Alle Artikel in: Arbeit

Zukunft der Arbeit, New Work, happy working people, Neue Arbeitswelt

Arbeit für Erwachsene

Ein fürsorglicher Chef ist ein guter Chef. – Hm. Wirklich? Tatsächlich vertrete ich eher die gegenteilige Meinung, wenn es darum geht, welche Verantwortung ein Chef oder Unternehmer für seine Mitarbeiter trägt. Und diese Kontra-Position kommt nicht von ungefähr, sondern entspringt meiner ganz persönlichen Erfahrung. Ich bitte Sie, mir in ein früheres Jahrzehnt zu folgen … Lehrjahre Damals, als der Himmel noch blauer war als heute und die Ochsen größere Köpfe hatten, war ich jung und musste demzufolge irgendwie herausfinden, was ich werden wollte. Meine Berufsfindungsphase dauerte zugegebenermaßen eine Idee länger – mit dem Ergebnis, dass ich hinterher immer noch nicht wusste, was mir wichtig ist und was ich werden will. Nach dem Abi bewarb ich mich erstmal um eine Ausbildung bei einem großen Chemiekonzern, aber das Unternehmen schickte mich fort, vielleicht in weiser Voraussicht. So, und was macht man in Deutschland, wenn man keine Ahnung hat, was man tun soll? Richtig. Man studiert. Ich für meinen Teil studierte erstmal Maschinenbau, alleine schon deshalb, weil mich das Fach mehr interessierte als die meisten anderen. Zwischendurch probierte ich …

Ep. 72 – Meetings sind gar kein Problem

Episode 72 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Meetings sind ja zu einer echten Plage geworden, sagen viele. Das ist nachvollziehbar. Es sind viel zu viele. Sie dauern zu lange und sind durchsetzt mit Business-Theater. Viele Unternehmen versuchen darauf zu reagieren. Beispielsweise indem sie Meeting-Regeln aufstellen. Da habe ich neulich wieder welche gesehen. Da steht tatsächlich als erste Zeile: »Wir lassen uns ausreden«. Mein Sohn ist jetzt fünf Jahre alt und im Kindergarten. Dort stehen solche Sätze auch. Das heißt, wir infantilisieren die Mitarbeiter mit solchen Vorschriften, wie sie handeln sollen. Und gleichzeitig übertragen wir ihnen die Verantwortung für Millionen von Euro – das passt nicht im geringsten zusammen. Solche Besprechungsregeln sind im Übrigen völlig wirkungslos, denn die Meetings sind nicht das Problem, sie sind vielmehr die Folge eines Problems. Meetings sind wie Fieber. Fieber erzeugt der Körper als Reaktion auf eine dahinter liegende Krankheit – oft ein Virus. Der Körper setzt das Fieber ein, um dagegen anzukämpfen – um damit umzugehen. Und so ist das bei Meetings auch: Sie sind die vernünftige Reaktion der Organisation auf …

Ep. 71 – Meetings sind keine Arbeit

Episode 71 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Meetings sind zum Teil absurdes choreographiertes Business-Theater. Da wird am Vorabend des Meetings an einen völlig überdimensionierten Verteiler die Einladung geschickt. Der Chef sagt: »Ich komm fünf Minuten später, bitte fangen sie doch schon mal ohne mich an.« Er kommt dann 20 Minuten später und lässt sich alles noch mal aufrollen. Dann wird eine PowerPoint-Präsentation gehalten, an der – gefühlt – zehn Personen zwei bis drei Tage lang intensiv und penibelst an Inhalten, aber auch an Zeilenabständen und Strichstärken gearbeitet haben. Am Schluss wird dann immer auf den Tisch geklopft. Das ist wie bei Oma auf dem Geburtstag – alles so ritualisiert. Nichts gegen Höflichkeit, aber dieses Ritualisierte ist schon fast zum Fremdschämen. Und dann warten alle nach der Präsentation auf die HIPPO, also auf die Highest-Paid-Persons-Opinion, auf die Meinung des Höchstbezahlten im Raum. Gehälter sind zwar nicht transparent, aber trotzdem weiß jeder, wer diese Person ist. Entfleucht ein Lächeln über sein oder ihr Gesicht, so blasen alle in dasselbe Horn und heben das Positive des gezeigten Ansatzes hervor. Sind hingegen …

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

Hörbuch (endlich) erhältlich

Gute Nachricht: rund 6 Monate nach Erscheinen meines letzten Buches »Zurück an die Arbeit« ist die Hörbuchfassung erschienen. Ich durfte das Buch selber einlesen. Jetzt als CD bei amazon kaufen   Ein professionelles Hörbuchstudio strotzt nicht gerade vor Geräumigkeit, wie Sie auf dem Bild erahnen können. Und eine Lüftung ist aufgrund des extrem sensiblen Mikrophons auch nicht erlaubt. Sie können sich daher vorstellen, wie strapazierend die insgesamt 14 Studiostunden bei sommerlichen Außentemperaturen in München von knapp 30 Grad gewesen sind. Dennoch hat es mir viel Freude bereitet und ich hoffe, Sie genießen die 6,5 Stunden Laufzeit. Einen inspirierenden Hörgenuss wünsche ich Ihnen. Sie erhalten das Hörbuch sowohl als CD-Box mit 4 CDs, als auch zum Herunterladen, beispielsweise bei audible.de Jetzt Hörbuch herunterladen   Damit Sie einen Eindruck bekommen, habe ich Ihnen hier zwei Ausschnitte zusammengestellt, die Sie in Videoform hören (und schauen) können. Weitere Ausschnitte veröffentliche ich in den kommenden Tagen auf meinem Videokanal.

Macht Arbeit unglücklich?

Macht Arbeit unglücklich?

Seit der Buchveröffentlichung von »Zurück an die Arbeit« bin ich häufig mit der subtil vorwurfsvollen Frage konfrontiert worden, ob die Menschen wirklich so stark leiden, wie ich behaupte und ob man das Buch auch als Aufruf gegen Arbeit im Allgemeinen verstehen dürfe. Dazu möchte ich hier Stellung nehmen, so wie ich es auch schon im Buch getan habe: Mitarbeiter und ihre Chefs leiden nicht unter der Arbeit selbst. Auch dann nicht, wenn sie über ihren Job schimpfen oder am Feierabend im Familien- und Bekanntenkreis ihr tagtägliches Leid klagen. Nicht die Arbeit macht sie unfroh. Sondern das ganze andere Zeugs! Denn das ganze andere Zeugs, die unproduktiven Beschäftigungen, die lästigen Rituale, die unsinnigen Regeln, das Reporting, die wirkungslosen Programme und so weiter haben nicht nur die Eigenschaft, dass sie allen die Zeit zum Arbeiten stehlen, sie haben außerdem noch die unangenehme Eigenschaft, ständig das implizite Signal auszusenden: Du bist nicht richtig so, wie du bist. Du solltest anders sein. Du solltest besser sein! Jetzt MACH endlich! Die meisten Menschen, die einen Job haben, mögen ihn eigentlich sehr gerne. …

Wertschöpfung kommt nicht von ›Werte‹ - Für die Wertschöpfung ist es irrelevant, ob Jogi Löw ein Vorbild im Straßenverkehr ist oder nicht.

›Wertschöpfung‹ kommt nicht von ›Werte‹

Es ist schon erstaunlich! Da fordert Jogi Löw von seiner Mannschaft, für die Fans Vorbild zu sein, und lässt den Wolfsburger Fußballprofi Max Kruse wegen unprofessionellen Verhaltens nicht an Länderspielen teilnehmen – vielleicht erinnern Sie sich an letzten Monat, er hatte eine Bild-Reporterin angegriffen, die ihn unerlaubt fotografiert haben soll. Natürlich ist das nicht nett, keine Frage. Und Löw erntete breite Zustimmung dafür, mal wieder richtig durchgegriffen zu haben. Nun gibt es aber die berühmte andere Seite der Medaille, die seine Reaktion doch etwas verwunderlich erscheinen lässt: Löw selber wurde wegen Raserei schon mehrmals der Führerschein abgenommen – zuletzt kurz vor der Weltmeisterschaft 2014. Haben Sie sicherlich auch gelesen. Das nenne ich auch kein verantwortungsvolles Verhalten. Ja, da hat er seine geforderte Vorbildfunktion selber nicht erfüllt – und trotzdem hat er kurz darauf mit der Nationalmannschaft die WM gewonnen und einen Fußballwahn ausgelöst. Die Hoffnung lastet auf Vorbildern Was das eine mit dem anderen – und vor allem mit Ihnen – zu tun hat? Nun, der Vorfall brachte mich zu einer Frage, die auch für Unternehmen gilt: Warum sollen Führungskräfte unbedingt …

Die vierte Sorte der Verschwendung

Mura, Muri und Muda – bekanntermaßen sind das nicht die Cousinen von Tick, Trick und Track, sondern die drei großen Sorten operativer Verschwendung aus der Lean Management-Lehre. Die drei Ms sind Zeit- und Geldschleudern weil sie das Gegenteil wertschöpfender Aktivitäten repräsentieren und jede Organisation ist gut beraten, diese Verschwendungsquellen zu reduzieren. Spätestens seit den 1980er Jahren ist »Verschwendologie« zur Wissenschaft erhoben worden und wird wirksam verfolgt. Soweit so gut. Managementfolklore im sozialen System Es gibt allerdings noch eine vierte Sorte der Verschwendung, die aus Japan seinerzeit nicht übermittelt wurde. Ich gehe davon aus, dass sie damals irrelevant war und bei den Lean-Pionieren keinerlei Probleme verursacht hat. Mittlerweile ist sie aber zur vielleicht gewichtigsten und verlustreichsten Form der Verschwendung herangewachsen: die Managementfolklore. Darunter verstehe ich nun kein Märchen über die Entstehung von Management, sondern vielmehr alle Tätigkeiten in einem Unternehmen, die lediglich dazu dienen, die formale Struktur einer Organisation aufrechtzuerhalten. Die vierte Art der Verschwendung begehen Menschen, wenn sie nicht arbeiten, sondern Arbeit spielen. Das tun sie in Produktionshallen und gleichermaßen in den Büroetagen der Unternehmen. Und …

Zurück an die Arbeit. Sofort.

Liebe Unternehmerkollegen, liebe Geschäftsführer, liebe Führungskräfte, liebe Fachkräfte, in Ihren Unternehmen wird viel zu wenig gearbeitet! Und das liegt nicht an faulen Mitarbeitern oder fehlendem Fokus. Nein, Sie sind selbst daran schuld! Die meisten Mitarbeiter wollen nämlich viel mehr arbeiten. Ja, sie lechzen geradezu danach, endlich ihre wertschöpfende Kraft einbringen zu können, ohne ständig abgelenkt zu werden! Aber im Ablenken sind Sie ja großartig! Hier ein Meeting, da ein Mitarbeitergespräch, dort noch ein Bericht oder eine Powerpointbastelei. Welch eine Verschwendung! Solche verschwenderischen Tätigkeiten verbrauchen oft mehr als 50 % der Arbeitszeit, ist Ihnen das bewusst? Klar, dass Ihre Mitarbeiter dann zwanghaft versuchen, wenigstens so auszusehen, als würden sie arbeiten. Wie im Theater. Einem Business-Theater. Blöd nur, dass zu viel Theater auf Dauer krank macht – weil jeder normale Arbeiter nämlich darunter leidet. Und übrigens: Das spricht sich rum. Darum gehen theaterlastigen Unternehmen früher oder später auch die Leistungsträger aus. Und noch schlimmer: Auf solche sinn- und zwecklosen Unternehmen wird die Wirtschaft früher oder später ganz verzichten! Bevor Sie jetzt aber auf die Idee kommen, die …