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Ep. 67 – Wenn Mitarbeiter ihre Firmen ins Boot holen müssen

Episode 67 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:

Wir müssen den Mitarbeiter mitnehmen. Immer und immer wieder höre ich diese Floskel. Erst neulich, ich war bei einem Kamingespräch eingeladen zum Thema »Industrie 4.0.« Das ist ja an sich schon eine sehr ulkige Debatte. Es kam von sehr hochrangigen Industrievertretern sehr häufig dieser Ausdruck: »Wir müssen die Mitarbeiter mitnehmen, um ihnen die neue Technologie zu erklären.« Damit sie halt nicht so viel Angst haben, vor dem was da kommt.

Ich habe die gegenteilige Position eingenommen, nämlich die, dass sehr viel häufiger oder mindestens genauso häufig die Firmen von ihren Mitarbeitern mitgenommen werden müssen. Denn die sind häufig technologisch, gerade was so das Internetzeugs angeht, viel viel schneller und viel viel feinfühliger unterwegs als es die Unternehmen sind.

Wenn ein Mitarbeiter als Privatperson zum Beispiel eine neue Schlauchverbindung für ihre Waschmaschine benötigt, dann geht sie ins Internet, wahrscheinlich zu Amazon und bestellt diese. Und womöglich ist sie Prime-Kunde, dann hat sie nach einem Tag, nach 24 Stunden, diese Schlauchverbindung bei sich zu Hause. Jetzt kommt sie als Mitarbeiter ins Unternehmen und braucht vielleicht für ihre Anlage irgendein Ersatzteil. Nun muss der Mitarbeiter sich das genehmigen lassen von seinem Meister, der Meister wiederum muss zu seinem Vorgesetzten, um zu prüfen ob es noch im Budget drin ist. Dann geht er in den Einkauf, dann müssen Angebote eingeholt werden. Meistens drei verschiedene; womöglich lässt man nochmal die Anbieter kommen und verhandelt miteinander. Dann wird bestellt, dann wartet man, dann wird geliefert. Und dann bekommt es der Mitarbeiter an den Tisch. Zack, da sind gerade mal acht Wochen vergangen, schon hat er die Sachen.

Das Zeitgefühl kriegt da eine ganz andere Verhältnismäßigkeit zwischen dem was der Mitarbeiter als Privatperson erlebt und das was er in seinem Unternehmen erlebt. Die Unternehmen sind dafür organisatorisch überhaupt gar nicht ausgelegt, dieses Geschwindigkeitsgefühl in irgendeiner Art und Weise zu kompensieren. Da liegt viel Arbeit vor den Unternehmen und die hat gar nicht mal soviel mit Industrie 4.0 zu tun.

 

 

Sehen Sie dazu auch meinen GedankenGang, Episode 52 vom 18. August 2015 vom Starnberger See: Industrie 4.0 – Segen oder Gefahr?

 

 


 

 

 

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