Alle Artikel in: Arbeit

Zukunft der Arbeit, New Work, happy working people, Neue Arbeitswelt

Ep. 65 Management hält den Müllmann von der Arbeit ab

Staffelstart 2017 – die Episode 65 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Ich habe da neulich einen Artikel gelesen, im Stern oder war es das Zeit-Magazin? Ja, das Zeit-Magazin. Da wurde ein Müllmann befragt, ob er denn seine Arbeit gerne machen würde? Er würde doch bei Partys eher so ein bisschen drum herum drucksen bei der Frage, was er denn überhaupt beruflich macht. Schon an sich ganz schön arrogant die Frage! Aber er sagte: „Nee, nee meine Arbeit ist super, ich bin viel draußen, ich tue was wirklich Sinnvolles und kann viel selbst einteilen. Das ist eigentlich toll.“ Da war die Interviewerin doch recht verdutzt und hakte noch einmal nach. „Das heißt, sie sind mit ihrem Job wirklich rund um zufrieden?“ „Nö, überhaupt nicht.“ sagte der. „Mit meinem Job bin ich gar nicht zufrieden. Denn wir haben jetzt einen neuen Disponenten, der macht so komische Touren. Da müssen wir jetzt rückwärts in eine Einbahnstraße und den neuen LKW den die gekauft haben… Jetzt müssen wir noch so Berichte schreiben über unsere Touren und dann gibt’s so Meetings. …

Ich war noch niemals in New Work …

Neulich wurde ich bei einem Radiointerview gefragt, ob ich es gut fände, dass ein Unternehmen jetzt für seine Mitarbeiter kostenlos gekühlte Getränke anbietet. Ich war ehrlich gesagt einen Moment lang perplex. Was kann man darauf Vernünftiges sagen? – Gut, ich hätte einfach ja sagen können, das wäre das einfachste gewesen. Aber leider hätte ich dann gelogen. Genauso wie wenn ich nein gesagt hätte. Die Frage selbst ist nämlich zu hinterfragen, bzw. die Denke, die hinter der Frage steckt. Also sagte ich: »Wenn ungekühlte Getränke bisher kein Problem waren, dann kann ein Kühlschrank nicht die Lösung sein.« – Nun war der Moderator perplex. Mit Turnschuhen, Laptop und Bürohund Der Kühlschrank für die Mitarbeiter stand in diesem Interview symbolisch für ein sehr interessantes Phänomen, das da seit einiger Zeit in unserer Wirtschaft heranwächst, ja, das man schon mit Fug und Recht eine Bewegung nennen kann: New Work. Der Begriff wurde 2004 vom Philosophen Frithjof Bergmann eingeführt. Er suchte nach einer Alternative zur Knechtschaft der Lohnarbeit, nach einer Neuen Arbeit mit Freiräumen zur Entfaltung der Persönlichkeit in Übereinstimmung …

Hörbuch (endlich) erhältlich

Gute Nachricht: rund 6 Monate nach Erscheinen meines letzten Buches »Zurück an die Arbeit« ist die Hörbuchfassung erschienen. Ich durfte das Buch selber einlesen. Jetzt als CD bei amazon kaufen   Ein professionelles Hörbuchstudio strotzt nicht gerade vor Geräumigkeit, wie Sie auf dem Bild erahnen können. Und eine Lüftung ist aufgrund des extrem sensiblen Mikrophons auch nicht erlaubt. Sie können sich daher vorstellen, wie strapazierend die insgesamt 14 Studiostunden bei sommerlichen Außentemperaturen in München von knapp 30 Grad gewesen sind. Dennoch hat es mir viel Freude bereitet und ich hoffe, Sie genießen die 6,5 Stunden Laufzeit. Einen inspirierenden Hörgenuss wünsche ich Ihnen. Sie erhalten das Hörbuch sowohl als CD-Box mit 4 CDs, als auch zum Herunterladen, beispielsweise bei audible.de Jetzt Hörbuch herunterladen   Damit Sie einen Eindruck bekommen, habe ich Ihnen hier zwei Ausschnitte zusammengestellt, die Sie in Videoform hören (und schauen) können. Weitere Ausschnitte veröffentliche ich in den kommenden Tagen auf meinem Videokanal.

Macht Arbeit unglücklich?

Macht Arbeit unglücklich?

Seit der Buchveröffentlichung von »Zurück an die Arbeit« bin ich häufig mit der subtil vorwurfsvollen Frage konfrontiert worden, ob die Menschen wirklich so stark leiden, wie ich behaupte und ob man das Buch auch als Aufruf gegen Arbeit im Allgemeinen verstehen dürfe. Dazu möchte ich hier Stellung nehmen, so wie ich es auch schon im Buch getan habe: Mitarbeiter und ihre Chefs leiden nicht unter der Arbeit selbst. Auch dann nicht, wenn sie über ihren Job schimpfen oder am Feierabend im Familien- und Bekanntenkreis ihr tagtägliches Leid klagen. Nicht die Arbeit macht sie unfroh. Sondern das ganze andere Zeugs! Denn das ganze andere Zeugs, die unproduktiven Beschäftigungen, die lästigen Rituale, die unsinnigen Regeln, das Reporting, die wirkungslosen Programme und so weiter haben nicht nur die Eigenschaft, dass sie allen die Zeit zum Arbeiten stehlen, sie haben außerdem noch die unangenehme Eigenschaft, ständig das implizite Signal auszusenden: Du bist nicht richtig so, wie du bist. Du solltest anders sein. Du solltest besser sein! Jetzt MACH endlich! Die meisten Menschen, die einen Job haben, mögen ihn eigentlich sehr gerne. …

Wertschöpfung kommt nicht von ›Werte‹ - Für die Wertschöpfung ist es irrelevant, ob Jogi Löw ein Vorbild im Straßenverkehr ist oder nicht.

›Wertschöpfung‹ kommt nicht von ›Werte‹

Es ist schon erstaunlich! Da fordert Jogi Löw von seiner Mannschaft, für die Fans Vorbild zu sein, und lässt den Wolfsburger Fußballprofi Max Kruse wegen unprofessionellen Verhaltens nicht an Länderspielen teilnehmen – vielleicht erinnern Sie sich an letzten Monat, er hatte eine Bild-Reporterin angegriffen, die ihn unerlaubt fotografiert haben soll. Natürlich ist das nicht nett, keine Frage. Und Löw erntete breite Zustimmung dafür, mal wieder richtig durchgegriffen zu haben. Nun gibt es aber die berühmte andere Seite der Medaille, die seine Reaktion doch etwas verwunderlich erscheinen lässt: Löw selber wurde wegen Raserei schon mehrmals der Führerschein abgenommen – zuletzt kurz vor der Weltmeisterschaft 2014. Haben Sie sicherlich auch gelesen. Das nenne ich auch kein verantwortungsvolles Verhalten. Ja, da hat er seine geforderte Vorbildfunktion selber nicht erfüllt – und trotzdem hat er kurz darauf mit der Nationalmannschaft die WM gewonnen und einen Fußballwahn ausgelöst. Die Hoffnung lastet auf Vorbildern Was das eine mit dem anderen – und vor allem mit Ihnen – zu tun hat? Nun, der Vorfall brachte mich zu einer Frage, die auch für Unternehmen gilt: Warum sollen Führungskräfte unbedingt …

Die vierte Sorte der Verschwendung

Mura, Muri und Muda – bekanntermaßen sind das nicht die Cousinen von Tick, Trick und Track, sondern die drei großen Sorten operativer Verschwendung aus der Lean Management-Lehre. Die drei Ms sind Zeit- und Geldschleudern weil sie das Gegenteil wertschöpfender Aktivitäten repräsentieren und jede Organisation ist gut beraten, diese Verschwendungsquellen zu reduzieren. Spätestens seit den 1980er Jahren ist »Verschwendologie« zur Wissenschaft erhoben worden und wird wirksam verfolgt. Soweit so gut. Managementfolklore im sozialen System Es gibt allerdings noch eine vierte Sorte der Verschwendung, die aus Japan seinerzeit nicht übermittelt wurde. Ich gehe davon aus, dass sie damals irrelevant war und bei den Lean-Pionieren keinerlei Probleme verursacht hat. Mittlerweile ist sie aber zur vielleicht gewichtigsten und verlustreichsten Form der Verschwendung herangewachsen: die Managementfolklore. Darunter verstehe ich nun kein Märchen über die Entstehung von Management, sondern vielmehr alle Tätigkeiten in einem Unternehmen, die lediglich dazu dienen, die formale Struktur einer Organisation aufrechtzuerhalten. Die vierte Art der Verschwendung begehen Menschen, wenn sie nicht arbeiten, sondern Arbeit spielen. Das tun sie in Produktionshallen und gleichermaßen in den Büroetagen der Unternehmen. Und …

Zurück an die Arbeit. Sofort.

Liebe Unternehmerkollegen, liebe Geschäftsführer, liebe Führungskräfte, liebe Fachkräfte, in Ihren Unternehmen wird viel zu wenig gearbeitet! Und das liegt nicht an faulen Mitarbeitern oder fehlendem Fokus. Nein, Sie sind selbst daran schuld! Die meisten Mitarbeiter wollen nämlich viel mehr arbeiten. Ja, sie lechzen geradezu danach, endlich ihre wertschöpfende Kraft einbringen zu können, ohne ständig abgelenkt zu werden! Aber im Ablenken sind Sie ja großartig! Hier ein Meeting, da ein Mitarbeitergespräch, dort noch ein Bericht oder eine Powerpointbastelei. Welch eine Verschwendung! Solche verschwenderischen Tätigkeiten verbrauchen oft mehr als 50 % der Arbeitszeit, ist Ihnen das bewusst? Klar, dass Ihre Mitarbeiter dann zwanghaft versuchen, wenigstens so auszusehen, als würden sie arbeiten. Wie im Theater. Einem Business-Theater. Blöd nur, dass zu viel Theater auf Dauer krank macht – weil jeder normale Arbeiter nämlich darunter leidet. Und übrigens: Das spricht sich rum. Darum gehen theaterlastigen Unternehmen früher oder später auch die Leistungsträger aus. Und noch schlimmer: Auf solche sinn- und zwecklosen Unternehmen wird die Wirtschaft früher oder später ganz verzichten! Bevor Sie jetzt aber auf die Idee kommen, die …

Ep. 60 Timeout – Problemlösung ohne Agenda

Die Episode 60 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Na ja, über Meetings scheinen sich ja eigentlich alle einig zu sein. Die sind ineffektiv, ineffizient, langweilig, frustrierend, nervtötend und eigentlich auch immer voller Theaterspielerei. Meine Lieblingsalternative sind die sogenannten »Timeouts«, die wir beispielsweise aus dem Basketball gut kennen. Die finden immer nur statt, wenn es die jeweilige Situation erfordert und nicht weil ein Standard-Agenda-Meetingplan so etwas vorsieht. Und eine Agenda gibt es auch nicht. Ein Timeout findet ad hoc statt – in dem Moment – und zwar ausschließlich erzeugt aus dem Problem, was alle gemeinsam lösen wollen. Und so gibt’s kaum Taktik, kaum soziales Theater, sondern alle sind auf die Problemlösung fokussiert. Es wird meistens vom Trainer einberufen, manchmal auch sogar von den Spielern, und sportartbedingt im Stehen – obgleich das auch für manche Companies eine gute Lösung ist. Ich steh total auf Timeouts!       Lesen Sie dazu auch meine Kolumne vom 7. August 2015: Meeting-Massaker: Wozu kein Mensch Sitzungen braucht        

Ep. 58 Das Methoden Märchen

Die Episode 58 der Video-Reihe »Vollmers GedankenGänge«: Es war einmal ein Team. Keiner wußte genau, wie es zustande gekommen war, aber plötzlich war es da. Es hatte die Aufgabe, ein wirklich anspruchsvolles Kundenproblem zu lösen. Ein wichtiger Kunde war es. Sie fingen an zu arbeiten und kamen den ersten Lösungsschritten schon näher, merkten aber irgendwann: ›wir müssen uns auch vernünftig organisieren. So einfach funktioniert das nicht.‹ Der Erste schlug vor: ›lass uns doch Magnetchips nehmen, die wir dann irgendwo hinpinnen‹ ﹣ aber es funktionierte nicht richtig. Der nächste sagte: ›vielleicht schaffen wir es irgendwie mit Karten, die wir dann weiterbewegen, je nachdem wie weit wir mit dem Fortschritt der Aufgabe sind‹ ﹣ und es funktioniert schon etwas besser. Und sie arbeiteten weiter und lösten das Kundenproblem. Irgendwann war es gelöst und sie waren sehr glücklich und sehr stolz und bekamen auch die Aufgabe, das nächste Problem in der gleichen Art und Weise zu lösen. Dann tauchte plötzlich ein Berater auf ﹣ oder war es ein Professor, so genau weiß es gar keiner mehr. Und er …

Meeting-Massaker: Wozu kein Mensch Sitzungen braucht

35 Grad im Raum, die Krawatte kneift, Sie schwitzen in Ihrem Anzug und der Kollege hört nicht auf zu quatschen. Der nächste Mitarbeiter fällt ihm ins Wort und widerspricht vehement. Alle versuchen zu einer Entscheidung zu kommen. Und sich dabei gegenseitig zu überzeugen. »Aber Herr Kollege, das Argument sticht doch gar nicht, die Sachlage ist eine ganz andere. Mein Vorschlag zur Lage ist im Grunde genommen alternativlos, sehen Sie das doch bitte endlich ein.« »Ihre Lösung haben wir bereits vor acht Jahren einmal diskutiert, da ist sie völlig zurecht mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Im Sinne des ganzen Unternehmens sehe ich es als meine Pflicht an, uns vor dieser falschen Entscheidung zu schützen« »Aber meine Herren, wir müssen doch hier eine Lösung finden, lassen Sie uns doch die Sache noch einmal ganz nüchtern betrachten…« Sie hatten es befürchtet! Noch immer nicht Schluss! Nach einer weiteren halbstündigen Diskussion nimmt die Chefin das Zepter in die Hand. »Wenn wir zu keinem Konsens kommen, entscheide ich. Variante zwei. Punkt. Meeting beendet. Danke meine Damen und Herren. Zurück an die Arbeit.« …