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Ep. 63 Prioritäten – Wenn der Eilt-Stempel eilt

Die Episode 63 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:

Es wirkt schon manchmal unfreiwillig tragisch und zugleich komisch, wenn ein Unternehmen versucht, ein Problem mit dessen eigentlicher Ursache zu lösen. Schön kann man das zum Beispiel sehen, wenn man anfängt mit Prioritäten zu jonglieren. Da sind Unternehmen extrem einfallsreich.

Sie merken, dass Projekte, Aufgaben oder Aufträge immer mal wieder zu spät beim Kunden ankommen. Jetzt glauben sie, dass es an mangelnden Prioritäten läge. So, und jetzt kaufen sie sich beispielsweise eine Stempel. Auf dem steht dann: EILT. Und damit versuchen sie es nun, besser zu machen.

Der Stempelverkäufer kann eigentlich seinen Laden jetzt unmittelbar neben der Firma aufmachen, denn es werden nicht viele Tage vergehen und schon braucht das Unternehmen den zweiten Stempel. Unbedingt. Auf dem steht: EILT SEHR. Auch beliebt sind sog. ›Top Ten‹-Aufträge – davon gibt es dann Hunderte im Unternehmen.

Das kurioseste Beispiel ist mir untergekommen, als ein Unternehmen vor Jahren begann,  Prioritäten von 1 bis 10 zu vergeben. Wobei ›10‹ am Wichtigsten und ›1‹ am Unwichtigsten bedeutete. Nur drei Jahre später gab es die Prioritäten 1 bis 6 de facto gar nicht mehr – die wurden nicht mehr vergeben. Nur noch 7 bis 10 und inzwischen auch schon ›11‹ und ›12‹. Und nun rief man eine Vorstandssitzung zur Frage ein, ob man nicht in Zukunft, aufgrund der mangelnden Termineinhaltung, die Prioritäten ›13‹, ›14‹ und ›15‹ einführen sollte…

Wenn das eigentliche Problem zu hohe Bestände sind, zu viel Multitasking und substanzielle Durchlaufzeitprobleme, wird man dem mit Prioritäten nicht gerecht. Im Gegenteil: man verschärft das Problem.

 

 

Sehen Sie dazu auch meinen GedankenGang vom 24. Juli 2014 aus New York: Teufelskreis des Projektmanagements


 

 

 

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