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Ep. 69 – Warum wir nicht tun, was wir wissen

Episode 69 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wwarum fällt es uns so schwer, die Dinge die wir wissen, auch anzuwenden. Wir haben es uns irgendwie zur Gewohnheit gemacht, immer Individuen dafür verantwortlich zu machen, wenn etwas großartig läuft oder wenn etwas scheitert. Wir suchen uns dann die Helden, die Tolles geschafft haben oder wir einigen uns auf die Feindbilder, die angeblich dafür gesorgt hätten, dass alles nicht klappt. Dabei übersehen wir einen wesentlichen Punkt: nämlich, dass das Handeln unserer Gesellschaft immer von den ungeschriebenen Spielregeln abhängig ist, die manche ›Kultur‹ nennen und wieder andere nur schlicht ›Kommunikation‹. Und wir übersehen, dass wir als Menschen nicht die Autoren dieser Spielregeln sind. Die entwickeln sich vielmehr, man könnte sagen hinter unserem Rücken und wir stehen dann irgendwann staunend davor. Und wenn wir diese ändern wollen und wenn wir es anpacken wollen und wenn wir starten wollen, müssen wir an genau diese Spielregeln ran und die lassen sich durch den Kontext verändern, in dem wir alle leben. Wenn wir z.B. wollen, dass wir mehr Mehrweg-Flaschen benutzen anstatt Einweg-Flaschen, dann können …

Ep. 68 – Was Erfolg für Erwachsene heißt

Episode 68 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Man walking to the sky. Meine Mutter hat mich als kleinen Jungen zum documenta-Fan gemacht, als wir hier in Kassel gelebt haben so ein paar Jahre. Aber erst später hat Jonathan Borowsky diese Skulptur zur IX documenta, 1990 gemacht. Ich finde sie großartig – auch wenn sie hier vielleicht etwas ungünstig steht auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof. Borowsky hat diese Skulptur gestaltet, so habe ich nochmal nachgelesen, in Andenken an seinen Vater. Der hat ihn wohl als kleinen Bub oft auf seinem Schoß hat sitzen lassen und ihm die Geschichte eines Riesen erzählt, der im Himmel ist und Gutes für die Menschen tut. Und dort hinzustreben war wohl die Intention dieser Skulptur. Aber heute wird sie in allerlei Medien und Veröffentlichungen immer so ein bisschen missbraucht als ein Symbol für den klaren Blick nach oben, für den gradlinigen Weg zum Erfolg und den kräftigen Schritt, den diese Figur dort geht. Deswegen wird das Ding auch in Deutsch »Himmelsstürmer« genannt von den Kasseler Einwohnern. Ein schöner Name aber eine fast …

Ep. 67 – Wenn Mitarbeiter ihre Firmen ins Boot holen müssen

Episode 67 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wir müssen den Mitarbeiter mitnehmen. Immer und immer wieder höre ich diese Floskel. Erst neulich, ich war bei einem Kamingespräch eingeladen zum Thema »Industrie 4.0.« Das ist ja an sich schon eine sehr ulkige Debatte. Es kam von sehr hochrangigen Industrievertretern sehr häufig dieser Ausdruck: »Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, um ihnen die neue Technologie zu erklären.« Damit sie halt nicht so viel Angst haben, vor dem was da kommt. Ich habe die gegenteilige Position eingenommen, nämlich die, dass sehr viel häufiger oder mindestens genauso häufig die Firmen von ihren Mitarbeitern mitgenommen werden müssen. Denn die sind häufig technologisch, gerade was so das Internetzeugs angeht, viel viel schneller und viel viel feinfühliger unterwegs als es die Unternehmen sind. Wenn ein Mitarbeiter als Privatperson zum Beispiel eine neue Schlauchverbindung für ihre Waschmaschine benötigt, dann geht sie ins Internet, wahrscheinlich zu Amazon und bestellt diese. Und womöglich ist sie Prime-Kunde, dann hat sie nach einem Tag, nach 24 Stunden, diese Schlauchverbindung bei sich zu Hause. Jetzt kommt sie als Mitarbeiter ins Unternehmen und braucht vielleicht für ihre Anlage irgendein Ersatzteil. …

Ep. 66 Projektmanagement ist wie das echte Leben

Episode 66 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Eigentlich wollte ich ja einen GedankenGang aufnehmen mit einem Vergleich, nämlich dass Projekte zu managen in etwa das Gleiche sei, wie auf Steinen zu balancieren, die einen Steg ins Meer bilden. Weil ich das ja gerade tue, dachte ich, das passt so gut. Aber jetzt merke ich, dass dieser Vergleich extrem trivialisierend wäre. Projekte zu managen wäre ja eher wie über Steine zu balancieren, die sich ständig bewegen, von denen man nicht weiß ob sie einen tragen können oder nicht, die mal von Wasser umspült sind und mal nicht, die mal zum Ziel führen und mal nicht und von den man gar nicht weiß, ob sie einen aushalten. Und bei der die Metapher ›das Ziel ständig im Blick haben‹ natürlich ziemlich naiv ist. Wie will man das Ziel ständig im Blick haben, man muss doch auf die Steine gucken. Man kann immer mal wieder aufschauen und schauen ob man das Ziel noch sieht, aber das verändert sich ja dann auch ständig. Wie will man da ständig hingucken? Dann geht man ja gar nicht …

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …

Ep. 64 Wissensmanagement – Wenn sie doch nur wüssten, was sie wissen

Die Episode 64 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Was für ein kurioses Telefonat: Da rief mich ein alter Studienfreund vor Kurzem an, der inzwischen im großen Konzernverbund arbeitet und nun in irgendeiner Arbeitsgruppe für das ›Wissensmanagement‹ mitarbeitet – der arme Kerl. Und er klagte mir ein Stück weit sein Leid: ach wenn sie doch nur wüssten, was sie alles wissen. Und sie hätten nun in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen 10-stelligen Betrag schon für ihr Wissensmanagement ausgegeben. Aber einen richtigen Nutzen würde das immer noch nicht bringen. Das Telefonat entbehrte nicht einer gewissen Ironie, denn es lag eigentlich schon auf dem Weg zu seiner Lösung. Das lag nicht daran, dass ich es war, den er anrief, sondern viel eher, dass er es war, der den Hörer abgenommen hatte. Denn mittels Wissen kann man ja nur Probleme lösen, die es bereits schon einmal gegeben hat. Und die kann man dann auch sauber verschlagworten – wenn man das intelligent macht und ein paar gute Algorithmen hinzufügt, dann kann das funktionieren, aber sie haben halt bemerkt, dass ihr …

Ep. 63 Prioritäten – Wenn der Eilt-Stempel eilt

Die Episode 63 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es wirkt schon manchmal unfreiwillig tragisch und zugleich komisch, wenn ein Unternehmen versucht, ein Problem mit dessen eigentlicher Ursache zu lösen. Schön kann man das zum Beispiel sehen, wenn man anfängt mit Prioritäten zu jonglieren. Da sind Unternehmen extrem einfallsreich. Sie merken, dass Projekte, Aufgaben oder Aufträge immer mal wieder zu spät beim Kunden ankommen. Jetzt glauben sie, dass es an mangelnden Prioritäten läge. So, und jetzt kaufen sie sich beispielsweise eine Stempel. Auf dem steht dann: EILT. Und damit versuchen sie es nun, besser zu machen. Der Stempelverkäufer kann eigentlich seinen Laden jetzt unmittelbar neben der Firma aufmachen, denn es werden nicht viele Tage vergehen und schon braucht das Unternehmen den zweiten Stempel. Unbedingt. Auf dem steht: EILT SEHR. Auch beliebt sind sog. ›Top Ten‹-Aufträge – davon gibt es dann Hunderte im Unternehmen. Das kurioseste Beispiel ist mir untergekommen, als ein Unternehmen vor Jahren begann,  Prioritäten von 1 bis 10 zu vergeben. Wobei ›10‹ am Wichtigsten und ›1‹ am Unwichtigsten bedeutete. Nur drei Jahre später gab es die Prioritäten 1 bis …

Mein neues Buch: »Zurück an die Arbeit«

Ich freue mich überschwänglich, mein neues Buch endlich in den Händen halten zu können. Es hat viel Herzblut und eine Menge detaillierter Überlegungen gekostet, dieses Buch so präzise und unterhaltsam zu schreiben, wie es letztlich geworden ist. Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf Ihre Meinungen und Reaktionen und freue mich auf viele anregende Diskussionen mit Ihnen … Falls Sie nicht zu den frühen Vögeln zählen, die »Zurück an die Arbeit« schon vorbestellt haben, können Sie das hier nachholen: Buch kaufen Eine Buchwebsite gibt es auch. Dort finden Sie die 10 Thesen des Buches in grafisch aufbereiteter Form, eine Leseprobe zum Herunterladen, einen offenen Brief und manches mehr. Hier entlang »      

Ep. 62 Assessment-Center – Wie Sie die Richtigen finden (oder eben nicht)

Die Episode 62 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es gibt so viele schöne ›Wrong Turns‹. Assessment Center ist zum Beispiel so einer. Da gibt es ein komplexes Problem, nämlich Personen zu finden, die eine Passung zu einem Team haben und die ein Talent zur Problemlösung von ganz bestimmten Problemen haben. Das ist verdammt komplex. Jetzt lässt man einen komplizierten Mechanismus darauf los: Man erstellt fremde Kontexte, laborhafte Kontexte, bei denen die Leute natürlich wissen, dass sie beobachtet werden und sich selbstverständlich anders verhalten. Und versucht dieses Verhalten nun mittels Checklisten bewertbar, vergleichbar und das ganze skalierbar zu machen. Das ist dann schon eher ulkig, was dabei rauskommt und so kann man eindeutig festhalten: Mit Assessment Center findet man Talente. Aber eben nur Talente für Assessment Center.       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 22. Januar 2011: Konzern-Assessment – die Checkliste zur Erfolgsfreiheit      

Ep. 61 Warum Wirkung und Gefälligkeit nicht zusammengehen

Die Episode 61 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Iirgendwann muss man sich mal entscheiden: Es gibt meines Erachtens, wenn man als jemand arbeitet, der Unternehmen interveniert, der irritiert, der provoziert – sei es als Berater, sei es als Coach, sei es als Trainer, oder mit meiner Profession des »Betreuten Denkens“ – nur zwei Alternativen: entweder ›Gefälligkeit‹ oder ›Wirkung‹. Etwas in der Mitte ist kaum machbar. Das heißt, entweder ich tue etwas weil ich merke, es trifft den Nerv des Kunden, das mag er, seine Zufriedenheit wächst, er bucht mich nochmal, er fordert mich heraus, er möchte mit mir gemeinsam vielleicht auch im Zusammenspiel etwas besser werden. Oder aber, ich lege es darauf an, dass wirklich Wirkung erzielt wird. Das heißt, ich mache Interventionen, die im Zweifel extrem weh tun – mir und dem Unternehmen, die aber die Chance haben, das soziale System quasi so aus der Unwucht zu bringen, dass tatsächlich Wirkung entstehen kann. Nun mache ich das seit bereits 18 Jahren und stelle fest, beides gemeinsam funktioniert fast nie. Also musste ich mich irgendwann einmal …