Arbeit
Kommentare 15

New Work – Doch nur eine Schnapsidee?

Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, ich habe mich geirrt. Sonst bin es ja ich, der Denkfehler aufdeckt, doch diesmal ist mir wohl selbst einer unterlaufen.

New Work – mehr Freiräume, weniger Hierarchien, mehr Teams, mehr Selbstverantwortung, mehr Kommunikationsräume. Arbeit so zu gestalten, fand ich ja eine tolle Idee. Auf meinem Blog habe ich auch New-Work-Unternehmen vorgestellt, damit sie für andere als Beispiel und Anreiz dienen können, die Arbeit im eigenen Unternehmen anders zu gestalten.

Schnapsidee-New-Work_fb
Und wenn sich die New Worker darüber aufregten, dass sich so wenige Topmanager mit dieser Option beschäftigten, dann hatte ich dafür vollstes Verständnis. Schließlich war ich auch der Meinung, dass eine attraktiver gestaltete und an die Komplexität angepasste Arbeit zu einem erfolgreicheren Unternehmen führen würden.

Mittlerweile frage ich mich aber, ob es als Manager nicht sogar klug ist, sich NICHT mit New Work zu befassen.

Warum?

Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es, Überlebensfähigkeit herzustellen und zu erhalten. Wenn sich die Wirtschaft ändert, dann ändern sich von außen (Kunden, Lieferanten, Partner) die Ansprüche an die Unternehmen. Führungskräfte oder Chefs – letztlich alle Mitarbeiter eines Unternehmens – müssen neue Überlegungen anstellen, wie sie diesen Ansprüchen gerecht werden können.

In der Umgestaltung der Arbeit selbst eine Lösung dafür zu sehen – genau darin liegt der Denkfehler. Nicht weil andere, attraktivere Arbeitsformen keine gute Sache sind. Keineswegs, das kann schon schön sein. Sondern weil es suggeriert, dass Arbeit ein Gestaltungsfeld ist, also etwas, dass sich aktiv und direkt umgestalten lässt.

Wrong Turn!

Nein, Arbeit folgt nicht unmittelbar den Wünschen des Unternehmens, sie ist nicht ihr Verdienst. Arbeit – und das ist der wichtige Punkt – folgt den Anforderung des Marktes und der eigenen Organisation. Sie folgt immer nur der Lösung des Kernproblems von Unternehmen, also der Herstellung von Überlebensfähigkeit. Sie selbst ist nicht die Lösung.

Da habe ich doch glatt die Wirkungsrichtung vertauscht. Nicht die umgestaltete Arbeit sorgt für bessere Lösungen, sondern bessere Lösungen sorgen für eine andere Arbeitsweise. Die Lösung für das Problem »Was müssen wir tun, um Wettbewerber auszustechen?« verändert die Arbeit. Weil das Kundenproblem anders gelöst werden muss – nicht, weil sich die Unternehmer überlegt haben, wie sie die Arbeit anders gestalten können.

Beispielsweise bedeutet das: Arbeit wird nicht digitaler gemacht. Arbeit wird digitaler, weil die Digitalisierung in der Wirtschaft es erfordert. Das passiert ganz automatisch, wenn ein Unternehmen überlebensfähig bleiben möchte. Wenn also durch die Anpassung an die Erfordernisse der Wirtschaft eine neue Form von Arbeit entsteht, dann nur, weil das Unternehmen sich an seine Umwelt angepasst hat, also eher: anpassen musste.

Für manche Teams und Abteilungen in manchen Branchen kann das auch bedeuten, auf keinen Fall New Work zu betreiben. Automobilhersteller können beispielsweise nicht einfach beschließen, die getaktete Fließbandarbeit abzuschaffen, weil das keine schöne Arbeitsweise mehr ist. Dadurch würden sich die Konzerne selbst ins Aus schießen. An genau dieser Stelle steht Effizienz (im umfänglichen Sinne also inkl. Qualität und so) nämlich nach wie vor an oberster Stelle. Um    überlebensfähig zu bleiben, dürfen sie hier gerade NICHT nach ›New Work‹ arbeiten.

Erst wenn die Überlebensfähigkeit hergestellt ist, DANN können Unternehmen daran arbeiten, die Umfelder, in denen die Arbeit stattfindet, zu gestalten – bessere Lichtverhältnisse, Fitnessstudio, Homeoffice, gewählte Chefs, etc. Ja, alles UM die Arbeit herum kann nach eigenen Moralvorstellungen gestaltet werden, aber nicht die Arbeit selbst.

Und darum ist New Work eben ein Denkfehler. Mein größter bisher. Weil die ganzen Beschreibungen von New-Work-Unternehmen nichts anderes sind als eine Beschreibung von Unternehmen, die sich an ihre Umwelt angepasst haben und dadurch eine bessere Überlebensfähigkeit im komplexen Markt geschaffen haben.

Und darum lege ich hiermit die ganze Diskussion um New Work ad acta und beende auch meine New-Work-Reihe hier auf dem Blog. Viel spannender als die Frage, wie Unternehmen Arbeit schöner – oder gar ›artgerechter‹ – machen können, finde ich nämlich, wie Unternehmen im sich ständig verändernden Markt wettbewerbsfähig bleiben können. Und die Arbeit? Die folgt dann schon, ganz von alleine.


 

15 Kommentare

  1. Hallo Lars,
    Henne oder Ei – ich glaube das ist schwer zu sagen. Einige Unternehmen haben sich wohl in der gefühlten (und nicht explizit bestätigten) Wahrnehmung einer neuen Umwelt angepasst – andere spürten schon den Druck.

    Andererseits könnten viele Unternehmen von den Beispielen die es im new work Kontext gibt wahrnehmen, verstehen und adaptieren, was auf sie selbst wohl zukommen wird und sich damit rechtzeitig bewegen.
    Und natürlich hast Du recht – reiner Altruismus wird niemals die Triebfeder sein ein Unternehmen menschlicher zu gestalten. Es muss sich immer auch rechnen (was es tut). Und um in Bewegung zu kommen braucht es ebenso den Druck….

    Aus meiner Sicht wird es u.a. für unsere Gesellschaft immer wichtiger werden die Ursachen der Veränderung zu erkennen und sich damit rechtzeitig darauf einzustellen, als immer weiter die Symptome heilen zu wollen.

    Viele Grüße
    Guido

  2. Hallo Lars,

    ist eine insofern spannende Aussage da ich ähnliche Beobachtungen machen konnte.
    Aussagen nach Hierarchie muss weg, der Chef ist überflüssig, ab heute sind wir agil etc. habe ich zu oft gehört.

    Wenn man dann beginnt zu fragen, was denn dahinter steht, dann wird schon sehr viel differenzierter.

    In der ganzen Diskussion (wie auch in vielen anderen) vermisse ich sehr häufig genau die Frage nach dem Nutzen. Wozu etwas tun?
    Wozu mehr auf Mitarbeiter eingehen?
    Wozu die Organisation ändern?
    Wozu auf Augenhöhe arbeiten?

    Ich denke es braucht am Ende beides – die Menschlichkeit und Hochleistung.

    Möchte ich als Unternehmen / Manager etwas in Richtung ‚New Work‘ verändern, gibt es dabei für mich drei grundsätzliche Motive:
    – Ich möchte den Mitarbeitern eine lebenswertere Umgebung schaffen
    – Ich möchte Unternehmensziele erreichen und setze dazu auf die Strategie ‚New Work‘
    – Ich möchte Mitarbeitern eine lebenswertere Umgebung schaffen in der Überzeugung, dass dadurch auch die Produktivität etc ansteigt

    Für mich ist die letzte davon auch die stimmigste. Nur – wann wandeln sich Menschen im Regelfall? Wenn es sein muss – raus aus der Komfortzone ist für die meisten Menschen unangenehm – und da Menschen Unternehmen leben, lässt sich das für mich auch sehr gut dorthin übertragen (Gerhard würde jetzt wegen der Vermischung von System & Mensch insistieren).

    Von daher – ob New Work oder was auch immer. Sofern die Balance stimmt, ist das stimmig.

    Dir einen schönen Donnerstag & Grüsse,
    Ralf

  3. Lieber Lars,

    Dass Arbeit als solche kein Selbstzweck ist, wirst Du sicher auch schon vor Deinem vermeintlichen „Wrong Turn“ gewusst haben.

    Ich habe Dich nie so verstanden als würdest du „New Work“ als Allheilmittel für Unternehmen propagieren.

    Vielmehr hast Du doch immer wieder und mehr als deutlich auf die entscheidende Weichenstellung hingewiesen, an der sich die Entscheidung für Old Work oder New Work im Wertschöpfungskontext zu orientieren hat: Nämlich auf die Beschaffenheit des Umfelds, nämlich des Marktes. Kompliziert oder komplex. Langsam oder schnell. Statisch oder dynamisch.

    Keine Form von Arbeit wird jemals alleinig richtig sein.
    Mir ist auch vollkommen egal, ob sich Manager jemals mit „New Work“ befassen oder eben nicht. Ich würde mir aber sehr wünschen, dass mehr darüber nachgedacht würde, WOFÜR man die Dinge tut, die man bei der Arbeit tut. Dann landet man automatisch beim Kunden, beim Markt, (in 99% der Fälle) bei Komplexität und bei der Erkenntnis, dass ein Umdenken und Andershandeln für sämtliche Stakeholder sinnvoll wäre. Oder man vergeht vor schlechtem Gewissen, weil einem klar wird, dass der einzig Profitierende des Handelns man selbst ist.

    Freue mich auf mehr Deiner inspirierenden Beiträge. Keep it up.

    Herzlich, ck

  4. Ute sagt

    Hallo Lars und Hallo Guido 😉
    wir wissen voneinander über Twitter. Also von unseren Einstellungen und den dazugehörigen Äußerungen zu newwork, Arbeiten4.0, Augenhöhe…dies als kleine Einleitung.
    Ich denke wir sollten nicht den übertragbaren Fehler machen, nur im entweder/oder zu denken und deshalb ist der geäußerte Anspruch an den Wandel auch gut so! Natürlich sollte differenziert werden WIE die jeweilige Arbeit gestaltet ist und auch unter Berücksichtigung der Effizienz Sinn macht (Beispiel Lean).
    Natürlich sind Prozesse sinnvoll und es ist ebenso sinnvoll Spielräume zu schaffen für die noch so kleinen „Rädchen“ in Unternehmen. Wie sagt G. Dueck so passend: die goldene Mitte finden.
    Ein weiterer Punkt ist oftmals der leider tatsächlich am Geschlecht festzumachende Impuls nach Wettbewerbsdenken…sorry 😉 ich darf das sagen: bin ja eine Frau…Ich sehe, dass im Sinne des digitalen und damit verbundenen gesellschaftlichen Wandels vielleicht ein anderer Ansatz passender ist: Der der Kollaboration und der Kooperation. Es geht nämlich zukünftig immer mehr um Vernetzung und Transparenz…und da greifen meines Erachtens genau diese „alten“ Denkweisen der Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr. Im Moment haben wir eine Zeit der „Blender“. Es wird aufgrund dieses „Überlebensdrangs“ und des Wettbewerbs-Kampfes mit greenwashing, socialwashing und sogar mit employerwashing reagiert…NOCH! Die Veränderung und die Transparenz und die interaktive Offenlegung und virale Verbreitung sorgen jedoch zunehmendst für einen nachhaltigen Ausgleich…
    Auch wenn ich vielleicht für einige zu weit aushole: alle Ansprüche an newwork sind begründete Bedürfnisse, um genau diesen Weg weg vom Wettbewerb zu gehen und einfach „besser“ zu werden, tatsächlich zu „optimieren“ im Sinne ALLER stakeholder (Mensch, Tier und Umwelt inklusive!)…in diesem Sinne bitte ich darum, mein Statement wirklich in aller Ruhe sacken zu lassen! Beste Grüße, Ute

    • Liebe Ute,

      Ich bin ja ein Anhänger davon nach den Ursachen von Entwicklungen zu suchen, um dann an den richtigen Stellen zu intervenieren. Das Ganze unter der Prämisse, dass es sich für alle lohnen muss.
      Mein „eye-opener“ im Kontext „Neue Arten der ZusammenArbeit“ (NAZA) war das Buch von Heike Bruch und Bernd Vogel „Fully Charged“ in dem sie aus einer wissenschaftlichen Perspektive die wirtschaftlichen Vorteile einer positiven organisationalen Energie darlegen. – dies bis hin zu Aussagen zu den Steigerungsraten von Wachstum, Innovation und last but not least Rendite (alle übrigens zweistellig).
      Die in diesem Kontext untersuchten Unternehmen waren allerdings zumeist aus Krisenszenario gestartet oder hatten einem Wechsel an der Unternehmensspitze erfahren. (So gesehen wäre es jetzt der Moment die Deutsche Bank anzuschreiben).

      Der Markt hatte also hier jeweils gesprochen und die Bereitschaft zur Veränderung und umfassenden Reflektion erzeugt. Das Ergebnis waren (verblüffend häufig) Strukturen, die denen entsprechen oder ähneln, die heute mit new work bezeichnet werden. Auch in „Reinventing Organizations“, „Employees first, Customers second“, „Beyond Performance management“ etc. fußen viele der genannten Unternehmensbeispiele auf der Krise oder dem Führungswechsel.

      Aus diesem Kontext kann ich Lars vollkommen verstehen. Freiwillig eine Veränderung der Führungsstruktur und der Kultur zu starten, mit ungewissem Ausgang, ohne (Markt-)Druck ist nichts, was Investoren verstehen. Klassische (teilweise fremdfinanzierte) Unternehmen brauchen den Druck als Veränderungsberechtigung, sonst würde zu schnell der Führung das Vertrauen, und damit auch die Rolle entzogen.

      Dennoch gibt es gute Gründe für die Unternehmen nicht auf die Krise oder den Wechsel zu warten. Wer aus einer Position der Stärke in diese Entwicklung geht, wird auf dem Weg weiter gestärkt – das war immer so. Die Leistungsbereitschaft, die Befähigung zur Innovation und eben auch die wirtschaftliche Entwicklung verlaufen nachweislich positiver.
      Schwieriger ist es allerdings den Mut aufzubringen, wenn die Verzweiflung fehlt.

      Die andere Seite: die „reine“ new work Perspektive. Jedem, der sich mit den Argumenten auseinandergesetzt hat ist klar, dass diese heute – wie nie zuvor – richtig sind und die Zeit für deren Umsetzung gekommen ist. (Wem es als Unternehmenslenker nicht klar ist, kann gerne eine Standortanalyse zu Kultur, Führung und Führungssystemen, bzw. den Stresslevel in der Organisation bei mir anfragen – mit Hinweis auf diesen Kommentar gibt es auch Sonderkonditionen.) Nur braucht es hier dann bei der Führung Mut UND Vertrauen.

      Soll heißen – ich kann Lars verstehen. Nicht das Unternehmen bestimmt die Richtung, sondern sein Umfeld. Das ist ganz einfach daran abzulesen, dass sonst JEDES Unternehmen florieren würde – was nicht der Fall ist.
      Die meisten Unternehmen sind daher in einem Reaktionsmodus statt frei agieren zu können. Die FreiRäume sind (zunächst) begrenzt.
      Damit ist der „reine“ new work Weg ist ohne weitere Krise (und die wird ja kommen) zu mühselig, um darauf zu sehr zu fokussieren. Die Unternehmen werden schon kommen. Man muss nur loslassen und sie mit Respekt behandeln, statt sie zu sehr an den Pranger zu stellen.
      Andererseits – es ist auch jetzt die Zeit vorhandene FreiRäume – wie oben schon gesagt – zu nutzen statt unter Druck Entwicklungen zu starten, die meist zu lange dauern, um ohne zwischenzeitlichen Führungswechsel umgesetzt zu werden. Denn ist es erst so weit, ist die Bedrohung zu groß und „zu schnell“ um vom aktuellen Chef gemanagt zu werden – selbst wenn er dann die richtigen Schritte einleitet.

      Soviel meine 2ct.
      Liebe Grüße
      Guido

  5. Hallo Lars,
    ich sag einfach auch mal Du und reihe mich so in die interessanten Kommentare hier ein. Schöner Artikel mit einer interessanten Perspektive!

    Ich wurde neulich gefragt „Warum müssen sich Unternehmen überhaupt entwickeln – ist Veränderung nicht viel zu anstrengend und kostet nur Energie?“ Fast philosophisch die Frage, aber dann überwog doch wieder der Ökonom in mir 😉
    In jedem Markt gibt es Angebot und Nachfrage und es bilden sich Preise, aus denen Unternehmen Gewinne schöpfen (im Regelfall und einfach ausgedrück). Unternehmen in der Rolle der Anbieter generieren Nachfrage durch neue Produkte, reagieren auf verändertes Nachfrageverhalten von Kunden oder reagieren auf das Verhalten von Wettbewerbern. Genau das macht ja Märkte dynamisch. Wirtschaftswachstum resultiert in erster Linie aus Fortschritt und Entwicklung.
    Und hier sehe ich es glaube ich genauso wie Du: Es ist der Markt und der Wettbewerb, der Entwicklung initiiert. Und da Fortschritt nicht an der Werkstür aufhört, hat jede makroökonomische Entwicklung natürlich auch Konsequenzen auf die Mikroökonomik, also das Unternehmen selbst, und somit auch auf die Technologien, Prozesse und Strukturen in Unternehmen – und damit auch auf die Arbeit .. und am Ende auf jeden von uns als Mensch.
    Unternehmen sind Teil und agieren in der Dynamik und müssen vorausschauend den passenden Rahmen schaffen, um auf Dauer in den dynamischen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine von vielen, aber sehr wichtige Stellschraube dabei: Laufen mir die Mitarbeiter weg, weil die Arbeitsbedingungen nicht zu den im Laufe der Jahre auch veränderten Werten und Zielen von Individuen und der ganzen Gesellschaft passen, dann gefährdet das den Fortbestand meines Unternehmens – und auch der Arbietsmarkt ist ein Markt mit Angebot und Nachfrage.
    Und genau hier sind wir dann erst an dem Punkt der veränderten Arbeitsbedingungen. Die aktuell lauten Rufe der Arbeitnehmer nach dem, was sie mit „NewWork“ bezeichnen sind für mich eher als Weckruf an die Unternehmer zu verstehen: Los! Lenkt das große, schwere Schiff jetzt endlich, damit wir auch morgen noch zu Dir zur Arbeit kommen … und damit Du, liebes Unternehmen, nicht untergehst (wobei vermutlich der letzte Gedanke sekundär ist). Diese Bewegung hat aus meiner Sicht damit durchaus einen positiven und wahrscheinlich den Prozess beschleunigenden Effekt, aber sie ist nicht der Auslöser.
    Ob das wirklich den Anstrich New Work verdient, weiß ich nicht, denn eigentlich ist es im Kern doch nichts anderes als ein normales Marktgeschehen und eine kontinuierliche Entwicklung, wie es sie auch in den letzten Jahrzehnten und Generationen gab und weiter geben wird, oder?
    Viele Grüße
    Bernd

  6. Pingback: Linksammlung 04/2015 |

  7. Ardalan Ibrahim sagt

    „Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es, Überlebensfähigkeit herzustellen und zu erhalten“ – Sinnlosigkeit, ick hör Dir trapsen. – Wer „Überleben“ als „Hauptaufgabe“ sieht, kann sich den restlichen Change-Schmarrn und New Work-Gesummse tatsächlich auch gleich mitsparen. Denn das ist der status quo. „Survival of the fittest (in regard to existing and emerging markets)“ and so on. We all know how it feels to be part of a company that’s struggling for survival. Dann doch lieber arbeitslos. 😉

    Das – wenn ich da nicht ganz abgehängt wurde – Gleiche „etwas sinnvoller“ ausgedrückt, wäre gewesen:

    „Die Hauptaufgabe von Menschen in Unternehmen ist es, immer wieder neu, anders, besser bestimmte menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, denen sie sich als „Unternehmen“ gemeinsam verschrieben (dedicated) haben“.

    Schafft ein Unternehmen DAS über einen längeren Zeitraum nicht, ist sein „natürlicher Tod durch Insolvenz“ tatsächlich sehr wahrscheinlich. – Aber DARUM das nackte Überleben zur Hauptaufgabe von Unternehmen zu erklären… hm, …da ist aus meiner Sicht irgendwas ganz, ganz leicht „verrutscht“… 😉

    • »Die Hauptaufgabe von Menschen in Unternehmen ist es, immer wieder neu, anders, besser bestimmte menschliche Bedürfnisse zu befriedigen, denen sie sich als „Unternehmen“ gemeinsam verschrieben (dedicated) haben«.

      Lieber Ardalan, da spricht der Moralist. Und wer wollte Dir dieses Bedürfnis, Deine Sehnsucht schon nehmen wollen? Ich nicht.
      Deine unterstellte These aber, dass genau dies (kausal) zum Überleben führt, ist leider nur das: eine These, die doch recht einfach zu falsifizieren ist.

      Vielleicht liegt die Brücke zum gemeinsamen Streben in der möglichen und sicher auch erstrebenswerten Gleichzeitigkeit der Hauptaufgabe einerseits und der „Sinnhaftigkeit“ (in Deinem Sinne) andererseits. Ich finde es jedenfalls lohnenswert, genau daran zu arbeiten.
      Liebe Grüße
      Lars

      • Ardalan sagt

        Hallo Lars,

        bitte entschuldige. Ich habe Deine Antwort jetzt erst entdeckt. – Nein, Du verkennst meine Position völlig. Meine oben Aussage ist keine moralische Sollensaussage, sondern Teil einer rein deskriptiven (= nicht-normativen) Analyse aus einer Sozialtheorie, die allerdings bewusst weiterhin menschliche Bedürfnisse in die Beschreibung einschließt, anstatt sie aus der Sozialtheorie zu verbannen. Ich habe mich für den Gebrauch dieser Theorie für bestimmte Zwecke entschieden, weil sie in mehreren Hinsichten für überlegen gegenüber einer Theorie halte, die sich entschlossen hat, nicht mehr über menschliche Bedürfnisse zu sprechen. Und das, obwohl ich die Luhmann’sche Systemtheorie recht gut zu kennen glaube. Deutlich besser als einige ihrer derzeitigen Fans übrigens.

        Individualethisch unterscheide ich drei Grundsatzpositionen: Naive Moralisten, Systemisch aufgeklärte Moralisten und Nihilisten. Rate mal, welche Position davon Du in Deinem Artikel aus meiner Sicht eingenommen hast… 😉 – Aber diese individualethische Einordnung ist für mein Argument völlig unerheblich. Denn:

        Dass sich kein Unternehmen auf Dauer erhalten kann, das sich nicht auf menschliche Bedürfnisse fokussiert (das menschliche Bedürfnisse aus dem Blick verliert) ist nicht falsifizierbar, sondern ergibt sich logisch abgeleitet aus einer rein deskriptiven Definition von „Unternehmen“: Jedes Unternehmen „lebt“ davon, dass es menschliches Engagement in Form von Geld, Zeit und Fähigkeiten auf sich ziehen kann. Versagt es als Attraktor (bietet vergleichsweise uninteressante Deals und Beziehungsangebote an), dann „stirbt“ es. Dabei kann Engagement bestimmter Form durch Engagement anderer Form teilweise ersetzt werden. Beispiel: Ein Unternehmen, dass über Jahre rote Zahlen schreibt und dessen Belegschaft zum großen Teil innerlich gekündigt hat und Dienst nach Vorschrift macht, kann sich „am Markt halten“, indem es Investoren findet, die ihm weiter Geld geben und es so am Leben halten.

        Unternehmen hängen also deutlich mehr von Menschen und menschlichen Handlungen ab als umgekehrt. Menschen können überleben und sogar ein ziemlich interessantes Leben führen, ohne sich in Unternehmen einzubringen und von ihnen zu profitieren. Unternehmen dagegen sterben unmittelbar, wenn sie GAR KEINE Form menschlichen Engagements auf sich ziehen können. Unabhängig davon haben Unternehmen aus meiner Sicht und auch aus der Sicht unserer derzeitigen Gesetzgebung kein „Überlebensrecht aus sich selbst heraus“, sondern bestehen immer vorläufig, auf Verdacht. D.h. unter der Hypothese, dass sich Menschen durch sie bestimmte ihrer Bedürfnisse besser befriedigen können als durch andere Aktivitäten. Das müssen auch nicht unbedingt andere Unternehmen sein. Bekanntes Beispiel: Ein Unternehmen konkurriert, was das Engagement seiner Mitarbeiter angeht, auch mit verschiedenen Optionen, die diese Mitarbeiter in ihrem „Privatleben“ haben. Oder was den Geld-vs.Zeit-Deal angeht mit der Option „Lottogewinn“, „Erbe“, HartzII, reich heiraten, was erfinden und ein Patent anmelden oder Sich-Selbständig-machen. Bietet das Unternehmen keine interessanten Möglichkeiten aus rein subjektiv menschlicher Sicht, ziehen Menschen (nicht nur als Mitarbeiter, sondern auch als Investoren, Dienstleister, etc.) ihr Engagement von diesem Unternehmen ab und „es stirbt den Insolvenztod durch Ressourcenmangel“. Kurzgesagt: Unternehmen sind keine Zwecke, sondern Mittel. Das verliert man leicht aus dem Blick, wenn man eine Luhmann’sche Brille aufsetzt. Es gibt keine Theorie ohne blinde Flecken. Gute Theoretiker schließen aber bewusst die Augen vor bestimmten Dingen, damit sie andere Dinge besser sehen können. Die Frage bei der Wahl einer Theorie ist daher v.a.: Was will ich eigentlich grade sehen? (Und was nicht?). Alles gleichzeitig sehen wollen, heißt nichts sehen. Mich persönlich z.B. interessieren Theorien einfach nicht, die mit dem homo-mensura-Satz nichts anfangen können, weil ich ein leidenschaftlicher Fan von Psychologismen aller Art bin.

        Vielleicht macht es auch noch Sinn, wenn man einen kleinen Verweis auf die Gesetzmäßigkeiten im Reich der Theoriebildung macht, nämlich, dass es rein logisch nur 3 Formen gibt, wie man „eine Theorie begründen kann“: Infiniter Regress, Axiomatisch (Glaubenssätze) und Zirkelschluss. D.h. dass man eines davon verwendet taugt per se nicht als Argument gegen IRGENDEINE Theorie. Du kannst keine Theorie bauen, ohne zumindest eine dieser 3 Optionen zu wählen. Die meisten Theoretiker entscheiden sich für die Glaubenssatz-Lösung.

        Aber was als „Argument gegen eine Theorie“ sehr wohl taugt, ist Konkurrenz um Anhänger, also um die Begeisterung von Menschen, die sich dafür hergeben, bestimmte Theoreme weiterzutradieren. D.h. auch Theorien sterben aus dem gleichen Grund, aus dem auch Unternehmen sterben: Indem es ihnen nicht mehr gelingt, Menschen für sie zu interessieren. Und Theorien sind für die meisten Menschen um so uninteressanter, um so weniger sie ihre eigenen Probleme innerhalb der Theorien wieder erkennen können. Insofern ist es aus einer Meta-Theoretischen Perpektive eine ziemlich dumme Idee, menschliche Bedürfnisse aus der Sozialtheorie zu eliminieren.

        Oder mit Deinen Worten: Ein „wrong turn“. – Wenn der erste Hype vorbei ist, fragen die Leute nämlich gewöhnlich: What the fuck hat das alles eigentlich mit mir zu tun? Und wenn es in einer Theorie darauf keine einfache und emotional aufgeladene Antwort gibt, verlieren bis auf ein paar Theorie-Freaks (wie ich) die meisten sehr schnell das Interesse daran und wenden sich dem nächsten Hype zu.

        Ich bin übrigens überzeugt, dass nichts, was ich hier schreibe, irgendwas an Deinen Überzeugungen ändern kann. Ganz einfach, weil ich Dir keinerlei stichhaltigen Grund liefere (noch liefern kann), etwas anders zu denken, zu sagen, zu machen als Du es grade tust. Denn das Argument: „Wenn Du das beibehältst, werden schlimme Dinge passieren“ hat nach meinen BEOBACHTUNGEN (again: rein deskriptiv, nix Wunschdenken) noch nie irgendeinen Menschen dazu bewegt, dauerhaft irgendwas anders zu machen als zuvor. Und warum das nicht funktioniert, dafür gibt es benennbare Gründe. Ich sag nur „Alan Deutschman“.

        Ich schreib das hier also just for fun. Weil mich ab und zu mein jahrelanges Theoriestudium pieckst. Fähigkeiten wollen angewandt sein. Und natürlich auch weil ein kleiner Lutheraner in mir tobt, der schreit: „Ich lese das, ich kann nicht anders“. Dieses alte Gscheithaferl in mir will halt manchmal auch Auslauf haben.

        Was Dich selber treibt, solche lustigen Sachen zu sagen, wie oben im Artikel, darüber kann ich nur spekulieren. Aber das lass ich mal lieber… 😉

        LG!
        Ardalan

        P.S. Dass ich der Überzeugung bin, dass man keinen einzigen Menschen auf Gottes weiter Welt mit dem Argument „Wenn Du das und das nicht änders, wird Dein Unternehmen am Markt keinen Bestand mehr haben“ zu irgendwas bewegen kann, ist sicherlich rübergekommen. Ich schreib es hier nur nochmal in aller Deutlichkeit, weil ich erstaunt bin, dass Du und einige andere dieses Argument so oft benutzen. Vielleicht doch mal „change or die“ von Alan Deutschman lesen? Da wird nämlich dieser Change-Ansatz „falsifiziert“. Ist recht eindrucksvoll gewesen für mich und hat mir die Lust genommen, über facts fears and force zu agieren. – Okay, hier hab ich’s dann doch getan. „Inkonsequenz“ ist mein zweiter Vorname…

        P.P.S.: Das, was Du in Deinem Artikel oben machst, nennt man in der Logik „Naturalistischer Fehlschluss“: Der Schluss vom Sein auf Sollen. Der ist immer ungültig, sagen zumindest die Logiker. Aber das wusstest Du sicher längst… 😉

  8. Hallo Lars,

    danke für die Diskussionen dazu letztes Wochenende auf dem Wevent.
    >> Viel spannender … finde ich nämlich, wie Unternehmen im sich ständig verändernden Markt wettbewerbsfähig bleiben können.
    Das klingt nach „Business Agility“. Da schlage ich Lean Change Management vor 😉

    Viele Grüße
    Torsten

  9. Pingback: Was ist eigentlich New Work? – Serenize

  10. Bodo Wünsch sagt

    Lieber Lars,

    noch immer unter dem Eindruck des Münchner Wevents, das mein erstes war:

    Teile Deine Position zu New Work – aber machen die Aktivitäten und Vorschläge der „New Worker“ nicht doch schon _als solche_ den Abbau von wirklich inhumanem Mist in sehr vielen Unternehmen zunächst wahrscheinlicher? Und kann nicht schon allein _dadurch_ Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit wahrscheinlicher sein? – Ich denke dabei vor allem ganz praktisch an Arbeits- und Berufseinsteiger, die zum ersten Mal in Unternehmen kommen. Deren (Lern-)Sicht könnte sich einfach dramatisch erweitern, wenn Unternehmen in der Tat weniger Anti-New-Work wären…. oder nicht?

    • Lieber Bodo,

      mein Punkt ist die falsche Referenz von typischen (im Artikel skizzierten) „New Work“-Maßnahmen. Sie liegt intern und nicht extern.

      Natürlich kann gleichzeitig (also korrelierend) vieles Positives für Wertschöpfung und Humanität (um Dein Wort zu benutzen) passieren. Aber da es keine Kausalität gibt, kann die Wirkung auch destruktiv sein. Daher: auf die externe Referenz achten und schauen, welche New-Work Maßnahmen Wertschöpfungsbarrieren überwinden. Als Heuristik habe ich das mal hier präziser beschrieben: http://www.arbeiten4punkt0.org/2016/03/vorsicht-arbeiten-4-0-ist-gefaehrlich/

      Besten Gruß
      Lars

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.