Alle Artikel mit dem Schlagwort: Best-Practice

2017 – Das wünsch‘ ich Ihnen

Die neueste Theateraufführung pünktlich zum Jahresbeginn: 30 Prozent mehr Umsatz, die Digitalisierung klarmachen, in neue Maschinen investieren, etc. Das neue Jahr ist jung und in Unternehmen ist die Tatkraft ausgebrochen. Sie packen ihre neuen Strategien an, die sie sich im alten Jahr so schön überlegt haben. Ist auch toll, wenn sich Unternehmen für den Jahresbeginn Vorsätze machen und mal überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Allerdings habe ich meine ganz eigene Vorstellung davon, was Unternehmen guttäte und was ich ihnen wünsche. Das tue ich nun schon seit fast sechs Jahren und diese Kolumne veröffentliche ich immer wieder aufs Neue. Interessant genug, dass ich sie immer nur in Nuancen anpassen muss. So viel sei schon im Voraus gesagt: Pläne und Zahlen kommen in meinem perfekten Jahresbeginn nicht vor. Ich wünsche Ihnen zum Jahresbeginn einen klaren Verstand Digitale Transformation, Holocracy, WOL (working out loud) … regelmäßig erscheint ein neuer Hype am Wirtschaftshimmel und versetzt zunächst Berater, dann alle Unternehmen in einen Rausch. All diese Modebegriffe, die irgendwo einen großen Erfolg zu haben scheinen, werden von den Medien als allgemeingültig …

Management-Praktiken – braucht’s die oder kann das weg?

»Herr Müller, Sie haben letzte Woche schon wieder nur eine halbe, statt einer Dreiviertelstunde Pause gemacht.« »Ja, ich wollte etwas früher nach Hause und habe deshalb die Mittagspause abgekürzt.« »Aber Sie wissen doch ganz genau, was die Pausenregelung bei acht Stunden Arbeitszeit vorschreibt.« Was für eine unnütze Diskussion. Und überhaupt: Wozu brauchen Unternehmen ausufernde Reisekostenrichtlinien, Arbeitszeiterfassung, Überstundenregelungen, Investitionsanträge und diese ganzen anderen Management-Praktiken? Nun ja, vielleicht weil sonst das Intranet ziemlich leer wäre, der Controller nichts zum Kontrollieren hätte oder die IT-Abteilung keine Formulare mehr programmieren könnte. Nein, mal ehrlich. Nehmen Sie die vielen Stunden, die Ihr Management mit der Jahresplanung verbringt: Sie sammeln Daten über Daten aus der Vergangenheit, lassen Vertreiber in die Glaskugel gucken, befragen große Kunden, was sie in ihrer Glaskugel gesehen haben – alles nur, um daraus eine Prognose für die Zukunft abzuleiten – für die Entwicklung der Personalkapazitäten, Maschinenbeschaffungen, Liquiditätsbedarfe oder einen anstehenden Hallenbau. Und am Ende des Jahres stellen Sie fest: Es ist ja anders gekommen als geplant. Ist ja auch logisch. Wie wollen Sie schließlich im Dezember denn …

Das wünsch‘ ich Ihnen

Dreißig Prozent mehr Umsatz, den asiatischen Markt erschließen, in neue Maschinen investieren, die einen Wettbewerbsvorteil versprechen, etc. Das neue Jahr ist jung und in Unternehmen ist neue Tatkraft ausgebrochen. Sie packen ihre neuen Strategien an, die sie sich im alten Jahr so schön überlegt haben. Ist auch toll, wenn sich Unternehmen Vorsätze machen und mal überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Allerdings habe ich meine ganz eigene Vorstellung davon, was Unternehmen gut täte und was ich Ihnen wünsche. Soviel sei schon im Voraus gesagt: Pläne und Zahlen kommen darin nicht vor. Ich wünsche Ihnen einen klaren Verstand Industrie 4.0, Big Data … regelmäßig erscheint ein neuer Hype am Wirtschaftshimmel und versetzt alle Unternehmen in einen Rausch. All diese Modebegriffe, die irgendwo einen großen Erfolg zu haben scheinen, werden von den Medien als allgemeingültig erklärt und zu einem neuen Trend aufgebauscht. Als wären es süchtig machende Drogen, lassen sich Firmen von der Popularität eines Themas in die Irre führen und rennen einer vermeintlich heilversprechenden neuen Best Practice hinterher. Es gibt doch dieses schöne Sprichwort: „eine Sau durchs …

Ep. 57 Ideen sind wie hässliche Kinder

Die Episode 57 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Viele Unternehmen verfallen ja immer wieder in die Denkfalle, dass es gute und schlechte Ideen gäbe. Ich sehe das anders: Ideen sind immer Geburten menschlicher Psyche, also sie kommen aus einem Individuum heraus. Sie sind nicht prozessierbar. Sie kommen oder sie kommen nicht. Und Ideen sind immer erstmal hässliche Kinder, die nur dadurch gut oder schlecht werden, in dem sie durch einen sozialen Prozess durchgehen. Ideen brauchen Gruppen, sie brauchen Menschen, sie brauchen  Experten, sie brauchen Gegner, sie brauchen Befürworter, um quasi sozial ausgehandelt zu werden. Und am Ende dieses Prozesses steht dann das, was gemeinhin als Innovation bezeichnet wird. Und ob die erfolgreich ist oder nicht, ist von einem Einzelnen sowieso nicht zu entscheiden, sondern – das ist trivial – nur durch Erfolg oder Misserfolg am Markt. Das heißt im Umkehrschluss: es muss möglichst viele Individuen geben in einem Unternehmen, die die Ideen formulieren, formulieren können und formulieren dürfen. Nicht jede Person hat Ideen – immer. Aber so viele Menschen wie möglich einzuladen, ist der Weg, viele …

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

»Ja stimmt, da habe ich mich erst letztens mit einem Manager unterhalten. Die haben in ihrem Unternehmen eine super Methode, um Probleme zu lösen. Das können wir bei uns auch einführen.« Hach ja, die sogenannten wirkungsvollen Methoden, die von erfolgreichen Teams entwickelt wurden und nun alle anderen Teams ebenso erfolgreich machen können. Da kann ich nur lachen. Sämtliche sogenannte Methoden, die Sie in Management-Büchern lesen, in Beratungen und Seminaren hören oder sich in anderen Unternehmen oder Abteilungen abschauen, können Sie vergessen. Nicht, weil sie nichts taugen. Sondern weil sie gar nicht ursächlich für Erfolg sind. Es war einmal ein Team. Das hatte sich gebildet, um ein externes Problem zu lösen, also so mit einem echten Kunden, einem wichtigen Kunden. Und einem erstzunehmenden Problem, zu dessen Lösung kein bloßer Transfer vorhandenen Wissens ausreichte. Über einen lange Zeitraum haben mehrere Menschen daran gearbeitet, weil das Problem zu viele Facetten hatte, als dass es von einer Person allein hätte gelöst werden können. Natürlich mussten sie die Zusammenarbeit organisieren. Sonst wäre alles im Chaos versunken. Also schlug einer vor, …

Ep. 56 Fünf Tipps, wie Sie aus einem Best Practice Buch garantiert am meisten lernen

Die Episode 56 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Ja, so einen Artikel schreibe ich auch irgendwann einmal: Meine Fünf Tipps, wie Sie garantiert am meisten lernen können, wenn ein Artikel oder ein Buch über die 12 Erfolgsfaktoren der besten Unternehmen der Welt vor sich haben. Punkt Nr. 1: Lesen Sie sie nicht!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 6. Dezember 2012: Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird.      

Best-Thinking: Die unbändige Lust am Experimentieren

Unternehmen sind komplex – das Wirtschaften auf den Märkten des 21. Jahrhunderts erst recht. Im Komplexen, das haben wir hier in dieser Kolumne schon des Öfteren diskutiert, gibt es keine Kausalitäten, keine eindeutigen Wenn-Dann-Beziehungen – erst recht keine mono-kausalen. Die Suche nach best-practice in anderen Firmen ist ein Hirngespinst, erst recht die Übertragung auf das eigene Unternehmen. Aber best-thinking gibt es sehr wohl. Ich bin schon seit mehr als 12 Jahren auf der Suche nach exzellenten Unternehmen. Das ist wohl wie Trüffel sammeln (wovon ich überhaupt keine Ahnung habe, aber man hört ja darüber einiges – haben Sie das schon mal gemacht?). In jedem Fall kein leichtes Unterfangen, denn eindeutige Kriterien für Exzellenz gibt es natürlich nicht. Und eine Prognose für »immer erfolgreich«  ist schon mal gar nicht zu stellen, auch wenn der Buchtitel eines der best-practice-Schinken von Jim Collins uns dies mal gerne suggerieren wollte. Dennoch scheinen sich manche Unternehmen von den Wettbewerbern ihrer Branche über längere Zeit hinweg abzuheben. Und das keinesfalls nur betrachtet mit einer betriebswirtschaftlichen Brille. So sind diese Firmen zumeist …

Die Sehnsucht nach Verstehen des Erfolges

Die Sinngebungsmaschinerie unseres intuitiven Verstandes lässt uns die Welt geordneter, einfacher, vorhersagbarer und kohärenter sehen, als sie es tatsächlich ist. Die Illusion, man habe die Vergangenheit verstanden, füttert den Irrglauben, man könne die Zukunft vorhersagen und kontrollieren. Neulich bekam ich mal wieder eine Studie über die Erfolgsfaktoren von Unternehmen in die Hände. Allerneuste Wissenschaft darüber, was die wirklich und langanhaltend erfolgreichen Unternehmen auszeichnet. Wirklich fundiert. Endlich glaubhaft. Diese Bücher haben eine lange Tradition im westlichen Managementkanon. Das erste Buch dieser Reihe lief mir schon vor vielen Jahren von Tom Peters über den Weg. Der Titel: »Auf der Suche nach Spitzenleistungen«. Der bekannteste Autor derartiger Wirtschaftsschmonzetten der neuen Zeit scheint Jim Collins zu sein. Eines seiner Bestseller hat den Titel »Immer erfolgreich« und enthält eine gründliche Analyse von 18 Paaren konkurrierender Unternehmen, bei denen immer eines erfolgreicher war als das andere. Seine Kernbotschaft: gute Führungspraktiken lassen sich eindeutig identifizieren und sie werden durch gute Ergebnisse belohnt. Ein Resultat, das jedem Manager schmeichelt, der in einem – für den Moment – erfolgreichen Unternehmen arbeitet und wohl jedem …

Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird

Best Practice-Berichten anderer nachzueifern, ist wie in Berlin mit dem Stadtplan von Köln herumzulaufen. Sie verrennen sich garantiert! Mit fällt gerade mal wieder auf, wie viele Fachkonferenzen es eigentlich gibt. Zu wie vielen werden Sie eigentlich eingeladen? Ich bekomme täglich sicherlich drei bis fünf Einladungen. Also müssen doch im Schnitt auch täglich drei bis fünf Konferenzen stattfinden. Und das alleine in meinem erweiterten Interessensgebiet. Denn Einladungen zu Konferenzen der Druckindustrie, des Bäckereihandwerks oder zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Metropolregion bekomme ich nur als Speaker, nicht als Gast. Für Veranstalter scheint das wichtigste Kriterium, um Teilnehmer für kommerzielle Veranstaltungen zu gewinnen, ein Angebot an möglichst vielen »Best Practice«-Berichten zu sein. ›Praktiker für Praktiker‹ heißt die Devise und die am Rednerpult sollten dann schon die Besten sein, bzw. über eine ganz außergewöhnliche »Best Practice«-Lösung berichten. Die Konferenzveranstalter wissen hier zuverlässig den Nerv ihrer Kunden getroffen zu haben, denn diese goutieren die vielen Praktikerberichte mit guten und die wenigen vermeindlichen Theorie-Vorträgen mit eher mäßigen Feedbacks auf den 4-seitigen Fragebögen, die am Abschluss jeder Konferenz ausgeteilt, ausgefüllt und brav ausgewertet …