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Ep. 47 Die versaute Sprache der BWL

Episode 47 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wörter sind wie Schall und Rauch – hat mein Erdkundelehrer immer gesagt. Und jetzt hat es fast tatsächlich 30 Jahre gedauert bis ich endlich weiß, wie unrecht der Mann hatte. Denn Sprache prägt natürlich in erheblichem Maße unser Denken. Gern auch anders rum: Denken prägt unsere Sprache. Und wenn wir uns unsere Wirtschaftssprache heute anschauen, dann ist es ganz erschreckend, wie durchsetzt sie von mechanistischen Denken ist. Wir hören da Begriffe wie »ins Boot holen« oder »in die richtigen Bahnen lenken« oder »die Weichen stellen«. Als wenn das Unternehmen eine Lokomotive wäre. Oder »to fix a problem« – »ein Problem lösen«, als wenn es ein Schnürsenkel wäre oder ein Knoten. Die BWL, mit Verlaub, die hat uns da scheinbar schon sehr versaut. Denn sie hat uns irgendwie eingebläut oder einbläuen wollen, dass Unternehmen, Organisationen, ja fast schon die ganze Wirtschaft am Markt wie eine Maschine zu denken wäre. Eben wie eine Lokomotive, wie eine Waschmaschine, wie eine Saftpresse. Aber mit diesem Denken werden wir heute zunehmend immer wieder …

Sprache der Wirtschaft: Fehlen Ihnen die Wörter?

»Lassen Sie uns doch Herrn Graflich ins Boot holen.« »Gute Idee, der hat Erfahrung darin, neue Projekte aufzusetzen.« »Ja, ich denke, er wird schon die richtigen Weichen stellen und alles in geordnete Bahnen lenken.« Ach ja, die Sprache der Wirtschaft. So richtig schön mechanistisch. Und vor 30-40 Jahren war diese Sprache auch noch zeitgemäß. Da konnten man Organisationen noch unbeschadet wie Maschinen denken – aus A folgt B, alles schön linear, Klick-Klack. Nur ist Denkweise heute eben gefährlich geworden. Auch wenn die Phrasen aus einer veralteten Zeit stammen, sind sie doch nur Wörter. Und Wörter sind nichts als Schall und Rauch? Ja, das hat mir damals in der Schule mein Erdkundelehrer erzählt. Heute weiß ich aber: Das ist Blödsinn! Sprechen ist nun mal fest mit dem Denken verkabelt. Das soll bedeuten: Wir denken, wie wir sprechen, und wir sprechen, wie wir denken. Die mechanistische Sprache ist also nicht deshalb ein Problem, weil die Wörter eine falsche Metapher für den Sachverhalt sind, sondern weil hinter diesen Wörtern eine falsche Denkweise steckt – nämlich eine tayloristische. Und wer tayloristisch …