Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wissen

Ep. 69 – Warum wir nicht tun, was wir wissen

Episode 69 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Wwarum fällt es uns so schwer, die Dinge die wir wissen, auch anzuwenden. Wir haben es uns irgendwie zur Gewohnheit gemacht, immer Individuen dafür verantwortlich zu machen, wenn etwas großartig läuft oder wenn etwas scheitert. Wir suchen uns dann die Helden, die Tolles geschafft haben oder wir einigen uns auf die Feindbilder, die angeblich dafür gesorgt hätten, dass alles nicht klappt. Dabei übersehen wir einen wesentlichen Punkt: nämlich, dass das Handeln unserer Gesellschaft immer von den ungeschriebenen Spielregeln abhängig ist, die manche ›Kultur‹ nennen und wieder andere nur schlicht ›Kommunikation‹. Und wir übersehen, dass wir als Menschen nicht die Autoren dieser Spielregeln sind. Die entwickeln sich vielmehr, man könnte sagen hinter unserem Rücken und wir stehen dann irgendwann staunend davor. Und wenn wir diese ändern wollen und wenn wir es anpacken wollen und wenn wir starten wollen, müssen wir an genau diese Spielregeln ran und die lassen sich durch den Kontext verändern, in dem wir alle leben. Wenn wir z.B. wollen, dass wir mehr Mehrweg-Flaschen benutzen anstatt Einweg-Flaschen, dann können …

Voodoo-Management – Wenn Erfahrung zum Wirksamkeitskiller wird

Ich will Ihnen ja nicht die Illusionen rauben, aber … Äh, Moment … Nein, in Wahrheit will ich Ihnen sehr wohl die Illusionen rauben! Ich will sie Ihnen zertrümmern! Aber hallo! Sie haben da nämlich eine, jedenfalls bin ich da ziemlich sicher. Genauer und ganz profan: Mit großer Wahrscheinlichkeit begehen Sie gewohnheitsmäßig in Ihrem täglichen Geschäft einen ganz handelsüblichen Denkfehler, der Sie dazu verleitet, sich selbst und anderen Menschen das Leben zum Fegefeuer zu machen. Und ich schlage Ihnen höflich vor, ihn zu bemerken und anschließend sein zu lassen. Zu Ihrem besten Nutzen. Und dem Ihres Umfeldes. Projektstatus: Denkfehler Dieses Mistvieh von Denkfehler nenne ich vorschlagsweise »Selbstwirksamkeits-Fata-Morgana« (… wohl wissend, dass irgendwo in der psychologischen Fachliteratur ein besserer Name dafür vergraben ist) Und der geht so: Stellen Sie sich vor, da läuft unter Ihrer Ägide ein komplexes Projekt, mit vielen Unsicherheit und Unwägbarkeiten – wie das heute eben so ist: Der Kunde ändert ständig seine Meinung, die Lieferanten liefern an anderen Tagen als vereinbart, der eine oder andere Mitarbeiter wird unpässlich oder zu einem anderen …

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …

Ep. 64 Wissensmanagement – Wenn sie doch nur wüssten, was sie wissen

Die Episode 64 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Was für ein kurioses Telefonat: Da rief mich ein alter Studienfreund vor Kurzem an, der inzwischen im großen Konzernverbund arbeitet und nun in irgendeiner Arbeitsgruppe für das ›Wissensmanagement‹ mitarbeitet – der arme Kerl. Und er klagte mir ein Stück weit sein Leid: ach wenn sie doch nur wüssten, was sie alles wissen. Und sie hätten nun in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen 10-stelligen Betrag schon für ihr Wissensmanagement ausgegeben. Aber einen richtigen Nutzen würde das immer noch nicht bringen. Das Telefonat entbehrte nicht einer gewissen Ironie, denn es lag eigentlich schon auf dem Weg zu seiner Lösung. Das lag nicht daran, dass ich es war, den er anrief, sondern viel eher, dass er es war, der den Hörer abgenommen hatte. Denn mittels Wissen kann man ja nur Probleme lösen, die es bereits schon einmal gegeben hat. Und die kann man dann auch sauber verschlagworten – wenn man das intelligent macht und ein paar gute Algorithmen hinzufügt, dann kann das funktionieren, aber sie haben halt bemerkt, dass ihr …

Es gibt keine dumme Fragen … falsche aber schon!

Wenn ich von Wrong Turns spreche, wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie sich Wrong Turns denn in Right Turns verwandeln lassen. Wie sich Manager stattdessen verhalten sollen oder wie das Unternehmen anders gestaltet werden kann. Da kommen dann so Ausrufe wie: »Keine Assessment Center mehr? Wie sollen wir denn dann geeignete Mitarbeiter finden, ohne ein Vermögen dafür auszugeben?« »Keine Pläne mehr machen und deren Einhaltung fordern? Wir arbeiten in der Realwirtschaft, Herr Vollmer, wie sollen denn dann Ziele erreicht werden?« »Nicht mehr nach bewährten Mustern agieren? Wie sollen wir denn sonst handeln?« Genau an dieser Stelle ist Vorsicht geboten, damit Sie nicht in einen neuen Wrong Turn schlittern. Denn solche Fragen zielen darauf, ab, das alte Rezept einfach gegen ein neues einzutauschen. Dabei funktionieren Rezepte in der komplexen Welt ja gar nicht, weil sie einer simplen Wenn-Dann-Logik folgen. Neue Rezepte sind genauso toxisch wie alte. Was also tun? Ich schlage vor: Stellen Sie die richtigen Fragen! Klar, als Kind wurde mir gesagt, es gäbe keine dummen Fragen. Und das stimmt vermutlich auch. Aber …

Ep. 46 Steuern kommt von Wissen, Führen kommt von …

Episode 46 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:     Wir bürgen den Managern immer mehr auf. Jetzt wird von denen sogar verlangt, sie sollten doch führen statt steuern. Und das wird dann durch monatelange Trainings versucht irgendwie zu erreichen. Aber das sind zwei vollkommen unterschiedliche Paar Schuhe. Ein Mensch kann sich nicht aussuchen zu führen. Das wird ihm zugesprochen. Also steuern dass kann ich tun. Das ist ja gar kein Problem. Ich kann planen, ich kann anweisen, ich kann Umsetzung einfordern, ich kann kontrollieren. Und überall da, wo Wissen ausreicht um ein Problem zu lösen und ein ausreichender Wissensvorsprung von Führungskraft zu Mitarbeiter ist, da funktioniert Steuerung. Und da sollte ich sie auch durchaus benutzen. Das ist viel effizienter. Aber an den meisten Stellen ist eben kein Wissensvorsprung da. So jetzt kommt Führung ins Spiel. Die ist nur eine Zuschreibung, eine Beobachtung. Also Führung ist etwas sozial legitimiertes. Eine Gruppe spricht einem Menschen Führung zu. Und danach kann ich dann beobachten, dass Führung zustande gekommen ist. Das heißt, wir müssen da ganz umdenken. Wir müssen Organisationen bauen, …

Möge die Macht mit Dir sein

Möge die Macht mit Dir sein

Schulen sind ja schon manchmal witzig. Neulich beim Elternabend erzählt die Lehrerin einem Raum voller Erwachsener, dass die Kinder als nächstes die Knochen der Frösche lernen werden. Soweit, so gut, denke ich mir. »Und welche Lernmethode soll damit vermittelt werden?« »Welche Lernmethode? Nee, nee, es geht um die Knochen vom Frosch. Die Kinder sollen wissen, wie das Skelett aussieht.« Oh, entschuldige, wie naiv von mir! Zu denken, dass da ein tieferer Sinn dahintersteckt, als etwas zu vermitteln, das die Kinder bei Bedarf im Internet nachlesen könnten … Reine Wissensvermittlung, ohne Mehrwert für das Leben. Wie sinnlos! Die Kinder werden es trotzdem lernen. Aber mit der Debatte über Lehrpläne und das Schulsystem möchte ich Sie verschonen. Es geht mir um etwas ganz anderes. Etwas, das sich auch in jedem Unternehmen wiederfindet: Und zwar Wissen und wie es weitergegeben wird! Wenn ein Vorarbeiter weiß, wie eine Maschine eingestellt werden muss, dann erklärt er es seinen Kollegen. Wenn die Marketingchefin weiß, in welchem Format der Pressetext an die Redaktion geschickt werden muss, dass sagt sie das ihrem jungen …

Ep. 41 Expertenfalle – Schuhe putzen macht erfolgreich. Oder?

Episode 41 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Experten sind Fluch und Segen. Experten helfen uns durchs Leben, indem sie uns allen aus Ihren Erfahrungen heraus Denkanstöße und konkrete Ratschläge geben, wie wir agieren sollen. Sie sind ein riesiger Fluch gleichzeitig, weil sie ihr Wissen trivialisieren. Viele Experten können sehr glaubhaft nachweisen, dass sie in ganz bestimmten Situationen sehr erfolgreich agiert haben. Da gibts den Unternehmer, der wirklich schon tolle Unternehmen gegründet hat. Da gibts den Verkäufer, der nachweisen kann, dass er für seine Company früher Millionenbeträge an Gewinnen durch gute Verkäufe erwirtschaftet hat. Und jetzt fängt der an – und das ist diese Trivialisierung – aus seinen Erfahrungen kausale Rückschläge zu ziehen. Er habt beispielsweise immer seine Schuhe geputzt und kommt jetzt womöglich auf den Gedanken, dass das der Grund sei, unter anderem, warum er so erfolgreich war. Oder er hat immer ganz besonders gut in Einwandsituationen sein Gespür herausgestellt, um die Situation für sich zu entscheiden. Und schließt daraus automatisch, dass es einen kausalen Zusammenhang gäbe: ›wenn Du die Einwandsituationen gut behandelst, dann wirst Du gut …