Alle Artikel in: Organisation

Bestätigungsfehler: Von Zombies lernen

Sie brechen ihren Verstorbenen das Genick und drehen ihre Köpfe um 180 Grad. Dann werden sie beerdigt. Klingt wie aus einem makaberen Horrorfilm, ist aber Realität – jedenfalls für eine Gruppe indigener Völker in Indien, den Adivasi. Manche der Adivasi-Dorfgemeinschaften tief im Dschungel werden von einer alles durchdringenden Religion, von traditionellen Festen und Tänzen getragen. Und sie glauben daran, dass Tote aus ihren Gräbern emporsteigen und dann das Dorf heimsuchen, um den Lebenden das Leben zur Hölle zu machen. Der verdrehte Kopf soll dafür sorgen, dass die Untoten zwar das Dorf anvisieren, aber dann in die falsche Richtung laufen, sich also immer weiter vom Dorf entfernen. Und der Erfolg gibt ihnen recht: Noch nie hat ein toter Adivasi den Weg ins Dorf gefunden. Und auch bei uns: ich habe noch nie von einer Zombie-Invasion in Deutschland gehört, obwohl in unseren Breitengraden die Köpfe der Toten an ihrem angestammten Platz bleiben dürfen. Sie etwa? Die Leiter der Schlussfolgerung Interessant ist diese Geschichte aber nicht nur wegen ihrer offensichtlichen Absurdität, sondern gerade weil das gleiche Prinzip auch im westlichen …

Volkswagen anno 1628 - Wenn sich Geschichte wiederholt

Volkswagen anno 1628 – Wenn sich Geschichte wiederholt

Mit leichtem Unbehagen betritt Gunnar Detlefsson den Audienzsaal Gustav II. Adolfs von Schweden. Er verneigt sich ehrerbietig und doch voller Ungeduld. Endlich wird ihm erlaubt, sein Anliegen vorzutragen. »Euer Majestät, die Rechnung für die treffliche Flottille ist heute Morgen eingetroffen. Ich habe mir erlaubt, das Dokument viermal zu prüfen, alldieweil mir gleich mehrere Posten unstimmig erscheinen. Zu meinem Leidwesen muss ich Euch mitteilen, dass ich die Ursache des Fehlers nicht zu finden in der Lage war. Dies zu melden und Euer Majestät mein untertänigstes Bedauern auszudrücken, gepaart mit der Befürchtung, dass man sich zu Ungunsten des Hofes verrechnet hat, waren in Anbetracht der Dringlichkeit der Angelegenheit natürlich eins, nachgerade …« »Nun mal langsam, Detlefsson.« Der König lächelt jovial. »Wie hoch ist denn nun der Schaden?« »Verzeiht, Euer Majestät, es handelt sich nicht um einen Schaden, der sich in schwedischen Reichstalern messen lässt. Vielmehr sind es die Verhältnismäßigkeiten der aufgelisteten Posten, die mich stutzig machten. Wenn Euer Majestät erlauben …« Gunnar Detlefsson zieht eine Schriftrolle hervor. »Die Zahl der Kanonen für die Vasa beläuft sich auf …

Freeze - Kälteschock für Projekte

FREEZE – Kälteschock für Projekte

»Zugriff verweigert.« Bitte was? Das Projekt haben Sie doch selber angelegt. Und das Projekt vom Kollegen ist auch weg. Leise Panik macht sich in Ihnen breit. Ist das ein EDV-Problem? Die EDV meint: »Nein, alles in Ordnung, der Ordner wurde verschoben, Sie haben keinen Zugriff mehr darauf.« Aber wie sollen Sie dann an dem Projekt arbeiten? Ein Anruf beim Chef gibt Ihnen Antwort: »Gar nicht!« Wurden Sie abgezogen? Will der Chef Sie loswerden, findet Sie nicht gut genug? Oh nein, keine Sorge. Es ist schlicht eine Maßnahme, damit Projekte schneller fertig werden. Wenn Sie jetzt endgültig verwirrt sind, dann habe ich dafür vollstes Verständnis. Aber sagen Sie mir nicht, dass Sie das Ausgangsproblem nicht kennen – sich unendlich hinziehende Projekte, die niemals oder nur verspätet fertig werden. Das Multitasking-Problem Gründe dafür gibt es genug. Wenn Unternehmen feststellen, dass sie ihre Projekte selten rechtzeitig abschließen, begehen sie häufig den Fehler zu glauben, dass sie den Zeitrahmen zu ehrgeizig gesteckt haben. Die Lösung erfolgt dann so schnell wie folgenschwer: mehr Puffer einplanen. Oder der Fehler wurde an anderer …

Ep. 59 Labore – Das soziale System überlisten

Die Episode 59 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Das gute alte Change-Management dürfte jetzt hinreichend seine Unwirksamkeit bewiesen haben, glaube ich. Im vorhinein durchdachte Konzepte zu erstellen, diese in eine Roadmap zu überführen und mit Rolloutplan umsetzen zu wollen, Vorbilder einzufordern, den Menschen Unwilligkeit zur Veränderung vorzuwerfen, euphemistisch von irgendwas mit ›Ins Boot holen‹ faseln – das hat nun hinreichend oft nicht funktioniert. Und dann könnte man tatsächlich anfangen, es auch mit anderen Denkansätzen zu probieren. Solchen Denkansätzen nämlich, die berücksichtigen, dass es sich bei einem Unternehmen nicht um eine Maschine, sondern um ein lebendiges soziales System handelt. Ein Format, das tatsächlich funktionieren kann, ist das eines »Labors«. Das ist nicht das gleiche wie ein »Leuchtturm«, es funktioniert nach einem ganz anderen Denkansatz. Ausgangspunkt eines Labors ist ein reales Problem und ein Team von Freiwilligen. Meist ist es ein Stifter, der sich von dem Problem provoziert fühlt und der dann ein Team gründet – ein Team stiftet, dass tatsächlich ein reales Problem mit externen Referenzen lösen will und lösen muss und eben auch scheitern kann. Das heißt, dieses …

Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹ Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser. Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen. Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er …

Projektverzögerung: Wenn die Yacht zu kurz ist

Projektverzögerung: Wenn die Yacht zu kurz ist

Fertigstellung März 2016. Das war mal der Plan für den Berliner Flughafen. Dass dieses Ziel schon längst nicht mehr realistisch ist, weiß wohl jeder. Naja, immerhin haben sie den Point of No Return erreicht – jedenfalls laut dem neuesten Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Ähnlich das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm: Ursprünglich sollte es 2019 abgeschlossen sein, nun wird der Bahnhof vermutlich erst 2022 eröffnet. An der Elb-Philharmonie-Baustelle sind übrigens die Baukräne abgebaut worden – sieht gut aus. Von außen. Dass sich öffentliche Projekte verzögern, scheint nahezu Pflicht zu sein. Und gerne beschweren sich die Steuerzahler dann über die Unfähigkeit von öffentlichen Einrichtungen und die unnütze Verschwendung von Steuergeldern. Verständlich. Verzögerung nicht nur bei Großprojekten Für ärgerliche Verzögerungen muss es aber gar kein milliardenschweres Großprojekt sein. Auch Unternehmen sind vor Projektverzögerungen nicht gefeit. »Ist das immer noch nicht fertig?« »Wie, nochmal eine Besprechung für das Projekt? Das war doch alles schon längst festgelegt.« Wie oft ertönen solch verwunderte Ausrufe wohl jeden Tag in Unternehmen weltweit? Und wie oft haben Sie sich schon darüber geärgert? Da regen sich die Projektleiter und …

Ep. 57 Ideen sind wie hässliche Kinder

Die Episode 57 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Viele Unternehmen verfallen ja immer wieder in die Denkfalle, dass es gute und schlechte Ideen gäbe. Ich sehe das anders: Ideen sind immer Geburten menschlicher Psyche, also sie kommen aus einem Individuum heraus. Sie sind nicht prozessierbar. Sie kommen oder sie kommen nicht. Und Ideen sind immer erstmal hässliche Kinder, die nur dadurch gut oder schlecht werden, in dem sie durch einen sozialen Prozess durchgehen. Ideen brauchen Gruppen, sie brauchen Menschen, sie brauchen  Experten, sie brauchen Gegner, sie brauchen Befürworter, um quasi sozial ausgehandelt zu werden. Und am Ende dieses Prozesses steht dann das, was gemeinhin als Innovation bezeichnet wird. Und ob die erfolgreich ist oder nicht, ist von einem Einzelnen sowieso nicht zu entscheiden, sondern – das ist trivial – nur durch Erfolg oder Misserfolg am Markt. Das heißt im Umkehrschluss: es muss möglichst viele Individuen geben in einem Unternehmen, die die Ideen formulieren, formulieren können und formulieren dürfen. Nicht jede Person hat Ideen – immer. Aber so viele Menschen wie möglich einzuladen, ist der Weg, viele …

Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Ep. 55 Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Die Episode 55 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Sind Sie teamfähig? Die Frage habe ich tatsächlich neulich gestellt bekommen. Und ich glaube, sie wird nahezu jedem Bewerber heutzutage auch gestellt. Die Frage impliziert schon fast, dass Teamfähigkeit eine abstrakte Fähigkeit sei. So was wie Häkeln können oder binomische Formeln lösen. Das stimmt aber nicht. Denn Teamfähigkeit ist nichts abstraktes, das ist etwas konkretes. Ja gut, es gibt ein paar Aspekte von Teamfähigkeit die vielleicht weitestgehend kontextunabhängig sind: so was wie Kommunikationsfähigkeit, natürlich Sprachkenntnisse, ohne Frage. Vielleicht Moderationsfähigkeiten. Aber die essenziellen, die wesentlichen, also die wirklich zum Erfolg führenden Fähigkeiten sind konkret. Nicht abstrakt. Also auf die Frage, ob man teamfähig sei, muss man eigentlich richtigerweise und ehrlicherweise antworten: »Ja, was weiß ich? Zeigen Sie mir das Team. Zeigen Sie mir die anderen Teammitglieder. Sagen Sie mir, welche Rolle man mir zusprechen könnte, welche Aufgabe dieses Team überhaupt hat, ob diese Aufgabe überhaupt Sinn macht. Dann können wir gucken, ob Passung passiert. Lassen Sie mich mit denen arbeiten, und am Schluss werden wir alle gemeinsam wissen, …

Klar können Sie Kommunikation durch Organisation und Prozesse ersetzen. Aber dann ist es halt blöd!

Kommunikation: Erst mundtot, dann mausetot

Solche Laberrunden braucht doch kein Mensch! Die sind ineffizient und rauben nur Zeit. Wir quatschen doch eh schon genug.« Das ist häufig die Reaktion, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass lebendige Kommunikation im Unternehmen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Chefs und Mitarbeiter meeten sich zwar täglich durch den Tag hindurch, hetzen von einem Jour-fixe zur nächsten Meilensteinpräsentation und sitzen mehr als die Hälfte ihrer Zeit in Besprechungen oder am Telefon. Aber die Essenzen von echter Kommunikation bleiben dennoch völlig auf der Strecke. Die (Denk-)Tradition in Unternehmen steht eher für die Gegenrichtung: Weg von echtem Dialog, hin zu einem möglichst klar geregelten, prozessierten Nebeneinander. Irgendwie verständlich, schließlich glauben Unternehmen immer noch, dafür sorgen zu müssen, dass die Zusammenarbeit reibungslos und so effizient wie möglich funktioniert. Und so wird Kommunikation zielsicher verwechselt mit Berichten, Präsentieren, Anweisen oder Standpunkte darlegen. Aber genau dieser Verzicht auf echten Dialog macht Unternehmen im Kontext der heutigen Dynamik eben nicht erfolgreich, sondern schrittweise sklerotisch, also organisationell verhärtet und im Zuge dessen bewegungsunfähig. Wenn Dialog rausgemanagt ist, wenn keine lebendige Kommunikation mehr stattfindet, dann ist auch kein Platz für wirklichkeitsnahe …

Ep. 53 Right Turns – Den Rückstand wieder aufholen

Die Episode 53 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wrong Turns zu entdecken ist eigentlich gar nicht so schwer. Mit ein bisschen Übung kann man sie, wenn man sie dann vor sich hat, eigentlich relativ schnell entdecken und entlarven. Aber die Frage lautet immer sofort danach: wie handele ich denn jetzt richtig? Naja, das ist gerade das Wesen des Handelns in komplexen Systemen, dass ich die Denkfehler zwar auf der abstrakten Ebene entdecken kann. Das richtige Handeln aber nur ganz konkret im individuellen Fall bestimmen kann. Also Beispielsweise eine Fußballmannschaft, ein Trainer der die Aussage trifft: ›je mehr Stürmer ich auf dem Platz habe, desto mehr Tore werde ich schießen‹, wird natürlich von keinem Ernst genommen. Das ist ein ganz offensichtlicher Wrong Turn. Also die Annahme einer strengen Kausalität in einem komplexen System. Aber die Frage ist: wie holt er denn jetzt trotzdem den, sagen wir mal 3:0 Rückstand aus einem Hinspiel wieder auf? Diese Frage kann er nur ganz konkret beantworten. Er muss sich die Frage stellen, welche Spieler habe ich denn im Kader?Welche haben …