Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wrong Turn

Der intelligente Irrtum

Hohes volkswirtschaftliches Bildungsniveau führt zu prosperierender Wirtschaft! Diese Aussage ist eigentlich kein Zitat. Nein! Das ist eine Glaubensvorstellung, die fest in fast allen Gesellschaften verwurzelt ist. Die gesamte Entwicklungspolitik basiert darauf: Bildungszentren bei SOS-Kinderdörfern in Liberia, Hochschulen für Lebensmitteltechnik im Senegal, Schulprojekte auf Madagaskar, Projektpartnerschaften mit Grundschulen in Afghanistan und und und … Und nicht nur der Blick auf Entwicklungsländer ist von dieser Annahme bestimmt: Tony Blair bestritt auf Basis dieser These seinen gesamten Wahlkampf für den Posten als britischer Premierminister. Auf dem Parteitag 1996 nannte er als Prioritäten nach einer möglichen Regierungsübernahme »Bildung, Bildung, Bildung«. Für sich genommen, klingt die These ja auch logisch. Ich stimme ihr trotzdem nicht zu. Warum nicht? Lassen Sie mich zuerst die Gegenthese aufstellen: »Eine prosperierende Wirtschaft erlaubt es der Gesellschaft, mehr Geld in Bildung zu investieren!« Schauen wir mal, ob sich für jede der beiden Thesen Beispiele finden lassen. Dazu bietet sich die Fragestellung an, was denn zuerst da war – ähnlich wie bei der Henne und dem Ei. Lässt sich als erstes eine blühende Wirtschaft nachweisen, oder herrschte …

Die Kunst, später anzufangen, um früher fertigzuwerden

Termintreue ist eine der größten Stärken deutscher Unternehmen? Nach außen hin sicher. Die meisten Unternehmen sind deshalb nach außen hin gegenüber dem Kunden termintreu, weil sie einen unglaublichen Aufwand betreiben. Heerscharen von Leuten sind am Werk, Ad-hoc-Teams aus internen und externen Arbeitskräften leisten zahllose Überstunden, es gibt Krisensitzungen, es gibt die unterschiedlichsten Pläne, die aufgestellt, umgeworfen, neu erstellt und wieder umgeworfen werden, es gibt besorgte Anrufe von Kunden beim Geschäftsführer, beruhigende Anrufe des Geschäftsführers beim Kunden, es gibt Ärger und Druck, Belohnungen werden versprochen für den Fall, dass doch noch alles klappt, es gibt Höchstleistung, Frust, Workarounds, Ad-hoc-Lösungen, Geistesblitze, Teamgeist, Rettungstaten, alles geht durcheinander, kurz, mit enormem Aufwand und Verschleiß, zu erheblichen Kosten und mit Müh und Not wird der Termin tatsächlich gehalten. Aber eigentlich ist das keine Termintreue. Im Kern sind nur wenige Produktionssysteme aus sich heraus in der Lage, Termintreue zu erzeugen. Was kann ein Chef aber tun, um Termintreue zu schaffen? Der Lösung auf die Spur kommen Sie, wenn Sie sich genau ansehen, wie die Manager und alle Beteiligten auf die anhaltenden …

Karstadt – leuchtendes Vorbild für Restrukturierung

Juni 2010 – Der Investor Berggruen übernimmt Karstadt für 70 Mio. € und macht die Zusage, in den nächsten drei Jahren weitere 240 Mio. Euro zu investieren. In der Folge hob das Essener Amtsgericht das Insolvenzverfahren auf.40.000 Gläubiger mussten auf rund zwei Mrd. Euro verzichten. Berggruen kündigte an, Karstadt in eine Dachgesellschaft mit drei weiteren Untergesellschaften Sporthäuser, Premiumhäuser und sonstige Warenhäuser zu unterteilen. Kleine Geschäftsbereiche seien leichter zu managen und könnten schneller reagieren. Zwischen dem 1. Oktober 2011 und dem 30. September 2012 erwirtschaftete die dank des Einsatzes geballter Turnaround-Kompetenz nun leicht zu managende und reaktionsschnelle Unternehmensgruppe einen Verlust von 249,6 Millionen Euro. 121 davon entfielen auf Restrukturierungsmaßnahmen, vor allen Dingen Abfindungen für rund 2.000 Mitarbeiter. In den ersten sieben Monaten des folgenden Geschäftsjahres sank der Umsatz um 7,9 %. Alle Waren-, Sport- und Premiumhäuser lagen unter ihren Plänen. Mai 2013 – das Unternehmen teilte mit, bis 2015 eine ›Tarifpause‹ einzulegen, und damit vorübergehend aus der Tarifbindung auszusteigen, mit anderen Worten: seinen Mitarbeitern nicht einmal den Inflationsausgleich zu gönnen. Juni 2014 – Karstadt Sport in Düsseldorf. Nach langem Suchen in den …

Die New-Work-Revolution ist da! … Nur: Wo ist sie denn?

Karriere-Expertin Svenja Hofert lieferte mir mit ihrem Blogbeitrag »Luther der Neuzeit« neulich eine Steilvorlage. Weil sie den Bogen raus hat, polarisierte sie darin herrlich und stellte New Work ins Abseits der Theorie: »Wo sind die Unternehmen die dies suchen? Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde Sie nicht.« Da konnte ich nicht an mich halten und ging mit einem eigenen Blogbeitrag steil: Nur weil sie New Work nicht sehen könne, dürfe sie doch daraus nicht schließen, dass es New Work nicht gäbe! Danach wurde die Diskussion differenziert und wirklich futterhaltig. Welche Brille gibt uns Durchblick? Svenja Hofert, und mit ihr viele weitere Menschen, vertreten die Ansicht, dass New Work ein sehr kleines Phänomen sei, nur selten zu beobachten wäre und in traditionellen Branchen wie beispielsweise Maschinen- oder Schiffbau in naher Zukunft schon mal gar nicht zu erwarten wäre. Ich bin anderer Meinung und halte das für einen Wrong Turn: Einen klassischen Beobachtungsfehler. Nun schlägt Frau Hofert hier vor, das nicht zuletzt in den USA sehr einflussreiche Modell ›Spiral Dynamics‹ heranzuziehen, um die in Frage gestellte Existenz …

New Work: Was ich nicht seh, das gibt es nicht …

Oh, da sind manche Leute aber gerade ganz schön sauer! Ich stieß neulich auf einen Gastbeitrag im offiziellen Microsoft Deutschland Presse Blog: Svenja Hofert, die Karriere-Expertin, deren Bücher und Artikel ich ansonsten durchaus schätze, echauffierte sich vehement über die Protagonisten der ›New Work‹. Irrationalen Trends aufsitzende Theoretiker seien das. Sie schwärmten von Flexibilität in Job und Leben, von Internet for Free, von intrinsischer Motivation und Glück und Freiheit bei der Arbeit. Die »Arbeitswirklichkeit« sei aber nunmal ein andere: Flexibilität? Selten! Selbstbestimmung? Stattdessen dominieren doch Politik und Machtspiele! Selbständig und unternehmerisch denken? Da kannst du gleich deinen Aufhebungsvertrag unterschreiben! Die idealistischen Theoretiker der New Work würden sie so ärgerlich machen, schreibt Hofert, weil es die Unternehmen, von denen diese schwärmten, einfach nicht gäbe: »Zeigen Sie mir diese, bitte! Ich finde sie nicht!« So, jetzt darf ich mich aber mal ärgern, denn das ist nicht mehr und nicht weniger als ein lupenreiner Wrong Turn! Und damit mag ich jetzt Frau Hofert überhaupt nicht in die Pfanne hauen, sondern möchte hier nur mal etwas klarstellen: An alle, die genauso …