereit, die dessen bedrohlichen exotischen Gedanken Einhalt gebieten. Verständlich: Denn neue Gedanken sind nichts anderes als eine Provokation für das bestehende System. …

Voodoo-Management – Wenn Erfahrung zum Wirksamkeitskiller wird

Ich will Ihnen ja nicht die Illusionen rauben, aber … Äh, Moment … Nein, in Wahrheit will ich Ihnen sehr wohl die Illusionen rauben! Ich will sie Ihnen zertrümmern! Aber hallo! Sie haben da nämlich eine, jedenfalls bin ich da ziemlich sicher. Genauer und ganz profan: Mit großer Wahrscheinlichkeit begehen Sie gewohnheitsmäßig in Ihrem täglichen Geschäft einen ganz handelsüblichen Denkfehler, der Sie dazu verleitet, sich selbst und anderen Menschen das Leben zum Fegefeuer zu machen. Und ich schlage Ihnen höflich vor, ihn zu bemerken und anschließend sein zu lassen. Zu Ihrem besten Nutzen. Und dem Ihres Umfeldes. Projektstatus: Denkfehler Dieses Mistvieh von Denkfehler nenne ich vorschlagsweise »Selbstwirksamkeits-Fata-Morgana« (… wohl wissend, dass irgendwo in der psychologischen Fachliteratur ein besserer Name dafür vergraben ist) Und der geht so: Stellen Sie sich vor, da läuft unter Ihrer Ägide ein komplexes Projekt, mit vielen Unsicherheit und Unwägbarkeiten – wie das heute eben so ist: Der Kunde ändert ständig seine Meinung, die Lieferanten liefern an anderen Tagen als vereinbart, der eine oder andere Mitarbeiter wird unpässlich oder zu einem anderen …

Ep. 67 – Wenn Mitarbeiter ihre Firmen ins Boot holen müssen

Episode 67 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wir müssen den Mitarbeiter mitnehmen. Immer und immer wieder höre ich diese Floskel. Erst neulich, ich war bei einem Kamingespräch eingeladen zum Thema »Industrie 4.0.« Das ist ja an sich schon eine sehr ulkige Debatte. Es kam von sehr hochrangigen Industrievertretern sehr häufig dieser Ausdruck: »Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, um ihnen die neue Technologie zu erklären.« Damit sie halt nicht so viel Angst haben, vor dem was da kommt. Ich habe die gegenteilige Position eingenommen, nämlich die, dass sehr viel häufiger oder mindestens genauso häufig die Firmen von ihren Mitarbeitern mitgenommen werden müssen. Denn die sind häufig technologisch, gerade was so das Internetzeugs angeht, viel viel schneller und viel viel feinfühliger unterwegs als es die Unternehmen sind. Wenn ein Mitarbeiter als Privatperson zum Beispiel eine neue Schlauchverbindung für ihre Waschmaschine benötigt, dann geht sie ins Internet, wahrscheinlich zu Amazon und bestellt diese. Und womöglich ist sie Prime-Kunde, dann hat sie nach einem Tag, nach 24 Stunden, diese Schlauchverbindung bei sich zu Hause. Jetzt kommt sie als Mitarbeiter ins Unternehmen und braucht vielleicht für ihre Anlage irgendein Ersatzteil. …

Ep. 66 Projektmanagement ist wie das echte Leben

Episode 66 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Eigentlich wollte ich ja einen GedankenGang aufnehmen mit einem Vergleich, nämlich dass Projekte zu managen in etwa das Gleiche sei, wie auf Steinen zu balancieren, die einen Steg ins Meer bilden. Weil ich das ja gerade tue, dachte ich, das passt so gut. Aber jetzt merke ich, dass dieser Vergleich extrem trivialisierend wäre. Projekte zu managen wäre ja eher wie über Steine zu balancieren, die sich ständig bewegen, von denen man nicht weiß ob sie einen tragen können oder nicht, die mal von Wasser umspült sind und mal nicht, die mal zum Ziel führen und mal nicht und von den man gar nicht weiß, ob sie einen aushalten. Und bei der die Metapher ›das Ziel ständig im Blick haben‹ natürlich ziemlich naiv ist. Wie will man das Ziel ständig im Blick haben, man muss doch auf die Steine gucken. Man kann immer mal wieder aufschauen und schauen ob man das Ziel noch sieht, aber das verändert sich ja dann auch ständig. Wie will man da ständig hingucken? Dann geht man ja gar nicht …

Performance-Tetris – Leistung trotz Boni

»Hier hast du ein Leckerli, jetzt mach auch endlich Männchen!« »Hast das Stöckchen geholt? Ja, fein gemacht!« »Nein, du bist nicht bei Fuß gelaufen … heute kriegst du auch keine Belohnung.« In Unternehmen geht es in den nächsten Wochen und Monaten wieder zu wie in einer Hundeschule. Die Mitarbeiter winseln, um ihre Leckerli … ähm … Boni zu kriegen, und die Herrchen – pardon, Führungskräfte – beurteilen, ob sie sich das auch verdient haben. Wer will sich im Job schon dem Rudelführer unterwerfen? Na gut, nach dem Organigramm mag die Rangordnung schon so anmuten. Wenn es allerdings um Leistung im Unternehmen geht, sind alle gleich. Oder anders: Die Leistung Einzelner hat – sodenn es sie überhaupt gibt – keine Relevanz – und somit sind auch individuelle Leistungsbeurteilungen und Boni ihrer Absicht zum Trotz tatsächlich in hohem Maße leistungsmindernd. Teamwork fordern, Einzelne fördern Ich kann die Logik ja nachvollziehen, dass Mitarbeiter und ganze Teams durch Belohnung noch stärker motiviert und zu noch besseren Leistungen animiert werden sollen. Aber sorry: die Logik ist schlichtweg falsch. Das Gegenteil …

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …