Alle Artikel mit dem Schlagwort: Planung

Planung ist für Kinder – über die Macht der Flutschbegriffe

Sagen Sie im nächsten Business-Meeting doch einfach mal laut und vernehmlich das Wort »Dachziegel!« – Sie werden schon sehen, was dann passiert. In Kurzfassung: Anstarren. Betretenes Schweigen. Ungläubiges Nachfragen: »Was? Wie bitte?« Tuscheln. Räuspern. Ignorieren. Verlegen mit dem Stift spielen. Auf die Metaebene gehen: »Was reden Sie da für einen Unsinn?« Oder: »Soll das eine Provokation sein?« Oder: »Sehr witzig!« Oder: »Würden Sie bitte präzisieren?« Falls Sie nicht zufällig in der Baustoff-Industrie tätig sind, wir eines jedenfalls NICHT passieren: Flüssige Kommunikation. Nein, der ganze Sprechfluss der Besprechung, die Interaktion, eben die Kommunikation gerät ins Stocken. Warum? Weil das Wort »Dachziegel« ja überhaupt nicht anschlussfähig ist. Man kann beim besten Willen die Kommunikation nicht daran fortsetzen. Das aber stört die Menschen, denn menschliche Kommunikation will vor allem eines: sich fortsetzen. Das merken Sie zum Beispiel, wenn Menschen in der geöffneten Tür stehen, um die Gäste zu verabschieden … und nach einer halben Stunde noch immer in der Tür stehen und mit den sich noch immer verabschiedenden Gästen weiterquasseln. Da flutscht die Kommunikation so dermaßen, dass sie gar nicht mehr aufhören …

Y-vonne - wenn Berufsanfänger auf alte Machtstrukturen treffen

Neulich ging es um die Frauenquote. Ich hielt eine Vorlesung an der Uni. Vor mir eine Horde von der Spezies, die gemeinhin als »Generation Y« bezeichnet wird. Also der jungen Menschen, die in den Neunzigern bis etwa zum Jahr 2000 herum geboren wurden und darum auch »Millennials« genannt werden. Ich denke ja, diese Spezies existiert gar nicht. Dieser ganze Generationen-Schubladen-Gedanke, der bestimmten Alterskohorten bestimmte Eigenschaften zuschreibt, ist verblendender Mist. Weder bin ich samt meinen Altersgenossen der »Generation X« geprägt von VW Golf, IKEA-Möbeln, Versagerkarrieren oder Konsumverweigerung, noch sind die jungen, hippen, coolen Leute von heute alle superflexibel, superselbstbewusst, superausgebeutet oder superunabhängig. Ja, es ist nicht mal wahr, dass sie alle notorisch keinen Bock haben. Das Einzige, das ich wirklich bestätigen kann: Manche Berufsanfänger von heute verhalten sich zu tayloristischen Machtstrukturen in Organisationen wie Wasser zu Öl. Alles eine Frage der Einstellung … Und genau diese Spezies, die es nicht gibt, saß vor mir im Hörsaal und diskutierte mit mir über die Frauenquote. Die Tatsache, dass prinzipiell jede Quote aus rein logischen Gründen immer eine Diskriminierung sowohl für …

Ep. 68 – Was Erfolg für Erwachsene heißt

Episode 68 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Man walking to the sky. Meine Mutter hat mich als kleinen Jungen zum documenta-Fan gemacht, als wir hier in Kassel gelebt haben so ein paar Jahre. Aber erst später hat Jonathan Borowsky diese Skulptur zur IX documenta, 1990 gemacht. Ich finde sie großartig – auch wenn sie hier vielleicht etwas ungünstig steht auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof. Borowsky hat diese Skulptur gestaltet, so habe ich nochmal nachgelesen, in Andenken an seinen Vater. Der hat ihn wohl als kleinen Bub oft auf seinem Schoß hat sitzen lassen und ihm die Geschichte eines Riesen erzählt, der im Himmel ist und Gutes für die Menschen tut. Und dort hinzustreben war wohl die Intention dieser Skulptur. Aber heute wird sie in allerlei Medien und Veröffentlichungen immer so ein bisschen missbraucht als ein Symbol für den klaren Blick nach oben, für den gradlinigen Weg zum Erfolg und den kräftigen Schritt, den diese Figur dort geht. Deswegen wird das Ding auch in Deutsch »Himmelsstürmer« genannt von den Kasseler Einwohnern. Ein schöner Name aber eine fast …

Management-Diarrhö – Anstiftung zu einer Sprachdiät

»Does anybody even know why we budget anymore?« So beginnt die zutiefst sarkastische, über 3500 Zeichen lange E-Mail, die der Manager eines großen Automobilzulieferers vor Kurzem intern an seine Kollegen geschickt hat. Ein Bekannter hat sie mir zugespielt. Was der sichtlich frustrierte Mann darin beschreibt, ist wahrlich kein Einzelfall. In seinem Haus stand die nächste Budget-Planungsrunde an. Die Zahlungspraktiken, die Budgetierung, das Hin- und Herrechnen – es sei jedes Mal das gleiche (Business-)Theater, wenn das Budget auf den Tisch komme. Jaja, wenn das Budget zum alljährlichen unternehmensinternen Zirkus wird … Auf dem Budget-Basar Dass die regelmäßigen Budget-Rituale im Unternehmen einem Zirkus gleichkommen – nur ohne den Applaus am Ende –, das empfindet sicher nicht nur dieser Manager so. Denn schauen Sie sich doch einmal an, wie das Theater abläuft: Da treffen in einem Unternehmen beispielsweise die Leiter der Regionalstandorte mit dem Deutschlandchef plus andere Länderchefs samt deren Werksleitern mit dem Europachef zusammen – eine riesige Konferenz von Führungskräften aus mindestens drei Hierarchiestufen. Vorausgegangen sind hunderte E-Mails, der Austausch unzähliger Excel-Sheets, Videokonferenzen, versandte PowerPoint-Slides, etliche Budget-Meetings …

2017 – Das wünsch‘ ich Ihnen

Die neueste Theateraufführung pünktlich zum Jahresbeginn: 30 Prozent mehr Umsatz, die Digitalisierung klarmachen, in neue Maschinen investieren, etc. Das neue Jahr ist jung und in Unternehmen ist die Tatkraft ausgebrochen. Sie packen ihre neuen Strategien an, die sie sich im alten Jahr so schön überlegt haben. Ist auch toll, wenn sich Unternehmen für den Jahresbeginn Vorsätze machen und mal überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Allerdings habe ich meine ganz eigene Vorstellung davon, was Unternehmen guttäte und was ich ihnen wünsche. Das tue ich nun schon seit fast sechs Jahren und diese Kolumne veröffentliche ich immer wieder aufs Neue. Interessant genug, dass ich sie immer nur in Nuancen anpassen muss. So viel sei schon im Voraus gesagt: Pläne und Zahlen kommen in meinem perfekten Jahresbeginn nicht vor. Ich wünsche Ihnen zum Jahresbeginn einen klaren Verstand Digitale Transformation, Holocracy, WOL (working out loud) … regelmäßig erscheint ein neuer Hype am Wirtschaftshimmel und versetzt zunächst Berater, dann alle Unternehmen in einen Rausch. All diese Modebegriffe, die irgendwo einen großen Erfolg zu haben scheinen, werden von den Medien als allgemeingültig …

Das wünsch‘ ich Ihnen

Dreißig Prozent mehr Umsatz, den asiatischen Markt erschließen, in neue Maschinen investieren, die einen Wettbewerbsvorteil versprechen, etc. Das neue Jahr ist jung und in Unternehmen ist neue Tatkraft ausgebrochen. Sie packen ihre neuen Strategien an, die sie sich im alten Jahr so schön überlegt haben. Ist auch toll, wenn sich Unternehmen Vorsätze machen und mal überlegen, wo sie eigentlich hinwollen. Allerdings habe ich meine ganz eigene Vorstellung davon, was Unternehmen gut täte und was ich Ihnen wünsche. Soviel sei schon im Voraus gesagt: Pläne und Zahlen kommen darin nicht vor. Ich wünsche Ihnen einen klaren Verstand Industrie 4.0, Big Data … regelmäßig erscheint ein neuer Hype am Wirtschaftshimmel und versetzt alle Unternehmen in einen Rausch. All diese Modebegriffe, die irgendwo einen großen Erfolg zu haben scheinen, werden von den Medien als allgemeingültig erklärt und zu einem neuen Trend aufgebauscht. Als wären es süchtig machende Drogen, lassen sich Firmen von der Popularität eines Themas in die Irre führen und rennen einer vermeintlich heilversprechenden neuen Best Practice hinterher. Es gibt doch dieses schöne Sprichwort: „eine Sau durchs …

Neues Jahr, neues Glück – warum Appelle für die Tonne sind

Der Jahreswechsel ist für uns alle etwas Besonderes. Zwar kann nicht jeder der Silvester-Nacht etwas abgewinnen (so wie ich), aber für fast alle hat der Auftakt zu 12 neuen Monaten etwas Positives. Es scheint, als wenn alle ab dem 11. Januar (manche schon ein paar Tage früher) wieder bei »Los« starten. Die Karten sind neu gemischt und die Hoffnung auf Erfüllung der eigenen guten Vorsätze und fremdgesteckten Vorgaben wieder groß. Neues Jahr, neues Glück. Oder doch nicht? Sie werden sich doch sicher auch etwas vorgenommen haben, oder? Macht doch jeder. Ein liebgewonnenes Ritual. ›Rauchen abgewöhnen, mehr Sport, gesünder essen…‹ Und klappt’s auch? Manchmal schon. Meistens nicht! Und obwohl fast jeder diese Erfahrung aus seinem Privatleben kennt, wird trotzdem auch im beruflichen Umfeld jetzt wieder hemmungslos ›Uns-Vorgenommen‹. Am besten gleich für die ganze Organisation. Das heißt dann natürlich anders: Ziele. Oder Strategien. Manchmal auch Pläne. Konkret dann: ›Unnötige Meetings abschaffen, mehr Innovationen, bessere Kommunikation…‹ oder ähnliches. Und klappt’s auch? Manchmal schon. Meistens nicht! Motivationsgurus und Wirtschaftszeitungen empfehlen sie uns immer wieder: die Mental-Strategien gegen den eigenen inneren …

Projektverzögerung: Wenn die Yacht zu kurz ist

Projektverzögerung: Wenn die Yacht zu kurz ist

Fertigstellung März 2016. Das war mal der Plan für den Berliner Flughafen. Dass dieses Ziel schon längst nicht mehr realistisch ist, weiß wohl jeder. Naja, immerhin haben sie den Point of No Return erreicht – jedenfalls laut dem neuesten Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Ähnlich das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm: Ursprünglich sollte es 2019 abgeschlossen sein, nun wird der Bahnhof vermutlich erst 2022 eröffnet. An der Elb-Philharmonie-Baustelle sind übrigens die Baukräne abgebaut worden – sieht gut aus. Von außen. Dass sich öffentliche Projekte verzögern, scheint nahezu Pflicht zu sein. Und gerne beschweren sich die Steuerzahler dann über die Unfähigkeit von öffentlichen Einrichtungen und die unnütze Verschwendung von Steuergeldern. Verständlich. Verzögerung nicht nur bei Großprojekten Für ärgerliche Verzögerungen muss es aber gar kein milliardenschweres Großprojekt sein. Auch Unternehmen sind vor Projektverzögerungen nicht gefeit. »Ist das immer noch nicht fertig?« »Wie, nochmal eine Besprechung für das Projekt? Das war doch alles schon längst festgelegt.« Wie oft ertönen solch verwunderte Ausrufe wohl jeden Tag in Unternehmen weltweit? Und wie oft haben Sie sich schon darüber geärgert? Da regen sich die Projektleiter und …

Der Oktober im August

Das wohl unnützeste Produkt, das der boomende Hobbygärtner-Markt hervorgebracht hat, ist der Laubsauger. Sie kennen diese Höllenmaschinen bestimmt aus der Nachbarschaft. Meistens beginnt diese akustische Umweltverschmutzung genau zur Mittagsruhe – zwischen 13 und 15 Uhr – und hält dann stundenlang an. Gern erinnere ich mich an den Laubsauger des Herstellers, der eine Zeitlang unser Klient war. Das günstigste Gerät aus seiner Produktion kostete im Handel 98 Euro und war deshalb nicht unbedingt ein Schnelldreher. Vor einiger Zeit hatte Aldi mal wieder ein tolles Aktionsangebot: ein Laubsauger der Marke Top Craft für unter 50 Euro. Wie immer, wenn ein Schnäppchen scharenweise Kunden in die Filialen des Lebensmitteldiscounters lockt, war das Ding sehr schnell ausverkauft. Sehr schnell, das heißt nach spätestens drei Stunden. Freizeitgärtner, die später kamen, hatten das Nachsehen. Was dann passierte, hatte kein Vertriebsmanager voraussehen können. Es war Mitte September, kurz vor der Herbstsaison. Bei Aldi waren die Geräte alle weg. Also ging der gemeine Hobbygärtner in den Baumarkt, um sich dort nach Alternativen umzusehen. Auch wenn er jahrelang bestens ohne Laubsauger ausgekommen war – …