Alle Artikel mit dem Schlagwort: Regeln

Die Geschichte vom orangenen Beetle – oder: ein Mittel gegen Unternehmens-Sklerose

»Wir wollen uns nicht bürokratisieren!«– Das schrieb sich eine Beratungs- und Softwareentwicklungsfirma bei ihrer Gründung vor 15 Jahren auf die Fahnen. Die Gründer waren alle zuvor bei einem Konzern angestellt – und als sie sich gemeinsam selbstständig machten, verband sie unter anderem eines: Sie hatten die konzerntypischen bürokratischen Hürden hassen gelernt. Sie schworen sich: Das wird’s bei uns niemals geben! Nun, mittlerweile ist das Unternehmen stark gewachsen und hat mehr als 400 Mitarbeiter. Und was glauben Sie, ist passiert? Die einzige Regel: Es gibt keine Regel Bevor ich es Ihnen verrate, erzähle ich Ihnen eine Anekdote aus dem tiefsten Inneren jenes Unternehmens. Das kann ich, weil ich neulich dort war. Ich habe da eine Kulturanalyse gemacht und durfte einen Festvortrag halten. Dabei habe ich einige interessante Einblicke bekommen. Und unter anderem erzählte man mir die Geschichte vom orangenen Beetle. Dieser Beetle war ein Firmenwagen. Autos spielen in der Kultur dieses Unternehmens eine große Rolle, auch deshalb, weil es viel für die Automobilindustrie tätig ist. Jeder Berater bekommt einen Dienstwagen. Weil die Gründer aber eben Bürokratie …

Ep. 48 Aus Prinzip: Regelbücher für Intelligenzallergiker

Episode 48 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Da spricht mich neulich ein Zuschauer während meines Vortrages an und sagt sehr höflich, „Herr Vollmer alles gut und schön, aber bei uns gibt es dafür klare Vorgaben und gute Regeln. Da haben sich kluge Köpfe einfach schon mal Gedanken drum gemacht. Da muss doch jetzt nicht jeder im Unternehmen immer wieder alles selbst denken. Das ist doch total ineffizient.“ Ja klar. Wir brauchen wahrscheinlich einfach nur noch mehr Regeln und schon kommen wir in unserer komplexen Welt zurecht und können auf alle Überraschungen irgendetwas anbieten. Und dann weiß auch der letzte Intelligenzallergiker im Unternehmen, was er wann und wie und wo zu tun hat. Nein, wir brauchen nicht noch mehr Regeln in unseren Unternehmen. Schon heute haben wir Regelhandbücher, Prozesshandbücher, die sind so dick – dagegen sind Moses Steintafeln wie Flugblätter. Nein, wir brauchen Regeln für die komplizierten Teile unserer Organisation, für die Routine, für das Wiederkehrende. Für die komplexen Teile brauchen wir etwas ganz anderes. Ich benutze gern den Begriff Prinzipien dafür. Regeln sind laut, …

Kultur ist wie Liebe – Warum Change-Management eine mission impossible ist

Ändern Sie Ihre Kultur! Möglichst schnell! – Als ich diesen Appell im Harvard Business Manager gelesen habe, musste ich lachen … Den gezielten »Kulturwandel« als Quelle von Innovation und Eigenverantwortung zu beschwören, scheint eine richtige Mode geworden zu sein. Unzählige Blogger, Journalisten und Managementberater blasen in dieses Horn: Wenn ihr kreative und selbstständige Mitarbeiter wollt, liebe Unternehmen, dann ändert eure Kultur! Setzt Change-Programme auf! Die Verheißung: Das müsse gar nicht Jahre dauern. Wenn man nur allen Mitarbeitern klar sagen würde, wie sie sich zu verhalten haben … Tja. Da sag ich nur: Wrong Turn! So funktioniert es halt nicht. Die Jungs verwechseln ganz offensichtlich Kompliziertes mit Komplexem, sie verwechseln Wissen mit Können und Verhaltenskultur mit der Wertekultur. Menschen zu sagen, wie sie sich zu verhalten haben – nämlich entsprechend der Vision, Mission und des Leitbildes des Unternehmens – ist leicht. Ein Workshop oder ein paar Meetings und die Sache ist erledigt. Dazu noch ein paar disziplinarische Maßnahmen und fertig ist eine Verhaltenskultur. Jetzt weiß jeder, wie er sich verhalten muss, ohne seine Mitgliedschaft im Unternehmen zu riskieren. Aber dadurch …

Kontrolle ist gut … und was ist besser?

Klingt nach asiatischer Bewegungslehre, ist es aber nicht: Wer die Nachrichten verfolgt, weiß, dass »Yi-Ko« nicht mit Tai Chi verwandt ist, sondern der ‪Burger‬-King-Betreiber ist, der jüngst in die Schlagzeilen geraten ist. Aufgrund von Hygienemängeln und schlechten Arbeitsbedingungen darf der Franchise-Nehmer zukünftig weder mit dem Firmenlogo werben noch die Produktnamen weiter verwenden. 89 Filialen musste er bereits schließen. Weshalb? In der ›Wirtschaftswoche‬‹ kommentiert Martin Ahlert, Geschäftsführer des Internationalen Centrums für Franchising und Cooperation: »In jedem System gibt es Menschen, die aus der Reihe tanzen.« Bei einer Masse an Filialen sei es für den Franchise-Partner äußerst schwer, die lokalen Gegebenheiten im Blick zu behalten. Bei aller Ernsthaftigkeit der Lage kann ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Die Denkweise hinter die Aussage ist nämlich diese: Der Mensch ist ein unendlicher Fehlerquell. Um die Fehler im System auf ein Minimum zu reduzieren, muss also ein Unternehmen Abläufe durchstrukturieren, Richtlinien vorgeben, Zuständigkeiten klarstellen – und das so gut es geht. Denn das ist die einzige Möglichkeit, das System idiotensicher zu machen. Das einzige Problem dabei: Ein System, das auf Idioten angelegt …

Gelb-Rot

Von Führungskräften werden täglich Entscheidungen abverlangt, heißt es. So wundert es auch nicht, dass es unzählige Bücher über den besten Weg zur besten Entscheidung gibt. Aber wird tatsächlich entschieden in unseren modernen Unternehmen oder hat sich nur die bloße Regelanwendung als Entscheidung getarnt? Werden wirklich Entscheidungen von den Menschen verlangt? Ich habe starke Zweifel daran und meine Gedanken – mal wieder – in einer Fußballanalogie verpackt. Heute leite ich Sie zum Lesen des Beitrags ausnahmsweise zur Huffington Post (HuffPo) weiter, die um die Veröffentlichung gebeten hat. Die amerikanische HuffPo ist übrigens die erste kommerzielle Online-Zeitung und hat im Herbst 2013 ihren deutschen Ableger gelauncht. Der Artikel trägt in der HuffPo den gleichen Titel wie mein Ende März erscheinendes Buch: »Wrong Turn – Warum Führungskräfte in komplexen Situationen versagen«. Ich hatte den Beitrag ursprünglich mit einem sehr knappen »Gelb-Rot« betitelt. Aber lesen Sie doch selbst: Gelb-Rot, Artikel in der Huffington Post    

Komplexität – der Feind in meinem Unternehmen?

Komplexität scheint der neue Feind der Wirtschaft geworden zu sein. In der großen IBM CEO-Studie wurde Komplexität als Problem Nr. 1 herausgearbeitet. Und ich lese quasi in jedem Interview mit einem Unternehmenslenker Fragmente wie »…werden wir unsere Komplexität in den nächsten Jahren deutlich senken können…« oder »…haben wir einen Plan zur Komplexitäts-Beherrschung aufgestellt…« Warum das Unsinn ist, versuche ich mal wieder mit meiner Lieblingsanalogie zu erklären: Fußball! Fußball eignet sich aus vielen Gründen für Analogien: die Spielregeln sind leicht zu verstehen – bis auf Abseits. Die moderne Berichterstattung erlaubt eine unglaubliche Übersicht über fast alle Facetten des Spiels. Und alle 2 Jahre – wenn unsere Nationalmannschaft kickt – sind fast alle Bundesbürger im kollektiven Fußballrausch. Ein hoch emotionales Thema also – dankbar für den Autor. Und das Fußballspiel – nicht nur das Business drum herum – ist hochkomplex. Unvorhersehbar, voll von Überraschungen, immer subjektiv, zwar beeinflussbar aber nie kontrollierbar oder beherrschbar. Wo sonst kann man den Unterschied zwischen Wissen und Können so eindrucksvoll und unmittelbar erleben? Und so eignet sich dieser Rasenballsport vortrefflich, um über …