Alle Artikel mit dem Schlagwort: Moral

Die letzte Geschichte, die Sie sich jemals erzählen lassen

Die letzte Geschichte, die Sie sich jemals erzählen lassen

Guten Tag, mein Name ist Lars Vollmer und ich bin heute Ihr Geschichtenerzähler. Doch seien Sie gewarnt: Das ist die letzte Geschichte, die Sie sich jemals erzählen lassen werden … Nun gut, es sind drei Geschichten. Und der eigentlich spannende Teil ist wie immer: die Moral von der Geschicht’. Die Geschichte ist spannend! Ein paar Worte zur Einleitung, damit Sie diesen wichtigsten Teil auch verstehen: Einerseits finde ich Moral zum Kotzen. Und andererseits, so im Prinzip, finde ich Moral ganz toll. Und nein, das ist kein Widerspruch. Unsere Gesellschaft ist schon seit längerem ziemlich ausdifferenziert in diverse Subsysteme, die gar nicht unbedingt etwas miteinander zu haben müssen. Wenn Sie sich z.B. als Schöffenrichter im Rechtssystem bewegen, können Ihnen die Sozialsysteme Sport oder Religion weitestgehend egal sein. Und Sie werden auch wenig von der Wirtschaft oder dem gesellschaftlichen Subsystem Kunst behelligt, wenn Sie gerade als Lehrerin dreißig hochbegabten Teenagern in einer staatlichen Schule die Photosynthese beibringen. Aber von einem System machen wir alle quasi jederzeit Gebrauch: der Moral. Wir können nicht moralfrei leben, noch nicht einmal …

Der moderne Paternalismus – ein Drama in zwei Akten

Paternalismus gibt es nicht erst, seit Der Pate über die Kinobildschirme der 70er Jahre geflackert ist. Und wohl weil Marlon Brando, Al Pacino und überhaupt der ganze Film so ein Hit waren – haben wir die Patriarchen á la Don Vito Corleone einfach mit ins 21. Jahrhundert genommen! Seufz … Wenn sich Zwang und Liebe treffen Ich stöhne, weil Patriarchen nur ein Auswuchs des Paternalismus (Paternalismus – von lateinisch »pater« = Vater ), einer sehr verbreiteten Herrschaftsform sind. In der breiten Gesellschaft ebenso wie in Unternehmen wird die väterliche Führung ganz vorzüglich und mit großer Freude an der Tradition angewendet. Aber die ›klassischen‹ Patriarchen sind nicht die einzigen, die sich mit der Ausübung von Paternalismus furchtbar wohlfühlen. Es gibt vielmehr zwei Formen, die im öffentlichen und im Business-Theater gerne die Hauptrollen spielen: Erster Akt: Die fürsorglichen Patriarchen Sie betreten die Bühne strotzend vor Wissen – dem Wissen, ›wie es geht‹. Ihren Mitarbeitern sagen sie, was wie zu tun ist und was sie lieber lassen sollen. Denn für jeden, der ihren Anweisungen Folge leistet, wird alles …

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

Die zwei großen Gegner von Verantwortung

Ich habe schon häufiger die Denk-Schlampigkeit gegeißelt, der wir so gerne verfallen, wenn wir Korrelation mit Kausalität verwechseln. Bei Boulevard-Überschriften wie »Verheiratete Männer leben länger« ist das noch lustig-anekdotisch. Bei der Aufforderung, sog. »Level 5-Führungskräfte« (Jim Collins in »From Good to Great«) zu etablieren, um anhaltenden wirtschaftlichen Erfolg zu ernten, wird aus dem humoristischen schnell etwas toxisches. In Wrong Turn habe ich diese Art Denkfehler als Dumme Irrtümer bezeichnet. Und wem diese dummen Irrtümer zu banal sind, für den gibt’s noch ein Upgrade, den professional Level: die Intelligenten Irrtümer. Es lassen sich nämlich durchaus Phänomene beobachten, die kausal etwas miteinander zu tun haben. Das heißt konkret: das eine Phänomen ist die Ursache für das andere. Wir bringen es korrekterweise in eine kausale Verbindung – aber die Richtung ist falsch. Daher der Intelligente Irrtum. Quasi Geisterfahrer mit Abitur. Am Beispiel der Entwicklungspolitik habe ich das vor einiger Zeit schon mal ausdekliniert. All diese Denkfehler – und noch viele mehr – stehen Verantwortung im Wege. Die Über-Vokabel Verantwortung ist in unserer Gesellschaft eine Art Über-Vokabel geworden, insbesondere im wirtschaftlichen …

Das Meer ist blöd - Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd – Wenn Moral an der falschen Stelle ansetzt

Das Meer ist blöd! Meine Tochter ist enttäuscht. Sie hatte sich so auf das Meer in Barcelona gefreut. Aber jedes Mal, wenn sie an diesem windigen Tag ins Meer hüpft, schlagen ihr die Wellen entgegen und sie bekommt das salzige Wasser in den Mund. Kein Wunder. Sie reißt ja auch jedes Mal den Mund auf und schreit juchzend »Aaaah«. Und weil das Wasser auch auf mehrmaliges Bitten und Flehen nicht aufhört, Wellen zu schlagen, und das Salz ebenfalls nicht daran denkt, den Rückzug anzutreten, das endgültige Fazit: Meer = doof. Aber sie ist ja noch ein Kind, könnte ich einschränken. Keine Kinder sind es entgegen, die in Gesprächen, auf Podien oder in Postings im Netz Sätze fallen lassen wie: »Was uns fehlt, ist eine Fehlerkultur in unseren Unternehmen.« »Wir müssen den Mut aufbringen, mehr Innovationen zu wagen.« »Wir brauchen mehr Vertrauen im Unternehmen.« Die moralischen Forderungen hören natürlich am Zaun des Unternehmensgeländes nicht auf. Die gehen weiter: in die Politik (»Wir brauchen eine Willkommenskultur in Deutschland.«), in die Familien (»Familien müssen sich wieder stärker an christlichen Werten …

Ep. 42 Demokratie im Unternehmen

Episode 42 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Derzeit wird ja wieder eine neue Organisationsdiskussion voller Inbrunst geführt, nämlich die, dass bzw. ob Unternehmen demokratisiert werden müssen. Nach meinem Dafürhalten vermischt sich da eine sehr moralische und eine zutiefst ideologische Überzeugung. Und die beiden treten dann gegen einander an. Die Moralisten argumentieren tendenziell so, dass es doch per se richtig sei — moralisch gefestigter und besser — wenn Mitarbeiter im Unternehmen intensiver beteiligt werden. Während die Ideologen meinen, das ginge halt gar nicht, sonst käme es ja nicht zu einer Entscheidung und die müsse nun schon mal von dem Chef getroffen werden. Ich halte beides für Unsinn. Also zum einem ist die Demokratie ja für einen ganz anderen Zweck geschaffen, bzw. hat sich eher für einen ganz anderen Zweck entwickelt. Nämlich für den der Verträglichkeit. Also in einer gesellschaftlichen Gruppe sich nicht die Köpfe einzuschlagen. Das ist letztlich die große Errungenschaft von Demokratie. Scheinbar gibt es derzeit nichts besseres auf der Welt. Aber daraus abzuleiten, dass sich automatisch dadurch auch die besten wirtschaftlichen Entscheidungen treffen ließen hat …

Auf der Premiere des Films "Augenhöhe" mit der Initiatorin Silke Luinstra

»Augenhöhe« – Laudatio und Film

Am vergangenen Freitag feierte in Hamburg der Film »Augenhöhe« vor rund 400 Premierengästen seine Erstaufführung. Ein Film über Vorreiter und Vordenker von New-Work. Das Projekt wurde auf einem Wevent von intrinsify.me geboren und ich hatte die große Freude, den Film inhaltlich einzuordnen und angemessen zu lobpreisen. Hier die Laudatio in gekürzter Fassung und natürlich der Film selber… »Was für ein wundervoller Abend – sicher kann sich jeder glücklich schätzen, hier zu sein und sich nicht den Rückrundenstart der Bundesliga antun zu müssen. Und, liebes Augenhöhe-Team, liebe Gäste, was für eine wunderbare Aufgabe, für Euch und Sie ein paar Worte zu sprechen. Der Abend ist schon jetzt – obwohl es außer rotem Teppich, warmer Worte und Britzelwasser noch gar nichts zu bestaunen gab – ein Spiegelbild der ganzen Augenhöhe-Initiative. Er ist ein Teil des Ergebnisses. Und er ist ein Teil der Magie, den Ihr, liebes Augenhöhe Team und Euer Zelluloid-Baby nun seit über einem Jahr bei uns allen erzeugt. Ihr habt uns gesagt, der Film wolle kein großes Fass aufmachen. Jeder von uns kann sich gleich selbst ein Bild machen, …