Alle Artikel mit dem Schlagwort: Gehalt

Alle für einen und ein Gehalt für alle.

»Das ist ungerecht, einfach ungerecht!« Ich sitze in der Berliner S-Bahn, es ist Rush Hour. Der Mann neben mir beschwert sich lautstark am Handy bei einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer. Er ist wütend, echauffiert sich. Den Krawattenknoten hat er gelockert, er fährt sich durch die Haare, das Gesicht leicht gerötet. »Jetzt habe ich drei Monate an dem Entwurf gearbeitet, Überstunden ohne Ende – und was ist der Dank? Der Müller, von dem fast keine Ideen selbst stammen, der mich ständig um Rat gefragt hat, heimst am Ende die Laudatio ein!« Er redet sich in Rage. »Und das Beste ist: er bekommt auch noch einen satten Bonus dafür.« Ich weiß genau, wie der junge Mann diesen Mittwoch und vielleicht die ganze Arbeitswoche beendet. Frustriert, enttäuscht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Folge? Er wird voller negativer Gefühle am nächsten Morgen in die Bahn steigen – plötzlich fehlt ihm Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Aber dieses Unternehmen, das in Arbeitskräfte investiert, macht es doch völlig richtig: Es belohnt einen Mitarbeiter, der gute Leistung abliefert. Oder …

Wrong Turn – Wenn Menschen mit Kaffeemaschinen verwechselt werden!

Pläne sind etwas Wunderbares. Vor allem wenn sie von Politikern oder Managern erdacht werden. Denn da sind ja Profis am Werk: es kann also nichts schief gehen! Für Politiker und Wirtschaft besonders wichtig: Mit einem genauen Plan haben sie die Zukunft im Griff… zumindest wenn der Plan aufgeht. Interessanterweise tut er das meistens nicht. Und das hat einen Grund!Es war eigentlich eine gute Idee: durch Pfand Müll vermeiden. Deshalb hatte das Bundesumweltministerium am 1. Januar 2003 das Flaschenpfand für Einwegflaschen eingeführt. Ziel war es, die Menschen dazu zu bewegen, umweltfreundliche Mehrwegflaschen zu kaufen. Zwar waren nun beide Flaschenarten mit Pfand belastet: auf Mehrwegflaschen entfielen aber nur 15 Cent, auf Einwegflaschen hingegen 25 Cent. Der logische Schluss: die Menschen würden die Finger von den umweltschädlichen Einwegflaschen lassen und lieber Mehrwegflaschen kaufen. Oben 10 Cent Unterschied einwerfen – unten umweltfreundliches Verhalten rausbekommen – wie bei einer Kaffeemaschine: Oben Knopf drücken, unten Tasse drunterstellen. Kaffee fertig. Und hat es funktioniert? Wrong Turn! Von 60 Prozent Mehrweg-Anteil im Jahr 2003 ging es abwärts bis der Anteil 2008 nur noch …

Schießt Winterkorn Tore?

Heute war ein besonderer Sonntag: ich saß alleine beim Frühstück in der Sonne und las Zeitung. In der Frankfurter Sonntagszeitung hieß eine Überschrift im Wirtschaftsteil über dem Photo von Lionel Messi: »Dürfen Topmanager ihre Gehälter an Star-Gagen messen?« Na klar, hieß die Pro-Meinung, schließlich bringe der VW-Chef der Menschheit mehr ein als jeder Kicker. Im Contra-Artikel hingegen lautet die Einschätzung. »Martin Winterkorn ist toll. Lionell Messi ist einzigartig.« Man mag sich wundern, aber die Argumente der Befürworter- wie der Gegnerseite haben eine verblüffende Überschneidung: beide sind unsäglicher Quatsch. Wenn VW-Chef Martin Winterkorn 17 Millionen Euro verdient, regen sich viele auf. Wenn Fußballer Lionel Messi 33 Millionen kassiert, rührt sich niemand. So lautet der Teaser der FAS und zwei Redakteure geben sich reichlich Mühe, eine konträre Meinung zu begründen. Das gelingt Ihnen journalistisch klar und routiniert. Allerdings sind ein paar zentrale Denkfehler bei beiden Herren sichtbar. Auf der Pro-Seite schreibt Patrick Bernau beispielsweise »Für Martin Winterkorn gibt VW zwar extrem viel Geld aus, aber ein guter Vorstandschef bringt auch dem ganzen Konzern extrem viel ein.« Schon …

»Spinnen die – oder sind die genial?«

Es passiert gerade etwas Interessantes. Die großen Wirtschaftsmedien des Landes klopfen an unsere Tür. Und warum? Weil wir bei V&S unser Bonussystem und die Gehaltsverhandlung abgeschafft haben. Ich habe ja schon 1-2 mal kurz darüber geschrieben. Gehalt und Urlaub nach eigenem Ermessen – aber mit sozialer Kontrolle. Das sorgt offenbar für enorme Resonanz – und für ein sehr interessantes Feedback. Alles nur ein PR-Gag, fragen sich sogar manche Leser… Ich war kürzlich zum ersten Mal im Aufnahmestudio eines Radiosenders. »1live« hatte zum Interview gebeten. Thema: Wie läuft das mit dem V&S-Gehaltssystem? Spannende Sache. Reden bin ich ja gewohnt. Aber nicht, dass ohne ein freundliches Schlusswort die Leitung gekappt wird. Ende des Gesprächs. Aber so ist das, die Leitung war bis Punkt 16.00 Uhr gebucht, und dann ist eben Schicht. Sehr interessant am Schluss: Die Techniker hatten jede Menge Fragen: Man sucht sich sein Gehalt wirklich selbst aus? Echt? Ich: »Ja.« Das nutzt doch jeder aus. Ich: »Nein.« Das ist übrigens ein Einwand, der bei jedem Interview bisher zur Sprache kam – ob mit der Financial …