Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kontext

Ep. 69 – Warum wir nicht tun, was wir wissen

Episode 69 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wwarum fällt es uns so schwer, die Dinge die wir wissen, auch anzuwenden. Wir haben es uns irgendwie zur Gewohnheit gemacht, immer Individuen dafür verantwortlich zu machen, wenn etwas großartig läuft oder wenn etwas scheitert. Wir suchen uns dann die Helden, die Tolles geschafft haben oder wir einigen uns auf die Feindbilder, die angeblich dafür gesorgt hätten, dass alles nicht klappt. Dabei übersehen wir einen wesentlichen Punkt: nämlich, dass das Handeln unserer Gesellschaft immer von den ungeschriebenen Spielregeln abhängig ist, die manche ›Kultur‹ nennen und wieder andere nur schlicht ›Kommunikation‹. Und wir übersehen, dass wir als Menschen nicht die Autoren dieser Spielregeln sind. Die entwickeln sich vielmehr, man könnte sagen hinter unserem Rücken und wir stehen dann irgendwann staunend davor. Und wenn wir diese ändern wollen und wenn wir es anpacken wollen und wenn wir starten wollen, müssen wir an genau diese Spielregeln ran und die lassen sich durch den Kontext verändern, in dem wir alle leben. Wenn wir z.B. wollen, dass wir mehr Mehrweg-Flaschen benutzen anstatt Einweg-Flaschen, dann können …

Neues Jahr, neues Glück – warum Appelle für die Tonne sind

Der Jahreswechsel ist für uns alle etwas Besonderes. Zwar kann nicht jeder der Silvester-Nacht etwas abgewinnen (so wie ich), aber für fast alle hat der Auftakt zu 12 neuen Monaten etwas Positives. Es scheint, als wenn alle ab dem 11. Januar (manche schon ein paar Tage früher) wieder bei »Los« starten. Die Karten sind neu gemischt und die Hoffnung auf Erfüllung der eigenen guten Vorsätze und fremdgesteckten Vorgaben wieder groß. Neues Jahr, neues Glück. Oder doch nicht? Sie werden sich doch sicher auch etwas vorgenommen haben, oder? Macht doch jeder. Ein liebgewonnenes Ritual. ›Rauchen abgewöhnen, mehr Sport, gesünder essen…‹ Und klappt’s auch? Manchmal schon. Meistens nicht! Und obwohl fast jeder diese Erfahrung aus seinem Privatleben kennt, wird trotzdem auch im beruflichen Umfeld jetzt wieder hemmungslos ›Uns-Vorgenommen‹. Am besten gleich für die ganze Organisation. Das heißt dann natürlich anders: Ziele. Oder Strategien. Manchmal auch Pläne. Konkret dann: ›Unnötige Meetings abschaffen, mehr Innovationen, bessere Kommunikation…‹ oder ähnliches. Und klappt’s auch? Manchmal schon. Meistens nicht! Motivationsgurus und Wirtschaftszeitungen empfehlen sie uns immer wieder: die Mental-Strategien gegen den eigenen inneren …

Ihr Menschenbild ist Ihre Entscheidung

Ihr Menschenbild ist Ihre Entscheidung!

»Also ich weiß nicht, wo Sie Ihr Menschenbild herhaben.« Ha, ich muss grinsen. Die gleiche Frage geht mir nämlich auch durch den Kopf, als bei der Podiumsdiskussion ein Fragesteller aus dem Publikum meint: »Das ist ja nett mit Ihrem offenen Gehaltssystem, aber wir kennen das doch alle schon aus der Schule: es gibt immer ein paar wenige Kluge, die mitziehen; ein paar mehr, die nicht weiter stören und der Rest, das sind alles Nasen. Mit solchen Leuten geht das doch nicht.« Und dann frage ich mich noch: Wenn seine Leute anscheinend überwiegend nichts taugen, warum hat er sie dann eingestellt? Und warum besucht er eine Podiumsdiskussion zum Thema ›Organisation im Wandel‹, wenn sein Menschenbild doch eh jeglichem Wandel im Weg steht Der faule Mitarbeiter? Die Sache ist doch die: Mit einem derartig paternalistischen und – ja man muss es schon so klar aussprechen: dummen Menschenbild kann kein Mensch eine moderne, verantwortungsbewusste und dynamikrobuste Organisation aufbauen. Wer denkt, dass er nur Mitarbeiter im Unternehmen hat, die von extern durch Incentives oder Strafandrohung zur Arbeit motiviert, geführt und gelenkt werden müssen, die keinen Eigenantrieb …

Das Meer ist blöd - Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd – Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd! Meine Tochter ist enttäuscht. Sie hatte sich so auf das Meer in Barcelona gefreut. Aber jedes Mal, wenn sie an diesem windigen Tag ins Meer hüpft, schlagen ihr die Wellen entgegen und sie bekommt das salzige Wasser in den Mund. Kein Wunder. Sie reißt ja auch jedes Mal den Mund auf und schreit juchzend »Aaaah«. Und weil das Wasser auch auf mehrmaliges Bitten und Flehen nicht aufhört, Wellen zu schlagen, und das Salz ebenfalls nicht daran denkt, den Rückzug anzutreten, das endgültige Fazit: Meer = doof. Aber sie ist ja noch ein Kind, könnte ich einschränken. Keine Kinder sind es entgegen, die in Gesprächen, auf Podien oder in Postings im Netz Sätze fallen lassen wie: »Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur in unseren Unternehmen.« »Wir müssen den Mut aufbringen, mehr Innovationen zu wagen.« »Wir brauchen mehr Vertrauen im Unternehmen.« Die moralischen Forderungen hören natürlich am Zaun des Unternehmensgeländes nicht auf. Die gehen weiter: in die Politik (»Wir brauchen eine Willkommenskultur in Deutschland.«), in die Familien (»Familien müssen sich wieder stärker an christlichen Werten …

Wenn zwei sich streiten...

Wenn zwei sich streiten…zahlt ein Dritter

Im Moment herrscht Funkstille zwischen der GDL und der Deutschen Bahn. Die beiden Parteien konnten sich im Streit um die geforderten 5% Gehaltserhöhung für Lokführer und Begleitpersonal immer noch nicht einigen. Die GDL will die Entscheidungsvollmacht über Tarifverträge für alle Angestellten, die Deutsche Bahn möchte das Heft nicht aus der Hand geben. Diskutiert wurde viel, getan bisher wenig. Bei dieser Debatte gibt es etwas, was mich wirklich stört. Ein Aspekt, über den keine Zeitung berichtet: Die Tatsache, dass eine kleine Gruppe in ein komplexes System eingreift, um die eigenen Interessen durchzusetzen – ohne sich darum zu scheren, wie sie dem Gesamtsystem damit schadet. Ob die 5% Gehaltserhöhung gerechtfertigt sind oder nicht, mag den einzelnen Lokführer interessieren. Diese Frage ist im größeren Kontext aber ziemlich irrelevant. Viel wichtiger ist der Einfluss des Streiks auf die Wirtschaft. Und der ist gewaltig. Ab einem ununterbrochenen 3-Tage-Streit ist laut Institut der deutschen Wirtschaft mit Produktionsunterbrechungen in der Industrie zu rechnen. So entstehen mehr als 100 Millionen Euro Schaden – PRO TAG!  Das dürfen Sie sich auf der Zunge zergehen …