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War Steve Jobs ein Zitronenfalter?

Wie konnte er es so weit bringen? Steve Jobs hat geniale Geräte bauen lassen, Design-Ikonen geschaffen, und gleich drei Industrien völlig umgekrempelt… Das Ergebnis gezielter Personalentwicklung? Eher weniger. Dieser Mann war beseelt von dem, was er tat. Und nur darum geht’s. Wir können nur dann wirklich gut sein und in dem besser werden, was wir tun, wenn wir es leidenschaftlich gern tun. Und ich bin überzeugt, da hilft keine Personalentwicklung.

Mich hat er ziemlich betroffen gemacht, der Tod von Steve Jobs. Nicht nur, weil ich mich als Fan von iPhone und iPad bezeichne. Nein, dieser Mann hat mich einfach als Mensch begeistert, was er tat und sagte. Und so muss ich in diesen Tagen oft daran denken, was ihn ausmachte, diesen wahrhaften Unternehmer. Und ich denke an die legendäre Rede vor College Studenten im Juni 2005 in Stanford. 3 Geschichten aus seinem Leben – »no big deal«. Geschichten über Mut, Glauben und Tod. Und womit schließt der Mann seinen Vortrag? Mit »Arbeitet hart für Euren Erfolg«? Nein. Stattdessen der Appell: »Ihr müsst lieben, was ihr tut. Ihr müsst die Dinge tun, von denen ihr überzeugt seid, dass sie gut sind.« Glaube und Überzeugung also. Und Leidenschaft. Und Sinnhaftigkeit. Nicht mehr und nicht weniger.

Und das würde ich mir so sehr wünschen für unsere Unternehmen. Dass sie mit Mitarbeitern gesegnet sind, die für das brennen, was sie tun! Die nicht an der Firma hängen, weil sie der Brötchengeber ist. Sondern, die das, was sie tun, lieben und ihr Unternehmen eher als Option sehen, das umzusetzen, was sie für gut und richtig halten. Stattdessen suchen viele von uns sich heute die Firma aus – nach Image, nach Gehaltsoptionen, nach Ort oder nach was auch immer. Aber eben nicht nach dem Sinn der Tätigkeit. Kaum einer geht los und sagt: »Ich will, dass diese Welt mit höheren Fahnenstangen gesegnet wird. Und mit wem kann ich das realisieren?«

So beginnen sie ihren planvollen Weg in einer Firma. Und dann kommt er – der Einsatz der Personalmanager und -entwickler. Die Karriereplanung. Was will man bis wann erreicht haben? Welche Qualifizierung steht einem in einer bestimmten Hierarchieebene zu? Ab wann bin ich Führungskraft – mit 3 oder erst mit 5 Mitarbeitern? Fragen, die bei mir alle Nackenhaare sträuben würden – wenn ich denn noch welche hätte. »Nein«, möchte ich dem Personalmanagement zurufen. »Jeder Euro Weiterbildung, der die extrinsische Motivation fördert, ist pure Verschwendung! Lassen Sie die Leute machen! Man kann gute Leute nicht ‚züchten’«. Und den Mitarbeitern möchte ich zurufen: »Verabschiedet Euch davon, dass andere Euer Schicksal in die Hand nehmen. Karriereplanung macht einen niemals richtig gut – und niemals wirklich glücklich.«

Personalentwickler können es eben nicht, Personal entwickeln. Eben so wenig wie die berühmten Zitronenfalter Zitronen falten können. Nun können Sie sagen, die Schmetterlinge dürfen ja dennoch existieren und durch die Gegend flattern – obwohl sie eben keine Zitronen falten. Richtig. Aber soweit ich weiß, tragen sie ihren Namen dennoch zu recht. Denn sie haben intensiv zitronengelbe Flügel. Und sie sind sogar Insekt des Jahres 2002 geworden. Also meinen Segen haben die possierlichen Tagfalter. Aber mit welchem Recht gibt man ehrwürdigen Menschen den Titel »Personalentwickler«? Sie managen die Qualifikation der Belegschaft, sie helfen maßgeblich dabei, die Mitarbeiter von Hierarchieebene zu Hierarchieebene zu lotsen. Aber entwickeln tut sich da meines Erachtens nichts und niemand. Und auch wenn ich jetzt einen nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung gegen mich aufbringe: Wenn Sie mich fragen, gehört dieser Berufsstand abgeschafft.

Falls Sie sich die Stanford-Rede von Steve Jobs noch einmal in Erinnerung rufen wollen, dann haben Sie hier die Möglichkeit dazu.

Und übrigens: Deutschlands angesehenste Wirtschaftszeitung BILD hat sogar eine Kurzfassung mit deutschem Untertitel zur Verfügung gestellt. Schauen Sie hier.

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