Alle Artikel mit dem Schlagwort: Problemlösung

Planung ist für Kinder – über die Macht der Flutschbegriffe

Sagen Sie im nächsten Business-Meeting doch einfach mal laut und vernehmlich das Wort »Dachziegel!« – Sie werden schon sehen, was dann passiert. In Kurzfassung: Anstarren. Betretenes Schweigen. Ungläubiges Nachfragen: »Was? Wie bitte?« Tuscheln. Räuspern. Ignorieren. Verlegen mit dem Stift spielen. Auf die Metaebene gehen: »Was reden Sie da für einen Unsinn?« Oder: »Soll das eine Provokation sein?« Oder: »Sehr witzig!« Oder: »Würden Sie bitte präzisieren?« Falls Sie nicht zufällig in der Baustoff-Industrie tätig sind, wir eines jedenfalls NICHT passieren: Flüssige Kommunikation. Nein, der ganze Sprechfluss der Besprechung, die Interaktion, eben die Kommunikation gerät ins Stocken. Warum? Weil das Wort »Dachziegel« ja überhaupt nicht anschlussfähig ist. Man kann beim besten Willen die Kommunikation nicht daran fortsetzen. Das aber stört die Menschen, denn menschliche Kommunikation will vor allem eines: sich fortsetzen. Das merken Sie zum Beispiel, wenn Menschen in der geöffneten Tür stehen, um die Gäste zu verabschieden … und nach einer halben Stunde noch immer in der Tür stehen und mit den sich noch immer verabschiedenden Gästen weiterquasseln. Da flutscht die Kommunikation so dermaßen, dass sie gar nicht mehr aufhören …

Ep. 63 Prioritäten – Wenn der Eilt-Stempel eilt

Die Episode 63 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es wirkt schon manchmal unfreiwillig tragisch und zugleich komisch, wenn ein Unternehmen versucht, ein Problem mit dessen eigentlicher Ursache zu lösen. Schön kann man das zum Beispiel sehen, wenn man anfängt mit Prioritäten zu jonglieren. Da sind Unternehmen extrem einfallsreich. Sie merken, dass Projekte, Aufgaben oder Aufträge immer mal wieder zu spät beim Kunden ankommen. Jetzt glauben sie, dass es an mangelnden Prioritäten läge. So, und jetzt kaufen sie sich beispielsweise eine Stempel. Auf dem steht dann: EILT. Und damit versuchen sie es nun, besser zu machen. Der Stempelverkäufer kann eigentlich seinen Laden jetzt unmittelbar neben der Firma aufmachen, denn es werden nicht viele Tage vergehen und schon braucht das Unternehmen den zweiten Stempel. Unbedingt. Auf dem steht: EILT SEHR. Auch beliebt sind sog. ›Top Ten‹-Aufträge – davon gibt es dann Hunderte im Unternehmen. Das kurioseste Beispiel ist mir untergekommen, als ein Unternehmen vor Jahren begann,  Prioritäten von 1 bis 10 zu vergeben. Wobei ›10‹ am Wichtigsten und ›1‹ am Unwichtigsten bedeutete. Nur drei Jahre später gab es die Prioritäten 1 bis …

Klar können Sie Kommunikation durch Organisation und Prozesse ersetzen. Aber dann ist es halt blöd!

Kommunikation: Erst mundtot, dann mausetot

Solche Laberrunden braucht doch kein Mensch! Die sind ineffizient und rauben nur Zeit. Wir quatschen doch eh schon genug.« Das ist häufig die Reaktion, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass lebendige Kommunikation im Unternehmen praktisch zum Erliegen gekommen ist. Die Chefs und Mitarbeiter meeten sich zwar täglich durch den Tag hindurch, hetzen von einem Jour-fixe zur nächsten Meilensteinpräsentation und sitzen mehr als die Hälfte ihrer Zeit in Besprechungen oder am Telefon. Aber die Essenzen von echter Kommunikation bleiben dennoch völlig auf der Strecke. Die (Denk-)Tradition in Unternehmen steht eher für die Gegenrichtung: Weg von echtem Dialog, hin zu einem möglichst klar geregelten, prozessierten Nebeneinander. Irgendwie verständlich, schließlich glauben Unternehmen immer noch, dafür sorgen zu müssen, dass die Zusammenarbeit reibungslos und so effizient wie möglich funktioniert. Und so wird Kommunikation zielsicher verwechselt mit Berichten, Präsentieren, Anweisen oder Standpunkte darlegen. Aber genau dieser Verzicht auf echten Dialog macht Unternehmen im Kontext der heutigen Dynamik eben nicht erfolgreich, sondern schrittweise sklerotisch, also organisationell verhärtet und im Zuge dessen bewegungsunfähig. Wenn Dialog rausgemanagt ist, wenn keine lebendige Kommunikation mehr stattfindet, dann ist auch kein Platz für wirklichkeitsnahe …

Videoserie »Organisation und Komplexität«

Fünf Tage vor dem Endspiel der Fußball-WM 2014 war ich gemeinsam mit meinem Freund und Kollegen Niels Pfläging von dem IT-Unternehmer Martin Seibert zu einem ausführlichen Video-Dreh eingeladen. Seine zentrale These war: »Das ist ja alles theoretisch sehr spannend, aber vieles Operationalisierbares habt ihr nicht zu liefern.« Unsere Replik hat ihn überrascht…