Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bullshitpraktiken

Ideen gewünscht, Denker gelyncht

In Stellenbeschreibungen und auf Recruiting-Websites spucken viele Unternehmen große Töne und sehnen sich – so zumindest könnte der Text das suggerieren – Andersdenkende und Quereinsteiger herbei. Mitarbeiter und Führungskräfte, die Ideen und einen frischen Blick mit ins Unternehmen bringen. Klingt vielversprechend. Und zeigt, dass die Unternehmen natürlich schon längst verstanden haben, dass Diversifikation auf über die Geschlechterwahl hinaus für Erfolg förderlich ist. Es vergeht auch kein Interview mit den Personalverantwortlichen, in dem nicht hervorgehoben wird, dass Quereinsteiger (was sind das eigentlich ganz genau, diese komischen Quereinsteiger?) eine Chance auf Einstellung haben und dass kreative Köpfe besonders gesucht werden. Doch korrigieren Sie mich, wenn mich mein Eindruck täuscht: Wer aufmerksam das Kleingedruckte liest, merkt schnell, dass sich der Wunsch nach Diversifikation auf Männer und Frauen und vielleicht noch auf unterschiedliche fachliche Qualifikationen bezieht. Andersartige Gedanken? Nein, die sollen bitte schön zu Hause bleiben! Und wenn sich doch mal ein Andersdenkender ins Unternehmen schleicht, stehen schon jede Menge Instrumentarien bereit, die dessen bedrohlichen exotischen Gedanken Einhalt gebieten. Verständlich: Denn neue Gedanken sind nichts anderes als eine Provokation für das bestehende System. …

Management-Praktiken – braucht’s die oder kann das weg?

»Herr Müller, Sie haben letzte Woche schon wieder nur eine halbe, statt einer Dreiviertelstunde Pause gemacht.« »Ja, ich wollte etwas früher nach Hause und habe deshalb die Mittagspause abgekürzt.« »Aber Sie wissen doch ganz genau, was die Pausenregelung bei acht Stunden Arbeitszeit vorschreibt.« Was für eine unnütze Diskussion. Und überhaupt: Wozu brauchen Unternehmen ausufernde Reisekostenrichtlinien, Arbeitszeiterfassung, Überstundenregelungen, Investitionsanträge und diese ganzen anderen Management-Praktiken? Nun ja, vielleicht weil sonst das Intranet ziemlich leer wäre, der Controller nichts zum Kontrollieren hätte oder die IT-Abteilung keine Formulare mehr programmieren könnte. Nein, mal ehrlich. Nehmen Sie die vielen Stunden, die Ihr Management mit der Jahresplanung verbringt: Sie sammeln Daten über Daten aus der Vergangenheit, lassen Vertreiber in die Glaskugel gucken, befragen große Kunden, was sie in ihrer Glaskugel gesehen haben – alles nur, um daraus eine Prognose für die Zukunft abzuleiten – für die Entwicklung der Personalkapazitäten, Maschinenbeschaffungen, Liquiditätsbedarfe oder einen anstehenden Hallenbau. Und am Ende des Jahres stellen Sie fest: Es ist ja anders gekommen als geplant. Ist ja auch logisch. Wie wollen Sie schließlich im Dezember denn …

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

»Ja stimmt, da habe ich mich erst letztens mit einem Manager unterhalten. Die haben in ihrem Unternehmen eine super Methode, um Probleme zu lösen. Das können wir bei uns auch einführen.« Hach ja, die sogenannten wirkungsvollen Methoden, die von erfolgreichen Teams entwickelt wurden und nun alle anderen Teams ebenso erfolgreich machen können. Da kann ich nur lachen. Sämtliche sogenannte Methoden, die Sie in Management-Büchern lesen, in Beratungen und Seminaren hören oder sich in anderen Unternehmen oder Abteilungen abschauen, können Sie vergessen. Nicht, weil sie nichts taugen. Sondern weil sie gar nicht ursächlich für Erfolg sind. Es war einmal ein Team. Das hatte sich gebildet, um ein externes Problem zu lösen, also so mit einem echten Kunden, einem wichtigen Kunden. Und einem erstzunehmenden Problem, zu dessen Lösung kein bloßer Transfer vorhandenen Wissens ausreichte. Über einen lange Zeitraum haben mehrere Menschen daran gearbeitet, weil das Problem zu viele Facetten hatte, als dass es von einer Person allein hätte gelöst werden können. Natürlich mussten sie die Zusammenarbeit organisieren. Sonst wäre alles im Chaos versunken. Also schlug einer vor, …