Alle Artikel mit dem Schlagwort: Berlin

Ep. 73 – Kannibalisierung: Denken wie im Industriezeitalter

Episode 73 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Gestern habe ich den Satz wieder gehört: »Wir dürfen uns nicht kannibalisieren!« Und es war mal wieder – so langsam glaube ich nicht mehr an Zufälle – ein Vertreter der Automobilindustrie, der mit feucht getränkter Stimme von der Gefahr der Kannibalisierung sprach. Das ist schon fast eine quasi erotische Sorge, die die Automobilisten davor haben, Produkte auf den Markt zu bringen, mit denen sie ihren eigenen Konkurrenz machen. Aber woher kommt der Gedanke, dass dies schlecht sei? Der muss aus einer Zeit stammen, in der wir kaum oder wenig Wettbewerb hatten. Aber heute, wo wir nicht mehr Verkäufermärkte, sondern wieder Käufermärkte haben (zugegeben eine Binsenweisheit), da ist doch die Gefahr viel größer, dass ein Anderer meinen Produkten Konkurrenz macht. Dass nicht ich mich kannibalisiere, sondern dass es ein anderer tut. Und dann ist doch die viel bessere Variante, dass ich es selber tue. Und das nicht nur aus Wettbewerbssicht, sondern noch viel stärker behaupte ich: aus der Lern- und Entwicklungssicht. Wir müssen uns selbst den Auftrag geben, unser Produktportfolie …

Ep. 70 – Audits: Business-Theater in zwei Akten

Episode 70 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Business-Theater begegnet man ja letztlich fast jeden Tag. Zum Beispiel – und in besonders schöner Form – bei Audits. Wenn also im Rahmen einer Zertifizierung Prozesse auditiert werden, damit sie z.B. gute Qualität hervorbringen sollen. Gerne werden dazu – ich überspitze jetzt – sechs Personen auserkoren. Diese sollen 2-3 Wochen vorher anfangen, die Prozesse »glatt zu ziehen«. Ein tolles Wort übrigens, dass es auch nur in der Managementsprache und in der Heißmangelindustrie existiert. Im übrigen: eigentlich ziehen die Auserwählten ja keine Prozesse glatt, sondern nur die Dokumentation der Prozesse, mit Prozessen selber beschäftigen sich meist gar nicht. Und dann gehen sie die Prozesse durch und dann gibt es immer mal die eine oder andere Stelle, an der sich die Gruppe fragt: »wie machen wir das hier eigentlich ganz genau, es gibt doch die eine und die andere Variante«. »Ja«, sagt einer, »und es gibt ja auch noch eine dritte Variante.« Und dann sagt noch einer: »ja, eigentlich gibt es ja noch eine vierte«. Und das Wort ›eigentlich‹ deutet schon darauf hin, dass es noch fünf Prozessvarianten …

Innovation Labs – Der heiße Scheiß aus Berlin

 read the english version   Neulich saß ich mit 15 Top-Managern eines großen deutschen Konzerns zusammen. Sie hätten sehen sollen, wie die die Augen verdrehten, als das L-Wort fiel: »Lab«. Oder wahlweise das Innovation Lab oder Creative Lab oder Data Lab … Es gibt da ja die wildesten Begriffe. Eins haben sie allerdings gemein: Diese Labs werden von Unternehmen installiert, die glauben, hochgradig unterinnovativ zu sein. Oder: Wären neue Ideen Pflänzchen, dann müsste man diese Unternehmen als Antarktis bezeichnen. Innovation aus der Garage Das ist ein Trend, den ich seit etwa drei Jahren beobachte: Große Eiswüsten von Organisationen gründen kleine, agile, tropische Einheiten, am liebsten in Berlin, Barcelona oder im »Valley«, taufen sie Dingsbums-Lab und hoffen auf reichen Ideensegen und vor allem Befruchtung der großen Eiswüste zu Hause. Dahinter steckt die Weisheit, dass Unternehmen wie HP, Google, Apple und Co. ja auch in Garagen gegründet wurden, in klitzekleinen Einheiten, abgeschnitten von der Zivilisation. Genius by minimizing, sozusagen. Schräg, unkonventionell, anders, abgedreht bis zum Wahnsinn und dadurch extrem innovativ. Also: Lasst uns das auch so machen! Nun wage ich …