Alle Artikel mit dem Schlagwort: Business Buddies

Videoserie »Organisation und Komplexität«

Fünf Tage vor dem Endspiel der Fußball-WM 2014 war ich gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Niels Pfläging von dem IT-Unternehmer Martin Seibert zu einem ausführlichen Video-Dreh eingeladen. Seine zentrale These war: »Das ist ja alles theoretisch sehr spannend, aber vieles Operationalisierbares habt ihr nicht zu liefern.« Unsere Replik hat ihn überrascht…

Karstadt – leuchtendes Vorbild für Restrukturierung

Juni 2010 – Der Investor Berggruen übernimmt Karstadt für 70 Mio. € und macht die Zusage, in den nächsten drei Jahren weitere 240 Mio. Euro zu investieren. In der Folge hob das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf.40.000 Gläubiger mussten auf rund zwei Mrd. Euro verzichten. Berggruen kündigte an, Karstadt in eine Dachgesellschaft mit drei weiteren Untergesellschaften Sporthäuser, Premiumhäuser und sonstige Warenhäuser zu unterteilen. Kleine Geschäftsbereiche seien leichter zu managen und könnten schneller reagieren. Zwischen dem 1. Oktober 2011 und dem 30. September 2012 erwirtschaftete die dank des Einsatzes geballter Turnaround-Kompetenz nun leicht zu managende und reaktionsschnelle Unternehmensgruppe einen Verlust von 249,6 Millionen Euro. 121 davon entfielen auf Restrukturierungsmaßnahmen, vor allen Dingen Abfindungen für rund 2.000 Mitarbeiter. In den ersten sieben Monaten des folgenden Geschäftsjahres sank der Umsatz um 7,9 %. Alle Waren-, Sport- und Premiumhäuser lagen unter ihren Plänen. Mai 2013 – das Unternehmen teilte mit, bis 2015 eine ›Tarifpause‹ einzulegen, und damit vorübergehend aus der Tarifbindung auszusteigen, mit anderen Worten: seinen Mitarbeitern nicht einmal den Inflationsausgleich zu gönnen. Juni 2014 – Karstadt Sport in Düsseldorf. Nach langem Suchen in den …

Alle für einen und ein Gehalt für alle.

»Das ist ungerecht, einfach ungerecht!« Ich sitze in der Berliner S-Bahn, es ist Rush Hour. Der Mann neben mir beschwert sich lautstark am Handy bei einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer. Er ist wütend, echauffiert sich. Den Krawattenknoten hat er gelockert, er fährt sich durch die Haare, das Gesicht leicht gerötet. »Jetzt habe ich drei Monate an dem Entwurf gearbeitet, Überstunden ohne Ende – und was ist der Dank? Der Müller, von dem fast keine Ideen selbst stammen, der mich ständig um Rat gefragt hat, heimst am Ende die Laudatio ein!« Er redet sich in Rage. »Und das Beste ist: er bekommt auch noch einen satten Bonus dafür.« Ich weiß genau, wie der junge Mann diesen Mittwoch und vielleicht die ganze Arbeitswoche beendet. Frustriert, enttäuscht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Folge? Er wird voller negativer Gefühle am nächsten Morgen in die Bahn steigen – plötzlich fehlt ihm Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Aber dieses Unternehmen, das in Arbeitskräfte investiert, macht es doch völlig richtig: Es belohnt einen Mitarbeiter, der gute Leistung abliefert. Oder …

New Work #3: Oose Innovative Informatik

Zwei Gedanken über Führung. Erstens: Menschen führen heißt nicht Vorgaben machen! Eher schon entsteht Führung durch guten Rat. Zweitens: Einzelnen Menschen Macht zu geben und sie zu Führungskräften zu machen, ist schwierig bis unmöglich! Denn die Komplexität der Realität macht es doch gar nicht möglich, zu entscheiden, wer zukünftigen Herausforderungen als Führungskraft gewachsen ist! Dieses intelligente und differenzierende Verständnis von Führung ist das der oose Innovative Informatik GmbH. Hier gibt es konsequenterweise keine Führungskräfte! Sondern nur Führungsarbeit – und die kann jeder übernehmen. Derjenige Mitarbeiter mit der meisten Kompetenz in einem Bereich und den hilfreichsten Ratschlägen übernimmt temporär die Führung, indem er seine Fähigkeiten mit den anderen teilt. Mithilfe ihres tiefen Verständnisses von komplexen sozialen Systemen – wesentliche Voraussetzung, um moderne Organisationen gestalten zu können – hat oose die Latte bemerkenswert hoch gelegt. Hier geht es nicht um Kuschelkurs und ein paar mehr Freiheiten für Mitarbeiter. oose hat in den letzten Jahren völlig abseits der klassischen tayloristischen Paradigmen eine moderne, zeitgemäße Organisation entwickelt, die Höchstleistungen erbringt. Diese neuen Paradigmen und Gestaltungsprinzipien in der Unternehmensführung führen …

Das Einmaleins der New Worker

Ihren Wunscharbeitgeber gibt es vermutlich nicht. Doch das muss kein Problem sein! Einfach selbst gründen. Und dabei auf keinen Fall auf das Gründer-Einmaleins hören! So haben es die 32 Gründer von Dark Horse gemacht. Es ist ihnen wichtiger, Spaß im Beruf zu haben, als Goldbarren zu horten. Dazu hat die international operierende Design-Thinking-Schmiede mit gleich drei Gründungstabus gebrochen: Gründe niemals mit Freunden eine Firma. Gründe nie mit mehr als drei Leuten. Stecke all deine Zeit in dein Start-Up. Zu allem Überfluss verzichten die 32 Freunde auch noch auf jegliche Hierarchien. Das funktioniert gerade, weil alle sich seit dem Studium kennen, mögen und sich ohne Wenn und Aber in ihr Unternehmen stürzen. Spannend ist auch, dass die Teammitglieder aus 25 verschiedenen Disziplinen kommen und für Dark Horse nicht in Vollzeit arbeiten, sondern sich Inspirationen in den unterschiedlichsten Jobs zwischen Natur- und Geisteswissenschaften holen. Selten bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, dass seine sozialen Kompetenzen, Interaktionen und Kommunikationsweisen so professionalisiert und seine Organisationsstruktur so gründlich durchdenkt. Was dabei rauskommt? Ein Strudel aus nachhaltigen Innovationen und Ideen. Und …

Turbulente Zeiten? Alles safe!

In den kommenden acht Wochen stelle ich auf meinem Blog Unternehmen vor, die New Work lieben und praktizieren. Heute: allsafe JUNGFALK Plötzliches Kinderglück? Unvorhersehbare Schicksalsschläge? Die allsafe JUNGFALK GmbH & Co. KG ist auf Veränderungen im Leben ihrer Mitarbeiter bestens vorbereitet. Das Unternehmen hat sich vor einigen Jahren auf den Weg begeben, ein Intrinsifier zu werden und ist bereits bemerkenswerte Schritte gegangen: Mitarbeiter haben größtmöglichen Gestaltungsfreiraum bei der Wahl von Arbeitsort, Arbeitszeit und Projekten. Sie arbeiten selbstbestimmt und sinngetrieben. Neue und erfolgreiche Formen der (Zusammen-)Arbeit funktionieren nicht nur in Berlin oder in hippen Agenturen und Hightech-Startups. Das Unternehmen aus Engen im äußersten Süden Badens hat sich von den herkömmlichen Organisationsformen radikal abgewandt, um sich zeitgemäß den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen. Und warum das Ganze? Ist doch klar: es funktioniert einfach besser! Der Hersteller von Ladungssicherungs-Systemen für Nutzfahrzeuge und Flugzeuge hat nicht nur ein sehr pragmatisches und flexibles Organisationsmodell. Das Unternehmen ist vor allem stolz darauf, in allen Bereichen des Unternehmens freies und eigenverantwortliches Arbeiten zu ermöglichen.Denn nur so erreicht das Unternehmen eines seiner …

Gastkommentar: »Gute Produkte – Gute Exporte. Die wahren Gründe der Deutschen Handelsüberschüsse«

Aktuelle Meldungen in der Wirtschaftspresse greifen die in jüngster Zeit wiederholt geäußerte Kritik an den Handelsüberschüssen Deutschlands auf. Diese würden zu einem Ungleichgewicht führen und andere Länder in die Verschuldung treiben, da der Überschuss des einen das Defizit des anderen sei. Als Grund für die Überschüsse wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie genannt. Diese sei aber aufgrund von Lohndumping entstanden. Ich halte dies für falsch. Ein kritischer Kommentar zur aktuellen Debatte über Deutsche Handelsüberschüsse von Prof. Andreas Syska. An der Hochschule Niederrhein lehrt Syska Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Produktionswirtschaft. Der Dortmunder Design Thinking Coach Ferdinand Grah führt Syska unter der Rubrik »Lean Freaks« und die Einschtzung teile ich. Kennenlernen durfte ich Syska im Rahmen einer Lean-Konferenz in Stuttgart, dessen Moderator er war und auf der ich einen Vortrag gehalten habe. Schnell war mir klar, dass ich es mit einem leidenschaftlichen Vertreter der Lean-Zunft zu tun hatte, der nicht nur – der Titel könnte zu der Annahme verleiteten – über das Thema schwadroniert, sondern ganz praktisch und pragmatisch sich für die Weiterentwicklung einsetzt. Zudem kommen gleichsam unterhaltsame wie …

Gastbeitrag »Muttivation«

Muttivation.  Aus dem Lateinischen muttivare = muttertreiben. Frei übersetzt: Der Antrieb durch die Mutter. Hierbei handelt es sich um eine der Urformen menschlich – intrinsischer Motivation, die sich seit der frühen Menschheitsentwicklung trotz allerlei evolutionär bedingter Abweichungen stabil gehalten hat und offensichtlich auch einer starken zivilisations- und mutationsbedingten Deviation einzelner Individuen  trotzt. Neuerdings zeigen gender-orientierte Untersuchungen, dass es sich bei weitem nicht um ein fast ausschließlich männliches Phänomen zu handeln scheint, wie gewisse feministische Vordenkerinnen zu Beginn dieser Debatte hatten einwerfen wollen.   Ein großer Dank für diesen Gastbeitrag geht an Heinz-Detlef Scheer. Scheer ist Psychologe, systemischer Berater und betreibt neben seiner Tätigkeit als leidenschaftlicher Aktivist für den Verein ›Mensa‹ Coaching für Hochbegabte. Kennengelernt haben wir uns vor fast sieben Jahren bei einem Berliner Klienten. Uns verbindet, neben kleinen körperlichen Attributen, vor allem die Liebe zur Musik. Scheer studierte in den 80er Jahren Cello am Konservatorium und muckte als Bassist in diversen Rockbands. Mich begeistert seine Treffsicherheit bei der Analyse von Denkblockaden, insbesondere im Umfeld von Organisatoren und sein feinsinniger Humor, den er auch wieder …

Wie manche Unternehmen unter Dynamik leiden und andere sie erzeugen.

Am Rande des Future Leadership Camps 2013 sprach ich mit Dr. Gerhard Wohland in winterlicher Kaminatmosphäre darüber, welche Denkmuster dynamikrobuste Höchstleister verwenden. Ein fordernder Einblick in die Denkwelt von Unternehmen, der einem so manchen vertrauten Glaubenssatz unter den Füßen wegzieht. Schnee im März ist sicherlich keine Sensation, aber die Massen, die an den Tagen des Future Leadership Camps auf das Schloßgut Groß Schwansee niedergingen überraschten alle Beteiligten. Am zweiten Tag waren wir förmlich von der Außenwelt abgeschnitten. Am frühen Abend dann, als sich alle Teilnehmer nach einem intensiven Tag auf die Abendveranstaltung vorbereiteten, saß ich mit Gerhard Wohland zusammen und fing an, mit ihm den Tag und seinen Input zum Thema zu reflektieren. Geplant waren max. 20 Minuten Aufnahme. Herausgekommen sind mehr als das doppelte, die in mehreren Teilen veröffentlich werden. Hier der erste Teil: Ach ürbigens: im April 2012 hat Gerhard einen Gastbeitrag in meinem Blog veröffentlicht. Wer mag, kann dort seine Sicht auf das Thema Lean Production noch einmal nachlesen. Hier »

Gastbeitrag: »Lean Production – gibt’s die noch?«

Oder anders gefragt, hat es sie je gegeben? Oder wurde mit diesem Begriff lediglich versucht, ein bedrohlich unverstandenes Phänomen zu bannen? Aber der Reihe nach. Ein großer Dank für diesen Gastbeitrag geht an Dr. Gerhard Wohland. Gerhard Wohland ist Physiker, »68er«, Buchautor sowie Berater und gilt als einer der führenden Spezialisten für dynamikrobuste Organisationen. Seine Klarheit in Wort und Schrift begeistert mich seit längerem und so bat ich ihn, seine Sicht auf den aktuellen Diskussions-Stand zum Lean Management für diesen Blog niederzuschreiben. Zuvor hat er mir noch ein kurzes Interview gegeben: Lars Vollmer: Gerhard, Dein Leitmotiv sind Denkwerkzeuge. Wie kamst Du als Physiker zu diesem Motiv?< Gerhard Wohland: Ob ich dabei als Physiker eine Rolle spiele, weiß ich nicht. Ich unterscheide Methode und Werkzeug. Wenn eine Methode zum Problem passt, sagt sie was zu tun ist. Wird den Anweisungen gefolgt, verschwindet das Problem. Ein Werkzeug ist problemneutral. Mit einem Hammer können Nägel eingeschlagen werden oder er dient als Türstopper. Ein Werkzeug kann erst dann zur Problemlösung beitragen wenn es mit einer Idee kombiniert wird. Ohne …