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New Work: Was ich nicht seh, das gibt es nicht …

Oh, da sind manche Leute aber gerade ganz schön sauer! Ich stieß neulich auf einen Gastbeitrag im offiziellen Microsoft Deutschland Presse Blog: Svenja Hofert, die Karriere-Expertin, deren Bücher und Artikel ich ansonsten durchaus schätze, echauffierte sich vehement über die Protagonisten der ›New Work‹. Irrationalen Trends aufsitzende Theoretiker seien das. Sie schwärmten von Flexibilität in Job und Leben, von Internet for Free, von intrinsischer Motivation und Glück und Freiheit bei der Arbeit.

Die »Arbeitswirklichkeit« sei aber nunmal ein andere:
Flexibilität? Selten!
Selbstbestimmung? Stattdessen dominieren doch Politik und Machtspiele!
Selbständig und unternehmerisch denken? Da kannst du gleich deinen Aufhebungsvertrag unterschreiben!

i-love-new-work

Die idealistischen Theoretiker der New Work würden sie so ärgerlich machen, schreibt Hofert, weil es die Unternehmen, von denen diese schwärmten, einfach nicht gäbe: »Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde sie nicht!«

So, jetzt darf ich mich aber mal ärgern, denn das ist nicht mehr und nicht weniger als ein lupenreiner Wrong Turn! Und damit mag ich jetzt Frau Hofert überhaupt nicht in die Pfanne hauen, sondern möchte hier nur mal etwas klarstellen:

An alle, die genauso denken wie sie. An alle, die New Work bestenfalls für Spinnerei halten, schlimmstenfalls für blanke PR. An alle, die glauben New Work sei zwar hübsch vorgedacht aber noch nirgends in der Realität vorgemacht. An alle, die glauben, die schöne neue Arbeitswelt verspräche reichlich mehr als sie halten könne: Sie sind nicht allein! Mein kleiner Sohn ist bei Ihnen! Er ist zwei Jahre alt und ihm geht es so wie Ihnen – wenn er etwas nicht sehen kann, glaubt er, er sei nicht da.

Das Phänomen, das New Work genannt wird, kann gar nichts versprechen, denn es ist ja keine Person. Es kann nur beobachtet werden: Aber dazu muss man eben hinschauen. Wer hinschaut, der erkennt allerorten neue Formen von Zusammenarbeit, neue Tätigkeiten, neue Organisationsstrukturen, mit denen Unternehmen und Menschen so arbeiten, dass sie den Herausforderungen unserer Zeit schlicht besser zurecht kommen. Nicht mehr und nicht weniger.

Das heißt nicht, dass New Work in allen Unternehmen und bei allen Menschen vorkommt. Aber es gibt sowohl diese modernen Unternehmen als auch diese moderne Menschen und es werden immer mehr. Warum? Warum? Weil New Work cool ist oder hippe Wirtschaftsmagazine darüber berichten? Nein, weil sie erfolgreicher damit sind!

Bei der Deutschen Bank, bei Microsoft oder bei der Telekom finden Sie New Work wohl eher in homöopathischen Dosen, keine Frage. Aber Svenska Handelsbanken ist seit Jahrzehnten überraschend new-workig – und die profitabelste Großbank Europas. Aber das mag sie vielleicht nicht so interessieren, weil das kein deutsches Unternehmen ist.

Gemeinsam mit Mark Poppenborg habe ich das Netzwerk intrinsify.me gegründet, das sich für selbstbestimmtes und sinngetriebenes Arbeiten einsetzt. Und wir sammeln deutsche New-Work-Unternehmen! Wir finden sie überall, in allen Branchen und in den hintersten Winkeln der Republik, weit entfernt von den ›idealistischen Spinnern‹ in Berlin. In der Provinz sei ›New Work‹ nur graue Theorie? – Quatsch! Weit gefehlt.

Nehmen Sie Allsafe Jungfalk aus Engen, einer Kleinstadt im südbadischen »Zonenrandgebiet« am Bodensee, 774 km von Berlin entfernt. Dort entscheiden Arbeiter in der Werkhalle selbst über ihre Arbeitszeiten, ihren Urlaub und die Schichteinteilung. Dort gibt es keine Manager, die entscheiden, sondern die Mitarbeiter an der Basis mit Kundenkontakt entscheiden, was zu tun oder zu lassen ist. Inhaber Detlef Lohman hat sich von der tayloristischen old-work Ideologie konsequent losgesagt.

New Work ist auch kein Privileg von hippen Agenturen oder Softwareschmieden. Nehmen Sie so eine olle Branche wie Brandschutz: Bei hhp – Ingenieure für Brandschutz wählen die Mitarbeiter den Arbeitsort, die Arbeitszeit und die Tätigkeit selbst. Wer mittags mit den Kindern ins Schwimmbad gehen will, braucht niemanden um Erlaubnis fragen.

Und bei V & S – das ist mein eigenes Unternehmen, eine Unternehmensberatung mit Fokus auf den Maschinenbau: Bei uns führt new work so weit, dass Mitarbeiter Urlaub und Gehalt selbst bestimmen.

Wenn Sie in einer Welt arbeiten, in der Sie noch Urlaubsanträge ausfüllen müssen, können Sie sich das vielleicht nicht vorstellen. Aber das heißt eben nicht, dass es flexible, selbstbestimmte, freie Arbeitsformen nicht gäbe. Und nur weil in vielen Branchen die Platzhirsche noch in etwa so organisiert sind, wie ThyssenKrupp vor hundert Jahren, heißt das nicht, dass sie zukunftsfähig wären. Traditionell in Machtpyramiden und nach dem Prinzip Anweisung und Kontrolle gemanagte Unternehmen verlieren schleichend ihren Wettbewerbsvorteil, weil sie in zunehmend komplexen Märkten einfach nicht mehr so gut zurecht kommen.

Warten wir’s ab. Aber behaupten wir bitte nicht mehr, die Welt sei flach, nur weil wir partout keine Kugel sehen können!

18 Kommentare

  1. Daniel Trebien sagt

    Wer nur glaubt, was er auch sehen kann…

    …wird sich bestimmt über dieses Filmprojekt hier freuen: mitmachen.augenhoehe-film.de

    Ein paar der genannten Beispiele sind darin auch zu SEHEN.

    LG Daniel
    vom AUGENHÖHE-Team

  2. Ardalan Ibrahim sagt

    Vielen Dank für diesen Beitrag Herr Vollmer! – Auch wenn Sie es nicht tun, möchte ich hier mal ein bisschen Frau Hofert-Bashing betreiben: Ich schätze Sie ebenfalls sehr. Ihre Bücher „Bewerben ohne Bewerbung“ und „Das Slow Grow Prinzip“ empfehle ich Menschen regelmäßig, die die entsprechenden Themen haben. – Seit einiger Zeit fällt mir aber auf, dass Frau Hoferts Blog- und Artikel-Beiträge eine sehr konservative, reaktionäre Note bekommen haben und mir dort eine gewisse Offenheit fehlt. – Da wir im Kern aus dem gleichen Metier kommen (Gründer- und Karriereberatung) kann ich glaube ich halbwegs nachvollziehen, woher es kommt: Man hat da den gekündigten Konzern-Menschen mit Ende 40, Anfang 50 genauso sitzen wie die Alleinerziehende Akademikerin mit zwei Kindern. Beide suchen nach neuen beruflichen Optionen und geben sich erstmal hilf- und ratlos. Und da kann man leicht in einen „Realismus“-Strudel geraten, der im Grunde aber nichts anderes ist als das Überspringen der negativen Sichtweisen der Kunden auf den Berater. In meiner Praxis merke ich aber seit einigen Monaten verstärkt: Es geht auch anders. Was mir hilft? Dass ich all die „anderen“ Unternehmen kenne, auch durch Ihr Zutun, Herr Vollmer, und ich weiß, was es alles gibt und was alles ganz real möglich ist. – Bin ich nun einer von jenen unverantwortlichen Job-Coaches, die von Frau Hofert manchmal gegeißelt werden, die den Kunden das Blaue vom Himmel herunter versprechen und an diesen Luftschlössern fleissig verdienen? – Ich behaupte: Nein! – Denn wir machen Realitätschecks, wir beziehen die Lebenssituation mitein, den Finanzbedarf, die Alternativ-Optionen und, und, und. Und dann schauen wir, welche Risiken der jeweilige Mensch bereit ist in seinem aktuellen Leben zu übernehmen, denn es ist sein Leben.

    Kurz gesagt: Frau Hofert täte mal gut daran, auch mal auf einem Intrinsify-Wevent aufzukreuzen und sich „der Realität“ zu stellen. Das heißt: Diesem von ihr bisher ausgeblendeten Teil der Realität. – Den Teil der Realität, dem sie sich in ihrer Praxis stellt, stelle ich mich nämlich täglich auch und kann sagen: Nichts, rein gar nichts in dieser Praxis rechtfertigt den Wutanfall, von dem Sie berichten. – Wer die Realität derart verengt, so wage ich aus „professioneller Karriereberatersicht“ zu behaupten: der macht schlechtes Jobcoaching, weil er seine Kunden in einer negativen, verzweifelten Weltsicht bestärkt, die sie sowieso schon selbst in die Beratung mitbringen und die sie genau dahin gebracht hat, dass sie diese Beratung brauchen. Technisch gesprochen: Der gibt seinen Kunden mehr vom Selben.

    „Echauffier-Modus aus“.

  3. Lars Vollmer sagt

    Liebe Svenja Hofert,

    bevor das jetzt zu persönlich wird: Ich liebe es über die Sache zu streiten und dabei dennoch größten Respekt zu wahren.

    Auf Twitter warfen Sie mir vor (Link), ich würde Zitate aus dem Zusammenhang reißen und Sie auf Bildzeitungsniveau zitieren. Über diese Replik will ich mich gar nicht ärgern. Es genügt nämlich, wenn ich mich weiter darüber ärgere, dass Sie in Ihrem einflussreichen Blogbeitrag New Work als spinnerte Idee von idealistischen, weltfremden Theoretikern darstellen, über die wiederum Sie sich ärgern:

    Vollständiges Zitat: »Eine weitere These lautet so: ›Früher suchten Unternehmen gute Sachbearbeiter. Heute suchen sie Mitarbeiter, die eine menschliche Beziehung zum Kunden aufbauen.‹

    Ich liebe sie die Theoretiker, und dieser Satz macht mich wirklich ärgerlich. Wo sind die Unternehmen die dies suchen? Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde Sie nicht. Meine Kunden auch nicht.«

    Dass Sie solche Unternehmen nicht kennen, ist schade. Ich finde, das sollten Sie ändern. Ich kenne nämlich viele davon und das ist sehr bereichernd. Ich lade Sie herzlich auf eines unserer nächsten Treffen bei intrinsify.me ein, da haben wir Gelegenheit uns gemeinsam über New Work zu freuen.

    Was meinen Sie?

    Beste Grüße, Ihr Lars Vollmer

    • Svenja Hofert sagt

      Hallo Herr Vollmer, so da kann ich jetzt mal etwas mehr schreiben, Twitter ist doch arg begrenzt.
      Ich kenne solche Unternehmen. Aber es liegt auch in der Natur meiner Profession als Karriereberaterin, dass zu mir Leute kommen, die unzufrieden sind mit etwas in ihrem Unternehmen. Und da habe ich Einblicke ins so gut wie alle großen Unternehmen, speziell Hamburg und viele kleinere, oft Agenturen. Das sind verschiedene Abteilungen: Zu mir kommen Personaler (nicht selten entnervt und zwischen den Stühlen), Marketer (nicht selten frustriert, weil sie immer noch nach Meffert arbeiten sollen), Juristen (ohne jeglichen Bewegungsradius), ITler… Das heißt, der Einblick ist breit. Es kommen auch Inhaber von IT-Unternehmen und Softwareschmieden, die sich coachen lassen. Und hier sehe ich durchaus New Work und viele tolle Ansätze. Doch die Natur meiner Sache ist Veränderung – von einem Job in den nächsten, von einer Position auf eine andere, von einer Kompetenz auf weitere… Diese Natur hat eine bestimmte Prägung. Niemand gibt so viel Geld aus, wenn er/sie zufrieden ist. Und so sehe ich, lieber Herr Vollmer, ganz andere Sachen als Sie. Dinge, die mich manchmal fast heulen lassen, weil sie Menschen so furchtbar begrenzen. Von Firmen, die auch New Work postulieren. Der Beitrag hat mir zahlreiche Beratungsanfragen gebracht, auch das ist wohl an Zeichen. Alle sagten: Genau das, liebe Frau Hofert, erlebe ich, und genau da will ich raus. Ich habe schon überlegt „Whitlists“ für Firmen zu erstellen, die bestimmte Werte leben, aber dann kommt man in dieses Employer Branding-Gewäsch und Entscheidungsdiffusionen.
      Also: Ich kenne diese Unternehmen auch deshalb, weil z.B. Kunden dahin gewechselt sind. Aber mein Eindruck ist, dass diese sich so gut wie ausschließlich in dynamischeren, aber nicht extrem wettbewerbsintensiven Umfeldern finden – besuchen Sie bitte mal ein Schifffahrtsunternehmen, ein Hamburger Handelsunternehmen und eine Maschinenbaufirme im Süden. Da ist null New Work. Definitely. LG Svenja Hofert

      • Lars Vollmer sagt

        Liebe Svenja Hofert,

        Ihre gepflegte Antwort freut mich – sehr plausibel, aus was sich Ihre Beobachtungen speisen. Und Sie kennen auch Unternehmen, bei denen New Work keine Employer-Branding-Gewäsch ist. Da freuen wir uns gemeinsam! Sie sehen lediglich »null New Work« in traditionellen Branchen oder in der Provinz. Ok.

        Doch auch hier möchte ich insistieren: Nur weil Sie sie nicht sehen können (›definitely‹) heißt es nicht, dass es sie nicht gibt. Das anzunehmen, wäre genau der Wrong Turn, den ich in meinem Blogbeitrag oben angesprochen habe. Und insbesondere in meiner Stammbranche, dem Maschinen- und Anlagenbau gibt es sie reichlich, gerade im Süden, wo sich viele dieser Firmen gründen.

        Ihr Wort hat Gewicht, das weiß ich. Da hilft also alles nichts: Wenn ich behaupte, es gäbe sie schon längst – in allen Branchen – und sie seien zudem auch noch viel leistungsfähiger als traditionell geführte Unternehmen, dann muss ich Ihnen und allen, die es interessiert, ein paar solcher Unternehmen vorstellen.

        Genau das werde ich also tun …

        Was mich dabei aber umtreibt: Wie können wir denn überhaupt verlässlich erkennen, ob da auch wirklich New Work drin ist, wo New Work draufsteht oder ob New Work drin ist, obwohl es gar nicht mit New Work etikettiert ist? Ob das wirklich funktioniert oder in Wahrheit, wie Sie argwöhnen, nur PR-Gedöns und idealistische Theorie ist? Welche Kriterien würden Sie empfehlen?

        Herzlichst

        Lars Vollmer

      • Guido Bosbach sagt

        Hallo Frau Hofert und hallo Lars,

        zuerst mal vielen Dank, dass „wir“ hier mehr Raum gefunden haben um die Themen auszubreiten und damit vielleicht auch den Lesern klarer zu machen.

        Eines finde ich gerade nochmal wichtig zu betonen: Für mich sieht es aus, als wollten wir zumindest alle das Gleiche, nämlich Menschen ein zufriedeneres, freudvolleres, – vielleicht glücklicheres Arbeitsumfeld zu schaffen.
        Sie, Frau Hofert, vornehmlich auf der individuell persönlichen Ebene, Lars durch das Netzwerk von intrinsify.me und seine Bücher, Vorträge und direkte Arbeit mit Führungskräften, und ich (um auch meine Position hier kurz zu umreißen) indem ich versuche die aktuelle Situation in Organisationen sichtbar und bewusst zu machen und so zu klären, an welcher Stelle die Unterstützung idealweise ansetzen sollte, um maximalen Effekt zu haben. Drei Ansätze, eine Zielrichtung. Und ich weiss, dass es noch viel andere gibt die mit ihren ganz eigenen Ansätzen in die gleiche Richtung zielen.

        Glauben Sie mir, ich könnte auch häufig heulen, zumal ich in meinem Berufsleben selbst zuweilen in Strukturen (fest-)gesteckt habe, die mich haben verzweifeln und krank werden lassen. Um so größer ist der Wunsch bewusst zu machen, wie Verbesserung, wenn auch nicht immer sofortige optimale Lösungen möglich sind.

        Bleibt die Frage zu beantworten, wie Lars und Sie, oder auch wir alle, die an dem Thema arbeiten – vielleicht eben auch gemeinsam, statt im „Wettbewerb“ (in dem wir uns nicht wirklich befinden – wenn dann höchstens in einem Co-opetition Umfeld) es schaffen können, das Gute, dass unfraglich in NewWork steckt zu verbreiten. Mit dem Guten meine ich dabei nicht nur Wohlbefinden und Freude der Menschen bei der Arbeit, sondern auch ganz klare „knallharte“ Fakten wie höhere Produktivität und Renditen. Auch im Wettbewerbsintensiven Umfeld.

        I’ll stay tuned, definitely 😉
        Guido Bosbach

  4. Ardalan Ibrahim sagt

    Hallo Frau Hofert,

    Danke für die Offenlegung und Klarlegung! – Auch wenn ich Sie in meinem Kommentar oben etwas angehe: Das entspricht so in etwa dem, was ich vermutet hatte und was ich eben auch aus meiner Beratungspraxis kenne. – Nur erlebe ich eben nicht diese Verzweiflung. Warum weiß ich nicht wirklich, es muss irgendwie an unterschiedlichen Herangehensweisen liegen in der Beratung. Daran, dass ich weniger tief und umfassend arbeiten würde, oder dass Kunden mir gegenüber weniger offen wären als Ihnen gegenüber liegt es definitiv nicht (noch mehr wäre dann Therapie). – Haben Sie selber eine Idee, woran es liegt, dass Sie da in Ihrer Praxis in so einer „NewWork“-bias landen, andere Berater aber nicht?

    Zudem ist es mir ein Anliegen zu betonen, dass niemand, schon gar niemand aus dem intrinsify!me-Netzwerk (dass immerhin zwischen 200 und 300 Menschen aus ganz Deutschland erfasst, manche selbständig, manche in Konzernen, manche in Mittelständlern, manche bei „Intrinsifiern“, einfache Mitarbeiter genauso wie Führungskräfte und Geschäftsführer) jemals behauptet, dass „NewWork“ flächendeckende Realität sei. – Aber wir arbeiten eben daran. Das heißt unser Ziel ist „die Ausweitung der Inseln“. Und wenn ich Sie richtig verstehe, ist das auch etwas, das Sie willkommen heißen, wenn Sie an das denken, was Sie bei Ihren Kunden sehen.

    Meine Frage an Sie wäre dann: Wie um himmelswillen sollen wir an dieser Ausweitung der kleinen Inseln arbeiten und DABEI den Eindruck vermeiden „NewWork“ sei schon größer als es eigentlich ist? – Denn wir sagen ja nie: „Das gibt es schon überall“. Sondern wir reden über konkrete Möglichkeiten und wo wir sie sich schon realisiert sehen. – Dass einige dann den Fehleindruck bekommen, „das sei schon überall so, nur eben bei mir nicht“, das liegt dann im Auge des Betrachters, dafür können „Wir“ nach meinem Dafürhalten nichts. Es lässt sich einfach nicht vollständig vermeiden.

    Und manchmal, ja manchmal finden wir es auch ganz gut, wenn der Leidensdruck ein wenig größer wird und die Unzufriedenheit größer. Weil wir uns davon erhoffen, dass der Druck auf einige Unternehmen und Firmeneigner größer wird, einmal ganz grundsätzlich zu überdenken, wie sie in ihren Unternehmen wirklich zusammen arbeiten wollen und was man da vielleicht mal ausprobieren könnte.

    Anders freilich lägen die Dinge, wenn Ihre Haltung die wäre: „Da geht nicht mehr. Wir müssen damit leben, wie es ist. Arbeit ist nunmal kein Zuckerschlecken. Alle Hoffnung und alle Arbeit an Verbesserungen ist verlorene Liebesmüh. Das weckt nur falsche Erwartungen und vergrößert das Leid.“ – Da wären wir dann wirklich nicht beieinander, weil wir glauben, dass wir was machen können.

    Denn zumindest ich für mich würde in Anspruch nehmen, dass ich ebenfalls „ein Praktiker“ bin. Nur arbeite ich eben nicht nur mit Einzelkunden, die sich beruflich verändern wollen, sondern – genau aus dem Schlimmen, was ich in meiner Coaching-Praxis erlebt habe und auch heute immer mal wieder zu sehen bekomme – auch mit Unternhemen an dem, was sie selbst gern verändern möchten.

    Mit herzlichem Gruß, ich freue mich, falls Sie Lust haben, darauf einzugehen!

    Ardalan Ibrahim

  5. Stephanie Frank sagt

    Vielen Dank für die unterschiedlichen Sichtweisen und das doch gemeinsam sichtbare Ziel.

    Ich freue mich, wenn die Zahl der Organisationen, die durchaus schon in der Zukunft angekommen sind, weiter wächst.
    Die ersten Schritte sind ja schon auf den Weg gebracht, wenn Firmen eine lebensphasenorientierte Personalentwicklung leben und im Unternehmen sichtbar und erlebbar machen.

    Schön ist es zu sehen, dass wir alle am gleichen Thema arbeiten und es wurzelt…

    Herzliche Grüße
    Stephanie Frank

    http://www.ankerplatz-coaching.de

  6. Guido Bosbach sagt

    Lasr, verzeih mir, dass ich Deinen Blog gerade ein wenig missbrauche. Aber ich hatte versucht Svenja Hofert auf ihre Blog zu antworten. Die Antwort auf ihre Antwort meiner ersten Antwort scheint aber nicht freigabefähig zu sein….. Schade…. Sie scheint, aber das hast Du ja auch schon festgestellt das Thema Transparenz und Offenheit anders zu sehen als andere, vor allem wenn man einen konstruktiven Dialopg sucht….
    Aber sei’s drum. Was ich Frau Hofert schreiben wollte war folgendes (ja, ich mache mir immer Kopien, von dem was ich in Blog schreibe in denen Kommentare freiegeben werden müssen):

    Hallo Frau Hofert,

    da haben wir ja schon eine Gemeinsamkeit entdeckt: Extremismus, oder auch Fanatismus für oder gegen etwas ist selten ein Weg nachhaltiger positiver Veränderung.

    Sie fragen was NewWork ist. Das ist eine Frage über die gestritten werden kann, denn in der konkreten Ausgestaltung gibt es, nach meinem Wissen und ich halte mich selten für unfehllbar ;-), so viele Wege wie Organsiationen, die NewWork bewusst oder unbewusst schon leben. Ich behaupte, dass es frühestens ex-pst definiert und festgeschrieben werden kann, welche Eigenschaften NewWork denn nun im Detail ausmachen.
    NewWork beinhaltet (für mich) die Suche nach dem für eine Organisation individuelle richtigen Maß an z.B. gemeinsamen Werten, einer emotional verbindenden Vision, Offenheit, Transparenz, der Möglichkeit zur Teilhabe und Teilgabe, echtem Vertrauen, der Möglichkeit von jedem Leadership zu übernehmen, Wirschaftsdemokratie, Holokratie, Hierarchiefreiheit, und vielen anderen großen und kleinen Bausteinen. Dabei gibt es einige in dieser Liste, die gemeinsam nie auftauchen werden, andere bedingen sich gegenseitig. Wie gesagt, es handlet sich, weil alle Organisationen aus unterschiedichen Menschen und Gruppen bestehen, um Konzepte, die am Ende auch organisationsindividuell sein werden. Auch ROWE und TOWE sind am Ende in Ihrer konkreten Ausgestaltung von den Menschen abhängig die mit diesen Konzepten arbeiten wollen.

    Allen gemeinsam ist das Ziel dahinter: Gleichzeitig mehr Arbeitsfreue bei den dort agierenden (im Idealfall “Freude” bei allen Stakeholdern – und nicht nur den Shareholdern) zu erzeugen UND gleichzeitig langfristigen Erfolg zu sichern. Wobei die Definition von Erfolg hier durchaus von der üblichen, auf ökonomischen Erfolg ausgerichteten Definition abweichen kann.
    Und noch etwas ist allen, mir bislang bekannten, NewWork Ansätzen und Organsitionen gemein, sie können sich aussergewöhnlich gut auf dynamische Veränderungen ihres Umfeldes einstellen und mit komplexen “Störungen” umgehen. Eigenschaften also, die den meisten nach altem Muster agierenden Unternehmen fehlen.
    NewWork bedeutet damit auch eine (nicht exklusive, denn das lässt sich sicher auch anders erreichen) zukunftsrobustheit.

    Sie suchen “die” Whitelist von Unternehmen die NewWork leben, die ihre Mitarbeiter als MitWirkende erkannt haben und ggf. sogar auf Augenhöhe miteinander umgehen. Nun, es gibt sich halt nicht, DIE eine Definition, DAS eine Verständnis. Dennoch gibt es Listen, z.B. aufhttp://www.intrinsify.me oder bei http://www.Kulturwandel.org (Nein und in beiden Fällen ist es keine Werbung für mich, oder meine Produkte – war es übrigens auch nicht in meinem vorherigen Kommentar, denn die Uni St. Gallen vermarktet ihr Tool nur über die “energy factory”. Meine Tools hier zu erwähnen fände ich, wie Sie wohl auch, hier einfach zu billig.). Oder Sie schauen direkt auf Unternehmen wie Menlo Innovations, Semco, Handelsbanken, Upstalsboom, W.L. Gore,
    dm-Drogerie Markt, Premium Cola, Ebdudler, Phönix Contact, Dark Horse, oose, it-agile oder die
    Andrä AG. Viele Branchen, verschiedene Ansätze und Konzepte, unterschiedliche Größen, weltweit. Wie gesage, ich zumindest kenne nicht DAS NewWork – ich kenne nur den Spirit von NewWork.

    Da ich auch verstehen möchte worin die Widerstände liegen, frage ich mich: Was ruft in Ihnen die Kritik und den Widerstand hervor? Was macht NewWork für Sie so unattraktiv? Das wäre für alle NewWorker sicherlich auch eine spannende Aussage.

    Viele Grüße
    Guido Bosbach

  7. Ingo Körner sagt

    Liebe blog-Leser, lieber Herr Dr. Vollmer,

    als unbeteiligter Mitleser dieser konkreten Diskussion bin ich etwas verwundert. Wir haben in Deutschland etwa 2 Mio. Unternehmen. Im Umfeld von beta oder new work oder wie auch immer wir ein sinnstiftendes und erfolgreiches Arbeiten beschlagworten, werden immer wieder dieselben fünf Firmennamen genannt. Nehmen wir an, es seien sogar 1.000 Unternehmen, die inzwischen einen anderen Weg eingeschlagen hätten. Dann wären wir immer noch im Bereich statistischer Irrelevanz!

    Und dann sage ich mir, ok, die Erde mag rund sein, obwohl ich es nicht sehen kann, aber ist das auch relevant? Damit scheinen mir beide hier vertretenen Positionen durchaus nicht widersprüchlich: die Realität ist halt erdrückend anders als von new work und deren Beratern, Kommentatoren und sonstigen Wegbegleitern beschrieben. Und die (tayloristische) Realität wird als „normal“ wahrgenommen und als funktionierend argumentiert, weil es doch alle so machen.

    Ich habe bereits mehrmals die Vermutung geäußert, dass der Bewegung ein breites Set von „how-to“-Ansätzen und Mikro-Erfolgen mehr helfen würde als die Wiederholung der immer gleichen fünf Beispiele.

    Ich wünsche noch eine muntere Diskussion, beste Grüße

    Ingo Körner

    • Ardalan Ibrahim sagt

      Hallo Herr Körner,

      vielen Dank für Ihren Einwurf! – Zwar sind es nach meiner Zählung etwa „die immer gleichen 20 Namen“, aber die statistische Irrelevanz ist dadurch natürlich nicht wirklich geringer.

      Spannend finde ich Ihre Anregung, dass das Nennen von positiven Beispielen für Unternehmen nicht sonderlich hilfreich ist, die für sich ganz woanders stehen und ganz andere Herausforderungen sehen.

      Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass „how-to“-Ansätze noch weniger inspirierend sind. Das ist ungefähr so anregend und ermutigend wie wenn meine Frau zu mir sagen würde: „Du, unser Nachbar kauft seiner Frau einmal in der Woche Blumen“.

      Hilfreich fand ich bisher eher zweierlei:
      – Das nennen konkreter positiver Beispiele aus anderen Unternehmen, wirklich passend ausgewählt, so dass das begleitete Unternehmen damit wirklich was anfangen kann, weil es selbst da eine Verbindung sieht. Dies verbunden mit der Betonung DER SCHWIERIGKEITEN, die die jeweiligen „beispielhaften“ Unternehmen damit hatten. Das ist weitaus hilfreicher zum Andocken als irgendwelches Vorbilder-vor-die-Nase-halten. Es schätzt auch deutlich mehr wert, was in diesen Unternehmen alles schon geleistet wird. Am annehmbarsten ist es natürlich, wenn Leute aus jenen Unternehmen von diesen Schwierigkeiten erzählen und von dem, wo sie heute damit sind.
      – Überhaupt nichts zu wollen, sondern einfach zuzuhören. Im persönlichen Wissen, was es andernorts alles schon gibt und was also prinzipiell möglich ist. Und dann, wenn der Moment reif ist (und man wirklich in einer handfesten Beziehung mit dem Unternehmen steht), einen konkreten Vorschlag zu machen. Man exponiert sich dann persönlich und übernimmt Verantwortung dafür, wenn es nicht gut läuft. Macht sich angreifbar. Das schafft zumindest ein gewisses Vertrauen und ist hilfreich dafür, dass sich zumindest einige auf ein „begrenztes Experiment“ einlassen können.

      Bei allem anderen wundert es mich nicht, wenn es nichts bewirkt in Unternehmen oder sogar abschreckt. Wie heißt es so schön: „Menschen wollen sich verändern – Aber sie wollen nicht verändert werden.“ Ich denke, bei Unternehmen ist das nicht viel anders.

      Herzliche Grüße und Danke nochmals für Ihren Einwurf, war sehr produktiv für mich!

      Ardalan Ibrahim

      • Ingo Körner sagt

        Hallo Herr Ibrahim,

        danke für Ihre Antwort. Das mit der Branche ist ein wichtiger Hinweis. Startups, Medienfirmen, Banken oder Drogerien sind grundsätzlich anderen Fragestellungen ausgesetzt als Maschinenbauunternehmen. Und der Maschinenbau ist traditionell sehr von tayloristischem Erfahrungswissen geprägt.

        Gerade Ihre Frage nach den „begrenzten Experimenten“ finde ich spannend. Bisher werden überwiegend ganzheitliche Ansätze beschrieben: Eigentümer + CEO auf new work-Kurs, nach und nach beeinflusst das die ganze Organisation. Was ist aber, wenn die Eigentümer Budgetierung wünschen, der CEO Individualanreizung toll findet, da das ja alle machen, und die Führungsebene eins bisher nur in tayloristischen Organisationen gearbeitet hat? Dann geht es eben nur durch Vorleben oder die gezielte Anregung, wie von Ihnen beschrieben. Und dann hilft es eben nichts, zum 104.336ten Mal dm zu zitieren mit ihrem ganzheitlichen Ansatz, nach dem in jedem Drogeriemarkt usw. usw.

        Deshalb wünsche ich mir viel mehr Buntheit, Erfahrungsberichte, Experimente, die funktioniert oder eben nicht funktioniert haben. Das Konzept würde dann für viele greifbarer werden können und damit stünde dann auch die Aussicht besser, insgesamt die Zone der statistischen Irrelevanz zu verlassen. 🙂

        Beste Grüße

        Ingo Körner

        • Lars Vollmer sagt

          Lieber Herr Körner,

          ich verstehe die Intention Ihres Posts nicht. Wer sollte sich denn für die statistische Relevanz des Themas interessieren? Und warum?

          Die statistische Relevanz ist das Ergebnis von der Veränderung und nicht die Voraussetzung. Und das sie möglich sowie erfolgreich ist, ist bewiesen worden. Fertig.

          Jetzt kommt der aktive Part, die Transferleistung. Die Übertragung von best-thinking ins eigene Unternehmen. Und die geschieht weder durch durch den 104.446ten Verweis auf dm, noch durch die Einbildung, dass die Komplexität der eigenen Branche doch viel komplexer sei als alle anderen.

          Es hilft nur selber denken und dann selber machen! Ich denke, wir beide dürfen Top-Führungskräften von heute diese Transferarbeit durchaus zutrauen.

          • Ingo Körner sagt

            Lieber Herr Dr. Vollmer,

            lach, sehr schön. Es soll ja Menschen geben, die das Funktionieren von etwas daran vermuten, messen oder argumentieren „was die anderen“ machen (am besten noch die Benchmark-Top-Führungskräfte aus den Medien), für die das „Anders-Sein“ an sich gerade nicht der Kern der eigenen Marke ist… 😉

            Wenn Sie jetzt sagen, „das interessiert doch nicht, machen Sie doch einfach“, dann unterschätzt das m.E., dass es in sozialen Systemen entscheidend ist, die Mitspieler von den Verlockungen des neuen Weges zu überzeugen. Und da kommt dann wieder Absatz 1 ins Spiel, die überwältigend dominierende tayloristische Erfahrungs- und Meinungswelt…

  8. Stephanie Frank sagt

    „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“…

    das Zitat gibt es ja schon länger und manchmal ist der erste Schritt als Vorbild sichtbar zu werden so einfach….und doch so voller Widerstand 🙂

    Herzliche Grüße
    Stephanie Frank

    • Guido Bosbach sagt

      Ich bin da noch bei „Alle sagten: Das geht nicht! und dann kam einer, der wusste das nicht, und hat’s einfach gemacht.“

      Ich verstehe grundsätzlich Herrn Körners Argumentation, frage mich aber wie wir es als Menschen schaffen konnten die Höhlen hinter uns zu lassen und selbstfeste Behausungen zu bauen. Denn statistische Relevanz hatten die ersten Aktivitäten in dieser Richtung auch nicht.

      Ich gehe gerne die Wette ein, dass die Zahl der Unternehmen, die neue Arbeitsformen ausprobieren und nutzen (exponentiell) wachsen wird, und zwar in der Rate in der zwei Dinge klar werden:
      1) Die Rendite der Unternehmen die anders arbeiten ist deutlich höher, als die derer, die an alten Managementmustern festhalten (wissenschaftlich erwiesen).
      2) Kunden verstehen, dass die Service- und Produktqualität bei diesen Firmen bei gleichem Preis deutlich höher ist.

      New Work ist kein Modetrend, auch wenn manche dies annehmen. New Work ist wie das Automobil. Gewöhnungsbedürftig, weil vertraut und doch so total anders. Und am Ende einfach nicht aufzuhalten.
      Wobei ich gespannt bin, ob beim Thema Automobil nicht auch gerade ein neuer Zug abfährt….

      Viele Grüße
      Guido Bosbach

      P.S: Ja – die ersten Automobile sahen auch so ganz anders aus, als das was wir heute kennen… allerdings, kannten wir da Moore’s law auch noch nicht 😉

  9. Pingback: Die New-Work-Revolution ist da! … Nur: Wo ist sie denn? | Dr. Lars Vollmer

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