Alle Artikel mit dem Schlagwort: Barcelona

Ep. 69 – Warum wir nicht tun, was wir wissen

Episode 69 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wwarum fällt es uns so schwer, die Dinge die wir wissen, auch anzuwenden. Wir haben es uns irgendwie zur Gewohnheit gemacht, immer Individuen dafür verantwortlich zu machen, wenn etwas großartig läuft oder wenn etwas scheitert. Wir suchen uns dann die Helden, die Tolles geschafft haben oder wir einigen uns auf die Feindbilder, die angeblich dafür gesorgt hätten, dass alles nicht klappt. Dabei übersehen wir einen wesentlichen Punkt: nämlich, dass das Handeln unserer Gesellschaft immer von den ungeschriebenen Spielregeln abhängig ist, die manche ›Kultur‹ nennen und wieder andere nur schlicht ›Kommunikation‹. Und wir übersehen, dass wir als Menschen nicht die Autoren dieser Spielregeln sind. Die entwickeln sich vielmehr, man könnte sagen hinter unserem Rücken und wir stehen dann irgendwann staunend davor. Und wenn wir diese ändern wollen und wenn wir es anpacken wollen und wenn wir starten wollen, müssen wir an genau diese Spielregeln ran und die lassen sich durch den Kontext verändern, in dem wir alle leben. Wenn wir z.B. wollen, dass wir mehr Mehrweg-Flaschen benutzen anstatt Einweg-Flaschen, dann können …

Ep. 66 Projektmanagement ist wie das echte Leben

Episode 66 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Eigentlich wollte ich ja einen GedankenGang aufnehmen mit einem Vergleich, nämlich dass Projekte zu managen in etwa das Gleiche sei, wie auf Steinen zu balancieren, die einen Steg ins Meer bilden. Weil ich das ja gerade tue, dachte ich, das passt so gut. Aber jetzt merke ich, dass dieser Vergleich extrem trivialisierend wäre. Projekte zu managen wäre ja eher wie über Steine zu balancieren, die sich ständig bewegen, von denen man nicht weiß ob sie einen tragen können oder nicht, die mal von Wasser umspült sind und mal nicht, die mal zum Ziel führen und mal nicht und von den man gar nicht weiß, ob sie einen aushalten. Und bei der die Metapher ›das Ziel ständig im Blick haben‹ natürlich ziemlich naiv ist. Wie will man das Ziel ständig im Blick haben, man muss doch auf die Steine gucken. Man kann immer mal wieder aufschauen und schauen ob man das Ziel noch sieht, aber das verändert sich ja dann auch ständig. Wie will man da ständig hingucken? Dann geht man ja gar nicht …

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …

Ep. 64 Wissensmanagement – Wenn sie doch nur wüssten, was sie wissen

Die Episode 64 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Was für ein kurioses Telefonat: Da rief mich ein alter Studienfreund vor Kurzem an, der inzwischen im großen Konzernverbund arbeitet und nun in irgendeiner Arbeitsgruppe für das ›Wissensmanagement‹ mitarbeitet – der arme Kerl. Und er klagte mir ein Stück weit sein Leid: ach wenn sie doch nur wüssten, was sie alles wissen. Und sie hätten nun in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen 10-stelligen Betrag schon für ihr Wissensmanagement ausgegeben. Aber einen richtigen Nutzen würde das immer noch nicht bringen. Das Telefonat entbehrte nicht einer gewissen Ironie, denn es lag eigentlich schon auf dem Weg zu seiner Lösung. Das lag nicht daran, dass ich es war, den er anrief, sondern viel eher, dass er es war, der den Hörer abgenommen hatte. Denn mittels Wissen kann man ja nur Probleme lösen, die es bereits schon einmal gegeben hat. Und die kann man dann auch sauber verschlagworten – wenn man das intelligent macht und ein paar gute Algorithmen hinzufügt, dann kann das funktionieren, aber sie haben halt bemerkt, dass ihr …

Ep. 63 Prioritäten – Wenn der Eilt-Stempel eilt

Die Episode 63 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es wirkt schon manchmal unfreiwillig tragisch und zugleich komisch, wenn ein Unternehmen versucht, ein Problem mit dessen eigentlicher Ursache zu lösen. Schön kann man das zum Beispiel sehen, wenn man anfängt mit Prioritäten zu jonglieren. Da sind Unternehmen extrem einfallsreich. Sie merken, dass Projekte, Aufgaben oder Aufträge immer mal wieder zu spät beim Kunden ankommen. Jetzt glauben sie, dass es an mangelnden Prioritäten läge. So, und jetzt kaufen sie sich beispielsweise eine Stempel. Auf dem steht dann: EILT. Und damit versuchen sie es nun, besser zu machen. Der Stempelverkäufer kann eigentlich seinen Laden jetzt unmittelbar neben der Firma aufmachen, denn es werden nicht viele Tage vergehen und schon braucht das Unternehmen den zweiten Stempel. Unbedingt. Auf dem steht: EILT SEHR. Auch beliebt sind sog. ›Top Ten‹-Aufträge – davon gibt es dann Hunderte im Unternehmen. Das kurioseste Beispiel ist mir untergekommen, als ein Unternehmen vor Jahren begann,  Prioritäten von 1 bis 10 zu vergeben. Wobei ›10‹ am Wichtigsten und ›1‹ am Unwichtigsten bedeutete. Nur drei Jahre später gab es die Prioritäten 1 bis …

Ep. 62 Assessment-Center – Wie Sie die Richtigen finden (oder eben nicht)

Die Episode 62 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es gibt so viele schöne ›Wrong Turns‹. Assessment Center ist zum Beispiel so einer. Da gibt es ein komplexes Problem, nämlich Personen zu finden, die eine Passung zu einem Team haben und die ein Talent zur Problemlösung von ganz bestimmten Problemen haben. Das ist verdammt komplex. Jetzt lässt man einen komplizierten Mechanismus darauf los: Man erstellt fremde Kontexte, laborhafte Kontexte, bei denen die Leute natürlich wissen, dass sie beobachtet werden und sich selbstverständlich anders verhalten. Und versucht dieses Verhalten nun mittels Checklisten bewertbar, vergleichbar und das ganze skalierbar zu machen. Das ist dann schon eher ulkig, was dabei rauskommt und so kann man eindeutig festhalten: Mit Assessment Center findet man Talente. Aber eben nur Talente für Assessment Center.       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 22. Januar 2011: Konzern-Assessment – die Checkliste zur Erfolgsfreiheit      

Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹ Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser. Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen. Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er …

Ep. 57 Ideen sind wie hässliche Kinder

Die Episode 57 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Viele Unternehmen verfallen ja immer wieder in die Denkfalle, dass es gute und schlechte Ideen gäbe. Ich sehe das anders: Ideen sind immer Geburten menschlicher Psyche, also sie kommen aus einem Individuum heraus. Sie sind nicht prozessierbar. Sie kommen oder sie kommen nicht. Und Ideen sind immer erstmal hässliche Kinder, die nur dadurch gut oder schlecht werden, in dem sie durch einen sozialen Prozess durchgehen. Ideen brauchen Gruppen, sie brauchen Menschen, sie brauchen  Experten, sie brauchen Gegner, sie brauchen Befürworter, um quasi sozial ausgehandelt zu werden. Und am Ende dieses Prozesses steht dann das, was gemeinhin als Innovation bezeichnet wird. Und ob die erfolgreich ist oder nicht, ist von einem Einzelnen sowieso nicht zu entscheiden, sondern – das ist trivial – nur durch Erfolg oder Misserfolg am Markt. Das heißt im Umkehrschluss: es muss möglichst viele Individuen geben in einem Unternehmen, die die Ideen formulieren, formulieren können und formulieren dürfen. Nicht jede Person hat Ideen – immer. Aber so viele Menschen wie möglich einzuladen, ist der Weg, viele …

Ep. 56 Fünf Tipps, wie Sie aus einem Best Practice Buch garantiert am meisten lernen

Die Episode 56 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ja, so einen Artikel schreibe ich auch irgendwann einmal: Meine Fünf Tipps, wie Sie garantiert am meisten lernen können, wenn ein Artikel oder ein Buch über die 12 Erfolgsfaktoren der besten Unternehmen der Welt vor sich haben. Punkt Nr. 1: Lesen Sie sie nicht!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 6. Dezember 2012: Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird.      

Ep. 53 Right Turns – Den Rückstand wieder aufholen

Die Episode 53 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wrong Turns zu entdecken ist eigentlich gar nicht so schwer. Mit ein bisschen Übung kann man sie, wenn man sie dann vor sich hat, eigentlich relativ schnell entdecken und entlarven. Aber die Frage lautet immer sofort danach: wie handele ich denn jetzt richtig? Naja, das ist gerade das Wesen des Handelns in komplexen Systemen, dass ich die Denkfehler zwar auf der abstrakten Ebene entdecken kann. Das richtige Handeln aber nur ganz konkret im individuellen Fall bestimmen kann. Also Beispielsweise eine Fußballmannschaft, ein Trainer der die Aussage trifft: ›je mehr Stürmer ich auf dem Platz habe, desto mehr Tore werde ich schießen‹, wird natürlich von keinem Ernst genommen. Das ist ein ganz offensichtlicher Wrong Turn. Also die Annahme einer strengen Kausalität in einem komplexen System. Aber die Frage ist: wie holt er denn jetzt trotzdem den, sagen wir mal 3:0 Rückstand aus einem Hinspiel wieder auf? Diese Frage kann er nur ganz konkret beantworten. Er muss sich die Frage stellen, welche Spieler habe ich denn im Kader?Welche haben …