Alle Artikel mit dem Schlagwort: Ideen

Weil Leistung eben nicht gleich Leistung ist

Wie fatal ist das denn? Offensichtlich sind nicht einmal Weltkonzerne wie Microsoft davor gefeit, sich unzeitgemäßen Überlegungen zu unterwerfen. Da hat der Software-Gigant doch tatsächlich ein Add-on für Microsoft Office auf den Markt gebracht, das sich »Workplace Analytics« schimpft. Besagtes Produkt analysiert, wie viel Zeit ein Mitarbeiter auf das Schreiben von E-Mails oder in Besprechungen verwendet. Erträumtes Ende vom Lied: Die Führungskräfte sollen so ihre Prozesse optimieren und die Produktivität und Motivation ihrer Teams erhöhen können. Nettes Spielzeug. Allerdings herzlich unbrauchbar und toxisch. Dass ein Vorgesetzter durch diese Datenauswertung nur der Illusion verfällt, die totale Überwachung und Kontrolle über sein Team zu haben, davon möchte ich hier gar nicht erst anfangen. Dass dem Ganzen vor allem aber auch ein ganz zentraler, noch aus dem Fabrik- und Industriezeitalter stammender Denkfehler zugrunde liegt, scheint beim IT-Riesen bisher nicht angekommen zu sein. Dabei sollte längt klar sein: »Leistung = Zeit« war vorgestern. Der gute, alte Henry Natürlich gibt es noch Jobs, auf die diese einfache Gleichung anwendbar ist – vorne schnell Teile rein, damit hinten schnell viele fertige …

Ideen gewünscht, Denker gelyncht

In Stellenbeschreibungen und auf Recruiting-Websites spucken viele Unternehmen große Töne und sehnen sich – so zumindest könnte der Text das suggerieren – Andersdenkende und Quereinsteiger herbei. Mitarbeiter und Führungskräfte, die Ideen und einen frischen Blick mit ins Unternehmen bringen. Klingt vielversprechend. Und zeigt, dass die Unternehmen natürlich schon längst verstanden haben, dass Diversifikation auf über die Geschlechterwahl hinaus für Erfolg förderlich ist. Es vergeht auch kein Interview mit den Personalverantwortlichen, in dem nicht hervorgehoben wird, dass Quereinsteiger (was sind das eigentlich ganz genau, diese komischen Quereinsteiger?) eine Chance auf Einstellung haben und dass kreative Köpfe besonders gesucht werden. Doch korrigieren Sie mich, wenn mich mein Eindruck täuscht: Wer aufmerksam das Kleingedruckte liest, merkt schnell, dass sich der Wunsch nach Diversifikation auf Männer und Frauen und vielleicht noch auf unterschiedliche fachliche Qualifikationen bezieht. Andersartige Gedanken? Nein, die sollen bitte schön zu Hause bleiben! Und wenn sich doch mal ein Andersdenkender ins Unternehmen schleicht, stehen schon jede Menge Instrumentarien bereit, die dessen bedrohlichen exotischen Gedanken Einhalt gebieten. Verständlich: Denn neue Gedanken sind nichts anderes als eine Provokation für das bestehende System. …

Ep. 57 Ideen sind wie hässliche Kinder

Die Episode 57 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Viele Unternehmen verfallen ja immer wieder in die Denkfalle, dass es gute und schlechte Ideen gäbe. Ich sehe das anders: Ideen sind immer Geburten menschlicher Psyche, also sie kommen aus einem Individuum heraus. Sie sind nicht prozessierbar. Sie kommen oder sie kommen nicht. Und Ideen sind immer erstmal hässliche Kinder, die nur dadurch gut oder schlecht werden, in dem sie durch einen sozialen Prozess durchgehen. Ideen brauchen Gruppen, sie brauchen Menschen, sie brauchen  Experten, sie brauchen Gegner, sie brauchen Befürworter, um quasi sozial ausgehandelt zu werden. Und am Ende dieses Prozesses steht dann das, was gemeinhin als Innovation bezeichnet wird. Und ob die erfolgreich ist oder nicht, ist von einem Einzelnen sowieso nicht zu entscheiden, sondern – das ist trivial – nur durch Erfolg oder Misserfolg am Markt. Das heißt im Umkehrschluss: es muss möglichst viele Individuen geben in einem Unternehmen, die die Ideen formulieren, formulieren können und formulieren dürfen. Nicht jede Person hat Ideen – immer. Aber so viele Menschen wie möglich einzuladen, ist der Weg, viele …