Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kompliziertheit

Einen Stadtplan gefälligst? – Wie Best Practice zur Falle wird

Best Practice-Berichten anderer nachzueifern, ist wie in Berlin mit dem Stadtplan von Köln herumzulaufen. Sie verrennen sich garantiert! Mit fällt gerade mal wieder auf, wie viele Fachkonferenzen es eigentlich gibt. Zu wie vielen werden Sie eigentlich eingeladen? Ich bekomme täglich sicherlich drei bis fünf Einladungen. Also müssen doch im Schnitt auch täglich drei bis fünf Konferenzen stattfinden. Und das alleine in meinem erweiterten Interessensgebiet. Denn Einladungen zu Konferenzen der Druckindustrie, des Bäckereihandwerks oder zur wirtschaftlichen Entwicklung einer Metropolregion bekomme ich nur als Speaker, nicht als Gast. Für Veranstalter scheint das wichtigste Kriterium, um Teilnehmer für kommerzielle Veranstaltungen zu gewinnen, ein Angebot an möglichst vielen »Best Practice«-Berichten zu sein. ›Praktiker für Praktiker‹ heißt die Devise und die am Rednerpult sollten dann schon die Besten sein, bzw. über eine ganz außergewöhnliche »Best Practice«-Lösung berichten. Die Konferenzveranstalter wissen hier zuverlässig den Nerv ihrer Kunden getroffen zu haben, denn diese goutieren die vielen Praktikerberichte mit guten und die wenigen vermeindlichen Theorie-Vorträgen mit eher mäßigen Feedbacks auf den 4-seitigen Fragebögen, die am Abschluss jeder Konferenz ausgeteilt, ausgefüllt und brav ausgewertet …

Warum sollten wir Ihnen eigentlich glauben?

Wem glauben Sie eigentlich? Also im Business, nicht privat. Von wem nehmen Sie Rat an, wer darf Sie inspirieren? Es sollte schon ein Experte seines Fachs sein, nicht wahr? Falls Sie den Grund nicht genau kennen, dann sollten Sie Ihren Gegenüber unbedingt mal fragen, warum Sie ihm glauben sollten. So geschah es mir vor kurzem… Wie jeder Beruf, der sich in der Öffentlichkeit abspielt, so bringt auch meiner, der des Professional Speakers, einige mitunter grotesk anmutende Anekdoten hervor. Allein die Vielfalt der erlebten Moderatoren und deren Anmoderationen sind ein Thema für einen langen und weinseligen Abend. Für dieses Metier gibt es natürlich absolute Profis. Meinen GSA-Kollegen Christian Galvez beispielsweise oder die wirklich hervorragende Iha Gräfin von der Schulenburg, mit der ich vor kurzem in Düsseldorf bei einem Kongress zusammenarbeiten durfte. Eine intelligente Variante der Anmoderation selber ist das Einstiegsinterview. Bei diesem wird nach 1-2 biographischen Sätzen der Ankündigung der Redner bereits aufs Podium gebeten und der Moderator stellt einige mehr oder weniger provozierende Fragen, um dem Publikum den Referenten vorab etwas näherzubringen. So geschehen auch …

Maschinenbauers Denkfehler der schwierigen Kunden

Maschinen- und Anlagenbauer, die sich über Ihre wankelmütigen Kunden beschweren, tappen in eine Denkfalle. Der Wunsch nach vollständig geklärten Aufträgen vom Kunden und technisch einheitlichen Produkten führt eher zum Insolvenzrichter als vor die Fabrik-des-Jahres Jury. Die Ursache liegt im Festhalten an einem alten Dogma, das immer noch mantraartig verbreitet wird. Die Beziehung von mitteleuropäischen Maschinen- und Anlagenbauern zu Ihren Kunden ist eine ganz spezielle. In meiner Wahrnehmung ist es häufig eine Hassliebe. Natürlich, alle wissen, dass die Kunden für ein auskömmliches Leben der Mitarbeiter und Eigentümer sorgen. Und der Kunde ist König – na klar. Sagt man so, steht auch in den Leitlinien des Unternehmens. Trotzdem: er nervt. Mancher Kunde weiß noch nicht einmal genau, was er wirklich haben will, bestellt aber schon mal. Im Verlaufe der nächsten Tage kläre sich angeblich der »kleine Rest« an Details. Wer’s glaubt… Andere Kunden schicken erst mehrere hundert Seiten Spezifikation, um diese dann nach Auftragsbestätigung mehrmals nach Herzenslust zu modifizieren. Natürlich bleibt der Liefertermin unberührt. Wieder andere Kunden wählen aus dem technischen Katalog des Herstellers artig die gewünschten …

Schießt Winterkorn Tore?

Heute war ein besonderer Sonntag: ich saß alleine beim Frühstück in der Sonne und las Zeitung. In der Frankfurter Sonntagszeitung hieß eine Überschrift im Wirtschaftsteil über dem Photo von Lionel Messi: »Dürfen Topmanager ihre Gehälter an Star-Gagen messen?« Na klar, hieß die Pro-Meinung, schließlich bringe der VW-Chef der Menschheit mehr ein als jeder Kicker. Im Contra-Artikel hingegen lautet die Einschätzung. »Martin Winterkorn ist toll. Lionell Messi ist einzigartig.« Man mag sich wundern, aber die Argumente der Befürworter- wie der Gegnerseite haben eine verblüffende Überschneidung: beide sind unsäglicher Quatsch. Wenn VW-Chef Martin Winterkorn 17 Millionen Euro verdient, regen sich viele auf. Wenn Fußballer Lionel Messi 33 Millionen kassiert, rührt sich niemand. So lautet der Teaser der FAS und zwei Redakteure geben sich reichlich Mühe, eine konträre Meinung zu begründen. Das gelingt Ihnen journalistisch klar und routiniert. Allerdings sind ein paar zentrale Denkfehler bei beiden Herren sichtbar. Auf der Pro-Seite schreibt Patrick Bernau beispielsweise »Für Martin Winterkorn gibt VW zwar extrem viel Geld aus, aber ein guter Vorstandschef bringt auch dem ganzen Konzern extrem viel ein.« Schon …