Alle Artikel mit dem Schlagwort: New Work

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

New Work – Doch nur eine Schnapsidee?

Ich glaube, nein, ich bin mir sicher, ich habe mich geirrt. Sonst bin es ja ich, der Denkfehler aufdeckt, doch diesmal ist mir wohl selbst einer unterlaufen. New Work – mehr Freiräume, weniger Hierarchien, mehr Teams, mehr Selbstverantwortung, mehr Kommunikationsräume. Arbeit so zu gestalten, fand ich ja eine tolle Idee. Auf meinem Blog habe ich auch New-Work-Unternehmen vorgestellt, damit sie für andere als Beispiel und Anreiz dienen können, die Arbeit im eigenen Unternehmen anders zu gestalten. Und wenn sich die New Worker darüber aufregten, dass sich so wenige Topmanager mit dieser Option beschäftigten, dann hatte ich dafür vollstes Verständnis. Schließlich war ich auch der Meinung, dass eine attraktiver gestaltete und an die Komplexität angepasste Arbeit zu einem erfolgreicheren Unternehmen führen würden. Mittlerweile frage ich mich aber, ob es als Manager nicht sogar klug ist, sich NICHT mit New Work zu befassen. Warum? Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es, Überlebensfähigkeit herzustellen und zu erhalten. Wenn sich die Wirtschaft ändert, dann ändern sich von außen (Kunden, Lieferanten, Partner) die Ansprüche an die Unternehmen. Führungskräfte oder Chefs – …

Auf der Premiere des Films "Augenhöhe" mit der Initiatorin Silke Luinstra

»Augenhöhe« – Laudatio und Film

Am vergangenen Freitag feierte in Hamburg der Film »Augenhöhe« vor rund 400 Premierengästen seine Erstaufführung. Ein Film über Vorreiter und Vordenker von New-Work. Das Projekt wurde auf einem Wevent von intrinsify.me geboren und ich hatte die große Freude, den Film inhaltlich einzuordnen und angemessen zu lobpreisen. Hier die Laudatio in gekürzter Fassung und natürlich der Film selber… »Was für ein wundervoller Abend – sicher kann sich jeder glücklich schätzen, hier zu sein und sich nicht den Rückrundenstart der Bundesliga antun zu müssen. Und, liebes Augenhöhe-Team, liebe Gäste, was für eine wunderbare Aufgabe, für Euch und Sie ein paar Worte zu sprechen. Der Abend ist schon jetzt – obwohl es außer rotem Teppich, warmer Worte und Britzelwasser noch gar nichts zu bestaunen gab – ein Spiegelbild der ganzen Augenhöhe-Initiative. Er ist ein Teil des Ergebnisses. Und er ist ein Teil der Magie, den Ihr, liebes Augenhöhe Team und Euer Zelluloid-Baby nun seit über einem Jahr bei uns allen erzeugt. Ihr habt uns gesagt, der Film wolle kein großes Fass aufmachen. Jeder von uns kann sich gleich selbst ein Bild machen, …

Kontrolle ist gut … und was ist besser?

Klingt nach asiatischer Bewegungslehre, ist es aber nicht: Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass »Yi-Ko« nicht mit Tai Chi verwandt ist, sondern der ‪Burger‬-King-Betreiber ist, der jüngst in die Schlagzeilen geraten ist. Aufgrund von Hygienemängeln und schlechten Arbeitsbedingungen darf der Franchise-Nehmer zukünftig weder mit dem Firmenlogo werben noch die Produktnamen weiter verwenden. 89 Filialen musste er bereits schließen. Weshalb? In der ›Wirtschaftswoche‬‹ kommentiert Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation: »In jedem System gibt es Menschen, die aus der Reihe tanzen.« Bei einer Masse an Filialen sei es für den Franchise-Partner äußerst schwer, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu behalten. Bei aller Ernsthaftigkeit der Lage kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Denkweise hinter die Aussage ist nämlich diese: Der Mensch ist ein unendlicher Fehlerquell. Um die Fehler im System auf ein Minimum zu reduzieren, muss also ein Unternehmen Abläufe durchstrukturieren, Richtlinien vorgeben, Zuständigkeiten klarstellen – und das so gut es geht. Denn das ist die einzige Möglichkeit, das System idiotensicher zu machen. Das einzige Problem dabei: Ein System, das auf Idioten angelegt …

Alle für einen und ein Gehalt für alle.

»Das ist ungerecht, einfach ungerecht!« Ich sitze in der Berliner S-Bahn, es ist Rush Hour. Der Mann neben mir beschwert sich lautstark am Handy bei einem mir unbekannten Gesprächsteilnehmer. Er ist wütend, echauffiert sich. Den Krawattenknoten hat er gelockert, er fährt sich durch die Haare, das Gesicht leicht gerötet. »Jetzt habe ich drei Monate an dem Entwurf gearbeitet, Überstunden ohne Ende – und was ist der Dank? Der Müller, von dem fast keine Ideen selbst stammen, der mich ständig um Rat gefragt hat, heimst am Ende die Laudatio ein!« Er redet sich in Rage. »Und das Beste ist: er bekommt auch noch einen satten Bonus dafür.« Ich weiß genau, wie der junge Mann diesen Mittwoch und vielleicht die ganze Arbeitswoche beendet. Frustriert, enttäuscht, weil er sich ungerecht behandelt fühlt. Die Folge? Er wird voller negativer Gefühle am nächsten Morgen in die Bahn steigen – plötzlich fehlt ihm Motivation und die Identifikation mit dem Unternehmen. Aber dieses Unternehmen, das in Arbeitskräfte investiert, macht es doch völlig richtig: Es belohnt einen Mitarbeiter, der gute Leistung abliefert. Oder …

Gemieteter Hintern statt denkender Kopf

Ausgebrannt in der Reha-Klinik, mit Krankenschein und Depression im Bett oder mit 30 in Erwerbsunfähigkeitsrente: Das ist keine Schwarzmalerei, solche Fälle sind in immer mehr Unternehmen Realität. Was können die Personalverantwortlichen gegen diese Entwicklung tun? Der Betriebsrat bei Volkswagen hat sich Gedanken gemacht und ein Idee geboren, um ihre Mitarbeiter nicht zu verheizen, sondern ihren ›privaten Ausgleich‹ zu fördern. Der ganze Stress komme laut Medienberichten ja von der E-Mail-Flut. Und seitdem ungefähr jeder Zweite sie jederzeit auf dem Smartphone empfängt, sei das Problem auch bei VW aktuell. Warum also nicht einfach den Mailserver außerhalb der Arbeitszeit abschalten, und ein Zeichen gegen die ständige Erreichbarkeit setzen? Gesagt, getan: VW hat ein Programm gestartet, bei dem 30 Minuten nach offiziellem Arbeitsende am Abend bis 30 Minuten vor Arbeitsbeginn am Morgen keine Mails verschickt werden können. Nicht dürfen, sondern können! Der Server ist schlicht abgeschaltet. An sich eine absolut löbliche Absicht, oder? Und auch eine gute Tat? Eine echte Lösung? Auf gar keinen Fall. Wrong Turn! Warum? Weil die Idee, mit Regularien die Arbeit menschlicher zu machen und …

New Work #3: Oose Innovative Informatik

Zwei Gedanken über Führung. Erstens: Menschen führen heißt nicht Vorgaben machen! Eher schon entsteht Führung durch guten Rat. Zweitens: Einzelnen Menschen Macht zu geben und sie zu Führungskräften zu machen, ist schwierig bis unmöglich! Denn die Komplexität der Realität macht es doch gar nicht möglich, zu entscheiden, wer zukünftigen Herausforderungen als Führungskraft gewachsen ist! Dieses intelligente und differenzierende Verständnis von Führung ist das der oose Innovative Informatik GmbH. Hier gibt es konsequenterweise keine Führungskräfte! Sondern nur Führungsarbeit – und die kann jeder übernehmen. Derjenige Mitarbeiter mit der meisten Kompetenz in einem Bereich und den hilfreichsten Ratschlägen übernimmt temporär die Führung, indem er seine Fähigkeiten mit den anderen teilt. Mithilfe ihres tiefen Verständnisses von komplexen sozialen Systemen – wesentliche Voraussetzung, um moderne Organisationen gestalten zu können – hat oose die Latte bemerkenswert hoch gelegt. Hier geht es nicht um Kuschelkurs und ein paar mehr Freiheiten für Mitarbeiter. oose hat in den letzten Jahren völlig abseits der klassischen tayloristischen Paradigmen eine moderne, zeitgemäße Organisation entwickelt, die Höchstleistungen erbringt. Diese neuen Paradigmen und Gestaltungsprinzipien in der Unternehmensführung führen …

Das Einmaleins der New Worker

Ihren Wunscharbeitgeber gibt es vermutlich nicht. Doch das muss kein Problem sein! Einfach selbst gründen. Und dabei auf keinen Fall auf das Gründer-Einmaleins hören! So haben es die 32 Gründer von Dark Horse gemacht. Es ist ihnen wichtiger, Spaß im Beruf zu haben, als Goldbarren zu horten. Dazu hat die international operierende Design-Thinking-Schmiede mit gleich drei Gründungstabus gebrochen: Gründe niemals mit Freunden eine Firma. Gründe nie mit mehr als drei Leuten. Stecke all deine Zeit in dein Start-Up. Zu allem Überfluss verzichten die 32 Freunde auch noch auf jegliche Hierarchien. Das funktioniert gerade, weil alle sich seit dem Studium kennen, mögen und sich ohne Wenn und Aber in ihr Unternehmen stürzen. Spannend ist auch, dass die Teammitglieder aus 25 verschiedenen Disziplinen kommen und für Dark Horse nicht in Vollzeit arbeiten, sondern sich Inspirationen in den unterschiedlichsten Jobs zwischen Natur- und Geisteswissenschaften holen. Selten bin ich auf ein Unternehmen gestoßen, dass seine sozialen Kompetenzen, Interaktionen und Kommunikationsweisen so professionalisiert und seine Organisationsstruktur so gründlich durchdenkt. Was dabei rauskommt? Ein Strudel aus nachhaltigen Innovationen und Ideen. Und …

Turbulente Zeiten? Alles safe!

In den kommenden acht Wochen stelle ich auf meinem Blog Unternehmen vor, die New Work lieben und praktizieren. Heute: allsafe JUNGFALK Plötzliches Kinderglück? Unvorhersehbare Schicksalsschläge? Die allsafe JUNGFALK GmbH & Co. KG ist auf Veränderungen im Leben ihrer Mitarbeiter bestens vorbereitet. Das Unternehmen hat sich vor einigen Jahren auf den Weg begeben, ein Intrinsifier zu werden und ist bereits bemerkenswerte Schritte gegangen: Mitarbeiter haben größtmöglichen Gestaltungsfreiraum bei der Wahl von Arbeitsort, Arbeitszeit und Projekten. Sie arbeiten selbstbestimmt und sinngetrieben. Neue und erfolgreiche Formen der (Zusammen-)Arbeit funktionieren nicht nur in Berlin oder in hippen Agenturen und Hightech-Startups. Das Unternehmen aus Engen im äußersten Süden Badens hat sich von den herkömmlichen Organisationsformen radikal abgewandt, um sich zeitgemäß den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen. Und warum das Ganze? Ist doch klar: es funktioniert einfach besser! Der Hersteller von Ladungssicherungs-Systemen für Nutzfahrzeuge und Flugzeuge hat nicht nur ein sehr pragmatisches und flexibles Organisationsmodell. Das Unternehmen ist vor allem stolz darauf, in allen Bereichen des Unternehmens freies und eigenverantwortliches Arbeiten zu ermöglichen.Denn nur so erreicht das Unternehmen eines seiner …

Die New-Work-Revolution ist da! … Nur: Wo ist sie denn?

Karriere-Expertin Svenja Hofert lieferte mir mit ihrem Blogbeitrag »Luther der Neuzeit« neulich eine Steilvorlage. Weil sie den Bogen raus hat, polarisierte sie darin herrlich und stellte New Work ins Abseits der Theorie: »Wo sind die Unternehmen die dies suchen? Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde Sie nicht.« Da konnte ich nicht an mich halten und ging mit einem eigenen Blogbeitrag steil: Nur weil sie New Work nicht sehen könne, dürfe sie doch daraus nicht schließen, dass es New Work nicht gäbe! Danach wurde die Diskussion differenziert und wirklich futterhaltig. Welche Brille gibt uns Durchblick? Svenja Hofert, und mit ihr viele weitere Menschen, vertreten die Ansicht, dass New Work ein sehr kleines Phänomen sei, nur selten zu beobachten wäre und in traditionellen Branchen wie beispielsweise Maschinen- oder Schiffbau in naher Zukunft schon mal gar nicht zu erwarten wäre. Ich bin anderer Meinung und halte das für einen Wrong Turn: Einen klassischen Beobachtungsfehler. Nun schlägt Frau Hofert hier vor, das nicht zuletzt in den USA sehr einflussreiche Modell ›Spiral Dynamics‹ heranzuziehen, um die in Frage gestellte Existenz …