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Ep. 73 – Kannibalisierung: Denken wie im Industriezeitalter

Episode 73 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«:

Gestern habe ich den Satz wieder gehört: »Wir dürfen uns nicht kannibalisieren!« Und es war mal wieder – so langsam glaube ich nicht mehr an Zufälle – ein Vertreter der Automobilindustrie, der mit feucht getränkter Stimme von der Gefahr der Kannibalisierung sprach. Das ist schon fast eine quasi erotische Sorge, die die Automobilisten davor haben, Produkte auf den Markt zu bringen, mit denen sie ihren eigenen Konkurrenz machen.

Aber woher kommt der Gedanke, dass dies schlecht sei? Der muss aus einer Zeit stammen, in der wir kaum oder wenig Wettbewerb hatten. Aber heute, wo wir nicht mehr Verkäufermärkte, sondern wieder Käufermärkte haben (zugegeben eine Binsenweisheit), da ist doch die Gefahr viel größer, dass ein Anderer meinen Produkten Konkurrenz macht. Dass nicht ich mich kannibalisiere, sondern dass es ein anderer tut. Und dann ist doch die viel bessere Variante, dass ich es selber tue.

Und das nicht nur aus Wettbewerbssicht, sondern noch viel stärker behaupte ich: aus der Lern- und Entwicklungssicht. Wir müssen uns selbst den Auftrag geben, unser Produktportfolie massiv zu attackieren. Die Gefahr lautet also nicht, uns zu kannibalisieren, sondern dass es uns nicht gelingt Produkte zu entwickeln, die alle unsere bestehenden in z.B. 3 Jahren vom Markt fegen.

Durch diesen Leitgedanken lernen wir auch viel schneller und machen den Wettbewerb nicht stark. Also raus aus der Denke der Industrialisierung, ganz besonders in der Automobilindustrie.

 

 

Sehen Sie dazu auch meinen GedankenGang, Episode 50 vom 4. August 2015 aus Barcelona: Das Schnittstellen Dilemma

 

 

 

1 Kommentare

  1. Karl Leinstein sagt

    Es stimmt, Produkte auf den Markt zu bringen, die ähnlich der existenten sind aber neue Käuferschichten ansprechen, ist eine gute Idee. Da rede ich nicht von der Automobilindustrie. (Das würde dort wahrscheinlich gut funktionieren) Die Deutsche jedenfalls, hat ein ganz anderes Problem : TESLA .Zero Emission, ein sehr praktikables, sportliches Auto, jetzt Bauchfür ca 30.KEURO. Da hat man in der Pendeluhr geschlafen.
    Kein Plan B. Während MUSK schon an unterirdischen Transport denkt, (Für den ist TESLA schon abgeschlossen, machen eh seine Leute…) versuchen die Vorzeigeindustriekapitäne aus Deutschland Hybridantriebe, die TOYOTA schon ewig hatte, als Innovation zu verkaufen. …. Die haben offenbar nix verstanden.

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