Alle Artikel mit dem Schlagwort: Denkfehler

Voodoo-Management – Wenn Erfahrung zum Wirksamkeitskiller wird

Ich will Ihnen ja nicht die Illusionen rauben, aber … Äh, Moment … Nein, in Wahrheit will ich Ihnen sehr wohl die Illusionen rauben! Ich will sie Ihnen zertrümmern! Aber hallo! Sie haben da nämlich eine, jedenfalls bin ich da ziemlich sicher. Genauer und ganz profan: Mit großer Wahrscheinlichkeit begehen Sie gewohnheitsmäßig in Ihrem täglichen Geschäft einen ganz handelsüblichen Denkfehler, der Sie dazu verleitet, sich selbst und anderen Menschen das Leben zum Fegefeuer zu machen. Und ich schlage Ihnen höflich vor, ihn zu bemerken und anschließend sein zu lassen. Zu Ihrem besten Nutzen. Und dem Ihres Umfeldes. Projektstatus: Denkfehler Dieses Mistvieh von Denkfehler nenne ich vorschlagsweise »Selbstwirksamkeits-Fata-Morgana« (… wohl wissend, dass irgendwo in der psychologischen Fachliteratur ein besserer Name dafür vergraben ist) Und der geht so: Stellen Sie sich vor, da läuft unter Ihrer Ägide ein komplexes Projekt, mit vielen Unsicherheit und Unwägbarkeiten – wie das heute eben so ist: Der Kunde ändert ständig seine Meinung, die Lieferanten liefern an anderen Tagen als vereinbart, der eine oder andere Mitarbeiter wird unpässlich oder zu einem anderen …

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

Die zwei großen Gegner von Verantwortung

Ich habe schon häufiger die Denk-Schlampigkeit gegeißelt, der wir so gerne verfallen, wenn wir Korrelation mit Kausalität verwechseln. Bei Boulevard-Überschriften wie »Verheiratete Männer leben länger« ist das noch lustig-anekdotisch. Bei der Aufforderung, sog. »Level 5-Führungskräfte« (Jim Collins in »From Good to Great«) zu etablieren, um anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg zu ernten, wird aus dem humoristischen schnell etwas toxisches. In Wrong Turn habe ich diese Art Denkfehler als Dumme Irrtümer bezeichnet. Und wem diese dummen Irrtümer zu banal sind, für den gibt’s noch ein Upgrade, den professional Level: die Intelligenten Irrtümer. Es lassen sich nämlich durchaus Phänomene beobachten, die kausal etwas miteinander zu tun haben. Das heißt konkret: das eine Phänomen ist die Ursache für das andere. Wir bringen es korrekterweise in eine kausale Verbindung – aber die Richtung ist falsch. Daher der Intelligente Irrtum. Quasi Geisterfahrer mit Abitur. Am Beispiel der Entwicklungspolitik habe ich das vor einiger Zeit schon mal ausdekliniert. All diese Denkfehler – und noch viele mehr – stehen Verantwortung im Wege. Die Über-Vokabel Verantwortung ist in unserer Gesellschaft eine Art Über-Vokabel geworden, insbesondere im wirtschaftlichen …

Ep. 63 Prioritäten – Wenn der Eilt-Stempel eilt

Die Episode 63 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es wirkt schon manchmal unfreiwillig tragisch und zugleich komisch, wenn ein Unternehmen versucht, ein Problem mit dessen eigentlicher Ursache zu lösen. Schön kann man das zum Beispiel sehen, wenn man anfängt mit Prioritäten zu jonglieren. Da sind Unternehmen extrem einfallsreich. Sie merken, dass Projekte, Aufgaben oder Aufträge immer mal wieder zu spät beim Kunden ankommen. Jetzt glauben sie, dass es an mangelnden Prioritäten läge. So, und jetzt kaufen sie sich beispielsweise eine Stempel. Auf dem steht dann: EILT. Und damit versuchen sie es nun, besser zu machen. Der Stempelverkäufer kann eigentlich seinen Laden jetzt unmittelbar neben der Firma aufmachen, denn es werden nicht viele Tage vergehen und schon braucht das Unternehmen den zweiten Stempel. Unbedingt. Auf dem steht: EILT SEHR. Auch beliebt sind sog. ›Top Ten‹-Aufträge – davon gibt es dann Hunderte im Unternehmen. Das kurioseste Beispiel ist mir untergekommen, als ein Unternehmen vor Jahren begann,  Prioritäten von 1 bis 10 zu vergeben. Wobei ›10‹ am Wichtigsten und ›1‹ am Unwichtigsten bedeutete. Nur drei Jahre später gab es die Prioritäten 1 bis …

Warum Unternehmensgröße für Organisationstransformationen irrelevant sind

Es kommt nicht auf die Größe an

»Herr Vollmer, ich verstehe ja Ihre Ideen, aber die Umsetzbarkeit hört bei 2.000 Mitarbeitern eben auf.« Zwei Tage später:  »Herr Vollmer, das ist ja alles gut und recht. Ich kann mir auch vorstellen, dass das in einem Betrieb mit 25 Leuten funktioniert, aber wir sind nur zu viert. Da geht das doch nicht.« Ausreden über Ausreden Wie sagen die Amerikaner so schön: ›If I had a nickel for every time …‹ Ja, wenn ich für jedes Mal einen Euro bekommen hätte, wenn mir jemand erzählt, dass meine Ideen in seiner Firma wegen der Größe des Unternehmens nicht realisierbar wären, könnte ich mich jetzt zur Ruhe setzen. Na gut, nicht ganz, aber die Diskussion um die Größe von Unternehmen entflammt bei meinen Vorträgen quasi immer. Dabei ist es ganz egal, zu welchen organisationsrelevanten Thesen ich etwas sage – sei es die Abschaffung von Unternehmensplanung, überflüssigen Meetings, schädlichen Performance Reviews, Selbstorganisation etc. – ich bekomme den Einwurf zu hören: »Mit unserer Unternehmensgröße geht das nicht.« Auch ein paar andere Kriterien werden ab und an herangezogen, um meine Forderungen zu entkräften: …

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

»Ja stimmt, da habe ich mich erst letztens mit einem Manager unterhalten. Die haben in ihrem Unternehmen eine super Methode, um Probleme zu lösen. Das können wir bei uns auch einführen.« Hach ja, die sogenannten wirkungsvollen Methoden, die von erfolgreichen Teams entwickelt wurden und nun alle anderen Teams ebenso erfolgreich machen können. Da kann ich nur lachen. Sämtliche sogenannte Methoden, die Sie in Management-Büchern lesen, in Beratungen und Seminaren hören oder sich in anderen Unternehmen oder Abteilungen abschauen, können Sie vergessen. Nicht, weil sie nichts taugen. Sondern weil sie gar nicht ursächlich für Erfolg sind. Es war einmal ein Team. Das hatte sich gebildet, um ein externes Problem zu lösen, also so mit einem echten Kunden, einem wichtigen Kunden. Und einem erstzunehmenden Problem, zu dessen Lösung kein bloßer Transfer vorhandenen Wissens ausreichte. Über einen lange Zeitraum haben mehrere Menschen daran gearbeitet, weil das Problem zu viele Facetten hatte, als dass es von einer Person allein hätte gelöst werden können. Natürlich mussten sie die Zusammenarbeit organisieren. Sonst wäre alles im Chaos versunken. Also schlug einer vor, …

Ep. 45 Vorhersage -Die kindliche Naivität von Big Data-Jüngern

Episode 45 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Was für ein Sauwetter in einer so wundervollen Stadt. Dabei haben sie doch sogar gestern noch trockenes Wetter angesagt und lockere Bewölkung. Wo ist das hier eine lockere Bewölkung? Mist! Aber ich hoffe ,dass die Wettervorhersagen bald besser werden. Die Aussicht dafür ist ja auch ganz gut, denn die ganzen Big Data-Granden und Vordenker suggerieren uns ja, dass wenn wir nur noch mehr Daten von der Vergangenheit hätten, ja dass wir dann auch noch deutlich besser die Zukunft voraus sagen könnten. Ich hoffe die Meteorologen, die Wetterleute sind die ersten die sich mit den ganzen neuen Methoden auch wirklich beschäftigen, das wäre wirklich großartig. Aber insgeheim befürchte ich, dass sie nur einen rigorosen Denkfehler aufliegen und die Meteorologen das schon lange wissen. Denn aus der Vergangenheit die Zukunft vorher zu sagen …hm… also Big Data beleuchtet die Vergangenheit. Daraus die Zukunft vorherzusagen, erscheint mir eher kindliche Naivität zu sein.  

New Work – Doch nur eine Schnapsidee?

Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, ich habe mich geirrt. Sonst bin es ja ich, der Denkfehler aufdeckt, doch diesmal ist mir wohl selbst einer unterlaufen. New Work – mehr Freiräume, weniger Hierarchien, mehr Teams, mehr Selbstverantwortung, mehr Kommunikationsräume. Arbeit so zu gestalten, fand ich ja eine tolle Idee. Auf meinem Blog habe ich auch New-Work-Unternehmen vorgestellt, damit sie für andere als Beispiel und Anreiz dienen können, die Arbeit im eigenen Unternehmen anders zu gestalten. Und wenn sich die New Worker darüber aufregten, dass sich so wenige Topmanager mit dieser Option beschäftigten, dann hatte ich dafür vollstes Verständnis. Schließlich war ich auch der Meinung, dass eine attraktiver gestaltete und an die Komplexität angepasste Arbeit zu einem erfolgreicheren Unternehmen führen würden. Mittlerweile frage ich mich aber, ob es als Manager nicht sogar klug ist, sich NICHT mit New Work zu befassen. Warum? Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es, Überlebensfähigkeit herzustellen und zu erhalten. Wenn sich die Wirtschaft ändert, dann ändern sich von außen (Kunden, Lieferanten, Partner) die Ansprüche an die Unternehmen. Führungskräfte oder Chefs – …

Ep. 42 Demokratie im Unternehmen

Episode 42 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Derzeit wird ja wieder eine neue Organisationsdiskussion voller Inbrunst geführt, nämlich die, dass bzw. ob Unternehmen demokratisiert werden müssen. Nach meinem Dafürhalten vermischt sich da eine sehr moralische und eine zutiefst ideologische Überzeugung. Und die beiden treten dann gegen einander an. Die Moralisten argumentieren tendenziell so, dass es doch per se richtig sei — moralisch gefestigter und besser — wenn Mitarbeiter im Unternehmen intensiver beteiligt werden. Während die Ideologen meinen, das ginge halt gar nicht, sonst käme es ja nicht zu einer Entscheidung und die müsse nun schon mal von dem Chef getroffen werden. Ich halte beides für Unsinn. Also zum einem ist die Demokratie ja für einen ganz anderen Zweck geschaffen, bzw. hat sich eher für einen ganz anderen Zweck entwickelt. Nämlich für den der Verträglichkeit. Also in einer gesellschaftlichen Gruppe sich nicht die Köpfe einzuschlagen. Das ist letztlich die große Errungenschaft von Demokratie. Scheinbar gibt es derzeit nichts besseres auf der Welt. Aber daraus abzuleiten, dass sich automatisch dadurch auch die besten wirtschaftlichen Entscheidungen treffen ließen hat …