Alle Artikel mit dem Schlagwort: Komplexität

Es gibt keine dumme Fragen … falsche aber schon!

Wenn ich von Wrong Turns spreche, wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie sich Wrong Turns denn in Right Turns verwandeln lassen. Wie sich Manager stattdessen verhalten sollen oder wie das Unternehmen anders gestaltet werden kann. Da kommen dann so Ausrufe wie: »Keine Assessment Center mehr? Wie sollen wir denn dann geeignete Mitarbeiter finden, ohne ein Vermögen dafür auszugeben?« »Keine Pläne mehr machen und deren Einhaltung fordern? Wir arbeiten in der Realwirtschaft, Herr Vollmer, wie sollen denn dann Ziele erreicht werden?« »Nicht mehr nach bewährten Mustern agieren? Wie sollen wir denn sonst handeln?« Genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten, damit Sie nicht in einen neuen Wrong Turn schlittern. Denn solche Fragen zielen darauf, ab, das alte Rezept einfach gegen ein neues einzutauschen. Dabei funktionieren Rezepte in der komplexen Welt ja gar nicht, weil sie einer simplen Wenn-Dann-Logik folgen. Neue Rezepte sind genauso toxisch wie alte. Was also tun? Ich schlage vor: Stellen Sie die richtigen Fragen! Klar, als Kind wurde mir gesagt, es gäbe keine dummen Fragen. Und das stimmt vermutlich auch. Aber …

Sprache der Wirtschaft: Fehlen Ihnen die Wörter?

»Lassen Sie uns doch Herrn Graflich ins Boot holen.« »Gute Idee, der hat Erfahrung darin, neue Projekte aufzusetzen.« »Ja, ich denke, er wird schon die richtigen Weichen stellen und alles in geordnete Bahnen lenken.« Ach ja, die Sprache der Wirtschaft. So richtig schön mechanistisch. Und vor 30-40 Jahren war diese Sprache auch noch zeitgemäß. Da konnten man Organisationen noch unbeschadet wie Maschinen denken – aus A folgt B, alles schön linear, Klick-Klack. Nur ist Denkweise heute eben gefährlich geworden. Auch wenn die Phrasen aus einer veralteten Zeit stammen, sind sie doch nur Wörter. Und Wörter sind nichts als Schall und Rauch? Ja, das hat mir damals in der Schule mein Erdkundelehrer erzählt. Heute weiß ich aber: Das ist Blödsinn! Sprechen ist nun mal fest mit dem Denken verkabelt. Das soll bedeuten: Wir denken, wie wir sprechen, und wir sprechen, wie wir denken. Die mechanistische Sprache ist also nicht deshalb ein Problem, weil die Wörter eine falsche Metapher für den Sachverhalt sind, sondern weil hinter diesen Wörtern eine falsche Denkweise steckt – nämlich eine tayloristische. Und wer tayloristisch …

Kultur ist wie Liebe – Warum Change-Management eine mission impossible ist

Ändern Sie Ihre Kultur! Möglichst schnell! – Als ich diesen Appell im Harvard Business Manager gelesen habe, musste ich lachen … Den gezielten »Kulturwandel« als Quelle von Innovation und Eigenverantwortung zu beschwören, scheint eine richtige Mode geworden zu sein. Unzählige Blogger, Journalisten und Managementberater blasen in dieses Horn: Wenn ihr kreative und selbstständige Mitarbeiter wollt, liebe Unternehmen, dann ändert eure Kultur! Setzt Change-Programme auf! Die Verheißung: Das müsse gar nicht Jahre dauern. Wenn man nur allen Mitarbeitern klar sagen würde, wie sie sich zu verhalten haben … Tja. Da sag ich nur: Wrong Turn! So funktioniert es halt nicht. Die Jungs verwechseln ganz offensichtlich Kompliziertes mit Komplexem, sie verwechseln Wissen mit Können und Verhaltenskultur mit der Wertekultur. Menschen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben – nämlich entsprechend der Vision, Mission und des Leitbildes des Unternehmens – ist leicht. Ein Workshop oder ein paar Meetings und die Sache ist erledigt. Dazu noch ein paar disziplinarische Maßnahmen und fertig ist eine Verhaltenskultur. Jetzt weiß jeder, wie er sich verhalten muss, ohne seine Mitgliedschaft im Unternehmen zu riskieren. Aber dadurch …

Die Sache mit dem Mindestlohn

Jetzt haben Sie ihn, den Mindestlohn. Natürlich auch ich. Beantwortet wird das richtige Problem mit dem falschen Denkansatz. Ob das ein Erfolg werden kann? Selbst der weniger fleißige Nachrichtenleser kam im letzten Jahr nicht an der Debatte um dessen Einführung vorbei. Die einen forderten ihn lauthals, die anderen fanden, er wäre das Schlimmste, was der deutschen Wirtschaft passieren könnte. Verstehen kann ich beide Seiten. Jede hat ihre Motive und gute Argumente. Jetzt ist er da – und trifft nicht nur die Befürworter, nicht nur die Taxifahrer, Haarkünstler und Burgerwender, die sich über mehr Lohn freuen können. Er trifft alle. Sowohl die Hartz-4-Empfänger als auch die Großverdiener, die jetzt mehr für ihr Brot zahlen müssen, weil der Bäcker die gestiegenen Kosten für sein Verkaufspersonal auf seine Produkte abwälzt. Genauso wie die McDonalds-Mitarbeiter, die jetzt sogar weniger Geld verdienen als vorher, weil ihnen der Tarifvertrag gekündigt wurde. Keine Nacht- und Wochenendzuschläge mehr, kein Urlaubsgeld. Da wird jetzt gedreht und gewendet, wo es nur geht, um die Personalkosten auszugleichen. War das das Ziel des Gesetzes? Sicherlich nicht. Aber so …

Die Kunst, später anzufangen, um früher fertigzuwerden

Termintreue ist eine der größten Stärken deutscher Unternehmen? Nach außen hin sicher. Die meisten Unternehmen sind deshalb nach außen hin gegenüber dem Kunden termintreu, weil sie einen unglaublichen Aufwand betreiben. Heerscharen von Leuten sind am Werk, Ad-hoc-Teams aus internen und externen Arbeitskräften leisten zahllose Überstunden, es gibt Krisensitzungen, es gibt die unterschiedlichsten Pläne, die aufgestellt, umgeworfen, neu erstellt und wieder umgeworfen werden, es gibt besorgte Anrufe von Kunden beim Geschäftsführer, beruhigende Anrufe des Geschäftsführers beim Kunden, es gibt Ärger und Druck, Belohnungen werden versprochen für den Fall, dass doch noch alles klappt, es gibt Höchstleistung, Frust, Workarounds, Ad-hoc-Lösungen, Geistesblitze, Teamgeist, Rettungstaten, alles geht durcheinander, kurz, mit enormem Aufwand und Verschleiß, zu erheblichen Kosten und mit Müh und Not wird der Termin tatsächlich gehalten. Aber eigentlich ist das keine Termintreue. Im Kern sind nur wenige Produktionssysteme aus sich heraus in der Lage, Termintreue zu erzeugen. Was kann ein Chef aber tun, um Termintreue zu schaffen? Der Lösung auf die Spur kommen Sie, wenn Sie sich genau ansehen, wie die Manager und alle Beteiligten auf die anhaltenden …

Der Oktober im August

Das wohl unnützeste Produkt, das der boomende Hobbygärtner-Markt hervorgebracht hat, ist der Laubsauger. Sie kennen diese Höllenmaschinen bestimmt aus der Nachbarschaft. Meistens beginnt diese akustische Umweltverschmutzung genau zur Mittagsruhe – zwischen 13 und 15 Uhr – und hält dann stundenlang an. Gern erinnere ich mich an den Laubsauger des Herstellers, der eine Zeitlang unser Klient war. Das günstigste Gerät aus seiner Produktion kostete im Handel 98 Euro und war deshalb nicht unbedingt ein Schnelldreher. Vor einiger Zeit hatte Aldi mal wieder ein tolles Aktionsangebot: ein Laubsauger der Marke Top Craft für unter 50 Euro. Wie immer, wenn ein Schnäppchen scharenweise Kunden in die Filialen des Lebensmitteldiscounters lockt, war das Ding sehr schnell ausverkauft. Sehr schnell, das heißt nach spätestens drei Stunden. Freizeitgärtner, die später kamen, hatten das Nachsehen. Was dann passierte, hatte kein Vertriebsmanager voraussehen können. Es war Mitte September, kurz vor der Herbstsaison. Bei Aldi waren die Geräte alle weg. Also ging der gemeine Hobbygärtner in den Baumarkt, um sich dort nach Alternativen umzusehen. Auch wenn er jahrelang bestens ohne Laubsauger ausgekommen war – …

Wenn zwei sich streiten...

Wenn zwei sich streiten…zahlt ein Dritter

Im Moment herrscht Funkstille zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Die beiden Parteien konnten sich im Streit um die geforderten 5% Gehaltserhöhung für Lokführer und Begleitpersonal immer noch nicht einigen. Die GDL will die Entscheidungsvollmacht über Tarifverträge für alle Angestellten, die Deutsche Bahn möchte das Heft nicht aus der Hand geben. Diskutiert wurde viel, getan bisher wenig. Bei dieser Debatte gibt es etwas, was mich wirklich stört. Ein Aspekt, über den keine Zeitung berichtet: Die Tatsache, dass eine kleine Gruppe in ein komplexes System eingreift, um die eigenen Interessen durchzusetzen – ohne sich darum zu scheren, wie sie dem Gesamtsystem damit schadet. Ob die 5% Gehaltserhöhung gerechtfertigt sind oder nicht, mag den einzelnen Lokführer interessieren. Diese Frage ist im größeren Kontext aber ziemlich irrelevant. Viel wichtiger ist der Einfluss des Streiks auf die Wirtschaft. Und der ist gewaltig. Ab einem ununterbrochenen 3-Tage-Streit ist laut Institut der deutschen Wirtschaft mit Produktionsunterbrechungen in der Industrie zu rechnen. So entstehen mehr als 100 Millionen Euro Schaden – PRO TAG!  Das dürfen Sie sich auf der Zunge zergehen …