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Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:

Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹

Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser.

Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen.

Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er sah dieses Team und beobachtete, wie sie das so machten mit ihrer eigenen Organisation. Er fing es an aufzuschreiben und eine Methode daraus zu entwickeln. Er publizierte ein Buch und hielt Vorträge in der ganzen Welt und wurde berühmt für diese Methode.

Er hatte seine Jünger, die ihm seine Methode abkauften und sie auch einsetze in anderen Teams, die meist … tatsächlich gar nicht so erfolgreich waren damit. Plötzlich merkte der Berater ﹣ oder war es doch der Professor: ›ich habe da einen Fehler gemacht. Ich hatte gedacht, ich beobachte ein Team und eine Methode, zwei ganz unterschiedliche Dinge. Aber es war gar nicht die Methode, die das Team erfolgreich machte. Es war das Team, das die Methode erfolgreich machte.

 

 

 

Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 8. Oktober 2015: Bullshit Royal – Warum Sie mit Methoden nur scheitern können


 

 

 

2 Kommentare

  1. Pingback: Das wünsch' ich Ihnen - Prof. Dr. Lars Vollmer

  2. Verehrter Lars,

    in die Falle bin ich auch gerade geballert. Ich habe vor einigen Jahren das Unternehmen gewechselt, andere Branche, gleiche Aufgabe, nämlich Qualitätsmanagement. Das neue Unternehmen hatte mit überaus unerfreulich vielen Kundenbeschwerden zu kämpfen und die Fähigkeit, irgendwie im Sinne des Kunden zu Lösungen zu kommen, war nicht vorhanden.

    Als neuer Mitarbeiter war ich dösig genug, das was wir in meinem Vorgängerunternehmen als effiziente Methode zur Problemlösung angewandt haben in den Ring zu werfen. Natürlich mit dem deutlichen Hinweis, wie erfolgreich das Dingenskirchen dort gelaufen ist. Das war auch so und ich habe die Methode dort ein paar Jahre lang als Trainer unter den arbeitenden Teil der Truppe gebracht.

    Nach kurzem Umreißen der Methode war mein neuer Geschäftsführer sofort der Auffassung, dass wir genau so vorgehen müssten, um die Reklamationsquote in den Griff zu bekommen.

    Das hätte auch funktioniert, wenn da nicht ein ganz kleiner Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Unternehmen gewesen wäre: Erstere waren Dienstleister, die jeden Tag mit Kunden zu tun hatten und deren Zufriedenheit oder Unzufriedenheit direkt erfahren haben. Letztere produzierten Teile für den Maschinen- und Anlagenbau und Kundenkontakte wurden vom Managementteam wahrgenommen. Ab der mittleren Führungsebene waren Kunden ferne Wesen, die störend in den Produktionsalltag eingriffen. Während die einen mit gelösten Problemen zum Kunden marschiert sind und zeigen konnten, wie toll sie sind, haben die anderen noch nicht mal im Ansatz verstehen können, wozu eine solche Methodik gut sein soll.

    Ich habe daraus gelernt, mich gründlich mit den Anwendern zu befassen, bevor ich irgendwelche Methoden vorschlage.

    Grüße aus Hannover,
    Frank

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