Führung, Organisation
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»Spinnen die – oder sind die genial?«

Es passiert gerade etwas Interessantes. Die großen Wirtschaftsmedien des Landes klopfen an unsere Tür. Und warum? Weil wir bei V&S unser Bonussystem und die Gehaltsverhandlung abgeschafft haben. Ich habe ja schon 1-2 mal kurz darüber geschrieben. Gehalt und Urlaub nach eigenem Ermessen – aber mit sozialer Kontrolle. Das sorgt offenbar für enorme Resonanz – und für ein sehr interessantes Feedback. Alles nur ein PR-Gag, fragen sich sogar manche Leser…

LAV RadiointerviewIch war kürzlich zum ersten Mal im Aufnahmestudio eines Radiosenders. »1live« hatte zum Interview gebeten. Thema: Wie läuft das mit dem V&S-Gehaltssystem? Spannende Sache. Reden bin ich ja gewohnt. Aber nicht, dass ohne ein freundliches Schlusswort die Leitung gekappt wird. Ende des Gesprächs. Aber so ist das, die Leitung war bis Punkt 16.00 Uhr gebucht, und dann ist eben Schicht. Sehr interessant am Schluss: Die Techniker hatten jede Menge Fragen: Man sucht sich sein Gehalt wirklich selbst aus? Echt? Ich: »Ja.« Das nutzt doch jeder aus. Ich: »Nein.« Das ist übrigens ein Einwand, der bei jedem Interview bisher zur Sprache kam – ob mit der Financial Times, der SZ, dem Harvard Business Manager, dem Focus oder auch dem Servus TV, dem Red-Bull Sender aus der Alpenregion: Nutzt das denn der Mensch an sich nicht aus, wenn er plötzlich alle Freiheiten hat? Tut er nicht. Ganz sicher. Der Mensch reagiert nicht plötzlich komisch, wenn er selbstbestimmt arbeitet. Das Vertrauen, das wir in die Mitarbeiter setzen, wird immer honoriert.

Hinzu kommt, dass wir bei V&S einen natürlichen Regelmechanismus haben: Jeder Mitarbeiter verkündet sein Gehalt in unserem internen sozialen Netzwerk – so ähnlich wie Facebook. Und jeder Mitarbeiter hat das Recht, ein Veto einzulegen, wenn ihm die Forderung unangemessen erscheint. Dann kommt es zum Gespräch. Ergebnis offen. Und diese soziale Kontrolle – und dass jeder zu jeder Zeit Einsicht in die »Bücher« hat – bewirkt, dass das System nicht aus dem Ruder läuft.

»Ich habe ja schon viel Blödsinn von Beratern gehört, aber das ist jetzt die totale Härte«, so lautet sinngemäß ein Feedback auf dem Medienportal von T-Online. Oder: »Clevere Aktion zur Imagepflege.« Es gab viel Unverständnis und Polemik beim Feedback – neben sehr sachlichen, konstruktiven Diskussionen. Fakt ist, dass die Sache die Gemüter bewegt – und offenbar sehr breit gefächerte Reaktionen auslöst. Und ich kann sie fast alle verstehen. Ich beschäftige mich schon recht lange mit diesem Thema – und damit, wie man sinnbestimmtes Arbeiten im Unternehmen umsetzen kann. Und eben nicht Söldner einkauft, die dann naturgemäß nur Dienst nach Vorschrift leisten. Aber wahrscheinlich ist man, wenn man zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert wird – und vielleicht aus einem eher traditionell führenden Unternehmen kommt – zunächst eher verwirrt. Und ungläubig.

Warum macht ein vernünftig denkendes Management so etwas? Nun, ganz einfach, weil Mitarbeiter, die einer Möhre hinterher rennen, immer nur so viel Engagement zeigen, wie die Möhre hergibt. Uns geht es bei V&S aber um mehr. Wir wollen Leute, die sich mit ihrem Job klar identifizieren und denen das Wohl der Firma wirklich am Herzen liegt. Und das geht nur, wenn man sämtliche Anreizsysteme abschafft und komplett auf intrinsische Motivation setzt. Und was soll ich sagen, bei uns geht das voll auf. Unsere Mitarbeiter setzen die Firma, den Klienten tatsächlich an vorderste Stelle. Denn das Thema »Geld« ist aus dem Kopf. Statt Bonuskampf spüren wir deutlich mehr Identifikation und Arbeitsfreude.

Und was mir in den Interviews und auch im Feedback auch immer wieder begegnet, ist die Meinung, dass man ein solches Modell nur in kleinen Companies und mit toll ausgebildeten Menschen umsetzen kann. Sicher haben wir da bei V&S ideale Voraussetzungen. Ich bin aber davon überzeugt, dass sich der Freiheitsgrad auch in großen, heterogenen Unternehmen drastisch erhöhen lässt. Ja, sogar erhöht werden muss. Denn sonst braucht man sich nicht beschweren – über unmotivierte Mitarbeiter, die kaum noch mitdenken. Und das Wohl der Firma nur ein Lippenbekenntnis ist. Jede Ausrede, was Größe oder Branche angeht, würde ich immer abschmettern. Ohne Wenn und Aber.

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