Alle Artikel mit dem Schlagwort: Teams

Komplizenschaften – Problemlösung mit vernünftigen Kriminellen

»Holen Sie mir Griggs, ich muss ihn dringend sprechen!« »Wen?« »Fragen Sie nicht, finden Sie ihn!« Sie kennen Griggs auch nicht? Wirklich nicht? Dabei dürfte er genauso in Ihrem Unternehmen zu finden sein! Die kleine Szene mit Brad Pitt alias Rusty im Film »Ocean’s Eleven« beschreibt treffend, was täglich in Unternehmen passiert: Für einen nicht ganz offiziellen Coup suchen sich einzelne Personen Verbündete – nicht im kriminellen Sinne, sondern für die Lösung von akuten und nicht-ignorierbaren Problemen. Also: Die im Untergrund arbeitenden Teams, die maßgeblich zum Erfolg des Unternehmens beitragen. Untergrund, Coup, geheime Machenschaften in Ihrem Unternehmen … Nein, ich wandere nicht auf subversiven Abwegen! Ich beschreibe nur die Realität. Der Coup ist das Ziel In den meisten Gesprächen über Organisation ist von Teams die Rede. Solche, die geführt werden und in festen Strukturen an einer ganz bestimmten Stelle verortet sind. Die, die für noch mehr Wirkung zusammenwachsen und einen Teamgeist entwickeln sollen. Jene, die zumeist auf die langfristige Zusammenarbeit angelegt sind. Aber es gibt eben auch unsichtbare Teams. Oder wie es die Hamburger Professorin …

Ep. 59 Labore – Das soziale System überlisten

Die Episode 59 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Das gute alte Change-Management dürfte jetzt hinreichend seine Unwirksamkeit bewiesen haben, glaube ich. Im vorhinein durchdachte Konzepte zu erstellen, diese in eine Roadmap zu überführen und mit Rolloutplan umsetzen zu wollen, Vorbilder einzufordern, den Menschen Unwilligkeit zur Veränderung vorzuwerfen, euphemistisch von irgendwas mit ›Ins Boot holen‹ faseln – das hat nun hinreichend oft nicht funktioniert. Und dann könnte man tatsächlich anfangen, es auch mit anderen Denkansätzen zu probieren. Solchen Denkansätzen nämlich, die berücksichtigen, dass es sich bei einem Unternehmen nicht um eine Maschine, sondern um ein lebendiges soziales System handelt. Ein Format, das tatsächlich funktionieren kann, ist das eines »Labors«. Das ist nicht das gleiche wie ein »Leuchtturm«, es funktioniert nach einem ganz anderen Denkansatz. Ausgangspunkt eines Labors ist ein reales Problem und ein Team von Freiwilligen. Meist ist es ein Stifter, der sich von dem Problem provoziert fühlt und der dann ein Team gründet – ein Team stiftet, dass tatsächlich ein reales Problem mit externen Referenzen lösen will und lösen muss und eben auch scheitern kann. Das heißt, dieses …

Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹ Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser. Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen. Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er …

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

Bullshit Royal - Warum Sie mit Methoden nur scheitern können

»Ja stimmt, da habe ich mich erst letztens mit einem Manager unterhalten. Die haben in ihrem Unternehmen eine super Methode, um Probleme zu lösen. Das können wir bei uns auch einführen.« Hach ja, die sogenannten wirkungsvollen Methoden, die von erfolgreichen Teams entwickelt wurden und nun alle anderen Teams ebenso erfolgreich machen können. Da kann ich nur lachen. Sämtliche sogenannte Methoden, die Sie in Management-Büchern lesen, in Beratungen und Seminaren hören oder sich in anderen Unternehmen oder Abteilungen abschauen, können Sie vergessen. Nicht, weil sie nichts taugen. Sondern weil sie gar nicht ursächlich für Erfolg sind. Es war einmal ein Team. Das hatte sich gebildet, um ein externes Problem zu lösen, also so mit einem echten Kunden, einem wichtigen Kunden. Und einem erstzunehmenden Problem, zu dessen Lösung kein bloßer Transfer vorhandenen Wissens ausreichte. Über einen lange Zeitraum haben mehrere Menschen daran gearbeitet, weil das Problem zu viele Facetten hatte, als dass es von einer Person allein hätte gelöst werden können. Natürlich mussten sie die Zusammenarbeit organisieren. Sonst wäre alles im Chaos versunken. Also schlug einer vor, …

Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Ep. 55 Teamfähigkeit ist nicht wie Stricken

Die Episode 55 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:   Sind Sie teamfähig? Die Frage habe ich tatsächlich neulich gestellt bekommen. Und ich glaube, sie wird nahezu jedem Bewerber heutzutage auch gestellt. Die Frage impliziert schon fast, dass Teamfähigkeit eine abstrakte Fähigkeit sei. So was wie Häkeln können oder binomische Formeln lösen. Das stimmt aber nicht. Denn Teamfähigkeit ist nichts abstraktes, das ist etwas konkretes. Ja gut, es gibt ein paar Aspekte von Teamfähigkeit die vielleicht weitestgehend kontextunabhängig sind: so was wie Kommunikationsfähigkeit, natürlich Sprachkenntnisse, ohne Frage. Vielleicht Moderationsfähigkeiten. Aber die essenziellen, die wesentlichen, also die wirklich zum Erfolg führenden Fähigkeiten sind konkret. Nicht abstrakt. Also auf die Frage, ob man teamfähig sei, muss man eigentlich richtigerweise und ehrlicherweise antworten: »Ja, was weiß ich? Zeigen Sie mir das Team. Zeigen Sie mir die anderen Teammitglieder. Sagen Sie mir, welche Rolle man mir zusprechen könnte, welche Aufgabe dieses Team überhaupt hat, ob diese Aufgabe überhaupt Sinn macht. Dann können wir gucken, ob Passung passiert. Lassen Sie mich mit denen arbeiten, und am Schluss werden wir alle gemeinsam wissen, …

Ep. 51 Teams - Mit 11 Stürmern das Spiel gewinnen

Die Episode 51 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Der Teambegriff ist heutzutage immer noch sehr sehr populär. Naja, er klingt ja auch frisch, immer noch modern und versprüht so einen Hauch Internationalität. Mein Eindruck ist aber, dass in den allermeisten Organisationen überhaupt keine Teams gebildet werden, sondern eher so Cluster. Also Gruppen von Menschen, die vielleicht noch ein gemeinsames Ziel teilen – meistens aber nur eine gemeinsame Kennzahl, die jeder individuell zu erfüllen hat. Aber vor allem sind diese Cluster überhaupt gar nicht auf echte Kollaboration angewiesen. Sie unterstützen sich, ohne Frage. Und der Teamgeist kann ganz hoch sein, aber sie sind organisationell gesehen weiterhin ein Cluster. Und kein Team. Ein Team nämlich ist eine Gruppe von Menschen, die ein von außen kommendes Problem, vom Markt, vom Kunden, vollumfänglich lösen kann. Die also – egal wie sie besetzt ist – aus organisationeller Sicht alle Expertisen aufbringen muss, um dieses Problem zu lösen. Wie eine Fußballmannschaft. Auch wenn man 11 Stürmer auf den Platz stellt, sie werden gemeinschaftlich alles abdecken müssen, wenn sie eine Chance …

Das System blockiert sich selbst

Das Sommerwetter ist herrlich. Im Dresdner Norden haben sich tausende junger Menschen unter einer Wolke von Rauch und Grillduft versammelt. Überall entlang der Leipziger Straße brutzeln die Würstchen über Holzkohle. Doch mit dieser scheinbaren großen Party unter freiem Himmel zeigen die Leute den Behörden und offiziellen Stellen vielmehr, wie effektive Führung und Management heute aussehen sollte. Plötzlich kommt Bewegung in die Menge. Ein Lastwagenkonvoi hält an, die Herumstehenden stellen ihre Bierflaschen zur Seite und gehen in Stellung, um die Fracht abzuladen: Unzählige Sandsäcke wandern von einer Hand zur nächsten und werden am Straßenrand gestapelt. Fertig! Die leeren LKW fahren zurück, um neue Sandsäcke zu laden; die Helfer haben sich Stärkung verdient und wenden sich hungrig und durstig wieder den Grills zu. Sie werden nicht viel Zeit haben, sich zu erholen. Bald werden weitere Laster kommen. Hochwasser! Die Elbe steht gute sechs Meter über ihrem durchschnittlichen Wasserstand. Die jungen Leute sind ausgezogen, um ihr Dresden gegen die Fluten zu verteidigen, mit Sandsäcken und – Smartphones. Sekündlich ploppen in Facebook Statusmeldungen auf wie »Dresdner Tor braucht weitere …

Von Anna Netrebko und Jürgen Drews

  Vertrieb und Technik sind die berühmten zwei Seiten einer Medaille. Pat und Patachon der Industriegesellschaft – so unterschiedlich wie Mann und Frau. Die einen haben ihr Ohr am Markt, wissen stets, was der Kunde will: die Lösung für ein Problem. Kunden und deren Probleme sind unterschiedlich und daher möge die Lösung bitte auch individuell sein. Ach ja: und kostengünstig, »sonst kriegen wir den Auftrag nicht − also kein Schnickschnack rein bitte, liebe Kollegen«. Für die anderen zählt das Produkt, die Funktion, die Technologie, ja – auch die Kosten. Sie sind die Künstler – in aller Konsequenz. Sie wissen, was geht und wie es sein muss. Möglicherweise am Kundenbedarf vorbei… »…aber so funktioniert es doch nicht, es muss noch dieses Feature rein und jenes«, entgegnen die Techniker. Vertrieb ist analog, Technik digital. Brauchen wir einen Digital/Analog Wandler? Dieses Mal muss ich ein wenig ausholen. Wenn man heutzutage professionell Musik aufnehmen möchte − man spricht von Recording − dann hat man mit zwei Welten zu tun. Die eine ist das Instrument, das Piano, die Gitarre, ein …